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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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Der Mönch lächelte. Er war noch recht jung, vielleicht Anfang dreißig, doch sein seidiges braunes Haar war schon mit Grau durchzogen. Es war kurz geschnitten und mit einer kreisrunden Tonsur versehen. Er hatte einen gepflegten braunen Bart, dessen Spitzen gerade eben den tiefen gerollten Kragen seiner Kutte berührten.

»Sehr früh für das Morgengebet«, pflichtete er mir bei. »Ich war auf dem Weg zur Kapelle, weil ich an der Reihe bin, meinen Platz bei der ewigen Anbetung des heiligen Sakramentes einzunehmen.« Er sah sich noch einmal nach Jamies Zimmer um, wo eine Stundenkerze halb drei anzeigte.

»Ich komme zu spät«, sagte er. »Bruder Bartholome möchte sicher ins Bett.« Er hob die Hand, um mich rasch zu segnen, machte auf dem Sandalenabsatz kehrt und war durch die Schwingtür am Ende des Korridors verschwunden, ehe ich die Geistesgegenwart aufbringen konnte, ihn nach seinem Namen zu fragen.

Ich trat in das Zimmer, um noch einmal nach Jamie zu sehen. Er schlief jetzt wieder und atmete ungehindert, doch seine Stirn war leicht gerunzelt. Ich fuhr ihm versuchsweise mit der Hand über das Haar. Das Stirnrunzeln entspannte sich ein wenig, dann kehrte es zurück. Ich seufzte und steckte ihm abermals sorgfältig die Decken fest.

Am Morgen ging es mir zwar deutlich besser, doch Jamies Gesicht war eingefallen, und er fühlte sich unwohl nach der unruhigen Nacht. Er wehrte sich heftig gegen alle Vorschläge, ihm eine heiße Brühe oder Weincreme zum Frühstück zu bringen, und er fuhr mich gereizt an, als ich versuchte, den Verband an seiner Hand zu kontrollieren.

»Kannst du mich denn in Gottes Namen nicht in Ruhe lassen, Claire! Ich will einfach nicht mehr, dass jemand an mir herumfingert!«

Er entriss mir die Hand und blickte finster vor sich hin. Stumm wandte ich mich ab und beschäftigte mich damit, die Töpfchen und Arzneipäckchen auf dem Tisch aufzuräumen und nach ihrer Wirkung zu sortieren: Ringelblumensalbe und Pappelbalsam zur Wundheilung und Hautberuhigung, Weidenrinde, Kirschbaumrinde und Kamille als Tee, Johanniskraut, Knoblauch und Schafgarbe zur Desinfektion.

»Claire.« Ich drehte mich um und sah ihn mit einem beschämten Lächeln im Bett sitzen.

»Es tut mir leid, Sassenach. Mich hindert der Bauch, und ich habe heute Morgen verdammt schlechte Laune. Das entschuldigt aber nicht, dass ich dich so anfahre. Vergibst du mir?«

Ich ging rasch zu ihm und nahm ihn vorsichtig in die Arme.

»Du weißt, dass es da nichts zu verzeihen gibt. Aber was meinst du damit, dich kneift der Bauch?« Nicht zum ersten Mal dachte ich, dass Intimität und Romantik nicht unbedingt dasselbe sind.

Er verzog das Gesicht, verschränkte die Arme vor dem Bauch und beugte sich sacht vor. »Es bedeutet«, sagte er, »dass es mir sehr lieb wäre, wenn du mich eine Weile allein lassen würdest. Wenn es dir nichts ausmacht?« Ich leistete seiner Bitte nun sowohl hastig als auch verständnisvoll Folge und ging meinerseits frühstücken.

Auf dem Rückweg vom Refektorium erspähte ich kurz darauf eine gepflegte Gestalt in der schwarzen Robe der Franziskaner, die im Innenhof auf den Kreuzgang zusteuerte. Ich beeilte mich, den Pater einzuholen.

»Vater!«, rief ich. Er wandte sich um und lächelte, als er mich sah.

»Guten Morgen«, begrüßte er mich. »Madame Fraser, ist das richtig? Und wie geht es Eurem Gemahl heute Morgen?«

»Besser«, sagte ich und hoffte, dass das stimmte. »Ich wollte mich noch einmal bei Euch bedanken. Ihr wart letzte Nacht fort, ehe ich Euch nach Eurem Namen fragen konnte.«

Klare haselgrüne Augen glitzerten mich an, als er sich mit der Hand über dem Herzen vor mir verneigte. »FranÇois Anselm Mericoeur d’Armagnac, Madame«, stellte er sich vor. »Das ist zumindest mein Geburtsname. Heute nur noch als Vater Anselm bekannt.«

»Anselm vom fröhlichen Herzen?«, fragte ich lächelnd. Er zuckte mit den Schultern.

»Ich gebe mir Mühe«, antwortete er und verzog ironisch den Mund.

»Ich möchte Euch nicht aufhalten«, sagte ich und blickte zum Kreuzgang. »Ich wollte mich nur für Eure Hilfe bedanken.«

»Ihr haltet mich nicht auf, Madame. Ich habe selbst der Untätigkeit gefrönt und meinen Weg zur Arbeit in die Länge gezogen.«

»Was für eine Arbeit ist das denn?«, fragte ich nun neugierig. Dieser Mann war eindeutig in der Abtei zu Besuch; seine schwarze Franziskanerkutte stach ja auch aus dem Braun der Benediktiner heraus wie ein Tintenfleck. Bruder Polydore hatte mir erzählt, dass es im Kloster mehrere solcher Gäste gab, meistens Gelehrte, die hier die Werke der berühmten Klosterbibliothek konsultieren wollten. Auch Anselm zählte anscheinend dazu. Er war seit einigen Monaten mit einer Übersetzung der Werke Herodots beschäftigt.

»Habt Ihr die Bibliothek schon gesehen?«, fragte er. »Dann kommt«, forderte er mich auf, als er mein Kopfschütteln sah. »Sie ist wirklich sehr beeindruckend, und ich bin sicher, Euer Onkel, der Abt, hätte nichts dagegen.«

Da ich nicht nur neugierig auf die Bibliothek war, sondern es mir auch widerstrebte, jetzt schon in die Isolation des Gästeflügels zurückzukehren, folgte ich ihm ohne Zögern.

Die Bibliothek war ein herrlicher hoher Raum, dessen gotische Säulen sich an der Gewölbedecke zu Spitzbögen vereinten. Die Zwischenräume zwischen den Säulen waren mit deckenhohen Fenstern ausgefüllt, die Licht in Hülle und Fülle hineinließen. Die meisten bestanden aus klarem Glas, doch einige waren dazu mit täuschend schlicht aussehenden Glasmalereien verziert. Ich ging auf den Zehenspitzen an den vornübergebeugten Gestalten der studierenden Mönche vorbei und blieb stehen, um eine Darstellung der Flucht nach Ägypten zu bestaunen.

Einige Buchregale sahen aus wie die Regale, die ich kannte und in denen die Bücher nebeneinanderstanden. In anderen Regalen wurden die Bücher liegend aufbewahrt, um die betagten Buchdeckel zu schonen. Es gab sogar eine Vitrine mit einigen Pergamentrollen. In der gesamten Bibliothek herrschte ein gedämpftes Hochgefühl, als sängen die geschätzten Bände zwischen den Buchdeckeln lautlos vor sich hin. Als ich die Bibliothek wieder verließ, fühlte ich mich getröstet. Ich schlenderte langsam mit Vater Anselm über den Hof.

Ich versuchte noch einmal, ihm für seine Hilfe in der vergangenen Nacht zu danken, doch er tat es achselzuckend ab.

»Denkt Euch nichts dabei, mein Kind. Ich hoffe, dass es Eurem Gemahl heute bessergeht.«

»Das hoffe ich auch«, sagte ich. Da ich dieses Thema nicht vertiefen wollte, fragte ich: »Was genau ist denn die ewige Anbetung? Ihr habt gesagt, Ihr wärt auf dem Weg dorthin gewesen.«

»Ihr seid nicht katholisch?«, fragte er überrascht. »Ah, natürlich, ich vergaß, Ihr seid ja Engländerin. Dann seid Ihr wohl Protestantin?«

»Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt irgendetwas davon bin«, erwiderte ich. »Theoretisch bin ich allerdings katholisch.«

»Theoretisch?« Seine glatten Augenbrauen hoben sich erstaunt. Ich zögerte, weil mich meine Erlebnisse mit Vater Bain vorsichtig gemacht hatten, doch dieser Mann machte nicht den Eindruck, als hätte er vor, Kruzifixe in meine Richtung zu schwenken.

»Nun ja«, sagte ich und bückte mich, um eine kleine Pflanze zwischen den Pflastersteinen hervorzuziehen, »ich bin katholisch getauft. Aber meine Eltern sind gestorben, als ich fünf war, und ich bin bei einem Onkel groß geworden. Onkel Lambert war …« Ich hielt inne und dachte an Onkel Lamberts unersättlichen Hunger nach Wissen und den ebenso fröhlichen wie objektiven Zynismus, mit dem er jede Religion nur als Merkmal zur Kategorisierung einer Kultur betrachtete. »Nun, ich vermute, was seinen Glauben betrifft, ist er alles und nichts gewesen«, schloss ich. »Er kannte alle Religionen, hat aber an keine geglaubt. Also bin ich nie religiös erzogen worden. Und mein … erster Ehemann war zwar katholisch, aber nicht sehr streng. Ganz offen gesagt bin ich also wohl eine ziemliche Heidin.«

Ich betrachtete ihn argwöhnisch, doch statt über meine Enthüllungen schockiert zu sein, lachte er herzlich.

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