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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Zum tausendsten Mal zählte sie die Tage. Acht Tage bis Montag. Wenn Lizzies Attacke ihrem normalen Verlaufsmuster folgte, dann war sie vielleicht übermorgen reisefähig. Sechs Tage. Und laut Smoots junior und Hans Viorst dauerte die Reise flussaufwärts um diese Jahreszeit fünf bis sechs Tage.

Sie durfte Jamie Fraser nicht verfehlen, sie durfte es nicht! Sie musste am Montag in Cross Creek sein, was auch geschah. Wer konnte wissen, wie lange der Prozess dauerte oder ob er sofort abreisen würde, wenn er vorbei war? Sie hätte alles darum gegeben, sofort aufbrechen zu können.

Der glühende Wunsch, sich in Bewegung zu setzen, aufzubrechen, war so stark, dass er die anderen Schmerzen und brennenden Wunden ihres Körpers überdeckte – sogar ihren tiefen Herzenskummer über Rogers Verrat –, doch sie konnte nichts tun. Sie konnte nirgendwo hingehen, bis es Lizzie besserging.

Der Schankraum war voll; im Lauf des Tages waren zwei neue Schiffe in den Hafen eingelaufen; jetzt am Abend waren die Bänke voll besetzt mit Seeleuten, und am Ecktisch fand ein lautes, heftiges Kartenspiel statt. Brianna schob sich durch die blauen Wolken aus Tabakrauch, ohne die Pfeiftöne und anzüglichen Bemerkungen zu beachten. Roger hatte doch gewollt, dass sie ein Kleid trug, nicht wahr? Der verdammte Kerl. Ihre Kniehose hielt die Männer normalerweise auf Abstand, doch Lizzie hatte sie gewaschen, und sie war immer noch zu feucht zum Tragen.

Sie warf einem Mann, der ihr an den Hintern langte, einen wütenden Blick zu, der geeignet war, ihm die Augenbrauen zu versengen. Erschrocken hielt er mitten in der Bewegung inne, und sie schlüpfte an ihm vorbei durch die Küchentür.

Auf dem Rückweg hielt sie die Tasse mit dampfender Katzenminze in der Hand, in ein Tuch gewickelt, um sich nicht zu verbrennen, und machte einen Umweg am Rand des Raums entlang, um dem Möchtegern-Grabscher aus dem Weg zu gehen. Wenn er sie anfasste, würde sie ihm kochendes Wasser in den Schoß gießen. Das würde zwar genau das sein, was er verdiente, und es würde ihre brodelnden Gefühle abkühlen, doch damit würde sie den Tee vergeuden, den Lizzie dringend benötigte.

Sie ging vorsichtig seitwärts und quetschte sich zwischen den grölenden Kartenspielern und der Wand hindurch. Der Tisch war mit Münzen und anderen kleinen Wertgegenständen übersät: Knöpfen aus Silber, Gold und Zinn, einer Schnupftabakdose, einem silbernen Taschenmesser und vollgekritzelten Papierschnipseln – Schuldscheine, dachte sie, oder das, was man im achtzehnten Jahrhundert stattdessen benutzte. Dann bewegte sich einer der Männer, und über seine Schulter hinweg sah sie etwas Goldenes aufglitzern.

Sie blickte zu Boden, wandte den Blick ab und sah dann erschrocken wieder hin. Es war ein Ring, ein einfaches Goldband, nur breiter als üblich. Doch es war nicht das Gold allein, das ihr aufgefallen war. Der Ring lag keinen halben Meter von ihr entfernt, und das Licht im Schankraum war zwar schummrig, doch auf dem Tisch stand ein Kerzenhalter, der die Innenseite des Goldreifs beleuchtete.

Sie konnte die Buchstaben, die dort eingraviert waren, nicht wirklich lesen, doch sie kannte ihr Muster so gut, dass die Inschrift ihr ganz von selbst zu Bewusstsein kam.

Sie legte eine Hand auf die Schulter des Mannes, dem der Ring gehörte, und unterbrach ihn mitten in seinem Witz. Er drehte sich mit einem halben Stirnrunzeln um, doch seine Stirn glättete sich, als er sah, wer ihn angefasst hatte.

»Aye, Süße, bist du vielleicht gekommen, um mir Glück zu bringen?« Er war ein hochgewachsener Mann mit einem grobknochigen, gutaussehenden Gesicht, einem breiten Mund, einer gebrochenen Nase und einem Paar hellgrüner Augen, die sie rasch und abschätzend überflogen.

Sie zwang ihre Lippen, ihn anzulächeln.

»Ich hoffe doch«, sagte sie. »Soll ich Euren Ring ein bisschen blank reiben, damit er Glück bringt?« Ohne auf seine Erlaubnis zu warten, schnappte sie sich den Ring vom Tisch und rieb ihn rasch an ihrem Ärmel ab. Dann hielt sie ihn hoch, um seinen Glanz zu bewundern, und konnte die Worte auf der Innenseite deutlich sehen.

Von F. für C. in Liebe. Immer.

Ihre Hand zitterte, als sie ihn zurückgab.

»Er ist sehr hübsch«, sagte sie. »Woher habt Ihr ihn?«

Er sah erschrocken aus, dann argwöhnisch, und sie beeilte sich hinzuzufügen: »Er ist zu klein für Euch – wird sich Eure Frau nicht ärgern, wenn Ihr ihren Ring verliert?« Woher?, dachte sie wild. Woher hat er ihn? Und was ist meiner Mutter zugestoßen?

Seine vollen Lippen verzogen sich zu einem charmanten Lächeln.

»Wenn ich eine Frau hätte, Süße, dann würde ich sie für dich jederzeit verlassen.« Er betrachtete sie genauer, und seine langen Wimpern senkten sich, um seinen Blick zu verbergen. Er berührte ihre Taille beiläufig mit einer kleinen, einladenden Geste.

»Ich bin gerade beschäftigt, Schätzchen, aber später … was?«

Die Tasse brannte jetzt durch das Tuch, doch ihre Finger fühlten sich kalt an. Ihr Herz hatte sich zu einem kleinen Klumpen aus Entsetzen zusammengeballt.

»Morgen«, sagte sie. »Bei Tageslicht.«

Er sah sie überrascht an, dann warf er den Kopf zurück und lachte.

»Also, ich habe ja schon gehört, dass die Männer sagen, dass man mir besser nicht im Dunkeln über den Weg läuft, Püppchen, aber den Frauen scheint es lieber zu sein.« Er fuhr spielerisch mit seinem kräftigen Finger über ihren Unterarm; die rotgoldenen Haare sträubten sich bei seiner Berührung.

»Dann also bei Tageslicht, wenn du willst. Komm zu meinem Schiff – Gloriana, neben dem Marinehafen.«

»Du liebe Güte, seit wann hattet Ihr denn schon nichts mehr gegessen?« Miss Viorst blickte voll gutmütigem Unglauben auf Briannas leere Schüssel. Sie war ungefähr in ihrem Alter, eine breit gebaute, ruhige Holländerin, die wegen ihrer mütterlichen Art viel älter erschien, als sie war.

»Vorgestern, glaube ich.« Brianna nahm dankbar eine zweite Portion Klößchensuppe entgegen und noch eine dicke Brotscheibe, die mit Röllchen frischer, weißer Butter bestrichen war. »Oh, danke!« Das Essen half, das Loch zu füllen, das in ihrem Inneren gähnte, ein schwacher, warmer Trost, der ihr wieder eine Mitte gab.

Lizzies Fieber hatte erneut zugeschlagen, als sie zwei Tage auf dem Fluss unterwegs waren. Diesmal war der Anfall länger und schwerer gewesen, und Brianna hatte ernstlich befürchtet, dass Lizzie mitten auf dem Cape Fear River sterben würde.

Sie hatte einen ganzen Tag und eine Nacht lang in der Mitte des Kanus gesessen, während Viorst und sein Partner wie die Verrückten gepaddelt waren. Abwechselnd hatte sie Lizzie mit Wasser übergossen oder sie in sämtliche zur Verfügung stehenden Mäntel und Decken gehüllt und pausenlos darum gebetet, zu sehen, wie sich die schmale Brust des Mädchens mit dem nächsten Atemzug hob.

»Wenn ich sterbe, sagt Ihr es meinem Vater?«, hatte Lizzie ihr zugeflüstert, während sie in der Dunkelheit dahinhetzten.

»Das tue ich, aber du tust es nicht, also keine Sorrrge«, sagte Brianna bestimmt. Es funktionierte; Lizzies zerbrechlicher Rücken zitterte vor Lachen über Briannas Versuch, schottisch zu sprechen, und eine kleine, knochige Hand griff nach der ihren und hielt sie fest, bis der Schlaf ihren Griff lockerte und die fleischlosen Finger von ihr abglitten.

Alarmiert über Lizzies Zustand, hatte Viorst sie zu dem Haus gebracht, das er ein Stück vor Cross Creek mit seiner Schwester teilte, und Lizzies in Decken gepackten Körper über einen staubigen Pfad vom Fluss zu einer kleinen Holzhütte getragen. Dank ihrer Sturheit war das Mädchen ein weiteres Mal durchgekommen, doch Brianna glaubte nicht, dass ihr zerbrechlicher Körper noch vielen derartigen Attacken gewachsen sein würde.

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