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Himmel in Flammen

Электронная книга - «Himmel in Flammen». Краткое содержание книги:

Nur sie würde seinen Schmerz heilen können. Sie allein hatte sich nie wirklich unterworfen. Sie war wild, so wie der eisige Norden, aus dem sie gekommen war: Nandalee. Und nun stand sie in seiner Höhle und zog die Klinge, die er einst selbst erschaffen hatte ...
Mit letzter Kraft flohen die Menschen aus dem ewigen Eis zurück in die südlicheren Gefilde Nangogs - besiegt und gedemütigt von den Kriegern der Daimonen. Erst als ein einzigartiger Wolkensammler mit einer mysteriösen Fracht über Volodis Palast vor Anker geht, schöpfen der Unsterbliche und sein bester Freund Aaron wieder Hoffnung. Es gibt eine Waffe gegen die scheinbar unbesiegbaren Drachen!
Doch auch die mächtigen Himmelsschlangen sind auf diese Waffe aufmerksam geworden. Während sie eine Armee von Zwergen in die Hafenstadt Asugar senden, um die Menschen endgültig zu schlagen, soll einer einzigen Drachenelfe, Nandalee, das Unmögliche gelingen: noch vor den Menschen die Waffe finden und bergen. Aber wird es Nachtatem, ihrem Herrn, wirklich gelingen, die Elfe noch einmal für seine Ziele in den Kampf zu schicken? Dieselbe Elfe, die ihm nahe kam wie niemand sonst und die zugleich sein Ende bedeuten könnte? Als aus dunklen Prophezeiungen Gewissheit wird, zeigt sich: Das Schicksal aller wird sich auf der magischen Welt Nangog entscheiden …
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Kurz ließ er sich treiben, holte Atem, sammelte sich und verschloss die Ohren vor dem ungeheuerlichen Tosen, in dem die Welt versank. Erst hoch vom Himmel herab sah er das ganze Ausmaß der Zerstörung.

Tief unter ihm, inmitten des Mahlstroms aus Felsgestein, Staub und Tod verglomm das brennende Wolkenschiff in glutrotem Licht wie eine sterbende Sonne. Immer mehr weitete sich der Strudel aus Fels und Staub aus, fraß unerbittlich, was eben noch sicherer Boden gewesen war. Spalten, weit wie Täler, griffen ins Land hinaus. Am Horizont stürzte der Große Fluss in meilenweiten silbernen Kaskaden in den Abgrund.

Ja, die Welt verschlang sich wirklich selbst.

Nachtatem wandte sich ab. Stieg weiter in den Himmel hinauf und flog schließlich gen Osten. Er wusste, dass dieses Unheil unumkehrbar war und welchen Anteil er daran hatte. Er hatte seine Macht zu zögerlich gebraucht, es anderen überlassen, seinen Kampf zu führen. Er hatte gewusst, dass die Devanthar den alten Vertrag brachen. Gleich als sie die ersten Menschen hierherbrachten, hätte er seine Brüder zum Kampf rufen sollen. Doch er hatte sich entschieden abzuwarten. Er hatte darauf vertraut, dass sie von einer Welt, in der keine Kinder geboren wurden, wieder ablassen würden. Er hatte sich in den Menschen getäuscht. Vielleicht hätte er auch viel früher seine Stimme erheben müssen … Schon damals, als Alben und Devanthar die Riesin Nangog bestraften.

Warum hatten die Götter der Riesin keine eigene Welt gönnen können? Hätte sein Einspruch den Lauf aller Dinge verändern können? Damals hatte er das Urteil gegen die Riesin als ungerecht empfunden. Warum hatte er geschwiegen? Wie nie zuvor empfand er sein langes Leben als Last. Diese Schlacht heute hätte nicht geschlagen werden dürfen … Nie zuvor hatte er erleben müssen, wie sich ein Sieg in eine so verheerende Niederlage verwandelte.

Der Erstgeschlüpfte suchte nach einem der Albensterne. Er war müde. Lange flog er durch den blutroten Himmel, bis er einen Albenstern fand – weit entfernt vom Mahlstrom des Verderbens, auf einer Lichtung bei einem dunklen Teich voller Seerosen. Hier war das Beben nicht zu spüren. Noch nicht.

Ein Wort der Macht, ein Gedanke, und zwei Lichtschlangen entsprangen dem Wasser. Sie neigten sich einander zu und formten ein Tor, hinter dem ein Goldener Pfad durch die Finsternis führte.

Tausende Male war er auf Pfaden wie diesem gegangen, und ohne Mühe fand er den Weg zurück in den Jadegarten, wo tief unter einer Pyramide, alt wie die Welt, die weite Grotte lag, die seine Zuflucht geworden war.

Dort rollte er sich zusammen und überließ sich seinem Schmerz.

Der letzte Kuss

Dylan hielt den Arm um sie gelegt, das war alles, was er noch tun konnte. Myrella war tapfer. Die Tränen, die über ihre Wangen liefen, hatten nichts mit dem nahen Ende zu tun. Es war der grelle Lichtblitz, der sie weinen ließ. Obwohl sie sich beide abgewandt hatten, war das Licht durch ihre geschlossenen Lider geschossen wie sengende Pfeile. Es war ein letzter Schmerz, der sie daran erinnerte, dass sie noch am Leben waren.

Beide saßen sie in einer Nische in einem der äußeren Felsen. Es war verlassen hier. Die Adler waren längst fortgeflogen. Die meisten Besatzungsmitglieder des Himmellands hatten versucht, mit Luftaalen zu entkommen, oder aber sich tief ins Innere der Felsen zurückgezogen.

Dylan blickte in den Abgrund. Die Erde brach immer weiter auf. Spalten streckten sich meilenweit ins Umland. Der Fluss wurde in die Tiefe gerissen. Die Wolkensammler wurden vom Sog ergriffen und verschlungen. Nur einige Himmelsrochen hatten fliehen können. Doch für wie lange?

Dylan war überzeugt, dass das Unglück alle einholen würde, die noch auf Nangog waren. Er war ein guter Zauberweber, doch fliegen konnte er nicht. Er hätte Myrella gerne gerettet, das unausgesprochene Versprechen, dass er sie immer beschützen würde, eingelöst.

Das Schwert war sein Leben gewesen. Manche hielten ihn für weise, blickte er aber durch den verklärenden Schleier, mit dem sie seine Taten umgaben, war er stets den Weg des Schwertes gegangen, um Lösungen zu finden. Dieser Weg war es, der ihn hierher geführt hatte. An den Ort, an dem sein Schwert nichts auszurichten vermochte.

Myrella drückte sich noch fester an ihn. So gerne hätte er ihr über das Haar gestrichen und ihr gesagt: Alles wird gut. Er würde sie nicht belügen. Sie war schön. Er mochte sie. So gerne wäre er der für sie gewesen, den sie in ihm sah.

Das Himmelland neigte sich noch steiler dem Abgrund entgegen. Ein infernalischer Lärm stieg von dort unten auf. Dylan hatte nicht gewusst, dass Wolkensammler schreien konnten. Sie waren zu hören – die Menschenkinder nicht. Ihre Schreie wurden vom Donner gegeneinanderschlagender Felsen übertönt. Er war vergleichbar mit dem Tosen eines Wasserfalls, nur dass hier nicht Wasser stürzte, sondern ein Strom aus Felsen, Häusern, Erde und Bäumen. Alles, was fest sein sollte, war beweglich geworden. Es gab keinen Halt mehr.

An der Weißen Halle hatte er oft mit Gonvalon gestritten. Er hatte es stets für unverantwortlich gehalten, wenn er eine Affäre mit jenen begann, die ihm anvertraut waren. Er hätte ihnen ein Vorbild, ein weiser Lehrer, sein müssen. Bewundert zu werden war erstrebenswert. Doch die Grenze aufzugeben war eines Meisters der Weißen Halle unwürdig. So hatte Dylan immer gedacht. Hatte er sich geirrt? Stand aufrichtige Liebe über dieser Regel?

Es war diese Regel, die ihn in der kurzen Zeit, die er Myrella kannte, immer einen Abstand hatte halten lassen, obwohl er gespürt hatte, dass sie sich wünschte, diese Distanz überwinden zu können. Jetzt gab es keine Möglichkeit mehr, mit ihr zu sprechen. Das Getöse der einstürzenden Welt würde jedes Wort verschlingen, bevor es ihr Ohr erreichte.

Er beugte sich zu ihr hinab. Suchte in ihren Augen nach Widerspruch … Stattdessen zog sie ihn an sich und küsste ihn. Ihre warmen Lippen zu spüren löschte die Welt aus. Er schloss die Augen. Da war nur noch sie. Ihre unschuldige Sehnsucht. Ihr … Hätte er nur früher seiner Sehnsucht nachgegeben!

Plötzlich änderte sich etwas. Ihre Lippen …

Er sah sie an. Sie wirkte überrascht. Traurig … Silbernes Licht umspielte sie. Sie war nur noch Licht. Eine ätherische Erscheinung, die binnen Augenblicken verblasste. Myrella versuchte, weiter seine Hand zu halten. Wollte sie bleiben oder ihn mit sich nehmen? Ihre Finger glitten durch ihn hindurch. Dann war sie fort. Ihr Leben hatte sich erfüllt. Sie war ins Mondlicht gegangen.

Aufgewühlt strich er mit der Rechten über seinen Leib. Er war noch ganz hier. Er würde bleiben. Mochte er auch in diesem Leben seinen letzten Kampf gefochten haben, das Ziel seines Seins hatte er noch nicht gefunden. Er würde wiedergeboren werden, den Weg von Neuem gehen, bis er das Schicksal fand, das ihm vorherbestimmt war. Myrella aber würde ihm nie wieder begegnen. Ihre Seele war aus dem Zyklus von Tod und Wiedergeburt getreten.

Gefasst sah er in den Abgrund. Er sah, wie andere Albenkinder von benachbarten Felsen sprangen, um dem Grauen schneller ein Ende zu bereiten. Das würde er nicht tun. Er würde bis zuletzt auf seinem Posten verharren. Aber er erlaubte sich, seine Augen zu schließen und das Bild Myrellas in seinem Inneren erstehen zu lassen. Er spürte ihre Lippen noch auf den seinen. Und war ganz bei ihr, wo immer sie jetzt auch sein mochte.

Metamorphose

Der Goldene landete hinter der Felsoase, in der sein dunkler Bruder sein Refugium hatte. Er hatte sich Zeit gelassen hierherzukommen. Mehr als zwei Stunden waren seit seiner Flucht von der sterbenden Welt vergangen. Die meisten Wunden, die er empfangen hatte, waren geheilt.

Er faltete seine weiten Schwingen, dann tastete er nach dem Schmerz an seinem Rumpf. Er saß dicht unter dem Ansatz seines rechten Flügels. Sehr vorsichtig hatte er das Schwert dort unter seine Schuppenhaut geschoben. Es hatte ihn geschwächt, unbarmherzig von seiner Lebenskraft getrunken, obwohl er seine Kräfte genutzt hatte, es mit einer Haut zu umgeben, die es von seinem Muskelfleisch trennte. Er hatte es isoliert und doch nicht ganz beherrschen können. Es war erschaffen, nicht zu beherrschen zu sein.

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