Im Anfang war der Mord
- Автор: Джордж Элизабет
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- ISBN: 3442459532
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
Er klebte ein paar Luftpostmarken nebeneinander auf den Umschlag und ging hinaus. Die Straße war dunkel und menschenleer. Ein paar Autos standen massig an den Bordsteinkanten. Das Manuskript plumpste in den Briefkasten — landete sicher am Busen des Postzustelldienstes. Selbst wenn jetzt er, das Flugzeug und die anderen Kopien zugrunde gingen …
Über sich selbst lachend, bog Mitch um die Ecke, fühlte sich plötzlich verlassen, niedergeschlagen und einsam.
Das Parrakeet Bar & Grill, stellte er dankbar fest, war noch geöffnet. Er ging den einen Häuserblock zu Fuß und trat ein. Die Bar verlief entlang der ganzen Wand, und der Grill, bestehend aus acht Sitznischen, erstreckte sich über die gesamte Länge der anderen. Der schmale Raum war düster und wirkte verlassen. Mitch tastete nach einem Barhocker.
«Hallo, Toby. Nicht viel los heute?« «Hallo, Mr.
Brown. «Der Barkeeper freute sich offensichtlich, ihn zu sehen. Er war ein kleiner Mann mit dunklem Haarschopf, bläulichem Stoppelkinn und einem Blaustich in den weißen Augäpfeln.»So spät an einem Wochentag ist es bei mir nie voll.« «Die Küche hat schon zu, was?«, sagte Mitch. Die Küche war nicht das Herzstück dieses Etablissements.
«So ist es, Mr. Brown. Wenn Sie was essen wollen, gehen Sie besser woanders hin.« «Was zu trinken reicht mir schon«, sagte Mitch mit einem Seufzer.»Ich kann ja nach Hause gehen und mir noch ein Rührei machen.« Toby wandte sich wieder seinen Flaschen zu. Als er mit Mitchs Stammdrink wiederkam, meinte er etwas weinerlich:»Es ist nur so — ich muss bald dichtmachen und weiß nicht, was ich tun soll.« «Wie meinen Sie das?« «Schauen Sie sie an. «Tobys Blick wanderte über Mitchs linke Schulter.
Mitch drehte sich um und stellte überrascht fest, dass in einer der Nischen eine Frau saß. Oder vielleicht sollte man eher sagen, lag, denn ihr heller, hutloser Kopf war auf das rot karierte Tischtuch gesunken. Mitch wandte sich wieder um und wackelte fragend mit den Augenbrauen.
«Total weggetreten«, flüsterte Toby heiser.»Hören Sie, ich habe keine Lust, die Bullen zu rufen. So was ist nicht gut fürs Geschäft. Ich habe ein krankes Kind zu Hause, meine Frau ist völlig kaputt, und ich will nach Hause.« «Haben Sie’s schon mit schwarzem Kaffee probiert?« «Klar, habe ich. «Betrübt ließ Toby die Schultern hängen.
«Wie ist sie denn in diesen Zustand geraten?« «Hier jedenfalls nicht«, beeilte sich Toby zu sagen.
«Keine Ahnung. Meine Güte — dass ein paar Drinks sie so fertig machen!
Das Problem ist — eine Pennerin ist sie nicht. Das sieht man. Was soll ich also tun?« «Setzen Sie sie in ein Taxi«, sagte Mitch unbekümmert.
«Lassen Sie sie einfach dahin verfrachten, wo sie hingehört. Wieso nicht? Sie wird doch so was wie einen Ausweis bei sich haben.« «Ich will nicht in ihrem Geldbeutel herumwühlen«, sagte Toby ängstlich.
«Hm, warten Sie mal …«Mitch glitt von seinem Barhocker. Nachdem sein Drink ihm munter die Kehle hinuntergeflossen war, war er der Welt heiter und fröhlich zugeneigt. Außerdem kam er sich überaus intelligent vor und erkannte, dass er dazu geboren war, alle Welt zu verstehen.
Toby trat hinzu, und gemeinsam hoben sie die Frau am Oberkörper hoch.
Ihr Gesicht war im Schlaf der Trunkenheit schlaff, und doch war es kein hässliches Gesicht. Es war nicht jung, aber auch nicht alt. Ihre Kleidung war teuer. Nein, eine Stadtstreicherin war sie nicht.
Dann schlug sie die Augen auf und sagte mit kultivierter Stimme:»Wie bitte?« Sie war nicht direkt bei Bewusstsein, doch es war ein ermutigendes Zeichen. Die beiden Männer halfen ihr auf die Füße. Mit ihrer Unterstützung konnte sie stehen, konnte sogar gehen. Mitch fuhr mit dem linken Arm durch den Henkel ihrer teuer aussehenden Handtasche. Dann führten die beiden sie zur Tür.
«Vielleicht an die frische Luft?«, sagte der Barkeeper hoffnungsvoll.
«Richtig«, sagte Mitch.»Hören Sie, neben dem Kino ist ein Taxistand. Bis wir dort drüben sind …« «Ich muss aber abschließen«, entgegnete Toby schrill.
«Ich muss hier alles versorgen.« «Nur zu«, sagte Mitch, der in der süßen Nachtluft stand, die fremde Frau schwer in den Armen.»Ich habe sie ja.« Hinter sich hörte er das Klicken des Türschlosses, während er sich auf dem Gehweg aufmachte und die Frau gehorsam einen Fuß vor den anderen setzte. Ganz in Gedanken über die merkwürdigen und erstaunlichen Seiten der» Realität «versunken, hatte Mitch sie den halben Häuserblock entlang geführt, bevor ihm klar wurde, dass der Barkeeper ihn beim Wort genommen hatte und überhaupt nicht mitkam.
Na gut. Mitch war nicht verärgert. Im Gegenteil, er war erfüllt von Mitgefühl für alle menschlichen Wesen. Diese Frau war ein Mensch und deshalb schwach. Er war froh, dass er ihr dabei helfen konnte, nach Hause zu gelangen.
Das umliegende Geschäftsviertel war völlig verlassen.
Sie bewegten sich in einer leeren Welt. Als Mitch sich bis zur nächsten Ecke gekämpft hatte, konnte er erkennen, dass am Kino keine Taxis standen. Zu dieser Nachtzeit, er hätte es wissen müssen, war das Kino dunkel und wie ausgestorben. Er war auf die gewöhnlichen Zeitabläufe wohl nicht ganz abgestimmt gewesen.
Jedenfalls konnte er sie nicht einfach dem nächstbesten Taxifahrer übergeben. Und auch nicht der Polizei, denn es war kein Polizist in der Nähe. Es gab nichts als den Bürgersteig, die nächtens an der Bordsteinkante abgestellten Blechkisten und keinen Verkehr.
Einen Autofahrer hätte Mitch sowieso nicht herbeigewunken. Die meisten Autofahrer waren misstrauisch und hatten Angst. Also tat er das Einzige, was ihm übrig blieb — er ging weiter.
Er steuerte ihre mechanischen Schritte um die Ecke und die Straße entlang, denn, dachte er sich, wenn er sie weiter laufen ließ, würde sie allmählich wieder zu sich kommen, und dann könnte er sie fragen, was er ihrer Meinung nach mit ihr machen sollte. Er hatte das Gefühl, das Richtige zu tun. Vielleicht könnte er seinen eigenen Wagen holen …
Die frische Luft hatte jedoch nicht die erwünschte Wirkung. Die Frau fing an zu stolpern. Sie sackte mit ihrem ganzen Gewicht gegen ihn. Mitch merkte, dass er sie fast trug. Dann stellte er fest, dass er, die Frau mit beiden Armen aufrecht haltend, direkt vor seinem eigenen Wohngebäude stand. Nun blieb ihm wohl nichts anderes übrig, als sie mit hineinzunehmen, wo er ihre Identität feststellen und ein Taxi rufen konnte.
Die Wohnung hatte sich während seiner Abwesenheit nicht von selbst aufgeräumt. Er ließ seine Last los, und sie sank auf das Sofa. Er rückte ihren blonden Kopf auf ein Kissen. Dort lag sie nun, total weggetreten, eine wildfremde Person. Um ihren Körper auszustrecken und es ihr bequemer zu machen, hob er ihre Beine unten an.
Einer ihrer Schuhe — wunderschöne Schuhe aus feinem grünem Leder mit hohen spitzen Absätzen und kleiner Messingschnalle —, einer davon fiel herunter.
Mitch ergriff den anderen Schuh und zog ihn ihr ebenfalls aus. Erfüllt von kosmischen Gedanken über weibliche Wesen und Absätze, stellte er ihre Schuhe auf seinen Schreibtisch und streifte sich ihre Handtasche vom Arm. Sie war aus dem gleichen feinen grünen Leder.
Er kam sich fies vor, das Eigentum einer fremden Frau zu durchwühlen. Trotzdem, es musste sein.
Ihr Name auf dem Führerschein lautete Natalie Maxwell.
Ihre Wohnadresse war Santa Barbara. Mitch pfiff durch die Zähne. Damit erledigte sich sein Plan, sie im Taxi nach Hause zu schicken, denn ihr Zuhause lag hundert Meilen von hier entfernt. Dann fand Mitch einen Brief, der an Mrs. Julius Maxwell adressiert war, und stieß wieder einen Pfiff aus. Sie war also verheiratet!