Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
»Und wenn Sie in den Reihen meiner Feinde wären, würden Sie auf mich anlegen?«
»In den Reihen Ihrer Feinde wäre ich niemals anzutreffen, Sire!«
»Sehr gut.«
Er bedeutete René, sich zurückzuziehen, ohne das Zimmer zu verlassen, und winkte Lucas zu sich.
»Kommandant«, sagte er zu ihm, »heutigen Tages erkläre ich England und Preußen den Krieg. In einem Krieg gegen Preußen, das nur einen engen Zugang zum Meer hat, gibt es für Sie nicht viel Arbeit, doch in einem Krieg gegen England werden Sie alle Hände voll zu tun haben. Sie zählen zu jenen, die seinerzeit sagten, sie verstünden zu sterben und scheuten den Tod nicht.«
»Sire«, sagte Lucas, »Admiral Villeneuve habe ich bei Trafalgar keine Sekunde aus den Augen verloren. Keiner von uns würde zu behaupten wagen, er hätte seine Pflicht anders als aufs Trefflichste und Gewissenhafteste erfüllt.«
»Gewiss, in der Schlacht von Trafalgar. Das weiß ich, aber bis dahin hat er meine Geduld arg auf die Probe gestellt. Ihm verdanke ich es, dass ich in Wien war, statt in London zu sein.«
»Sire, der Wechsel der Marschrichtung hat Ihnen nicht zum Nachteil gereicht.«
»Er hat mir Ruhm eingebracht, aber Sie sehen selbst, dass ich wieder von vorne anfangen muss, obwohl ich bis Wien vorgestoßen war, und deshalb bleibt mir nichts anderes übrig, als England und Preußen den Krieg zu erklären. Doch wenn es keinen anderen Weg gibt, dann werde ich England eben auf dem Festland schlagen, indem ich die Könige schlage, die es unterstützt. Kommandant Lucas, ich werde Sie vor Beginn dieses Feldzugs wiedersehen; ich bitte Sie, dieses Kreuz der Ehrenlegion anzunehmen, und vergessen Sie nicht, dass das Kreuz, das ich Ihnen gebe, mein eigenes war.«
Dann wendete er sich an René: »Was Sie betrifft, Monsieur René, teilen Sie bitte meinem Adjutanten Duroc Ihren Namen und Vornamen mit, und wir werden uns bemühen, Sie nach Möglichkeit nicht von Ihrem Freund zu trennen.«
»Sire«, sagte René, der näher trat und sich verneigte, »da Ihre Majestät mich nicht wiedererkannt haben, könnte ich den Namen beibehalten, unter dem man mich Ihnen gegenüber erwähnt hat und unter dem ich Ihnen vorgestellt wurde, doch das hieße den Kaiser täuschen. Napoelons Zorn darf man sich zuziehen, aber man täuscht ihn nicht. Sire, für alle Welt bin ich René, doch für Ihre Majestät bin ich der Graf von Sainte-Hermine.«
Und ohne zurückzuweichen, verbeugte er sich wieder vor dem Kaiser und wartete.
Der Kaiser verharrte einen Augenblick lang reglos; er runzelte die Stirn, und seine Miene zeigte zuerst Erstaunen und dann Unmut.
»Das war recht getan, Monsieur, aber es war nicht genug, dass ich Ihnen vergeben könnte. Gehen Sie nach Hause, hinterlassen Sie Ihre Adresse bei Duroc, und warten Sie auf meine Ordres, die Fouché Ihnen übermitteln wird. Denn wenn ich mich nicht täusche, ist Monsieur Fouché einer Ihrer Gönner.«
»Ohne dass ich es verdient hätte, Sire«, sagte Sainte-Hermine und verbeugte sich.
Dann ging er hinaus und wartete im Wagen auf Kapitän Lucas.
»Sire«, sagte Lucas unterdessen, »ich weiß nicht das Geringste, was die Gründe betrifft, dass Ihre Majestät meinem armen Freund René übelgesinnt sein könnten; aber ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, dass er einer der treuesten und tapfersten Männer ist, die ich kenne.«
»Zum Teufel!«, sagte Napoleon. »Das habe ich selbst gesehen! Wenn er sich nicht ohne Not offenbart hätte, wäre er jetzt Fregattenleutnant!«
Als er allein war, blieb Napoleon einen Augenblick lang nachdenklich stehen; dann warf er seine zerknitterten Handschuhe voller Heftigkeit auf den Schreibtisch und murmelte: »Das Glück ist mir abhold! Solche Männer wie diesen brauchte ich in meiner Marine.«
René oder der Graf von Sainte-Hermine wiederum konnte nichts anderes tun, als den Befehl zu befolgen, den er erhalten hatte.
Und das tat er.
Er kehrte in das Hotel Mirabeau in der Rue Richelieu zurück und wartete.
98
Die Postkutsche von Rom
Am 2. Dezember 1805 hatte Napoleon die Schlacht von Austerlitz gewonnen.
Am 27. hatte er dekretiert, dass das Herrscherhaus von Neapel nicht mehr regierte.
Am 15. Februar war Joseph Bonaparte in die Stadt eingezogen, nachdem die Bourbonen zum zweiten Mal desertiert waren, und am 30. März war er zum König beider Sizilien proklamiert worden.
Im Gefolge des neuen oder besser künftigen Königs von Neapel hatte die französische Armee den Römischen Staat besetzt, was den Heiligen Vater so über alle Maßen verärgert hatte, dass er Kardinal Fesch herbeizitiert hatte, um sich über das zu beklagen, was er als Verletzung von Landesgrenzen bezeichnete.
Kardinal Fesch hatte sich an Napoleon gewendet.
Napoleon hatte geantwortet:
Verehrter Heiliger Vater, Sie sind unbestritten der Herrscher von Rom, doch Rom ist Teil des französischen Kaiserreichs; Sie sind Papst, aber ich bin Kaiser, wie es die Kaiser des Römischen Reiches Deutscher Nation waren, wie es vor mir Karl der Große war, und für Sie bin ich Karl der Große in mehr als einer Hinsicht, denn ich bin es sowohl meiner Macht als auch meiner Wohltätigkeit wegen: Und deshalb werden Sie sich den Bündnisgesetzen des Kaiserreichs unterwerfen und Ihr Gebiet meinen Freunden öffnen und ihren Feinden verschließen.
Auf diese ganz und gar napoleonische Antwort hatten die für gewöhnlich so milden Augen Seiner Heiligkeit Funken gesprüht, und er hatte Kardinal Fesch erwidert, dass er keinen Herrscher über sich anerkenne und den Widerstand Gregors VII. zu wiederholen bereit sei, wenn Napoleon die Unterdrückung eines Heinrich IV. wiederholen wolle.
Daraufhin erwiderte Napoleon mit unverhüllter Herablassung, im 19. Jahrhundert sei ihm vor geistlichen Waffen wenig angst, und im Übrigen werde er keinen Vorwand für ihre Verwendung liefern, da er davon Abstand nehme, sich in religiöse Belange einzumischen; er begnüge sich damit, den gegenwärtigen Herrscher auf weltlichem Gebiet zu schlagen, und überlasse dem Papst als dem verehrten Bischof Roms und Oberhaupt aller Bischöfe der Christenheit den Vatikan.
Diese Verhandlungen hatten den ganzen Dezember des Jahres 1805 beansprucht, ohne einen Fortschritt oder Rückschritt zu erzielen, und Napoleon hatte diesen Monat dazu benutzt, unmissverständlich klarzumachen, dass es ihm mit seinen Ankündigungen ernst war, indem er General Lemarois die Regierungsbezirke Urbino, Ancona und Macerata besetzen ließ, die sich an der Adria entlangziehen.
Daraufhin nahm Pius VII. Abstand von seinem Vorhaben, Napoleon zu exkommunizieren, und ließ sich dazu herbei, ein Abkommen unter folgenden Bedingungen in Betracht zu ziehen:
Der Papst, unabhängiger Souverän über den Kirchenstaat, von Frankreich als solcher anerkannt und bestätigt, erklärte sich bereit, zusätzlich eine Allianz mit Frankreich zu schließen und im Kriegsfall den Feinden Frankreichs keinen Zutritt zu seinem Kirchenstaat zu gewähren; französische Truppen würden Ancona, Ostia und Civitavecchia besetzt halten, aber von der französischen Regierung unterhalten werden; der Papst verpflichtete sich, den verlandeten Hafen von Ancona ausheben und instand setzen zu lassen; er erklärte sich bereit, König Joseph anzuerkennen, den Konsul König Ferdinands, alle Franzosenmörder und die eidverweigernden neapolitanischen Kardinäle des Kirchenstaats zu verweisen sowie auf sein angestammtes Recht der Investitur der Krone Neapels zu verzichten; er erklärte sich bereit, das für Italien geltende Konkordat auch für alle vormals italienischen Regierungsbezirke anzuerkennen, die in französische Regierungsbezirke umgewandelt worden waren; er würde unverzüglich die französischen und italienischen Bischöfe ernennen und sie der Reise nach Rom entbinden; er würde Bevollmächtigte ernennen, die ermächtigt waren, ein Konkordat für die deutschen Gebiete abzuschließen, und zuletzt würde er sich bereit erklären, die Anzahl der französischen Kardinäle im Kardinalskollegium auf ein Drittel aller Kardinäle zu erhöhen, um Frankreichs Einfluss im Verhältnis zu seiner territorialen Ausdehnung Anerkennung zu zollen und um die Bereitschaft Seiner Heiligkeit zu bezeugen, Napoleon gegenüber Entgegenkommen zu beweisen.