Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ich verstehe«, sagte ich. »Äh … ist die junge Dame jemand, den ich kenne?« Er rieb sich das Kinn, das sich entlang des Knochens rötete.
»Aye, nun ja. Es ist – ist Brianna.« Er wich meinem Blick aus, doch die Röte kroch ihm langsam über das ganze Gesicht.
»Was?«, sagte ich ungläubig. Ich legte die Brotscheibe hin, die ich in der Hand hatte, und starrte ihn an. »Sagtest du Brianna?«
Sein Blick haftete am Boden, doch sein Kinn trug einen widerspenstigen Ausdruck.
»Brianna«, wiederholte er. »Ich bin hier, um ihr einen Heiratsantrag zu machen.«
»Ian, das kannst du doch nicht ernst meinen.«
»Doch«, sagte er und schob entschlossen sein langes, eckiges Kinn vor. Er blickte zum Fenster und trat von einem Fuß auf den anderen. »Wird sie – meinst du, sie kommt bald?«
Der scharfe Geruch nervöser Transpiration traf mich, vermischt mit Seife und Bärenfett, und ich sah, dass er die Hände so fest zu Fäusten geballt hatte, dass sich seine vorstehenden Knöchel weiß von seiner gebräunten Haut abhoben.
»Ian«, sagte ich, hin- und hergerissen zwischen Ungeduld und Zärtlichkeit, »machst du das wegen Briannas Baby?«
Das Weiße in seinen Augen blitzte auf, als er mich erschrocken ansah. Er nickte und schob seine Schultern unbehaglich in dem steifen Rock hin und her.
»Aye, natürlich«, sagte er, als wäre er überrascht, dass ich überhaupt fragte.
»Also liebst du sie nicht?« Ich kannte die Antwort ganz genau, hielt es aber für besser, wirklich reinen Tisch zu machen.
»Also … nein«, sagte er, und die gequälte Röte erneuerte sich. »Aber ich bin auch nicht anderweitig vergeben«, fügte er hastig hinzu. »Also ist es schon in Ordnung.«
»Es ist nicht in Ordnung«, sagte ich nachdrücklich. »Ian, das ist ein sehr, sehr lieber Gedanke von dir, aber –«
»Oh, der Gedanke stammt nicht von mir«, unterbrach er mit überraschtem Gesicht. »Onkel Jamie hat es sich ausgedacht.«
»Er hat was?« Eine laute, ungläubige Stimme erklang hinter mir. Ich wirbelte herum und sah, dass Brianna in der Tür stand und Ian anstarrte. Sie trat langsam weiter ins Zimmer, die Hände an den Seiten zu Fäusten geballt. Genauso langsam zog sich Ian zurück, bis er mit einem Plumps gegen den Tisch stieß.
»Liebe Cousine«, sagte er mit einem Kopfnicken, bei dem sich einer seiner fettigen Haarstacheln löste. Er strich mit der Hand darüber, doch die Strähne stand weiterhin unanständig ab und hing ihm ins Auge. »Ich … äh … ich …« Er sah Briannas Blick und schloss prompt die Augen.
»Ich-bin-gekommen, um-den-Wunsch-auszudrücken, dich-um-deine-Hand-für-den-heiligen-Ehestand-zu-bitten«, sagte er in einem Atemzug. Dann schnappte er hörbar nach Luft. »Ich –«
»Halt den Mund!«
Ian schloss augenblicklich den Mund, den er schon zum Weiterreden geöffnet hatte. Er öffnete ein Auge vorsichtig einen Spaltbreit wie ein Mann, der eine Bombe betrachtet, mit deren Explosion jeden Augenblick zu rechnen ist.
Brianna starrte wütend erst Ian an, dann mich. Selbst in dem halbdunklen Zimmer konnte ich ihren zusammengekniffenen Mund sehen – und das Scharlachrot, das ihr in die Wangen stieg. Ihre Nasenspitze war rot, ob von der frischen Luft draußen oder vor Ärger, konnte ich nicht sagen.
»Hast du davon gewusst?«, fragte sie mich fordernd.
»Natürlich nicht!«, sagte ich. »Um Himmels willen, Brianna –« Bevor ich zu Ende sprechen konnte, hatte sie auf dem Absatz kehrtgemacht und war zur Tür hinausgestürmt. Ich konnte das rostrote Aufblitzen ihrer Röcke sehen, als sie den Hang hinauf zum Stall lief.
Ich zog meine Schürze aus und warf sie hastig über den Stuhl. »Ich gehe ihr besser hinterher.«
»Ich komme mit«, bot Ian an, und ich hinderte ihn nicht daran. Vielleicht würde ich Verstärkung brauchen.
»Was glaubst du, was sie tun wird?«, fragte er und keuchte mir hinterher, während ich den steilen Hang hinaufhastete.
»Weiß der Himmel«, sagte ich. »Aber ich fürchte, wir werden es bald herausfinden.« Ich wusste viel zu gut, wie ein wutentbrannter Fraser aussah. Weder Jamie noch Brianna drehten schnell durch, doch wenn sie es taten, dann gründlich.
»Ich bin froh, dass sie mich nicht geohrfeigt hat«, sagte Ian dankbar. »Einen Moment lang dachte ich, sie würde es tun.« Er holte mich ein und ließ mich mit seinen langen Beinen hinter sich, obwohl ich mich beeilte. Aus der offenen Halbtür des Stalles konnte ich erhobene Stimmen hören.
»Warum um alles in der Welt hast du dem armen kleinen Ian so etwas eingeredet?«, sagte Brianna mit hoher, indignierter Stimme. »So etwas Anmaßendes, Arrogantes habe ich noch nie gehört –«
»Dem armen kleinen Ian?«, sagte Ian total beleidigt. »Was meint sie –«
»Oh, ich bin also anmaßend, ja?«, unterbrach Jamies Stimme. Er klang ungeduldig und verärgert, aber noch nicht sehr wütend. Vielleicht kam ich noch rechtzeitig, um Feindseligkeiten größeren Ausmaßes zu verhindern. Ich lugte durch die Stalltür und sah, dass sie sich gegenüberstanden und sich über einen halb getrockneten Dunghaufen hinweg wütend ansahen.
»Und was hätte ich für eine bessere Wahl treffen können, kannst du mir das sagen?«, wollte er wissen. »Lass es dir gesagt sein, Kleine, ich habe mir jeden Junggesellen im Umkreis von fünfzig Meilen durch den Kopf gehen lassen, bevor ich mich für Ian entschieden habe. Ich wollte dich nicht mit einem grausamen Mann oder einem Trunkenbold verheiraten, oder einem Habenichts – oder einem, der alt genug ist, um dein Großvater zu sein.«
Er schob sich die Hand durch sein Haar, ein sicheres Zeichen seiner inneren Aufregung, unternahm aber eine meisterhafte Anstrengung, sich zu beruhigen. Er senkte seine Stimme ein wenig und versuchte, versöhnlich zu klingen.
»Also, ich habe sogar Tammas McDonald verworfen, denn er hat zwar ein schönes Stück Land und ist gutmütig und in deinem Alter, aber er ist so ein kleiner Kerl, und ich habe mir gedacht, dass du vielleicht nicht so gern neben ihm am Altar stehen möchtest. Glaube mir, Brianna, ich habe mein Bestes getan, um dich gut zu verheiraten.«
Brianna ignorierte das; ihr Haar hatte sich gelöst, während sie den Hügel hinaufgesprintet war, und es umwehte ihr Gesicht wie die Flammen eines rächenden Erzengels.
»Und wie kommst du darauf, dass ich überhaupt mit irgendjemandem verheiratet werden möchte?«
Ihm fiel die Kinnlade herunter.
»Möchte?«, sagte er ungläubig. »Und was hat das, was du möchtest, damit zu tun?«
»Alles!« Sie stampfte mit dem Fuß auf.
»Da irrst du dich aber, Kleine«, wies er sie zurecht und drehte sich um, um seine Forke aufzuheben. Er betrachtete kopfnickend ihren Bauch. »Du bekommst ein Kind, das einen Namen braucht. Zu spät, um wählerisch zu sein, aye?«
Er stach mit der Forke in den Misthaufen, hievte die Ladung in die bereitstehende Schubkarre und stieß dann mit seiner fließenden, in jahrelanger Arbeit eingeübten Ökonomie der Bewegungen erneut zu.
»Also, Ian ist ein lieber Junge und ein harter Arbeiter«, sagte er, den Blick auf seine Arbeit gerichtet. »Er hat eigenes Land; wenn die Zeit kommt, wird meins noch dazukommen, und das –«
»Ich heirate überhaupt niemanden!« Brianna richtete sich zu ihrer vollen Größe auf, die Fäuste an den Seiten geballt, und sie sprach so laut, dass sie die Fledermäuse in den Winkeln der Decke aufstörte. Eine kleine, dunkle Gestalt löste sich aus dem Schatten und flatterte in die zunehmende Dämmerung hinaus, ohne dass die Streithähne am Boden sie beachteten.
»Also dann, such dir selber einen«, sagte Jamie kurz. »Und viel Spaß dabei!«
»Du … hörst … mir … nicht … zu!«, sagte Brianna und zermahlte jedes Wort einzeln zwischen den Zähnen. »Meine Entscheidung ist gefallen. Ich habe gesagt, ich … heirate … niemanden!« Sie unterstrich ihre Worte, indem sie erneut mit dem Fuß aufstampfte.