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Untot

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Aus dem Amerikanischen übertragen von Angelika Weidmann
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Der Motor des Generators begann plötzlich zu stottern. Carl stöhnte fiebrig in seinem Schlaf. Der Motor fing wieder an, regelmäßig zu laufen, als habe ihn nur eine Luftblase in der Benzinzufuhr einen Takt aussetzen lassen. Das Baby regte sich leicht. Es lag noch immer an Dave geschmiegt. Daves Hand hielt den Revolver locker umfaßt, Carl war das Beil in das taunasse Gras entglitten. Die Morgenluft war feucht und ein leichter Nebel schwebte über der Landschaft, den die aufgehende Sonne noch nicht hatte auftrocknen können.

Der Motor stotterte wieder und blieb dann stehen. Das Vogelzwitschern und die leiseren Geräusche des Waldes traten nach dem Stillschweigen des Motors erschreckend in den Vordergrund.

Die beiden Männer und das Baby schliefen weiter. Im Schlaf waren sie nun schutzlos, und leise Schritte näherten sich vorsichtig durch das hohe Gras und erreichten die Baumgruppe. Wer immer sich da heranschlich, war von dem Geräusch des Generators angelockt worden, der nun zum Stillstand gekommen war.

Dave schlief. Müdigkeit und Furcht waren in sein Gesicht gegraben, während er den tiefen Schlaf der Erschöpfung schlief und Träume von seiner Frau und seinem Kind durch sein Bewußtsein wehten. Er war kein schöner Mann, aber seine Züge verrieten Stärke und Charakter. Sein kurzes, blondes Haar war zerzaust und glanzlos, auf der Stirn hatte er eine Schramme und sein Gesicht war mit Dreck verschmiert. Er war mit Jeans und einem Flanellhemd bekleidet, die John Carter gehört hatten, während Carl ähnliche Kleidung trug, die von Connely stammte.

Carl schlief fest, aber es war kein guter Schlaf. Er stöhnte oft und wälzte sich im Fieber, das von seiner Verwundung ausgelöst wurde. Obgleich der Morgen feucht und kühl war, hatte er Schweißperlen im Gesicht und sein gewelltes Haar klebte an seiner Stirn. Seine sonst gerötete Gesichtsfarbe war sehr blaß. Die Wunde machte die Muskeln der ganzen Körperhälfte steif und schmerzend, so daß es ihm selbst im Schlaf bewußt war, auch wenn es ihn nicht aufweckte. Seine Erschöpfung trug dazu bei, die Schmerzen zu betäuben.

Die Schritte näherten sich so vorsichtig und leise wie möglich durch Laub und tote Äste unter den Bäumen. Sachte schob eine Hand einen tiefhängenden Zweig zur Seite, und das Gesicht eines Jungen tauchte auf. Es war schmutzig und sonnengebräunt, mit wachen, wachsamen Augen, dem Ausdruck von jemandem, der gewöhnt ist, im Wald zu leben. Der Junge ließ seinen Blick über den leergelaufenen Generator und die Drähte wandern und musterte dann die beiden schlafenden Männer und das Baby in der Mitte des umzäunten Gebiets. Dann machte er einen entschlossenen Schritt nach vorn und hob dabei den Arm mit einer Geste, die Ruhe befahl. Er trug einen Bogen und einen Köcher mit Pfeilen, ein Jagdmesser steckte in seinem Gürtel. Noch mehr Jungen tauchten auf, allesamt bewaffnet. Die einen hatten Pfeil und Bogen, andere Messer oder Gewehre. Leise kamen sie aus dem Wald geschlichen und umzingelten Dave, Carl und das Neugeborene.

Der erste Junge, der Anführer, duckte sich unter dem nutzlos gewordenen Generatorkabel hindurch, ging leise und schnell zu Dave und trat mit dem Fuß auf sein Handgelenk, damit er den Revolver nicht benutzen konnte. Die anderen rückten näher und hielten ihre Waffen einsatzbereit. Carl schreckte aus dem Schlaf und versuchte, sich aufzurichten, aber die Überraschung und die Schmerzen ließen ihn wieder auf den Boden zurücksacken. Über Nacht hatte sich die Steifheit seiner Muskeln verschlimmert und er starrte die Neuankömmlinge an und wurde sich gleichzeitig bewußt, daß er Fieber hatte und daß seine Wunde vermutlich entzündet war.

»Wer seid ihr? « fragte Dave den Anführer, nachdem er zu sich gekommen war und erkannt hatte, daß sie umzingelt waren. Er war sich über die Bedrohlichkeit der Lage, in der sie sich befanden, nicht ganz im klaren, und er hatte einen Rest Hoffnung, daß sie sich irgendwie zum Guten wenden würde, wenn er seine Karten in der richtigen Weise ausspielte. Die Hoffnung beruhte auf der Tatsache, daß sie schließlich von Jungen zwischen etwa dreizehn und achtzehn Jahren umstellt waren. Es waren ungefähr ein Dutzend von ihnen. Einer der Jungen bückte sich und hob Daves Revolver auf. Er streichelte ihn, sichtlich erfreut über die Errungenschaft. Dann klappte er den Zylinder heraus und stellte fest, daß der Revolver geladen war.

»Das ist meine Waffe«, protestierte Carl. »Und wir brauchen sie, um uns und das Baby zu schützen. Leg sie wieder auf den Boden.«

» Halt die Fresse!« gebot der Anführer leise, aber mit Autorität und Macht.

»Ich hätte gern ein bißchen mehr Munition dafür«, verlangte der Junge mit dem Revolver selbstgefällig.

»Durchsucht sie«, befahl der Anführer der Bande.

Carl raffte sich unter Qualen auf die Füße. Er wollte nicht am Boden herumgerollt werden. Gehorsam hob er die Hände über den Kopf und spreizte die Beine. Die Jungen durchsuchten ihn schnell und geübt und nahmen das lange Messer und das Metzgerbeil, das neben ihm am Boden gelegen hatte. Er war weder im Besitz einer Brieftasche noch einer Uhr noch hatte er Geld. Sämtliche Wertgegenstände waren ihn von John Carters Bande schon am Vortag abgenommen worden. Dave legte das Baby sanft auf den Boden und stand ebenfalls auf. Er hob die Hände über den Kopf und ließ zu, daß seine Taschen umgestülpt wurden. Ihm nahmen die Jungen die Taschenlampe, den Revolver und die Munition, die in den Taschen seiner Jacke steckte, ab. Dann bückte sich Dave und nahm das Baby auf den Arm. Es wachte auf und fing an zu schreien.

Die Bande, enttäuscht, kein Geld gefunden zu haben, fing an, zu murren.

»Wir haben nichts«, beteuerte Carl, dem das Sprechen schwerfiel. »Wir sind schon ausgeplündert worden.« Er überlegte, ob es ratsam sei, den Jungen zu sagen, daß sie Polizisten waren, entschied aber, daß das ihre Chancen nicht vergrößern würde. Er war überzeugt, es hätte eher sogar den gegenteiligen Effekt, falls die Jungen während dieser gesetzlosen Zeiten irgendwelche Verbrechen begangen hatten. Das Baby schrie noch immer. Dave drückte es an sich und wiegte es. Er sah den Anführer an, weil er hoffte, die Feindseligkeit der Bande beruhe auf Angst und es bestehe vielleicht eine Möglichkeit, gemeinsam aus der Sache herauszukommen, indem sie einander halfen. »Das Baby hat Hunger«, erklärte Dave schließlich, als er nichts als Haß in den Augen des Jungen gesehen hatte.

»Halt die Fresse«, wiederholte der Anführer, als sei das seine einzige Antwort auf alles.

»Wir müssen das Baby zu einem Arzt schaffen«, fuhr Dave trotzdem fort. »Seine Mutter ist tot. Und mein Kollege ist verwundet.«

»Wir sind von der Polizei«, wagte Carl den Versuch.

»Klar doch. Und ich bin der Bürgermeister«, kicherte der Junge mit dem Revolver. Er schien der zweite in der Hierarchie zu sein.

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