Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Als man besagten Hugh in den Zeugenstand rief, erwies er sich als langer Lulatsch von etwas über dreißig Jahren und nervöser Veranlagung. Er zuckte und stammelte sich durch seine Aussage und bestätigte, dass er dem Angeklagten auf der Buffalo Trail Road begegnet sei, während er, Berowne, sich in Ausübung seiner gesetzlichen Pflichten befand. Er sei von dem Angeklagten heftig in französischer Sprache beschimpft worden, und als er sich angeschickt habe zu gehen, sei er von dem Angeklagten verfolgt worden. Dieser habe sich ihm genähert, ihn ins Gesicht geschlagen und Berowne das in seinem Gewahrsam befindliche Eigentum der Krone abgenommen, nämlich ein Pferd mit Zaumzeug und Sattel.
Auf Bitten des Gerichtes zog der anwesende Zeuge seine rechte Mundhälfte in einer Grimasse zurück und enthüllte einen abgebrochenen Zahn, den er sich bei dem Angriff zugezogen hatte.
Richter Conant betrachtete die zersplitterten Überreste des Zahns interessiert und wandte sich an den Gefangenen.
»Soso. Und nun, Mr. Fraser, könnten wir bitte Eure Schilderung des unglücklichen Ereignisses hören?«
Fergus senkte seine Nase um anderthalb Zentimeter und zollte dem Richter denselben Respekt, den er etwa einer Küchenschabe hätte zukommen lassen.
»Dieser widerliche Dunghaufen«, begann er in gemessenem Tonfall, »ist …«
»Der Gefangene wird sich weiterer Beleidigungen enthalten«, sagte Richter Conant kalt.
»Der Hilfssheriff«, begann Fergus erneut, ohne mit der Wimper zu zucken, »ist meiner Frau begegnet, als sie gerade von der Mühle zurückkehrte. Sie hatte meinen kleinen Sohn vor sich auf dem Sattel. Dieser – Hilfssheriff – hielt sie an und zog sie ohne Umschweife aus dem Sattel, wobei er sie informierte, dass er ihr Pferd und seine Ausstattung anstelle einer Steuerzahlung an sich nehmen würde, dann ließ er sie und das Kind stehen, fünf Meilen von meinem Haus entfernt und in glühender Sonnenhitze!« Er warf Berowne einen aggressiven Blick zu, und dieser zog als Antwort die Augenbrauen zusammen. Marsali atmete an Briannas Seite heftig durch die Nase aus.
»Welche Steuer wart Ihr nach Meinung des Hilfssheriffs denn schuldig?«
Fergus’ Wangen waren dunkelrot angelaufen.
»Ich bin überhaupt nichts schuldig! Er hat behauptet, für mein Land müssten jährlich drei Schillinge Pacht bezahlt werden, doch das ist nicht wahr! Mein Land ist von dieser Steuer befreit durch die Klauseln einer Landanleihe, die Gouverneur Tryon James Fraser gewährt hat. Das habe ich dem verdammten salaud auch gesagt, als er mein Haus aufsuchte und versuchte, das Geld einzutreiben.«
»Von einer solchen Anleihe ist mir nichts bekannt«, schmollte Berowne. »Diese Leute erzählen einem alles Mögliche, um die Zahlung hinauszuzögern. Faulpelze und Betrüger, alle miteinander.«
»Oreilles en feuille de chou!«
Leises Gelächter durchlief den Raum und übertönte fast den Tadel des Richters. Briannas Schulfranzösisch reichte gerade aus, um dies mit »Kohlblattohr!« zu übersetzen, und sie fiel in das allgemeine Lächeln ein.
Der Richter hob den Kopf und blickte in den Gerichtssaal.
»Ist James Fraser anwesend?«
Jamie erhob sich und verbeugte sich respektvoll.
»Hier, Mylord.«
»Stellt den Zeugen unter Eid, Gerichtsdiener.«
Nachdem Jamie pflichtgemäß vereidigt worden war, bestätigte er, dass er in der Tat Nutznießer einer Landanleihe war, dass besagte Anleihe und ihre Klauseln von Gouverneur Tryon gewährt worden waren, dass besagte Klauseln eine zehnjährige Befreiung von der Grundsteuer beinhalteten, einen Zeitraum, der in neun Jahren verstrichen sein würde, und schließlich, dass Fergus Fraser auf dem Gebiet, das die Anleihe umfasste, ein Haus unterhielt und Land bestellte, und zwar lizenziert durch ihn selbst, James Alexander Malcolm MacKenzie Fraser.
Briannas Aufmerksamkeit war zunächst vollständig auf ihren Vater gerichtet gewesen; sie konnte von seinem Anblick kaum genug bekommen. Er war der größte Mann im Gerichtssaal und auch bei weitem der auffälligste in seinem schneeweißen Leinenhemd und dem dunkelblauen Rock, der seine schrägstehenden Augen und sein flammendes Haar betonte.
Doch jetzt zog eine Bewegung in der Ecke ihren Blick auf sich, und bei genauem Hinsehen sah sie den Offizier, der ihr schon zuvor aufgefallen war. Er hatte den Blick nicht länger auf ihren Vater gerichtet, sondern starrte Hugh Berowne durchdringend an. Berowne nickte fast unmerklich und lehnte sich zurück, um das Ende von Frasers Aussage abzuwarten.
»Es hat wohl den Anschein, als hätte Mr. Fraser recht, wenn er auf Freistellung besteht, Mr. Berowne«, sagte der Richter nachsichtig. »Ich muss ihn daher freisprechen von der Anklage der …«
»Er kann es nicht beweisen!«, platzte Berowne heraus. Er warf dem Offizier einen Blick zu, als erbitte er moralische Unterstützung, und schob dann sein langes Kinn vor. »Es gibt keinen schriftlichen Beweis; nur James Frasers Wort.«
Wieder ging ein Raunen durch den Gerichtssaal, doch diesmal hatte es einen unfreundlicheren Tonfall. Brianna hörte ohne Schwierigkeiten die Empörung und Entrüstung darüber, dass man das Wort ihres Vaters angezweifelt hatte, und empfand einen unerwarteten Stolz.
Doch ihr Vater zeigte keine Verärgerung; er erhob sich erneut und verbeugte sich vor dem Richter.
»Eure Lordschaft werden erlauben.« Er griff in seinen Rock und zog einen zusammengefalteten Pergamentbogen hervor, auf dem ein Klecks aus rotem Siegelwachs haftete.
»Eure Lordschaft wird mit dem Siegel des Gouverneurs vertraut sein, denke ich«, sagte er und legte es vor Mr. Conant auf den Tisch. Der Richter zog eine Augenbraue hoch, betrachtete aber sorgfältig das Siegel, dann brach er es auf, untersuchte das innenliegende Dokument und legte es nieder.
»Dies ist eine ordentlich bezeugte Kopie der ursprünglichen Landanleihe«, verkündete er, »gezeichnet von Seiner Exzellenz, William Tryon.«
»Woher habt Ihr das?«, entfuhr es Berowne. »Es war nicht genug Zeit, um nach New Bern hin- und zurückzureiten!« Dann wich ihm alles Blut aus dem Gesicht. Brianna sah den Offizier an; in seinem aufgeschwemmten Gesicht schien sich das Blut gesammelt zu haben, das Berowne verloren hatte.
Der Richter warf ihm einen scharfen Blick zu, sagte aber nur: »Da jetzt der schriftliche Beweis erbracht wurde, befinden wir den Angeklagten eindeutig des Diebstahls für unschuldig, da die fraglichen Güter sein Eigentum waren. Was allerdings den tätlichen Angriff angeht …« An diesem Punkt bemerkte er, dass Jamie sich nicht hingesetzt hatte, sondern immer noch vor dem Richtertisch stand.
»Ja, Mr. Fraser? Wolltet Ihr dem Gericht noch etwas mitteilen?« Richter Conant betupfte ein Schweißrinnsal, das ihm unter der Perücke hervorlief; mit so vielen Menschen vollgestopft, ähnelte der kleine Raum einem Schwitzbad.
»Ich bitte das Gericht, meine Neugier zu verzeihen, Eure Lordschaft. Beschreibt Mr. Berownes ursprüngliche Anklage die Tätlichkeiten gegen ihn auch genauer?«
Der Richter zog beide Augenbrauen hoch, blätterte aber schnell die vor ihm auf dem Tisch liegenden Papiere durch und reichte dann eines davon dem Gerichtsdiener, wobei er auf eine Stelle auf der Seite wies.
»Der Kläger behauptet, dass ein gewisser Fergus Fraser ihn mit der Faust ins Gesicht geschlagen hat, worauf der Kläger betäubt zu Boden fiel, wohingegen der Angeklagte das Zaumzeug des Pferdes ergriff, hinaufsprang und fortritt, wobei er Bemerkungen beleidigender Natur in französischer Sprache ausrief …«
Ein lautes Husten von der Anklagebank zog alle Augen auf den Angeklagten, der Richter Conant freundlich anlächelte, ein Taschentuch aus seiner Tasche zog und sich damit ausgiebig das Gesicht abwischte – wozu er den Haken am Ende seines linken Arms benutzte.