Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
»Das gehört zu meinem Beruf«, sagte Fouché, »und ich beglückwünsche Sie dazu, wie Sie Ihre Angelegenheiten geregelt haben. Waren Sie mit dem Rat, den ich Ihnen gab, zufrieden?«
»Sicherlich; ein Mann mit der Scharfsicht Ihrer Exzellenz kann nur gute Ratschläge geben.«
»Es geht nicht allein um gute Ratschläge, mein lieber Monsieur René, sondern darum, dass sie auch befolgt werden. Und in dieser Hinsicht kann ich Ihnen nur gratulieren. Ich habe hier die Abschrift eines Briefs Monsieur Surcoufs an den Marineminister, in dem er ein Gefecht und das Kapern der Standard schildert. Es ist die Rede von einem Matrosen namens René, der sich dabei so hervorgetan hat, dass Surcouf keine Bedenken hatte, ihn zum Seekadetten erster Klasse zu befördern; die Anteilnahme, die ich diesem Monsieur René entgegenbringe, hat mich veranlasst, meinen Kollegen Monsieur Decrès um die Abschrift zu bitten. Und ich habe einen zweiten Brief, abermals an den Marineminister, in dem Surcouf seine Ankunft auf der Île de France berichtet und mitteilt, dass er den Seekadetten René beurlaubt habe, damit dieser mit einem aus eigenen Mitteln gekauften Schiff und unter amerikanischer Flagge seine zwei Cousinen und den Leichnam seines Onkels, des Vicomte de Sainte-Hermine, nach Birma begleiten konnte. Und in einem dritten Brief erfährt man von seiner Rückkehr zur Île de France, nachdem er wahre Heldentaten gegen die furchterregendsten und vielfältigsten Ungeheuer bestanden hat, wobei lediglich von Tigern von der Größe des nemäischen Löwen und Schlangen von den Ausmaßen des Drachen Python die Rede ist. Nach seiner Rückkehr aus Birma ist der Seekadett René mitten in ein Seegefecht geraten, das Surcouf gegen zwei englische Schiffe focht, er enterte das eine, so dass Surcouf das andere einnehmen konnte, wobei er sich nicht lange bitten ließ, wie sich jeder denken kann, der ihn kennt. Daraufhin teilte unser René seinen Prisenanteil zwischen den Armen der Île de France und seinen Matrosen, und in Kenntnis der Anweisungen des Kaisers, die Engländer durch ein großes Seegefecht vom Ärmelkanal abzuziehen, hat er um die Erlaubnis nachgesucht, an diesem Kampf teilzunehmen; mit Empfehlungsschreiben General Decaens versehen, des Gouverneurs der Île de France, und mit der Erlaubnis seines Kommandanten Surcouf hat er sich wieder auf seiner kleinen Runner of New York eingeschifft und ist drei Tage vor der Schlacht von Trafalgar in der Bucht von Cadiz eingetroffen. Er hat sich unverzüglich an Bord der Redoutable begeben, und ihr Kommandant, Kapitän Lucas, hat ihm den Rang eines dritten Leutnants verliehen.
Die Schlacht fand statt, Kapitän Lucas, von drei gegnerischen Schiffen bedrängt, hat sich in die Victory verbissen, und es wäre ihm gelungen, das englische Flaggschiff zu entern, wenn nicht die Temeraire dazwischengekommen wäre, die mit einer einzigen Breitseite hundertachtzig Männer an Bord der Redoutable getötet hat. Unterdessen war Nelson tödlich getroffen worden, und zwar von einer Kugel, die vom Mastkorb des Besanmasts der Redoutable abgefeuert worden war, wie es heißt, von einem dritten Leutnant namens René, der keinen festen Posten an Bord hatte und dem Kapitän Lucas erlaubt hatte, sich seinen Posten auszusuchen, woraufhin er selbstverständlich den gefährlichsten gewählt hat...« Unvermittelt hielt Fouché inne und sah den jungen Mann eindringlich an: »Stimmt es«, fragte er dann, »dass der dritte Leutnant René Admiral Nelson erschossen hat?«
»Ich kann es nicht mit Sicherheit behaupten, Herr Minister«, erwiderte René, »ich befand mich als Einziger mit einem Gewehr im Besanmastkorb; Nelson konnte ich für einen Augenblick an seinem blauen Rock, seinen Orden und seinen Generalsepauletten erkennen, ich habe auf ihn geschossen, doch aus den Mastkörben des Großmasts und des Fockmasts wurde ebenfalls gefeuert, so dass ich nicht mit Sicherheit behaupten kann, ich hätte Frankreich von diesem furchtbaren Feind erlöst.«
»Ich kann es auch nicht mit Sicherheit behaupten«, sagte Fouché, »aber jedem, der es wissen will, werde ich bereitwillig weitersagen, was man mir berichtet hat.«
»Dann sind Ihre Exzellenz zweifellos mit dem Ende meiner Odyssee ebenso vertraut wie mit ihrem Beginn?«
»Ja. Als Gefangener auf der Samson unter Kapitän Parker wurden Sie nach Gibraltar und von dort nach England gebracht, und nach einem schrecklichen Unwetter haben Sie sich mit Ihren Männern an die Pumpen gestellt und das Schiff gerettet, das ohne Ihre Hilfe gesunken wäre; zusammen mit sieben Mithäftlingen sind Sie aus dem Gefängnis von Cork entflohen, Sie haben auf dem Fluss Shannon einen kleinen Kutter gekapert und seinen Besitzer an Land abgesetzt, und mit diesem Kutter sind Sie nach Saint-Malo zurückgefahren; Sie waren der Ansicht, dem Besitzer eine Entschädigung zu schulden, und haben ihm deshalb einen Wechsel über zweitausendfünfhundert Francs auf das Bankhaus O’Brien in Dublin ausgestellt.«
»Verehrter Herr Minister«, fiel ihm René ins Wort, »ich muss sagen, dass Sie offenbar allwissend sind.«
»Sie werden verstehen, mein Lieber, dass es nicht alle Tage vorkommt, dass ein Matrose mit seinen letzten Groschen eine amerikanische Slup kauft, um auf eigene Rechnung unter neutraler Flagge zu segeln, dass er seine Prisengelder an die Armen und an seine Matrosen verteilt, dass er zweitausend Meilen zurücklegt, um auf der Seite der Unterlegenen in der Schlacht von Trafalgar zu kämpfen, dass er nach seiner Gefangennahme und nach acht Tagen Haft aus dem Gefängnis flieht, dass er sich nach seiner Rückkehr nach Frankreich als Erstes daran erinnert, einem armseligen Küstenschiffer den erbärmlichen Kutter weggenommen zu haben, der dessen einzige Erwerbsquelle war, und dass er, nachdem der Kutter auf einen Wert von elfhundert Francs veranschlagt wurde, dem Besitzer, bei dem er ihn ausgeborgt hatte, zweitausendfünfhundert Francs schicken lässt. Sie bezahlen Ihre Schulden sehr liberal, mein Herr, angefangen mit der Dankesschuld bei mir. Da meine letzten Ratschläge auf so fruchtbaren Boden fielen, wären Sie wohl bereit, den Rat, den ich Ihnen jetzt geben will, in einem Winkel Ihres Gedächtnisses aufzubewahren?«
»Geben Sie ihn, Monsieur, geben Sie ihn.«
»Sie nennen sich Monsieur René, und unter diesem Namen wird der Kaiser Sie empfangen; merken Sie sich gut, dass in dem Bericht, den ich für ihn abfassen oder abfassen lassen werde, keine Rede von einem Grafen von Sainte-Hermine sein wird. Der Kaiser hat keine Vorbehalte gegen den Matrosen René, und er wird sich Ihrer weiteren Laufbahn nicht nur nicht widersetzen, sondern sie nach Kräften fördern; sollte er aber den geringsten Zusammenhang zwischen dem Matrosen René und dem Grafen von Sainte-Hermine erkennen, würde er ungnädig werden, und Sie hätten mit höchster Wahrscheinlichkeit Ihre Wundertaten völlig vergebens vollbracht und müssten wieder von vorne anfangen. Deshalb habe ich Sie sofort nach Ihrer Ankunft holen lassen; der Kaiser wird voraussichtlich am 26. des Monats hier sein. Suchen Sie Kapitän Lucas im Marineministerium auf; der Kaiser wird ihn umgehend nach seinem Eintreffen zu sehen wünschen; und wenn Lucas Ihnen anbietet, Sie dem Kaiser vorzustellen, dann nehmen Sie an. Einen besseren Vermittler können Sie sich nicht wünschen, und ich zweifle nicht daran, dass der dritte Leutnant René sowohl militärisch als auch im zivilen Leben ein gemachter Mann sein wird, sofern Sie den Grafen von Sainte-Hermine in der Versenkung verschwinden zu lassen geruhen wollen.«
Als René sich von Seiner Exzellenz dem Polizeiminister verabschiedete, war er so ratlos wie zuvor, warum Fouché ihm so warme Anteilnahme entgegenbrachte. Hätte Fouché sich die gleiche Frage gestellt, hätte er sich wahrscheinlich achselzuckend gesagt: »Es gibt eben Menschen, die so sympathisch sind, dass sie sogar den Griesgrämigsten für sich einnehmen.«
René begab sich auf der Stelle zum Marineministerium, wo er Lucas vorfand, der von seiner Verwundung genesen war und mit Entzücken erfuhr, wie René mit den Engländern verfahren war.