Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Sie zerschnitt ein Klößchen in zwei Hälften, aß es langsam und genoss die wohlschmeckende, warme Soße aus Hühnchen und Zwiebeln. Sie war schmutzig, geschafft von der Reise, ausgehungert und erschöpft, und jeder Knochen im Leibe tat ihr weh. Doch sie hatten es geschafft. Sie waren in Cross Creek, und morgen war Montag. Irgendwo in der Nähe war Jamie Fraser – und, so Gott wollte, auch Claire.
Sie berührte ihr Hosenbein und die Geheimtasche, die sie in den Saum genäht hatte. Sie war immer noch da, die kleine, runde, harte Stelle, wo der Talisman lag. Ihre Mutter lebte noch. Das war alles, was zählte.
Nach dem Essen sah sie ein weiteres Mal nach Lizzie. Hanneke Viorst saß am Bett und stopfte Socken. Sie nickte Brianna zu und lächelte.
»Es geht ihr gut.«
Angesichts des ausgezehrten, schlafenden Gesichtes wäre Brianna nicht ganz so weit gegangen. Doch das Fieber war vorbei; ihre Hand hob sich kühl und feucht wieder von Lizzies Stirn, und eine halbleere Schüssel auf dem Tisch zeigte, dass sie ein bisschen hatte essen können.
»Wollt Ihr Euch auch ausruhen?« Hanneke erhob sich halb und deutete auf das Rollbett, das fertig bezogen war.
Brianna warf einen sehnsüchtigen Blick auf die saubere Bettwäsche und die gut gepolsterte Unterlage, doch sie schüttelte den Kopf.
»Noch nicht, danke. Was ich wirklich gern möchte, ist, euer Maultier leihen, wenn ich darf.«
Unmöglich zu sagen, wo Jamie Fraser jetzt war. Viorst hatte ihr gesagt, dass River Run ein gutes Stück außerhalb der Stadt lag; er konnte dort sein, oder vielleicht hielt er sich auch bequemlichkeitshalber irgendwo in Cross Creek auf. Sie konnte Lizzie nicht so lange allein lassen, wie es gedauert hätte, den ganzen Weg nach River Run zu reiten, doch sie wollte in die Stadt, um das Gerichtsgebäude zu suchen, in dem morgen der Prozess abgehalten werden würde. Sie wollte nicht das Risiko eingehen, ihn zu verpassen, nur weil sie nicht wusste, wohin sie gehen musste.
Das Maultier war groß und schon älter, aber einem gemütlichen Ritt entlang der Uferstraße nicht abgeneigt. Es ging etwas langsamer, als sie es selbst zustande gebracht hätte, doch das spielte keine Rolle; sie hatte es jetzt nicht mehr eilig.
Trotz ihrer Müdigkeit fing sie an, sich im Verlauf ihres Rittes besser zu fühlen, und ihr wunder, steifer Körper fügte sich in den sanften Rhythmus des langsam dahinschreitenden Maultieres. Es war ein heißer, feuchter Tag, doch der Himmel war klar und blau. Gewaltige Ulmen und Hickorybäume überwuchsen die Straße, und ihre kühlen Blätter filterten das Sonnenlicht.
Hin- und hergerissen zwischen Lizzies Krankheit und ihren eigenen, schmerzvollen Erinnerungen, hatte sie nichts von der zweiten Hälfte ihrer Reise wahrgenommen, die Veränderungen der Landschaft nicht bemerkt, durch die sie fuhren. Jetzt war es ihr, als sei sie durch Zauberhand im Schlaf transportiert worden und in einer anderen Gegend aufgewacht. Sie verdrängte alle anderen Gedanken und war fest entschlossen, die letzten paar Tage und deren Ereignisse zu vergessen. Sie würde Jamie Fraser finden.
Fort waren die sandigen Straßen, die Krüppelkiefern und die marschigen Sümpfe der Küste, ersetzt durch kühles, grünes Gebüsch, riesige dickstämmige, bewipfelte Bäume und einen weichen, orangefarbenen Boden, der sich überall dort, wo sich totes Laub am Straßenrand gesammelt hatte, zu schwarzem Kompost verdunkelte.
Fort war das Gekreische der Möwen und Seeschwalben. Stattdessen erklang das gedämpfte Plappern eines Eichelhähers, und der weiche, flüssige Gesang eines Schreienden Ziegenmelkers ertönte weit weg im Wald.
Wie würde es sein?, fragte sie sich. Das hatte sie sich schon hundertmal gefragt und sich hundert verschiedene Szenen ausgemalt: Was sie sagen würde, was er sagen würde – würde er sich freuen, sie zu sehen? Sie hoffte es, und doch würde er ein Fremder sein. Wahrscheinlich hätte er keinerlei Ähnlichkeit mit dem Mann in ihrer Phantasie. Unter Schwierigkeiten kämpfte sie die Erinnerung an Laoghaires Stimme nieder: Ein Lügner und Betrüger … Ihre Mutter hatte das nicht geglaubt.
»Ein jeder Tag hat seine eigene Plage«, murmelte sie vor sich hin. Sie hatte den Ortskern von Cross Creek erreicht; die verstreuten Häuser verdichteten sich, und der Feldweg verbreiterte sich zu einer gepflasterten Straße, die von Läden und größeren Häusern gesäumt war. Es waren Leute unterwegs, doch es war die heißeste Zeit des Nachmittags, in der die Luft still und schwer auf der Stadt lag. Wer konnte, hielt sich im Schatten geschlossener Räume auf.
Die Straße machte eine Biegung und folgte dem Ufer. Eine kleine Sägemühle stand etwas abgelegen auf einer Landzunge, und daneben war ein Wirtshaus. Dort würde sie fragen, beschloss sie. Es war so heiß, dass sie etwas zu trinken gebrauchen konnte.
Sie klopfte sich auf die Rocktasche, um sich zu versichern, dass sie Geld dabeihatte. Stattdessen spürte sie das stachelige Äußere einer Rosskastanienhülle und zog ihre Hand fort, als hätte sie sich verbrannt.
Sie fühlte sich wieder leer, obwohl sie etwas gegessen hatte. Mit zusammengepressten Lippen band sie das Maultier fest und tauchte in die dunkle Zuflucht des Wirtshauses ein.
Der Raum war leer bis auf den Wirt, der schlaftrunken auf seinem Hocker saß. Beim Klang ihrer Schritte wurde er lebendig, und nach den üblichen, überraschten Glubschaugen über ihre Erscheinung servierte er ihr ein Bier und erklärte ihr höflich den Weg zum Gerichtshaus.
»Danke.« Sie wischte sich mit dem Rockärmel den Schweiß von der Stirn – selbst drinnen war die Hitze erdrückend.
»Also seid Ihr wegen des Prozesses hier?«, fragte der Wirt, der sie nach wie vor neugierig betrachtete.
»Ja – na ja, nicht direkt. Wem wird da eigentlich der Prozess gemacht?«, fragte sie, denn erst jetzt wurde ihr klar, dass sie keine Ahnung hatte.
»Oh, Fergus Fraser natürlich«, sagte der Mann, als setzte er voraus, dass jedermann wusste, wer Fergus Fraser war. »Die Anklage lautet Überfall auf einen Offizier der Krone. Aber er wird sowieso freigesprochen«, fuhr der Wirt gelassen fort. »Jamie Fraser ist seinetwegen vom Berg gekommen.«
Brianna verschluckte sich an ihrem Bier.
»Ihr kennt Jamie Fraser?«, fragte sie atemlos, während sie an dem Schaum herumtupfte, den sie sich auf den Rockärmel gespritzt hatte.
Die Augenbrauen des Wirtes fuhren hoch.
»Wartet nur einen Moment, dann lernt Ihr ihn auch kennen.« Er wies kopfnickend auf einen Zinnkrug, der auf dem Nebentisch stand. Er war ihr beim Hereinkommen nicht aufgefallen. »Er ist hinten hinausgegangen, gerade, als Ihr hereinkamt. He – hey!« Er schrak mit einem Überraschungsschrei zurück, als sie ihren Krug zu Boden fallen ließ und blitzschnell zur Hintertür hinausschoss.
Nach dem Halbdunkel des Schankraums blendete das Tageslicht. Brianna blinzelte, und ihre Augen überflogen hastig die Bahnen aus Sonnenlicht, die aus dem grünen Laub einer schwankenden Ahornreihe hervorstachen. Dann fing ihr Blick unter den tanzenden Blättern eine Bewegung auf.
Er stand im Schatten der Ahornbäume, halb von ihr abgewandt, den Kopf voll Konzentration gesenkt. Ein hochgewachsener Mann, langbeinig und elegant, mit breiten Schultern unter einem weißen Hemd. Er trug einen verblichenen Kilt in blassen Grün- und Brauntönen, den er vorn lässig hochhielt, während er gegen einen Baum urinierte.
Er beendete sein Geschäft, ließ den Kilt herabfallen und wandte sich der Poststation zu. Er sah sie dastehen und ihn anstarren, und er verspannte sich ein wenig, die Hände halb zusammengeballt. Dann durchschaute er ihre Männerkleidung, und sein argwöhnischer Blick verwandelte sich augenblicklich in Verblüffung, als er begriff, dass sie eine Frau war.
Vom ersten Blick an hatte sie keinen Zweifel. Sie war gleichzeitig überrascht und nicht im mindesten überrascht; er war nicht ganz das, was sie sich vorgestellt hatte – er kam ihr kleiner vor, nur ein bisschen größer als sie selbst –, doch sein Gesicht trug dieselben Züge wie das ihre; die lange, gerade Nase, das trotzige Kinn und die schrägstehenden Katzenaugen in ihrem Rahmen aus elegant geformten Knochen.