Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Und gab es dort Liebe? Jenseits der Grenzen von Sein und Zeit … war alle Liebe möglich? War sie notwendig?
Die Stimme meiner Gedanken schien Onkel Lamb zu sein. Meine Familie und alle Liebe meiner Kindheit. Ein Mann, der nie von Liebe gesprochen hatte, der es nicht gebraucht hatte, denn ich wusste, dass er mich liebte, so sicher, wie ich wusste, dass ich lebte. Denn wo alle Liebe ist, sind keine Worte notwendig. Sie ist alles. Sie ist unsterblich. Und sie ist genug.
Die Zeit verrann, ohne dass ich es merkte, und ich war verblüfft, als Anselm plötzlich vor mir auftauchte. Er kam durch die kleine Tür neben dem Altar. Aber hatte er nicht hinter mir gesessen? Als ich mich umschaute, sah ich, wie einer der jungen Mönche, dessen Namen ich nicht kannte, am rückwärtigen Eingang das Knie beugte. Anselm verneigte sich tief vor dem Altar, dann winkte er mich kopfnickend zur Tür.
»Ihr wart fort?«, sagte ich, als wir die Kapelle verlassen hatten. »Aber ich dachte, Ihr dürft das, äh, das Sakrament nicht allein lassen?«
Er lächelte seelenruhig. »Das habe ich ja auch nicht, ma chère. Ihr wart ja da.«
Ich verkniff es mir einzuwenden, dass ich nicht zählte. Es gab ja schließlich keine staatlich geprüften Beter. Man brauchte nur ein Mensch zu sein, und ich ging davon aus, dass ich das noch war, obwohl ich mich manchmal kaum noch so fühlte.
Jamies Kerze brannte noch, als ich an seiner Tür vorüberkam, und ich hörte ihn umblättern. Ich hätte gern angehalten, doch Anselm ging weiter, um mich zur Tür meines Zimmers zu bringen. Dort blieb ich stehen, um ihm eine gute Nacht zu wünschen und ihm zu danken, dass er mich in die Kapelle mitgenommen hatte.
»Es war … erleichternd«, sagte ich. Es fiel mir schwer, das richtige Wort zu finden.
Er nickte und sah mir ins Gesicht. »Oui, Madame. Das ist es.« Als ich mich zum Gehen wandte, sagte er: »Ich habe Euch ja gesagt, dass das heilige Sakrament nicht allein war, weil Ihr da wart. Doch was ist mit Euch, ma chère? Wart Ihr allein?«
Ich hielt inne und sah ihn einen Moment an, ehe ich antwortete.
»Nein«, sagte ich. »Ich war nicht allein.«
Kapitel 39
Der Preis für eine Menschenseele
Am Morgen wollte ich wie üblich nach Jamie sehen und hoffte, dass es ihm gelungen war, etwas zu frühstücken. Kurz vor seinem Zimmer glitt Murtagh aus einem Alkoven in der Wand und versperrte mir den Weg.
»Was ist?«, sagte ich abrupt. »Was ist passiert?« Mein Herz schlug schneller, und meine Handflächen waren plötzlich feucht.
Die Panik muss mir deutlich anzusehen gewesen sein, denn Murtagh schüttelte beruhigend den Kopf. »Nein, es geht ihm gut.« Er zuckte mit den Schultern. »Oder zumindest nicht schlechter als bisher.« Er drehte mich um, indem er mir leicht die Hand unter den Ellbogen legte, und ging mit mir zurück durch den Korridor. Ich erschrak und dachte, dass dies das erste Mal war, dass mich Murtagh von sich aus berührte; seine Hand lag leicht und kräftig auf meinem Arm wie ein Pelikanflügel.
»Was ist denn mit ihm?«, wollte ich wissen. Das zerfurchte Gesicht des kleinen Mannes war so ausdruckslos wie immer, doch seine faltigen Augenwinkel zuckten.
»Er will dich einfach jetzt nicht sehen.«
Ich blieb stehen und entzog mich seinem Griff.
»Und warum nicht?«, fragte ich.
Murtagh zögerte, als wählte er seine Worte mit großer Sorgfalt. »Nun ja, es ist nur … Er hat beschlossen, dass es besser wäre, wenn du ihn hierlässt und nach Schottland zurückkehrst. Er …«
Der Rest seines Satzes ging unter, weil ich mich rücksichtslos an ihm vorüberschob.
Die schwere Tür schlug leise hinter mir zu. Jamie lag dösend auf dem Bauch im Bett. Er war nicht zugedeckt und trug nur das kurze Gewand eines Novizen; das Holzkohlebecken in der Ecke erfüllte das Zimmer mit einer angenehmen Wärme, auch wenn die Luft ein wenig verqualmt war.
Er fuhr heftig zusammen, als ich ihn berührte. Seine Augen waren glasig vom Schlaf, und seine Träume schienen ihm nachzuhängen. Ich nahm seine Hand zwischen meine Hände, doch er zog sie fort. Mit beinahe verzweifelter Miene schloss er die Augen und vergrub das Gesicht in seinem Kissen.
Ich war bemüht, mir meine Verstörung nicht anmerken zu lassen, als ich mir wortlos einen Hocker nahm und mich an seinen Kopf setzte. »Ich werde dich nicht berühren«, sagte ich, »aber du musst mit mir reden.« Ich wartete mehrere Minuten ab, während er reglos dalag und einfach nur den Kopf einzog. Schließlich seufzte er und setzte sich. Langsam und schmerzerfüllt schwang er die Beine über die Kante der Liege.
»Aye«, sagte er ausdruckslos, ohne mich anzusehen, »aye, das muss ich wohl. Ich hätte es schon eher tun sollen … aber ich war so feige zu hoffen, ich brauchte es nicht.« Seine Stimme war bitter, und er hielt den Kopf gesenkt und legte die Hände lose um seine Knie. »Eigentlich hätte ich mich nie für einen Feigling gehalten, doch genau das bin ich. Ich hätte Randall dazu bringen sollen, mich zu töten, doch ich habe es nicht getan. Ich hatte keinen Grund mehr zum Leben, aber zum Sterben fehlte mir der Mut.« Seine Stimme wurde so leise, dass ich ihn kaum noch hören konnte. »Und ich habe gewusst, dass ich dich noch einmal sehen muss … um es dir zu sagen … aber … Claire, meine Liebe … oh, meine Liebe.«
Er nahm sich das Kissen und drückte es an sich wie zum Schutz, als Ersatz für den Trost, den er bei mir nicht suchen konnte. Einen Moment ließ er die Stirn darauf ruhen, um seine Kraft zusammenzusuchen.
»Als du mich in Wentworth zurückgelassen hast, Claire«, sagte er leise, ohne den Kopf zu heben, »habe ich zugehört, wie sich deine Schritte draußen auf den Steinen entfernten, und ich habe zu mir gesagt, ich werde jetzt an sie denken. Ich werde mich an sie erinnern, an die Berührung ihrer Haut und den Duft ihres Haars und an ihren Mund, wenn er sich auf den meinen legt. Ich werde an sie denken, bis sich diese Tür wieder öffnet. Und ich werde morgen an sie denken, wenn ich am Galgen stehe, um am Ende Mut zu schöpfen. Von dem Moment, wenn sich die Tür öffnet, bis zu dem Moment, wenn ich diesen Raum verlasse, um zu sterben …«, seine Hände ballten sich kurz zu Fäusten und lösten sich wieder, »… werde ich gar nicht denken«, schloss er leise.
Dann hatte er in dem kleinen Verlies die Augen geschlossen und gewartet. Er hatte keine großen Schmerzen, solange er stillsaß, doch er wusste, dass es bald schlimmer werden würde. Er hatte zwar Angst vor dem Schmerz, doch Schmerzen waren nichts Neues für ihn. Und er wusste, wie er darauf reagieren würde, so dass er darauf gefasst war, durchzuhalten, während er hoffte, dass sich seine Kräfte nicht zu schnell erschöpfen würden. Auch die Vorstellung, körperlich missbraucht zu werden, erfüllte ihn jetzt höchstens noch mit leisem Ekel. Die Verzweiflung diente auf ihre Weise als Betäubungsmittel.
Das Zimmer hatte kein Fenster, an dem er die Zeit hätte ablesen können. Es war Mittag gewesen, als er in das Verlies gebracht wurde, doch sein Zeitgefühl war nicht verlässlich. Wie viele Stunden noch bis zum Morgengrauen? Sechs, acht, zehn? Bis zum Ende der Welt. Von grimmigem Humor erfüllt dachte er, dass Randall ihm zumindest den einen Gefallen getan hatte, dass ihm der Tod willkommen sein würde.
Als sich die Tür öffnete, hatte er aufgeblickt und … was erwartet? Dort war nur ein Mann; schlank, gutaussehend und ein wenig zerzaust, das Leinenhemd zerrissen und das Haar verworren, stand er an die Holztür gelehnt und beobachtete ihn.
Kurz darauf hatte Randall wortlos das Zimmer durchquert und war zu ihm getreten. Er hatte Jamie kurz die Hand in den Nacken gelegt, sich dann vorgebeugt und die festgenagelte Hand mit einem Ruck befreit, der Jamie an den Rand der Ohnmacht brachte. Ein Glas Brandy wurde vor ihn hingestellt, und eine kräftige Hand hatte ihm den Kopf angehoben und ihm geholfen, es zu trinken.