Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Es kam mir nicht wie die Erhörung meiner Gebete vor, als ich am Morgen zu normaler Zeit erwachte und ein Laienbruder vor mir stand, um mir mitzuteilen, dass Jamie glühendes Fieber hatte.
»Wie lange geht es ihm schon so?«, fragte ich und legte Jamie mit geübten Bewegungen die Hand auf Stirn und Rücken, in die Höhlen der Achseln und Lenden. Keine Spur von erleichterndem Schweiß, nur die gespannte Pergamenthaut fortdauernder Austrocknung, die vor Hitze brannte. Er war zwar wach, doch seine Augenlider waren schwer, und er war benommen. Der Grund für das Fieber war klar. Die zertrümmerte rechte Hand war aufgedunsen, und übelriechender Ausfluss durchtränkte die Verbände. Unheilvolle rote Streifen zogen sich an seinem Handgelenk hinauf. Eine verdammte Blutvergiftung, dachte ich. Eine elende, eitrige, lebensbedrohliche Blutvergiftung.
»Ich habe ihn so gefunden, als ich nach dem Morgengebet nach ihm gesehen habe«, sagte der Mönch, der mich geholt hatte. »Ich habe ihm Wasser gegeben, aber er hat kurz nach Tagesanbruch angefangen, sich zu übergeben.«
»Ihr hättet mich sofort holen sollen«, sagte ich. »Aber nun ja. Bringt mir heißes Wasser, Himbeerblätter und Bruder Polydore, und zwar so schnell wie möglich.« Er ging mit der Versicherung, er würde auch dafür sorgen, dass man mir etwas zum Frühstücken brachte, doch ich winkte solche Annehmlichkeiten beiseite und griff nach dem Zinnkrug mit Wasser.
Als Bruder Polydore erschien, hatte ich es mit der innerlichen Anwendung von Wasser versucht, die jedoch auf heftige Ablehnung gestoßen war, und so versuchte ich es stattdessen äußerlich, indem ich die Laken damit tränkte und sie ihm lose um die brennende Haut schlug.
Gleichzeitig badete ich die entzündete Hand in frisch abgekochtem Wasser, so heiß er es ertragen konnte, ohne dass er Verbrennungen erlitt. Ohne Sulfonamide oder moderne Antibiotika war Hitze die einzige Verteidigung gegen eine bakterielle Infektion. Der Körper des Patienten tat ja selbst sein Bestes, diese Hitze in Form hohen Fiebers zu erzeugen, doch das Fieber stellte seinerseits eine Gefahr dar, da es Muskelgewebe verzehrte und Hirnzellen schädigen konnte. Der Kniff lag darin, an Ort und Stelle genügend Hitze zur Bekämpfung der Infektion zu erzeugen, während man den Rest des Körpers kühlte, um Schädigungen zu vermeiden, und ihn mit genügend Wasser versorgte, um seine normalen Funktionen aufrechtzuerhalten. Ein verdammter dreifacher Balanceakt, dachte ich trostlos.
Jetzt ging es nicht mehr um Jamies Gemütszustand oder um sein körperliches Unwohlsein. Es war ein simpler Kampf darum, ihn am Leben zu halten, bis die Infektion und das Fieber ihren Lauf genommen hatten; das war alles, was zählte.
Am Nachmittag des zweiten Tages begann er zu halluzinieren. Wir banden ihn mit weichen Tüchern an das Bett, um zu verhindern, dass er sich zu Boden warf. Als verzweifelte Methode zur Fiebersenkung schickte ich schließlich einen der Laienbrüder ins Freie, um uns einen großen Korb Schnee zu holen, den wir um Jamies Körper packten. Dies hatte zwar einen heftigen Zitterkrampf zur Folge, an dessen Ende völlige Erschöpfung stand, doch seine Temperatur sank zumindest kurz.
Unglücklicherweise musste diese Behandlung im Stundenabstand wiederholt werden. Bei Sonnenuntergang sah das Zimmer aus wie ein Sumpf; auf dem Boden stand der geschmolzene Schnee in Pfützen, um die sich nasse Laken wie Grasbüschel türmten, und von dem Kohlebecken in der Ecke stieg der Dampf auf wie Marschgas. Bruder Polydore und ich waren ebenfalls nass, in Schweiß gebadet, vom Tauwasser gekühlt und der Erschöpfung nah, obwohl uns Anselm und die Laienbrüder hilfreich zur Seite standen. Wir hatten es mit fiebersenkenden Mitteln wie Sonnenhut, Gelbwurz, Katzenminze und Ysop versucht, jedoch ohne Wirkung. Weidenrindentee, der durch seinen Gehalt an Salizylsäure hätte helfen können, konnte nicht in ausreichend großen Mengen verabreicht werden.
In einem seiner zunehmend seltenen wachen Intervalle bat mich Jamie, ihn sterben zu lassen. Ich antwortete knapp, so, wie ich es in der nächtlichen Kapelle getan hatte: »Ich werde den Teufel tun«, und setzte meine Arbeit unbeirrt fort.
Als die Sonne unterging, hörte ich mehrere Männer durch den Korridor kommen. Die Tür öffnete sich, und der Abt, Jamies Onkel Alex, kam herein, begleitet von Bruder Anselm und drei anderen Mönchen, von denen einer eine kleine Zedernholzschatulle trug. Der Abt kam zu mir und segnete mich kurz, dann ergriff er eine meiner Hände.
»Wir werden den Jungen salben«, sagte er, und seine tiefe Stimme klang gütig. »Habt keine Angst.«
Er wandte sich dem Bett zu, und ich sah mich auf der Suche nach einer Erklärung verstört nach Anselm um.
»Das Sakrament der letzten Ölung«, erklärte er und kam näher, um trotz seiner leisen Stimme die am Bett versammelten Mönche nicht zu stören.
»Die letzte Ölung! Das ist doch für Menschen, die im Sterben liegen.«
»Schsch.« Er zog mich etwas vom Bett fort. »Man könnte es zutreffender auch als Krankensalbung bezeichnen, obwohl es tatsächlich meistens jenen vorbehalten ist, die in Lebensgefahr schweben.« Die Mönche hatten Jamie sacht auf den Rücken gedreht, vorsichtig, um seinen wunden Schultern möglichst wenig Schmerzen zuzufügen.
»Dieses Sakrament dient einem doppelten Zweck«, murmelte mir Anselm ins Ohr, während die Vorbereitungen ihren Lauf nahmen. »Erstens ist es als Sakrament der Heilung gedacht; wir beten, dass der Leidende wieder gesund werde, so dies denn Gottes Wille für ihn ist. Das Chrisam, das geweihte Öl, ist ein Symbol des Lebens und der Heilung.«
»Und der zweite Zweck?«, fragte ich, obwohl ich es bereits wusste.
Anselm nickte. »Wenn es nicht Gottes Wille ist, dass er sich erholt, wird ihm die Vergebung seiner Sünden erteilt und wir befehlen ihn Gott an, auf dass seine Seele in Frieden Abschied nehme.« Er sah, wie ich mich anspannte, um zu protestieren, und legte mir warnend die Hand auf den Arm.
»Dies sind die letzten Riten der Kirche. Er hat ein Recht darauf und auf den Frieden, den sie ihm bringen mögen.«
Die Vorbereitungen waren abgeschlossen. Jamie lag auf dem Rücken, ein Tuch über die Lenden drapiert, um den Anstand zu wahren, und am Kopf- und Fußende des Bettes brannten Kerzen, die mich unangenehm an Grablichter erinnerten. Abt Alexander saß an seinem Bett, begleitet von einem Mönch, der ein Tablett mit einer zugedeckten Hostienschale und zwei kleinen Silberflaschen mit Weihwasser und Chrisam trug und ein weißes Tuch über den Unterarmen liegen hatte. Wie ein verflixter Sommelier, dachte ich gereizt. Die ganze Prozedur ließ mich erschauern.
Die Riten wurden auf Lateinisch abgehalten, ein leiser, murmelnder Wechselgesang, der beruhigend klang, obwohl ich den Wortlaut nicht verstand. Anselm flüsterte mir die Bedeutung einiger Teile der Zeremonie zu; andere erklärten sich von selbst. An einem Punkt winkte der Abt, und Polydore trat vor und hielt Jamie ein kleines Fläschchen unter die Nase. Es musste Ammoniakgeist oder ein anderes Stimulanz enthalten, denn er fuhr zusammen und wandte heftig den Kopf ab, ohne die Augen zu öffnen.
»Warum versuchen sie denn, ihn zu wecken?«, flüsterte ich.
»Wenn möglich, sollte die Person bei Bewusstsein sein, um bestätigen zu können, dass sie die Sünden bereut, die sie in ihrem Leben begangen hat. Falls er imstande ist, sie zu empfangen, wird ihm der Abt außerdem die heilige Kommunion spenden.«
Der Abt streichelte Jamie sacht die Wange und wandte seinen Kopf wieder dem Fläschchen zu, während er leise mit ihm sprach. Er hatte vom Lateinischen in das breite Schottisch ihrer Familie gewechselt, und seine Stimme klang sanft.
»Jamie! Jamie, Junge! Ich bin’s, Alex, Junge. Ich bin hier bei dir. Du musst einen Moment aufwachen, nur kurz. Ich erteile dir jetzt die Absolution und spende dir dann die heilige Kommunion. Trink nun ein Schlückchen, damit du mir antworten kannst, wenn du musst.« Bruder Polydore hielt Jamie einen Becher an die Lippen und flößte ihm tropfenweise Wasser ein, bis seine ausgetrocknete Zunge und Kehle mehr aufnehmen konnten. Seine Augen waren offen, immer noch vom Fieber beschwert, aber einigermaßen wach.