Die Pflicht zu schweigen
- Автор: Шелдон Сидни
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Die Pflicht zu schweigen». Краткое содержание книги:
Über den Autor
Sidney Sheldon, geboren 1917, war ein absolutes Phänomen in der internationalen Buchwelt. Erst mit fünfzig schrieb er seinen ersten Roman Das nackte Gesicht. Seither sind von zahlreiche Bücher erschienen, jedes ein Weltbestseller, jedes in viele Sprachen übersetzt und alle verfilmt. Sidney Sheldon lebte abwechselnd in Los Angeles, Palm Springs und London. 2007 verstarb der Autor.
Ungekürzte Ausgabe Titel der Originalausgabe: Nothing Lasts Forever Originalverlag: William Morrow and Company, Inc., New York
Die Kämpfe und Schießereien ließen schließlich nach, doch an jenem Morgen hatte Curt Taylor eine Entscheidung getroffen.
Er schickte seinem Bruder ein Telegramm. Schicke Paige mit nächstem Flugzeug. Einzelheiten später. Bitte hol sie am Flughafen ab.
Als Paige davon hörte, bekam sie einen Wutanfall. Sie schluchzte verzweifelt, als man sie zu dem staubigen kleinen Flughafen brachte. Dort wartete schon eine Piper Cub, um sie zu einer Stadt zu bringen, von wo aus sie nach Johannesburg weiterfliegen konnte.
Paige weinte. »Du schickst mich bloß weg, weil du mich loswerden willst!«
Der Vater hielt sie eng umschlungen. »Ich liebe dich mehr als alles auf der Welt, Schatz. Du wirst mir in jedem Augenblick fehlen. Aber ich werde bald in die USA zurückkehren, dann sind wir wieder beisammen.«
»Versprichst du's mir?«
»Ich verspreche es dir.«
Alfred war zum Abschied mitgekommen.
»Mach dir keine Sorgen«, hatte Alfred gesagt. »Ich werde kommen und dich holen, sobald ich kann. Wirst du auf mich warten?«
Das war, nach all den Jahren, die sie sich schon kannten, eine reichlich alberne Frage gewesen.
»Natürlich werde ich auf dich warten.«
Als Paige drei Tage später im O'Hare Airport in Chicago eintraf, wurde sie von ihrem Onkel Richard abgeholt, dem sie noch nie begegnet war. Sie wußte lediglich, daß er ein äußerst wohlhabender Geschäftsmann war, der vor einigen Jahren seine Frau verloren hatte. »Er ist der Erfolgreiche in unserer Familie«, hatte Paiges Vater immer gesagt.
Die ersten Worte ihres Onkels raubten ihr die Sprache. »Es tut mir leid, dir das sagen zu müssen, Paige, aber ich habe soeben die Nachricht erhalten, daß dein Vater bei einem Eingeborenenaufstand ums Leben gekommen ist.«
In diesem Augenblick war für sie die ganze Welt zusammengebrochen. Der Schmerz war so stark, daß sie ihn nicht zu ertragen können glaubte. Mein Onkel soll mich nicht weinen sehen, schwor sich Paige. Das werde ich nicht zulassen. Ich hätte Vater nie verlassen dürfen. Ich kehre nach Afrika zurück.
Auf der Fahrt vom Flughafen starrte Paige aus dem Fenster auf den starken Verkehr. »Ich hasse Chicago.« »Aber warum, Paige?« »Weil's ein Dschungel ist.«
Richard wollte Paige nicht zur Beerdigung des Vaters nach Afrika zurückfliegen lassen, und das versetzte sie in Rage.
Er versuchte es mit Vernunft. »Paige - dein Vater ist bereits begraben worden. Es gibt überhaupt keinen Grund, warum du dorthin zurückfliegen solltest.« Einen Grund gab es aber doch: Dort war Alfred.
Der Onkel wollte wenige Tage nach ihrer Ankunft mit ihr über die Zukunft diskutieren.
»Da gibt es nichts zu diskutieren«, teilte ihm Paige mit. »Ich werde Ärztin.«
Als Paige im Alter von einundzwanzig Jahren das College hinter sich hatte, bewarb sie sich bei zehn medizinischen Fakultäten und wurde von allen zehn angenommen. Sie entschied sich für eine Hochschule in Boston.
Es dauerte zwei Tage, bis sie Alfred endlich telefonisch in Zaire erreichte, wo er als Teilzeitkraft in einem WHO-Team mitarbeitete.
Als Paige ihm die Nachricht mitteilte, sagte er: »Aber das ist ja wunderbar, Liebling. Ich bin bald mit dem Medizinstudium fertig. Ich bleibe noch eine Zeitlang bei der Weltgesundheitsorganisation, aber in ein paar Jahren können wir dann zusammen praktizieren.« Zusammen. Das Zauberwort.
»Paige, ich muß dich unbedingt wiedersehen. Wenn ich ein paar Tage freibekäme - könntest du mich in Hawaii treffen?« Da gab es gar kein Zögern. »Ja.«
Und sie hatten es geschafft, alle beide, und hinterher konnte Paige sich nur ausmalen, wie schwierig die lange Reise für Alfred gewesen sein mußte - er hatte es mit keinem einzigen Wort erwähnt.
Sie verbrachten drei unglaublich schöne Tage in einem kleinen Hotel in Hawaii, Sunny Cove hieß es, und es war ganz so, als wären sie nie getrennt gewesen. Paige hätte Alfred am liebsten gebeten, sie nach Boston zu begleiten, wußte jedoch, wie egoistisch das wäre. Seine Arbeit in Afrika war doch viel wichtiger.
Als sie sich an ihrem letzten gemeinsamen Tag ankleideten, fragte Paige: »Wohin werden sie dich senden, Alfred?«
»Nach Gambia. Vielleicht auch nach Bangladesh.«
Um Leben zu retten, um Menschen zu helfen, die ihn verzweifelt brauchen. Sie drückte ihn an sich und schloß die Augen. Sie hätte ihn am liebsten nicht mehr fortgehen lassen.
Und als ob er ihre Gedanken gelesen hätte, versprach er: »Ich werde dich nie verlassen.«
Paige nahm ihr Medizinstudium auf. Sie korrespondierte regelmäßig mit Alfred. Und ganz gleich, in welchem Teil der Welt Alfred sich gerade befinden mochte - es gelang ihm immer, sie an ihrem Geburtstag und zu Weihnachten anzurufen.
»Paige?«
»Liebling! Wo bist du?«
»Im Senegal. Ich hab' mir ausgerechnet, daß ich nur etwa achttausendachthundert Meilen vom Sunny Cove entfernt bin.«
Es dauerte einen Moment, bis bei ihr der Groschen fiel.
»Soll das heißen ...?«
»Könntest du mich zu Silvester in Hawaii treffen?«
»O ja! Ja!«
Alfred reiste fast um die halbe Welt, um bei ihr zu sein, und diesmal war der Zauber sogar noch viel stärker. Die Zeit stand für die
beiden still.
»Im nächsten Jahr werde ich bei der WHO ein eigenes Team leiten«, sagte Alfred. »Ich möchte gern, daß wir heiraten, sobald du mit deinem Medizinstudium fertig bist.«
Sie hatten sich in der Zwischenzeit noch einmal wiedersehen können; und wenn sie sich nicht sehen konnten, dann überbrückten sie Raum und Zeit mit Briefen.
In all diesen Jahren hatte er wie sein eigener Vater und wie Paiges Vater als Arzt in Ländern der dritten Welt gearbeitet und den gleichen wunderbaren Dienst getan, den schon ihre beiden Väter geleistet hatten. Und nun kam er endlich heim - heim zu ihr.
Es war schon das fünfte Mal, daß Paige Alfreds Telegramm las, und sie dachte nur: Er kommt nach San Francisco!
Kat und Honey waren in ihren Zimmern und schliefen schon, doch Paige schüttelte sie wach. »Alfred kommt! Er kommt! Am Sonntag wird er da sein!«
»Wunderbar«, murmelte Kat. »Warum weckst du mich dann nicht erst am Sonntag auf? Ich bin gerade erst zu Bett gegangen.«
Honey zeigte sich aufgeschlossener. Sie setzte sich im Bett auf und rief spontan: »Das ist ja großartig! Ich bin so gespannt, ihn kennenzulernen. Wie lang ist es jetzt her, daß ihr euch gesehen habt?«