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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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»Ihr seid mir willkommen, ma nièce«, begann er und neigte den Kopf. Ich war etwas verblüfft über diese Begrüßung, doch ich erwiderte das Kopfnicken.

»Ich bin Euch dankbar für Eure Gastfreundschaft«, sagte ich von Herzen. »Habt … habt Ihr Jamie schon gesehen?« Die Mönche hatten Jamie mitgenommen, um ihn zu baden, ein Vorgang, bei dem ich ihnen besser freie Hand ließ, dachte ich.

Der Abt nickte. »Oh, aye«, sagte er, und ein leiser schottischer Akzent mischte sich unter sein kultiviertes Englisch. »Das habe ich. Ich habe Bruder Ambrose zu ihm geschickt, damit er sich um seine Verletzungen kümmert.« Meine Miene muss skeptisch gewesen sein, denn er setzte etwas trocken hinzu: »Sorgt Euch nicht, Madame, Bruder Ambrose ist äußerst kompetent.« Er betrachtete mich auf eine offen taxierende Weise, die der Art seines Neffen verstörend ähnlich war.

»Murtagh sagt, Ihr seid selbst eine fähige Heilerin.«

»Das stimmt«, sagte ich unverblümt.

Diesmal war sein Lächeln echt. »Ich sehe, dass Euch die Sünde der falschen Bescheidenheit fremd ist«, stellte er fest.

»Dafür habe ich andere Fehler«, sagte ich und lächelte ebenfalls.

»Das wiederum gilt für uns alle«, meinte er. »Ich bin sicher, dass Bruder Ambrose es gar nicht erwarten kann, sich mit Euch zu unterhalten.«

»Hat Euch Murtagh erzählt … was geschehen ist?«, fragte ich zögernd.

Sein breiter Mund spannte sich an. »Ja. Soweit er weiß, was geschehen ist.« Er wartete, als hoffte er, dass ich ihm mehr erzählen würde, doch ich schwieg.

Es war klar, dass er mir gern Fragen gestellt hätte, doch er war so gütig, mich nicht zu bedrängen. Stattdessen hob er die Hand zu einer segnenden Abschiedsgeste.

»Ihr seid mir willkommen«, sagte er erneut. »Ich schicke Euch einen Bruder, der Euch etwas zu essen bringt.« Er betrachtete mich noch einmal von oben bis unten. »Und etwas zum Waschen.« Seine Hände beschrieben ein Kreuzzeichen über mir, vielleicht zum Abschied, vielleicht auch, um den Schmutz zu exorzieren. Dann verließ er mich mit wirbelnden braunen Röcken.

Plötzlich begriff ich, wie müde ich war. Ich sank auf das Bett und fragte mich, ob ich wohl lange genug wach bleiben konnte, um zu essen und mich zu waschen. Ich hatte noch keine Antwort gefunden, als mein Kopf bereits auf dem Kissen gelandet war.

Ich hatte einen schrecklichen Alptraum. Jamie befand sich auf der anderen Seite einer massiven Steinwand ohne Tür. Ich konnte ihn unablässig schreien hören, doch ich kam nicht zu ihm. Ich hämmerte verzweifelt gegen die Wand, nur um zu sehen, wie meine Hände darin einsanken, als wäre sie aus Wasser.

»Autsch!« Aufgeschreckt setzte ich mich in dem schmalen Bett auf und hielt mir die Hand, die ich gegen die unnachgiebige Wand neben der Liege geschlagen hatte. Ich wiegte mich vor und zurück und legte mir die schmerzende Hand zwischen die Oberschenkel, dann begriff ich, dass immer noch Schreie erschollen.

Ich rannte in den Flur – und blieb abrupt stehen. Jamies Tür stand offen, und flackerndes Laternenlicht strömte in den Flur.

Ein Mönch in einer schwarzen Kutte, den ich noch nicht kannte, war bei Jamie und hielt ihn fest. Durch die Verbände auf Jamies Rücken drang frisches Blut, und seine Schultern bebten, als wäre ihm kalt.

»Ein Alptraum«, erklärte der Mönch, als er mich im Eingang stehen sah. Er legte mir Jamie in die Arme und ging zum Tisch, um ein Tuch und den Wasserkrug zu holen.

Jamie zitterte, und in seinem Gesicht glänzte der Schweiß. Er hatte die Augen geschlossen und atmete schwer mit heiseren, keuchenden Lauten. Der Mönch setzte sich neben mich und begann, ihm mit sanfter Hand das Gesicht abzutupfen und ihm das feuchte Haar aus den Schläfen zu streichen.

»Ihr müsst seine Frau sein«, sagte er zu mir. »Ich denke, es geht ihm gleich besser.«

Das Zittern ließ tatsächlich innerhalb von ein oder zwei Minuten nach, und Jamie öffnete seufzend die Augen.

»Es geht wieder«, sagte er. »Claire, es geht schon wieder. Aber sorge um Gottes willen dafür, dass dieser Gestank verschwindet.«

Erst jetzt wurde mir bewusst, wie es in dem Zimmer roch – ein leichter, würziger Blumenduft, der so alltäglich war, dass ich mir gar nichts dabei gedacht hatte. Lavendel. Das Parfum zahlreicher Seifen und Toilettenwässerchen. Ich hatte ihn zuletzt in dem Verlies von Wentworth gerochen, wo er Hauptmann Jonathan Randalls Leinenwäsche anhaftete.

Die Quelle des Duftes war ein kleiner Metallbecher, der mit pflanzenduftendem Öl gefüllt war und an einem in Form einer Rose geschmiedeten Eisenständer über einer Kerzenflamme hing.

Es war beruhigend gedacht, hatte aber eindeutig nicht die gewünschte Wirkung. Jamie, dem das Atmen jetzt leichter fiel, saß ohne Hilfe da und hielt den Becher Wasser, den ihm der Mönch gegeben hatte. Doch sein Gesicht war immer noch weiß, und sein Mundwinkel zuckte beklommen.

Ich nickte dem Mönch zu, ihm die Bitte zu erfüllen, und er schlug den Becher mit dem heißen Öl in ein zusammengefaltetes Handtuch ein und trug ihn davon.

Jamie stieß einen langen Seufzer der Erleichterung aus, dann zuckte er zusammen, weil seine Rippen schmerzten.

»Dein Rücken ist ein bisschen aufgeplatzt«, erklärte ich und drehte ihn sacht, um an den Verband zu gelangen. »Aber es ist nicht schlimm.«

»Ich weiß. Ich muss mich im Schlaf auf den Rücken gedreht haben.« Die zusammengefaltete Decke, die ihn auf der Seite halten sollte, war auf den Boden gefallen. Ich hob sie auf und legte sie auf das Bett.

»Ich glaube, daher kam der Traum. Ich habe geträumt, ich würde ausgepeitscht.« Er erschauerte und trank einen Schluck Wasser, dann reichte er mir den Becher. »Ich brauche etwas Kräftigeres, falls es zur Hand ist.«

Wie auf Kommando kam unser hilfreicher Besucher durch die Tür, einen Krug Wein in der einen Hand und ein Fläschchen Mohnsirup in der anderen.

»Alkohol oder Opium?«, fragte er Jamie lächelnd und hielt ihm beide Gefäße hin. »Ihr dürft Euch das Betäubungsmittel aussuchen.«

»Dann hätte ich gern den Wein. Für heute Nacht habe ich genug geträumt«, sagte Jamie und lächelte seinerseits schief. Er nippte langsam an seinem Wein, während mir der Bruder half, die fleckigen Verbände zu wechseln, und ihm Ringelblumensalbe auf die Wunden strich. Der Mönch wandte sich erst zum Gehen, als ich Jamie wieder zum Schlafen hingelegt und zugedeckt hatte. Sein Rücken war wieder an die stützende Decke gelehnt.

Im Vorübergehen beugte er sich über Jamie und deutete ein Kreuzzeichen über seinem Kopf an. »Schlaft gut«, sagte er.

»Danke, Vater«, erwiderte Jamie, der bereits halb eingeschlafen war. Da ich sah, dass er mich vermutlich bis zum Morgen nicht mehr brauchen würde, berührte ich ihn zum Abschied wortlos an der Schulter und folgte dem Mönch in den Korridor hinaus.

»Danke«, sagte ich. »Ich bin Euch wirklich dankbar für Eure Hilfe.«

Der Mönch winkte mit einer eleganten Handbewegung ab.

»Es war mir eine Freude, Euch helfen zu können«, sagte er, und mir fiel auf, dass er exzellent Englisch sprach, wenn auch mit schwachem französischem Akzent. »Ich bin auf meinem Weg zur Ägidiuskapelle durch den Gästeflügel gekommen, als ich die Schreie gehört habe.«

Ich zuckte zusammen, als ich nur an diese heiseren, grauenvollen Schreie dachte, und hoffte, dass ich sie nie wieder hören musste. Verwundert warf ich einen Blick zum Fenster am Ende des Korridors, doch ich sah noch keine Spur der Dämmerung hinter dem Fensterladen.

»Zur Kapelle?«, fragte ich überrascht. »Aber ich dachte, das Morgengebet wird in der Kirche gesungen. Und auch dafür ist es doch gewiss noch etwas früh.«

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