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Untot

Электронная книга - «Untot». Краткое содержание книги:

Aus dem Amerikanischen übertragen von Angelika Weidmann
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Dave spürte Wut in sich aufsteigen. Er wollte denjenigen, der da rief, wissen lassen, daß er seinen Kollegen schon umgebracht hatte, weil ihm der Finger zu locker am Abzug saß, aber er zog es vor, im Moment lieber ruhig zu bleiben. Wenn sie erfuhren, daß sie einen Menschen getötet hatten, würden sie vielleicht vorziehen, keine Zeugen übrigzulassen. Dave hielt sich wieder die Hände als Trichter vor den Mund und brüllte: »Ich komme heraus. Schießen Sie um Himmels willen nicht! Ich bin ein Mensch - und ich habe ein neugeborenes Baby bei mir!«

Aus unerfindlichen Gründen hörte das Baby plötzlich auf zu schreien. Dave schaute es an, um zu sehen, ob es noch am Leben war, aber, sagte er sich, selbst wenn nicht, würde er es benutzen, um sich Zugang zu dem Farmhaus zu verschaffen. Er stand auf und hielt das Neugeborene deutlich sichtbar hoch über seinen Kopf. Dann stieg er mühsam aus der Vertiefung und unter dem Schutz eines überhängenden Astes hervor, so daß man ihn vom Farmhaus deutlich erkennen konnte. Langsam ging er mit dem Baby im Arm auf das Haus zu. Er sah das Metall von Gewehrläufen aus den mit Brettern vernagelten Fenstern aufblitzen und versuchte sich bereitzuhalten, um in Deckung zu gehen, falls ein Schuß abgegeben würde.

Eine tote Ziege lag im Garten nahe bei dem Haus. Ihre Knochen waren teilweise so sauber, als hätten Geier sich daran gelabt. Die Ziege war von einem Schuß direkt neben dem rechten Auge getroffen worden. Die Augenhöhle war blutverkrustet und die teilweise sichtbare Pupille starrte daraus hervor.

Zwanzig Schritte vor dem Hauseingang blieb Dave stehen. Er hielt das Baby noch immer in die Höhe. »Dieses Baby wurde in der letzten Nacht geboren«, rief er in Richtung eines zersplitterten Fensters, aus dem ein Gewehrlauf ragte. »Die Mutter starb bei seiner Geburt. Sie hieß Karen Miller und war Ihre Nachbarin ein Stück weiter die Straße hinunter. Das Kleine hat noch nichts zu sich genommen. Würden Sie bitte so freundlich sein, ihm etwas Milch zu geben? « Dave ließ das Baby herunter und kuschelte es an seine Brust. Er spürte sein schwaches Atmen. Wenn die Leute da drin jetzt noch immer nicht begriffen hatten, daß er ein Mensch war, sagte er sich, dann würden sie es nie begreifen. Eine Männerstimme schallte hinter dem vernagelten Fenster hervor. »Wir haben keine Milch. Unsere Ziege ist tot, sehen Sie das nicht?«

Noch ehe Dave antworten konnte, dröhnte die Männerstimme wieder. »Woher sollen wir wissen, ob Sie nicht einer von diesen Plünderern und Vergewaltigern sind, die hier herumstreunen? Wir kennen Karen und ihre ganze Familie. Sie waren zur Beerdigung unserer Tochter hier. Vielleicht haben Sie sie ausgeraubt und umgebracht.«

»Mein Name ist Dave Benton und ich bin Beamter der Staatspolizei«, stellte Dave sich vor. Er wiegte das Baby, das wie auf Kommando wieder zu schreien anfing. Dave hoffte, das würde ihm ein bißchen Sympathie einbringen. Es wirkte. Hinter dem zersplitterten Fenster hörte er eine Frauenstimme. »Henry, das Baby! Um Himmels willen, laß den Mann doch herein!«

Der Gewehrlauf verschwand aus dem Loch in der Scheibe, und kurz darauf hörte Dave, wie drei Riegel an der Tür einer nach dem anderen zurückgeschoben wurden. Die Tür öffnete sich und Dave schaute ängstlich hinüber. Das Baby schrie noch immer. Ein Mann und eine Frau mittleren Alters standen auf der Schwelle. Der Mann hielt weiterhin seine Waffe auf Dave gerichtet und musterte ihn mißtrauisch. Die Frau wirkte freundlicher. Sie hatte ihr graues Haar zu einem Knoten aufgesteckt und trug ein ausgebleichtes Buntdruckkleid. Der Mann hatte einen Overall und ein Flanellhemd an. Sein wettergegerbtes Gesicht war hart und runzlig. Er hatte eine Glatze. Es waren Mr. und Mrs. Dorsey, die Eltern des toten Kindes, zu dessen Beerdigung Bert Miller mit seinen drei Töchtern erschienen war. Mrs. Dorseys Gesicht hellte sich auf, als sie das Baby sah. Dann warf sie ihrem Mann einen Blick zu und drückte den Gewehrlauf nach unten, so daß er nicht mehr auf Dave und das Baby zielte. »Also, dann machen Sie schon, daß Sie hereinkommen«, forderte sie Dave auf, als sie sein Zögern sah, und trat beiseite, um ihn einzulassen. Dave folgte den Eheleuten ins Haus und schaute zu, wie Henry Dorsey die Tür wieder verriegelte. Mrs. Dorsey nahm das Baby in den Arm und sah es liebevoll und besorgt an. »Wir müssen Milch für das Baby finden, sonst verhungert es«, mahnte Dave. »Es hat seit seiner Geburt noch nichts zu sich genommen.«

Mr. Dorsey wirbelte herum. »Kann Ihnen damit nicht dienen, hab' ich Ihnen doch schon gesagt. Unsere Ziege ist tot.« Er wies mit dem Daumen in die Richtung eines großgewachsenen jungen Mannes, den Dave bislang noch nicht bemerkt hatte und der in der Ecke des Zimmers auf einem Schaukelstuhl saß. »Mein Sohn hat die Ziege abgeknallt. Hielt sie für eins von diesen toten Dingern. Was das Hirn angeht, hat der Junge nicht allzuviel abgekriegt. Schlägt nicht nach seinem Vater. Das Ärgerliche ist...« Er fing sich wieder. »Von der Polizei sind Sie, haben Sie gesagt? «

»Ja. Mein Kollege und ich wurden von einer Bande von Plünderern überfallen. Sie haben uns die Uniformen abgenommen. Jetzt ist er tot.«

Nur das leise Tätscheln von Mrs. Dorseys Hand war zu hören, die das Baby an ihren Busen drückte. Niemand wußte etwas zu sagen. Das Baby hatte aufgehört zu weinen. Mr. Dorsey warf seinem geistig minderbemittelten Sohn einen giftigen Blick zu, und der junge Mann ließ den Kopf hängen und machte sich ganz klein in seinem Schaukelstuhl, den er angehalten hatte. Dave begriff, daß es der Sohn gewesen sein mußte, durch dessen gedankenlosen Schuß Carl getötet worden war, und daß sich der Vater ihm dann angeschlossen hatte. »Wir werden uns darum kümmern, daß er ein anständiges Begräbnis bekommt, wenn wir können«, versprach Mrs. Dorsey. »Viel ist es nicht, aber das ist alles, war wir zu tun vermögen.« Ihre Worte hingen in der Luft und trösteten niemanden.

Der trottelige Sohn rang die Hände und schmollte verängstigt in seinem Schaukelstuhl, der quietschend wieder angefangen hatte, hin und her zu schaukeln.

»Hätten Sie nicht vielleicht ein bißchen Pulvermilch? Oder kondensierte Dosenmilch?« fragte Dave. Mrs. Dorsey schüttelte den Kopf. »Wir leben nur von den Konserven, die ich im letzten Herbst gemacht habe«, erklärte sie mit gesenktem Blick. »Und wenn wir uns noch länger hier verbarrikadieren müssen, werden die nicht mehr lange reichen.«

»Gibt's irgendwo in der Nähe einen Ort, wo ich Milch finden könnte?« Dave schaut zwischen den Eheleuten hin und her. Es war Mr. Dorsey, der antwortete. Seine Stimme klang rauher und härter, als er beabsichtigt hatte. »Im Umkreis von Kilometern gibt's hier keine Häuser. Außer dem Kingsley-Besitz. Und dem der Millers.«

»Kingsley?« fragte Dave, der sich an den Namen erinnerte. »Der Kingsley Country Club ist acht Kilometer weiter nördlich, die Landstraße entlang über den Hügel. Da fängt der Golfplatz an. Vier Kilometer weiter ist der Club und noch mal anderthalb oder so dahinter das Landhaus. Kingsley gehört so ziemlich das ganze Gebiet. Aber ich würde sagen, Sie haben mehr Chancen bei der Tankstelle.« »Tankstelle? «

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