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Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.

Электронная книга - «Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.». Краткое содержание книги:

Sommer 2008. Hundert Jahre sind vergangen, seit in Sibirien eine verheerende Explosion stattgefunden hat. Viktoria Vandenberg versucht mit zwei anderen deutschen Forschern dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Hat es sich um den Einschlag eines Meteoriten gehandelt? Leo, ein junger Hirte, erzählt Viktoria von seiner neunzigjährigen Großmutter, deren Vater zu den ersten Wissenschaftlern vor Ort gehörte. Die Alte beschwört Viktoria, ihre Nachforschungen einzustellen: Geister, böse Schamanen seien am Werk. Als sämtliche Stromgeneratoren ausfallen, scheinen die Prophezeiungen in Erfüllung zu gehen, erst recht als eine Serie von geheimnisvollen Todesfällen über die Forschergruppe hereinbricht. Doch Viktoria gibt nicht auf. Sie begreift, dass Leo den Schlüssel zu einer Wahrheit besitzt, die weitaus unglaublicher erscheint als ein Meteoriteneinschlag.
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Es dämmerte bereits und war so kalt, dass Leonard beim Atmen der Schnurrbart gefror. Der Zug war abfahrbereit, nachdem sie auch die letzte Habe aller Anwesenden herausgeholt und auf dem Bahnsteig abgestellt hatten. Mit Blick auf das schummerig beleuchtete Bahnhofshaus blieb ihm die Frage, ob alle Reisenden die Nacht in einem einzigen Raum verbringen mussten, womöglich auf Tischen und Bänken oder blank auf dem Boden, ohne jegliches Unterzeug.

Der Gasthof verfügte nur über ein Dutzend Zimmer, das gewiss den wenigen vermögenden Passagieren und den beiden Offizieren vorbehalten war.

In der sich herabsenkenden Dunkelheit halfen Leonard und seine beiden Kameraden im Licht einer Petroleumlampe und unter Aufsicht eines jungen Soldaten beim Stapeln der Gepäckstücke im Lagerschuppen. Von ferne hörten sie betrunkene Männerstimmen. Sicher die

Kosaken, die aufgeheizt von ein paar Flaschen Wodka ihre Pferde versorgten. Zwischen die Stimmen mischte sich ein helles Winseln, dessen Herkunft nicht eindeutig zuzuordnen war.

»Was ist das?«, flüsterte Pjotr beunruhigt, während er innehielt und angestrengt horchte.

»Vielleicht haben sie sich eine Katze zum Abendessen gefangen«, witzelte Aslan düster. »Oder ein paar Ratten. Kosaken fressen alles, wenn man sie nur lässt.« Der schlaksige Kerl mit den dunklen Locken schien beileibe nicht dumm zu sein, wie Leonard recht schnell festgestellt hatte, aber seiner Art haftete etwas Linkisches an, das Leonard nicht sympathisch erschien. Angeblich konnte er sogar ein frisch abgeschlossenes Physikstudium an einer russischen Akademie vorweisen. Doch warum man ihn nach Sibirien deportierte, war ihm nicht zu entlocken gewesen, so sehr sich Leonard auch bemüht hatte.

»Kein Wunder«, bestätigte Pjotr grinsend die Bemerkung seines ansonsten verschwiegenen Kameraden. »Hast du das Essen in dieser Schänke gesehen? Es ist verabscheuungswürdig. Entensuppe mit einer undefinierbaren Einlage. Vermutlich sind es Überreste von Hälsen, Schwänzen und Flügeln. Nicht zu genießen. Wenn es so weitergeht, verwandele ich mich in kürzester Zeit in ein Skelett.«

Mit einem hintergründigen Grinsen setzte Aslan eine Hutschachtel wie die abschließende Spitze eines Turmes auf eine Mauer von Koffern und Kisten. Schließlich entwich ihm ein spöttisches Lachen, als er sich umwandte und Pjotrs immer noch üppige Figur betrachtete.

Wieder war dieses Winseln zu hören, dann ein helles, schluchzendes Geräusch.

»Still«, zischte Leonard mit einem Seitenblick auf den jungen Soldaten, den man zu ihrer Bewachung abgestellt hatte. Er saß vornübergebeugt auf einer der Kisten und war allem Anschein nach eingenickt. Dabei hielt er sein Gewehr wie einen schlummernden Säugling im Arm. Leonard trat einen Schritt hervor und lugte im Halbdunkel durch einen schmalen Spalt in der Bretterwand, der ihm einen begrenzten Einblick in eine sich anschließende Halle ermöglichte.

Was er dort sah, ließ ihm den Atem stocken. Eines der deportierten Mädchen hatte sich offenbar auf dem Weg zur Latrine verirrt. Anders konnte es nicht möglich sein, dass sie schutzlos in diese verzweifelte

Lage geraten war. Im Halbschatten von zwei Petroleumlampen hatten zwei Uniformierte sie rücklings auf eine Kiste mit Mörsergranaten gepresst. Einer der Männer hielt ihr den Mund zu, damit sie nicht schrie. Trotz der eisigen Kälte hatte man ihr die drei oder vier Röcke bis zu den Hüften hochgeschoben. Die schmalen Schenkel des Mädchens eisern im Griff, stand der dritte im Bunde mit weit geöffnetem Pelzmantel vor ihr, während seine geplusterte Hose bis auf die polierten Stiefel herabhing. Unter dem rhythmischen Klirren seines Säbels stieß er in einem eindeutigen Rhythmus und immer schneller werdend vor und zurück, dabei entwichen dampfende Atemwölkchen und ein stetiges Grunzen seiner wodkageschwängerten Kehle.

»Kosakenschweine!«, zischte Leonard düster. »Wem sonst könnte es einfallen, bei mehr als minus dreißig Grad eine Frau zu vergewaltigen.«

»Wo willst du hin?«, rief Aslan leise, der ebenfalls einen Blick durch den Spalt riskiert hatte. Es gelang ihm nicht mehr, Leonard bei seinem Wollmantel zu packen, als dieser an ihm vorbei nach draußen in die Kälte stürmte. »Bleib hier, du Idiot!«, rief er verhalten. »Das geht uns nichts an!«

Ohne jede Warnung durchbrach Leonard das morsche Tor im Nachbarschuppen. Die Kosaken waren viel zu überrascht, um rechtzeitig reagieren zu können. Die Handgelenke immer noch mit einer ellenlangen Kette verbunden, hatte Leonard von hinten kommend blitzschnell den Hals des Vergewaltigers umschlungen. Erbarmungslos verdrehte er die Kette zu einem strangulierenden Werkzeug und zog den röchelnden Mann, der sich vergeblich an den Hals fasste, von dem Mädchen weg. Während der Soldat ins Stolpern geriet und rücklings mit Leonard auf dem gestampften Boden landete, ragte das noch steife Glied des Mannes grotesk aus dem offenen Mantel hervor.

Gurgelnd versuchte der Kosake sich zur Wehr zu setzen, doch Leonard zog so fest zu, dass der Soldat rot anlief und Zunge und Augen unnatürlich aus seinem Gesicht hervorquollen. Einer der Kosaken wollte sich mit gezogenem Säbel auf Leonard stürzen, doch der Deutsche blieb seltsam ruhig.

»Einen Schritt weiter«, stieß er schnaubend hervor, »und ich breche ihm das Genick!«

Im Schummerlicht der Petroleumlampen zog der zweite Kosake seine Pistole vom Gürtel und richtete sie mit einer ausladenden Geste direkt auf Leonards Kopf.

»Dann gehst du mit!«, brüllte er kehlig. »Lass ihn los, sofort!«

Als Leonard nicht reagierte, richtete er die Pistole ungeniert auf das Mädchen. Erst jetzt erkannte Leonard das Opfer. Es war die älteste Tochter des Schmieds, die ihn vor einer Weile noch so verheißungsvoll angelächelt hatte. Die Augen weit aufgerissen, wie ein Kälbchen, das zur Schlachtbank geführt wird, verharrte sie halb nackt und zitternd auf der Kiste.

»Wenn du nicht spurst, wird sie zuerst dran glauben, und wir werden sagen, dass du es gewesen bist, und wir dich leider auf der Flucht erschießen mussten!«

Leonard saß in der Klemme, während seinem Opfer langsam die Luft ausging.

Plötzlich flog die Tür auf, und Leutnant Subbota stand mitten im Schuppen. »Kann mir jemand sagen, was hier los ist?«, stieß er mit gezogener Pistole hervor. Zunächst fiel sein Blick auf die beiden Kosaken, dann auf das Mädchen. Erst danach sah er seinen am Boden sitzenden Gefangenen, der anscheinend im Begriff war, ein angesehenes Mitglied des Zarenregimentes ins Jenseits zu befördern.

Rücksichtslos versetzte er Leonard einen Tritt in die Niere, dass der Deutsche ein schmerzerfülltes Stöhnen von sich gab und sofort die Kette lockerte.

Röchelnd entwand sich der Kosake Leonards Zugriff. Für einen Moment rieb er sich nach Atem ringend die Stelle, wo die Kette seine Kehle eingeschnürt hatte. Dann wandte er sich noch auf Knien um und verpasste Leonard eine verzweifelte Rechte, aus der all seine Wut, aber auch seine Angst sprach, die er noch kurz zuvor empfunden hatte. Erst danach zog er sich die Hose hoch.

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