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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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»Alles und nichts«, sagte er und ließ sich den Ausdruck auf der Zunge zergehen. »Das gefällt mir sehr. Was allerdings Euch betrifft … bedaure. Wer einmal ein Mitglied der heiligen Mutter Kirche ist, bleibt ewig ihr Kind. Ganz gleich, wie wenig Ihr über Eure Religion wissen mögt, Ihr seid genauso katholisch wie unser Heiliger Vater, der Papst.« Er hob den Kopf. Der Himmel war zwar bedeckt, doch die Zweige der Erlen vor der Kirche regten sich nicht.

»Der Sturm ist vorüber. Ich wollte einen kurzen Spaziergang machen, um meinen Kopf im Freien zu lüften. Warum begleitet Ihr mich nicht? Ihr braucht Luft und Bewegung, und ich kann vielleicht zu Eurem geistlichen Wohl beitragen, indem ich Euch unterwegs vom Ritual der ewigen Anbetung erzähle.«

»Zwei Fliegen mit einer Klappe, wie?«, sagte ich trocken. Doch die Aussicht auf frische Luft war auch ohne Sonne verlockend, und ich holte ohne Umschweife meinen Umhang.

Mit einem kurzen Blick auf die Gestalt im Inneren, die den Kopf im Gebet gesenkt hatte, führte mich Anselm an der stillen Dunkelheit des Kapelleneingangs und am Kreuzgang vorüber zum Rand des Gartens.

Als wir den Mönch in der Kapelle durch unsere Stimmen nicht mehr stören konnten, sagte er: »Die Idee mit der ewigen Anbetung ist ganz einfach. Ihr erinnert Euch doch an die Bibel und den Garten von Gethsemane, wo unser Herr die Stunden vor seiner Verurteilung und Kreuzigung verbracht hat, während seine Freunde, die ihm Gesellschaft leisten sollten, alle fest eingeschlafen sind?«

»Oh«, sagte ich, denn ich begriff auf der Stelle. »Und er hat gesagt: ›Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen?‹ Das ist es also, was Ihr tut – Ihr wacht eine Stunde in der Dunkelheit, um es wiedergutzumachen.« Die Idee gefiel mir, und die Dunkelheit der Kapelle erschien mir plötzlich lebendig und tröstend.

»Oui, Madame«, stimmte er mir zu. »Ganz einfach. Wir halten abwechselnd Wache, und das heilige Sakrament hier auf dem Altar bleibt nie allein.«

»Ist es denn nicht schwer, wach zu bleiben?«, fragte ich neugierig. »Oder seid Ihr es gewohnt, nachts Wache zu halten?«

Er nickte, und ein leiser Windhauch hob sein seidiges braunes Haar an. Seine Tonsur bedurfte einer Nachbesserung, kurze Haarstoppeln bedeckten sie wie Moos.

»Jeder Wachende wählt die Tageszeit, die für ihn am besten ist. Für mich ist das um zwei Uhr morgens.« Er sah mich an und zögerte, als fragte er sich, wie ich seine nächsten Worte aufnehmen würde.

»Für mich ist es in diesem Moment …« Er hielt inne. »Es ist, als wäre die Zeit stehengeblieben. Alle Körpersäfte, das Blut und die Galle und die Dämpfe, die einen Menschen bilden; es ist, als arbeiteten sie alle plötzlich in vollkommener Harmonie zusammen.« Er lächelte. Seine Zähne waren etwas schief, der einzige Makel seiner ansonsten perfekten Erscheinung.

»Oder als hätten sie ganz aufgehört zu arbeiten. Ich frage mich oft, ob dieser Augenblick wohl genauso ist wie der Moment der Geburt oder der des Todes. Ich weiß, dass jeder ihn anders erlebt … aber genau dann, in diesem Bruchteil der Zeit scheint es so, als wäre alles möglich. Man kann über die Einschränkungen des eigenen Lebens hinwegblicken und sehen, dass sie eigentlich nichtig sind. In diesem Moment, wenn die Zeit stillsteht, ist es so, als könnte man jedes erdenkliche Vorhaben beginnen und vollenden. Und wenn man wieder zu sich selbst zurückkehrt, findet man die Welt unverändert vor, und alles ist so, wie man es einen Moment zuvor verlassen hat. Und es ist, als ob …« Er zögerte kurz, um sich seine Worte sorgfältig zurechtzulegen.

»Als ob dadurch, dass man weiß, dass alles möglich ist, plötzlich nichts mehr notwendig ist.«

»Aber … tut Ihr auch tatsächlich etwas?«, fragte ich. »Äh, beten, meine ich?«

»Ich? Nun ja«, sagte er langsam, »ich sitze da und sehe Ihn an.« Ein breites Lächeln dehnte seine fein gezeichneten Lippen. »Und Er sieht mich an.«

Jamie saß aufrecht im Bett, als ich in sein Zimmer zurückkehrte, und er unternahm einen kurzen Ausflug in den Flur, wobei er sich auf meine Schulter stützte. Doch danach war er leichenblass und schwitzte vor Anstrengung. Ohne Widerrede legte er sich wieder hin, als ich ihm die Decke zurückschlug.

Ich bot ihm etwas Suppe und Milch an, doch er schüttelte erschöpft den Kopf. »Ich habe keinen Appetit, Sassenach. Wenn ich etwas zu mir nehme, übergebe ich mich nur wieder.«

Ich bedrängte ihn nicht, sondern trug die Suppe wortlos hinaus.

Beim Abendessen war ich hartnäckiger und konnte ihn überreden, es mit ein paar Löffeln Suppe zu versuchen. Er brachte zwar einiges hinunter, konnte es aber nicht bei sich behalten.

»Es tut mir so leid, Sassenach«, sagte er danach. »Ich muss dich doch anwidern.«

»Es macht nichts, Jamie, und du widerst mich nicht an.« Ich stellte die Schüssel draußen vor die Tür, setzte mich zu ihm und strich ihm das wirre Haar aus der Stirn.

»Keine Sorge. Es liegt nur daran, dass dein Magen noch von der Seekrankheit gereizt ist. Vielleicht habe ich dich zu schnell zum Essen gedrängt. Lass ihn in Ruhe heilen.«

Er schloss die Augen und seufzte unter meiner Hand.

»Es wird schon wieder«, sagte er teilnahmslos. »Was hast du denn heute gemacht, Sassenach?«

Er war sichtlich ruhelos und fühlte sich unwohl, entspannte sich aber ein wenig, als ich ihm von den Erkundungen des Tages erzählte, von der Bibliothek, der Kapelle, der Kelterei und schließlich dem Kräutergarten, wo ich endlich den berühmten Bruder Ambrose kennengelernt hatte.

»Er ist erstaunlich«, sagte ich begeistert. »Oh, ich vergaß, du kennst ihn ja bereits.« Bruder Ambrose war groß – noch größer als Jamie – und hager mit dem langen, traurigen Gesicht eines Bassethundes. Und zehn langen dünnen Fingern, von denen jeder einzelne grün leuchtete.

»Er kann anscheinend alles zum Wachsen bringen«, sagte ich. »Er hat die ganzen üblichen Kräuter hier und ein Treibhaus, das so klein ist, dass er nicht einmal aufrecht darin stehen kann, mit Dingen, die um diese Jahreszeit nicht wachsen sollten oder in diesem Teil der Welt nicht wachsen sollten oder einfach überhaupt nicht wachsen sollten. Ganz zu schweigen von seinen importierten Gewürzen und Arzneien.«

Das erinnerte mich wieder an die vergangene Nacht, und ich stand auf und sah zum Fenster hinaus. Die Winterdämmerung kam früh, und draußen war es schon dunkel. Die Laternen der Mönche, die sich um die Ställe kümmerten und noch im Freien ihre Runden machten, bewegten sich munter auf und ab.

»Es wird Abend. Meinst du, du kannst schlafen? Bruder Ambrose hat ein paar Mittel, die dir helfen könnten.«

Seine Augen hatten dunkle Ränder, doch er schüttelte den Kopf.

»Nein, Sassenach. Ich möchte nichts. Wenn ich einschlafe … nein, ich lese lieber noch ein wenig.« Anselm hatte ihm eine Auswahl philosophischer und historischer Werke aus der Bibliothek gebracht, und er streckte die Hand nach dem Tacitus aus, der auf dem Tisch lag.

»Du brauchst Schlaf, Jamie«, wandte ich sanft ein, während ich ihn beobachtete. An das Kissen gelehnt öffnete er das Buch, starrte jedoch darüber hinweg an die Wand.

»Ich habe dir nicht erzählt, was ich geträumt habe«, sagte er unvermittelt.

»Du hast gesagt, du hast vom Auspeitschen geträumt.« Sein Gesicht gefiel mir nicht; unter den Blutergüssen war es bleich, und es war mit Feuchtigkeit überzogen.

»Das stimmt. Ich konnte den Kopf heben und die Stricke sehen, die mir in die Handgelenke schnitten. Meine Hände waren fast schwarz, und der Strick hat bei jeder Bewegung über den Knochen gerieben. Ich hatte das Gesicht an den Pfosten gepresst. Dann konnte ich spüren, wie mir die Bleistückchen an den Enden der Riemen in die Schultern schnitten. Es kamen immer mehr Hiebe, auch als es schon lange hätte vorbei sein müssen, und mir wurde klar, dass er überhaupt nicht vorhatte aufzuhören. Die Enden der Schnüre haben mir kleine Stücke aus dem Fleisch gerissen. Das Blut … das Blut ist mir über die Seiten und den Rücken in den Kilt gelaufen. Mir war furchtbar kalt. Dann habe ich wieder nach oben geblickt und konnte sehen, dass mir das Fleisch von den Händen zu fallen begann und meine Fingerknochen über das Holz schabten und lange Kratzer hinterließen. Die Knochen meiner Arme lagen bloß, und sie wurden nur noch von den Stricken zusammengehalten. Ich glaube, da habe ich angefangen zu schreien. Ich konnte bei jedem Hieb ein seltsames Klappern hören, und dann habe ich erkannt, was es war. Er hatte mir das Fleisch von den Knochen gezogen, und die Bleistückchen der Peitsche klapperten über meine Rippen hinweg. Und ich wusste, dass ich tot war, aber es war egal. Er würde immer weitermachen, und es würde nie aufhören, er würde weitermachen, bis ich in Stücke zu fallen begann und zu Boden bröckelte, und es würde nie aufhören, und …«

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