Im Anfang war der Mord
- Автор: Джордж Элизабет
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- ISBN: 3442459532
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
Noch dazu mit jemandem, dessen Name ihm bekannt vorkam. Julius Maxwell. Alles, was Mitch dazu einfiel, war der Geruch von Geld. Dann war sie also vermutlich nicht pleite. Er spähte in ihre Geldbörse und sah ein paar Scheine. Nicht viele. Also blätterte er ihr Scheckheft durch und pfiff zum dritten Mal durch die Zähne. Oho! Eine abgebrannte Obdachlose war die nicht.
Mitch fuhr sich mit der Hand durchs Haar und
überdachte seine prekäre Lage. Da bot er nun einer wohlhabenden, verheirateten, besinnungslos betrunkenen Dame aus Santa Barbara Unterschlupf. Was sollte er bloß mit ihr machen?
Die Tasche enthielt nichts, was ihm verraten hätte, wo hier in der Gegend sie abgestiegen war. Der Brief war von einer Frau in San Francisco und enthielt nur Klatsch.
Was war also zu tun?
Nun, er könnte die Polizei rufen und sie denen unterjubeln. Das konnte er sich aber schlecht vorstellen.
Oder er könnte bei Maxwell in Santa Barbara anrufen und, falls der Gatte dort war, um weitere Anweisungen bitten oder, falls er nicht dort war, konnte Mitch doch sicher erfahren, wo Mrs. Maxwell in Los Angeles wohnte, und sie dort abladen. All das ging ihm durch den Kopf und wurde verworfen.
Denn wieso einem Mitmenschen Demütigungen und Probleme bereiten? Dass sie krank war, glaubte er nicht.
Bloß total besoffen. Früher oder später würde der Nebel verfliegen, und sie würde zu sich kommen. In der Zwischenzeit war sie da, wo sie war, absolut sicher. Der Himmel wusste, dass er nichts Übles im Schilde führte.
Außerdem war er — Mitchel Brown, Bühnenautor, Künstler, Mitgefühlsapostel — kein bürgerlicher, ängstlich um seinen Ruf besorgter Konformist, wenn es darum ging, etwas zu tun, was» man «nicht tat. Sollte er — als der, der er war — dieses Menschenwesen etwa beim Gesetz oder gar dem eigenen Ehemann in Schwierigkeiten bringen?
Wenn dieses Menschenkind, aus irgendeinem menschlichen Grund, bloß ein bisschen zu viel Alkohol zu sich genommen hatte? Er brachte es nicht fertig.
Okay. Er war von seiner Stimmung und Toby, dem Barkeeper, der ihn hinterlistig im Stich gelassen hatte, in die Rolle des Samariters gedrängt worden. Wieso also nicht gleich der barmherzige Samariter sein? Ihr was Gutes tun.
Der Gedanke gefiel ihm. Er hatte das Gefühl, es würde ihm Glück bringen. Ihr was Gutes zu tun. Weiß Gott, dass wir das alle brauchen können, dachte er fromm.
Also kritzelte Mitch einen Zettel. Liebe Mrs. Maxwell, Sie können mein Telefon benutzen, wenn Sie möchten.
Oder mein Gast sein, solange Sie es für nötig halten.
Er unterschrieb, ging ins Schlafzimmer, holte eine leichte Decke und breitete sie über sie. Sie schnarchte leise. Er betrachtete ihr Gesicht noch einmal eingehend.
Den Zettel legte er auf den Teppich unter ihre Schuhe, wo sie ihn bestimmt sehen würde. Dann ging er ins Schlafzimmer, machte die Tür zu und ging zu Bett.
Frühmorgens am St. Patrickstag wachte Mitchel Brown auf und war vollkommen ausgehungert. Er hatte vergessen, etwas zu essen. Da fiel ihm ein: New York!
Flugzeug erwischen! Packen!
Er wollte gerade in die Küche gehen, als ihm an der Schlafzimmertür die Dame in den Sinn kam. Also machte er kehrt und zog vor dem Hinausgehen einen Morgenmantel an.
Er hätte sich die Mühe sparen können. Sie war weg. Ihre Schuhe waren weg. Ihre Handtasche war weg. Sein Zettel war weg. Überhaupt — es gab nicht die geringste Spur von ihr.
Er fragte sich nicht, ob er womöglich geträumt hatte. Sie war also wieder zu sich gekommen und geflüchtet. Hm, ohne ein einziges Dankeschön? Ach, na ja, wahrscheinlich in Panik geraten. Ach, die menschliche Schwäche! Mitch zuckte die Achseln. Doch er hatte Sachen zu erledigen und nicht genügend Zeit dafür.
Er begann wie besessen das Haus in Ordnung zu bringen, warf alles Verderbliche aus dem Kühlschrank, alles Schmutzige in den Wäschesack, alles Anziehbare in seinen Koffer. Er erreichte das Flugzeug mit knapper Not.
Kaum saß er drin, begann er zu leiden. Er las sein Manuskript in Gedanken noch einmal durch und wand sich unter Zweifeln. Er versuchte, ein bisschen zu schlafen, konnte aber nicht, und dann konnte er plötzlich doch … und dann war er auch schon in New York, und Gott war ihm gewogen und sein Produzent immer noch scharf drauf …
Sechs Wochen später stieg der Bühnenautor Mitchel Brown in Los Angeles aus dem Flugzeug. Er hatte ein Stück am Broadway! Das Urteil lautete comme ci, comme ςa. Laufzeit, Kartenverkauf, Mundpropaganda … Er selbst wollte nichts mehr davon wissen. Er war zwar nicht direkt am Ende, wusste aber, dass ihm das blühte, wenn er nicht nach Hause flog und sich an eine andere Arbeit machte, und zwar bald.
Die ganze Zeit war er der Welt entrückt gewesen, denn wenn man ein Stück probiert, bedeuten einem Erdbeben, große Katastrophen und Kriegserklärungen nichts. Absolut gar nichts.
Etwa um fünf Uhr morgens kam er in seiner Wohnung an und stieß mit dem Fuß den Stapel von Zeitungen weg, die er vergessen hatte abzubestellen. Drinnen roch es muffig und war eigentlich nicht richtig sauber, aber egal.
Er riss sämtliche Fenster auf, mixte sich einen Highball und setzte sich mit der obersten Zeitung vom Stapel hin, um sich auf den neuesten Stand zu bringen über das, was die westliche Welt seit seinem Weggang umgetrieben hatte. Die internationalen Nachrichten hatte er schon letzte Woche im Osten kurz überflogen. Von lokalen Ereignissen hatte er natürlich überhaupt keine Ahnung.
Der neueste Mordfall, hm … Weil die Zeitungen in Los Angeles immer hoffen, dass ein Mord sich als ganz große Sache entpuppt, wird jeder Mord groß herausgebracht.
Dieser hier sah nicht besonders viel versprechend aus.
Eine schlichte Rangelei, schätzte er. In ein paar Tagen wäre es kalter Kaffee.
Er überflog die zweite Seite, wo über alle länger zurückliegenden Mordfälle berichtet wurde. Zwei bis drei waren ihm entgangen. Eine Frau, die von ihrem Exmann erstochen worden war. Ein Mann, den man in seinem eigenen Hausflur erschossen hatte. Das Übliche. Mitch gähnte. Er würde sein Auto herausholen und irgendwo anständig essen gehen, beschloss er. Und sich morgen dann wieder an die Arbeit machen.
Um halb sieben betrat er sein Lieblingsrestaurant, bestellte sich einen Drink und setzte sich hin, um in Ruhe die Speisekarte zu studieren.
Etwa zehn Minuten später kam sie lautlos herein und setzte sich direkt gegenüber von Mitch allein an einen Tisch. Das Erste, was er aus den Augenwinkeln wahrnahm, waren ihre Schuhe. Er hatte sie schon einmal gesehen. Ja, und sie gehalten — sie in den Händen gehalten.
Sein Blick wanderte höher, und da war sie — Mrs. Julius Maxwell. (Natalie hieß sie, erinnerte er sich.) Es war nicht nur Mrs. Julius Maxwell in Person, sondern auch in derselben Kleidung, die sie damals getragen hatte!
Dasselbe grüne Kostüm, dieselbe helle Bluse und kein Hut. Eine Dame, gepflegt, begütert, hübsch und in entspannter Haltung — und mittlerweile absolut nüchtern.
Mitch hielt den Kopf schief und richtete den Blick auf sie; er wartete, dass sie sein Starren spürte und darauf reagierte. Ihre Augen begegneten seinen gleich darauf, waren jedoch kühl und bar jeder Wiedererkennung.
Aber natürlich, dachte er. Wie sollte sie mich auch erkennen? Sie hat mich ja nie gesehen. Amüsiert wandte er den Blick ab, sah dann wieder hin. Natalie Maxwell bestellte. Sie lehnte sich entspannt zurück, und ihr Blick glitt an ihm vorbei, kehrte kurz zurück, um sein Interesse zur Kenntnis zu nehmen, und wanderte weiter, ihrerseits keinerlei Interesse bekundend.
Mitch fand es irgendwie nicht in Ordnung, wie sie ihn behandelte. Er stand auf und ging zu ihr hinüber.»Guten Tag, Mrs. Maxwell!«, sagte er freundlich.»Ich freue mich, dass es Ihnen besser geht.« «Wie bitte?«, sagte sie. Ihm fiel ein, dass er sie das, und nur das, schon einmal hatte sagen hören.