Der Fluch der Schriftrollen
- Автор: Вуд Барбара
- Язык: немецкий
- Переводчик: Xenia Gharbi
- Жанр: Современные любовные романы
Электронная книга - «Der Fluch der Schriftrollen». Краткое содержание книги:
Benjamin Messer, ein Mittdreißiger und selbst jüdischer Herkunft, ist Dozent für Orientalistik an der Universität von Los Angeles. Die Entzifferung alter Handschriften ist sein Spezialgebiet, und er macht sich mit Feuereifer an die herausfordernde Übersetzungsarbeit.
Zu seiner Überraschung handelt es sich bei den Texten nicht um religiöse Aufzeichnungen, wie etwa bei den berühmten Qumran-Rollen, sondern um die Niederschrift einer Art Lebensbeichte. David Ben Jona, ein jüdischer Bewohner Palästinas, hat sie im ersten Jahrhundert, wenige Jahrzehnte nach Christi Tod, für seinen Sohn verfaßt. Binnen kurzem ist Benjamin Messer von deren Inhalt wie verhext. Erinnerungen an seine eigene verdrängte Vergangenheit werden wach, an seine streng orthodoxe Erziehung, an den Vater, der in Majdanek ermordet wurde… Die Texte beginnen mit einem» Fluch des Mose «gegen alle, die sich die Schriften unrechtmäßig aneignen
Wir alle kamen früh mit Eleasar vom Tempeclass="underline" Saul und ich und die vier anderen Knaben, die bei uns wohnten. Rebekka und Rahel waren emsig beim Kochen und beeilten sich, um vor Sonnenuntergang fertig zu werden. Ich ging sofort hinauf, um mich zu waschen und mich für die Gebete vorzubereiten. Da bemerkte ich, daß Saul mir nicht folgte. Nach kurzem Warten stieg ich wieder hinunter und fand ihn zu meiner Überraschung in der Küche. Rebekka hatte ungewöhnlich rotes Haar und blaßgrüne Augen. Ich werde niemals die Art und Weise vergessen, wie sie errötete, als Saul uns miteinander bekanntmachte. Rahel, die vier Jahre älter und wenig hübsch war, nickte mir zu und fuhr mit der Arbeit fort. Saul und ich machten Rebekka so gut wir konnten den Hof, wobei wir natürlich durch unser linkisches Auftreten und unsere Unerfahrenheit behindert wurden. Sie war sechzehn, ein Jahr jünger als wir.
Eleasar schien nichts dagegen zu haben, daß wir dem Madchen mit ausgesuchter Höflichkeit begegneten, und war, wie ich glaube, belustigt. Sie blieb zum Essen bei uns, mußte danach aber ins Haus ihres Vaters zurückkehren, während Rahel dablieb, um Ruth zu pflegen.
Eleasar wählte mich, um Rebekka zu begleiten. Ich habe mich nie in meinem Leben — weder zuvor noch danach — zugleich so unbehaglich und so glücklich gefühlt. Rebekka war ein reizendes Mädchen, schüchtern und doch gefällig, mit einem lustigen Lachen, das ich gerne hörte. Wir sprachen wenig, als wir durch die dunklen Straßen liefen; dennoch war unser Schweigen weniger verlegen als erwartungsvoll.
An ihrem Haus angelangt, das voller Kinder und hell erleuchtet war, stellte sie mich ihrem Vater vor, der tief beeindruckt war, einen Schüler des Gesetzes vor sich zu haben. Er lud mich ein, zu bleiben, aber ich bestand darauf, heimzugehen — so sehr es mich auch betrübte, Rebekka zu verlassen —, denn ich wollte die Abendstudien mit Eleasar nicht versäumen.
Rahel blieb während der ganzen Zeit, in der Ruth krank war, bei uns, und ich sah Rebekka noch viele Male danach.
Kapitel Acht
Ben ging geradewegs ins Badezimmer und besprengte sein Gesicht mit eiskaltem Wasser. Während er es mit einem groben Handtuch trockenrieb, lief er ins Arbeitszimmer zurück und schaute auf die Uhr. Es war sechs Uhr dreißig. Die Sonne war vor einer halben Stunde aufgegangen.
Das Arbeitszimmer glich einem Schlachtfeld. Während seiner langen Übersetzungsnacht hatte Ben jedes Nachschlagewerk, das er besaß, herausgezogen, hatte über jedem Wort und jedem Buchstaben Davids geschwitzt, hatte kontrolliert und gegengeprüft und schließlich in einem Durcheinander von Büchern, Papieren und Tabakresten sein Werk beendet.
Er rieb seine schmerzenden Arme und hinkte in die Küche, um sich einen Pulverkaffee zu bereiten. Auf dem Weg durchs Wohnzimmer bemerkte er, daß seine Schreibmaschine wieder in ihrem Koffer auf dem Tisch stand und daß ein Stoß Papier fein säuberlich darauf lag. Sein Übersetzungsheft und eine tadellos getippte Abschrift lieferten den einzigen Beweis dafür, daß Judy dagewesen war. Er schaute aus dem Fenster auf den bedeckten Himmel. Die Gehsteige waren noch immer naß, die Bäume glänzten vom Regen. Wann war sie gegangen? Wann hatte sie leise ihre Arbeit beendet und war auf Zehenspitzen, ohne ein Wort zu sagen, aus der Wohnung geschlichen?
Ben ging in die Küche. Die beiden Kaffeetassen und die Teller vom Vorabend waren gespült und weggestellt worden. Der nicht verzehrte Kuchen lag, sauber in Zellophan eingewickelt, auf einer Ablage im Kühlschrank.
Er konnte sich an ihr Weggehen nicht erinnern. Eine halbe Stunde später, als er mit seinem Kaffee und dem
Übersetzungswust von Rolle fünf auf dem Schoß auf der Couch saß, wurde Ben von einem Klopfen an der Tür aufgeschreckt. Lächelnd stand er auf und dachte bei sich: >Aha, Judy, Sie sind also zurückgekommen, um mir zu sagen, was für ein miserabler Gastgeber und rücksichtsloser Arbeitgeber ich bin. Wieviel schulde ich Ihnen für das Tippen? Ich zahle Ihnen das Doppeltem Zu seiner Überraschung war es nicht Judy.»Angie!«rief er erstaunt.
«Hallo, Liebling!«Frisch und lebhaft kam sie herein, drückte ihm einen Kuß auf die Wange und hielt ihre Nase in die Luft.»Rieche ich Kaffee?«
«Es ist Pulverkaffee«, erklärte er verwirrt.
«Das ist mir auch recht. «Angie drehte sich lächelnd zu ihm um.»He, du hast dich ja noch gar nicht rasiert. Bin ich zu früh?«
«Wofür?«
Sie lachte.»Ein Komiker zu dieser frühen Morgenstunde! Weißt du, ich habe versucht, dich anzurufen, bevor ich weggefahren bin. Ich wollte sichergehen, daß du auch schon auf bist. Aber deine Leitung war belegt. Hast du schon wieder den Hörer abgenommen? Ganz schön ungezogen von dir!«
Sie wandte sich um und ging in Richtung Küche davon. Als er sie so betrachtete, ihren schlanken Körper in den engen, gelben Hosen und der geblümten Bluse, da fiel es ihm plötzlich siedendheiß ein.»O Gott!«murmelte er. Und ein flaues Gefühl überkam ihn. Ben stellte sich neben die Küchentür und beobachtete Angie, die dabei war, Kaffee zu machen. Er fragte sich, wie er seinen nächsten Satz in Worte fassen sollte. Alles, was er herausbrachte war:»Angie. «Das reichte. Sie war eben im Begriff, den Pulverkaffee in ihre Tasse zu löffeln, doch plötzlich hielt sie inne, erstarrte für eine Sekunde, dann stellte sie das Kaffeeglas hin und drehte sich zu Ben um:»Was ist eigentlich los?«
«Angie, ich bin nicht eben gerade aufgestanden. Ich war die ganze Nacht auf. Ich bin überhaupt nicht ins Bett gegangen.«
«Warum nicht?«
Er erklärte, daß der Nachbar für das Einschreiben quittiert und es erst später heraufgebracht hatte. Angies Gesicht blieb ausdruckslos, ihre Stimme eintönig.»Warum hast du mich dann nicht angerufen?«Ben rang nach Worten.»Ich war so aufgeregt. Ich habe es wohl vergessen.«
Angie schaute einen Augenblick lang zu Boden und rang sichtlich mit sich selbst. Als sie wieder zu ihm aufsah, hatte sie einen rätselhaften Ausdruck in den Augen.»Du hast es vergessen. Du hast alles, was mich betrifft, vergessen.«
«Ja«, antwortete er kaum lauter als ein Flüstern.»Also gut. «Sie begann zu zittern.»Angie, ich.«
«Ben, du wirst es vielleicht nicht glauben, aber ich gebe mir alle Mühe, Verständnis für dich aufzubringen. Du siehst, es ist nicht einfach für mich. «Mit einiger Mühe drängte sie sich an ihm vorbei und lief ins Wohnzimmer.»Es war niemals so, Ben«, fuhr sie mit fester Stimme fort.»Früher hast du immer Zeit für mich gefunden, ganz egal wie wichtig ein Auftrag war. Aber die Dinge liegen nun anders. Du bist anders. Warum bist du mit einemmal so.. verändert?«Er streckte hilfesuchend die Hände aus.
Ja, dachte Angie nun sachlich, Ben hatte sich verändert. Wo war nur der ausgeglichene, berechenbare Ben, den sie bis dahin gekannt hatte? Statt dessen sah sie einen seltsam irrationalen Menschen vor sich, der ständig zwischen zwei Persönlichkeiten schwankte. Und es schien, als wäre er sich dessen nicht einmal bewußt, als hätte er keine Gewalt mehr über sich.
Ganz so, als würde er von irgend jemandem beeinflußt. Sie sah ihn aus schmalen Augen durchdringend an. Was war neben seinem sprunghaften Wesen noch anders an ihm? Welche äußerlichen Veränderungen hatte er durchgemacht? Oh, gewiß, sie waren ihr schon vorher aufgefallen, doch sie hatte geflissentlich darüber hinweggesehen, sie einfach nicht beachtet. Diesmal aber musterte sie Ben mit anderen Augen und stellte die leichten Veränderungen fest, die sich allmählich an ihm vollzogen hatten.