Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Oh, das ist es«, sagte er, als es ihm klar wurde.
»Was denn?«
»Das hier.« Er wies mit der Hand auf ihre kuschelige Zuflucht, die sich rasch mit dem duftenden Dampf erfüllte. »Ich kann mich daran erinnern, wie ich in meinem Kinderbett gelegen habe, eine Decke über meinem Kopf. Meine Mutter hat irgendetwas in heißes Wasser geworfen – es roch genauso wie das hier. Darum kam es mir so bekannt vor.«
»Oh.« Dieser Gedanke schien sie zu beruhigen. »Hast du Krupp gehabt, als du klein warst?«
»Ich nehme es an – obwohl ich mich nicht daran erinnern kann. Nur an den Geruch.« Der Dampf erfüllte jetzt das ganze Zelt, feucht und durchdringend. Roger holte tief Luft und füllte sich die Lungen damit, dann tätschelte er Briannas Bein.
»Keine Sorge, das wird ihm helfen«, sagte er.
Jemmy begann prompt, sich unter weiteren Seehundsgeräuschen die Lungen aus dem Hals zu husten, doch es klang jetzt schon weniger alarmierend. Ob es an der Dunkelheit, dem Geruch oder einfach nur an der vertrauten Geräuschkulisse der Küche außerhalb des Zeltes lag, in der die Sklaven die Arbeit wieder aufgenommen hatten, jedenfalls kam ihm alles ruhiger vor. Er hörte, wie auch Brianna tief ein- und dann wieder ausatmete, und er spürte, wie sich ihr Körper fast unmerklich verlagerte, als sie sich entspannte und Jemmy den Rücken tätschelte.
Eine Zeit lang saßen sie schweigend da und hörten zu, wie Jemmy hustete, pfiff, keuchte, hustete und schließlich mit einem leisen Schluckauf wieder zu Atem kam. Er hatte aufgehört zu jammern, und die Nähe seiner Eltern schien ihn zu beruhigen.
Roger hatte den Korken des Kampferglases fallen gelassen; er tastete auf dem Boden herum, bis er ihn fand, und drückte ihn dann wieder in die Öffnung.
»Ich frage mich, was deine Mutter mit ihren Ringen gemacht hat?«, sagte er auf der Suche nach einem unkomplizierten Gesprächsthema, mit dem er das dampferfüllte Schweigen brechen konnte.
»Warum sollte sie etwas damit gemacht haben?« Brianna strich sich eine Haarlocke zurück; sie hatte sich das Haar für den Abend hochgesteckt, doch es glitt jetzt nach und nach aus den Haarnadeln heraus und klebte sich feucht an ihr Gesicht.
»Sie hatte sie nicht an, als sie mir die Sachen gegeben hat.« Er wies auf das Kampferglas, das er in die Nähe der Wand gestellt hatte, wo es keinen Schaden nehmen konnte. Er konnte sich deutlich an Claires Hände erinnern, deren Finger lang, weiß und nackt gewesen waren; sie waren ihm aufgefallen, weil er ihre Hände noch nie ohne ihre Ringe aus Gold und Silber gesehen hatte.
»Bist du sicher? Sie zieht sie niemals aus – es sei denn, um irgendetwas wahrhaft Scheußliches zu tun.« Sie kicherte, ein nervöses, unerwartetes Geräusch. »Das letzte Mal, an das ich mich erinnern kann, war, als Jemmy sein Dingsda in den Nachttopf geworfen hat.«
Roger prustete belustigt los. Besagtes Dingsda war der Eisenring – ursprünglich dazu gedacht, Rindviecher an der Nase herumzuführen –, auf dem Jemmy so gern herumkaute. Es war sein Lieblingsspielzeug, ohne das er nicht gern zu Bett ging.
»Di-da?« Jemmy hob den Kopf, die Augen halb geschlossen. Sein Atem war immer noch belegt, doch er begann, Interesse an anderen Dingen als seinem eigenen Unwohlsein zu zeigen. »Di-da!«
»Huch, das hätte ich wohl besser nicht gesagt.« Brianna schüttelte ihn sanft auf ihrem Knie und begann, leise vor sich hinzusingen, um ihn abzulenken.
»In a can-yon, in a ca-vern, exca-va-ting for a mine … Dwelt a mi-ner, forty-nin-er, and his daugh-ter, Clementine …«
Die dunkle Abgeschlossenheit des Zeltes erinnerte Roger an etwas; er begriff, dass es etwas von der friedlichen Abgeschiedenheit der Bank unter den Weiden an sich hatte – obwohl es hier sehr viel heißer war. Das Leinen seines Hemdes hing ihm bereits schlaff um die Schultern, und er konnte spüren, wie ihm an der Stelle, wo er das Haar im Nacken zusammengebunden hatte, der Schweiß über den Rücken lief.
»Hey.« Er stieß Briannas Bein an. »Willst du nicht nach oben gehen und dein neues Kleid ausziehen? Wenn du hier noch lange bleibst, ruinierst du es dir nur.«
»Oh. Na ja …« Sie zögerte und biss sich auf die Lippe. »Nein, ich bleibe hier. Es geht schon.«
Er erhob sich, stand gebückt unter den Zeltdecken und nahm ihr das hustende, gurgelnde Kind vom Schoß.
»Geh«, sagte er bestimmt. »Du kannst ihm sein D– sein du-weißt-schon-was holen. Und mach dir keine Sorgen. Man kann merken, dass es hilft – der Dampf. Gleich geht es ihm wieder gut.«
Er musste noch ein wenig mehr Überzeugungskraft aufbringen, doch schließlich war sie einverstanden, und Roger setzte sich auf den verlassenen Hocker, Jemmy in seine Armbeuge gekuschelt. Der Druck der hölzernen Sitzfläche rief ihm ein gewisses Maß an Restspannung von ihrem Zusammensein unter den Weiden ins Gedächtnis, und er rutschte sacht hin und her, um das unangenehme Gefühl zu lindern.
»Na ja, es schadet einem nicht dauerhaft«, murmelte er Jemmy zu. »Da kannst du jedes Mädchen fragen.«
Jemmy prustete und schniefte, sagte etwas Unverständliches, das mit »Di–?« begann und hustete erneut, jedoch nur kurz. Roger legte seinen Handrücken an Jemmys weiche, runde Wange. Er meinte, dass sie kühler geworden war. Schwer zu sagen, angesichts der Wärme hier im Zelt. Der Schweiß lief ihm in Strömen über das Gesicht, und er wischte sich mit dem Ärmel darüber.
»Di-da?«, fragte eine leise Quäkstimme an seiner Brust.
»Aye, gleich. Psst jetzt.«
»Di-da. Di-da!«
»Schhh!«
»Di–«
»Light she was and like a fairy –« Er versuchte, sich an den Text des Liedes zu erinnern.
»DA–«
»AND HER SHOES WERE NUMBER NINE!« Roger legte abrupt an Lautstärke zu und rief damit sowohl im Zeltinneren als auch draußen in der Küche erschrockenes Schweigen hervor. Er räusperte sich und senkte seine Stimme wieder auf Schlafliedstärke.
»Äh … Herring boxes without topses … Sandals were for Clementine. Oh, my darling, oh, my darling, oh, my darling, Clementine … Thou art lost, and gone for-ev-er, oh, my darling, Clementine.«
Der Gesang schien zu wirken. Jemmys Augenlider hatten sich auf Halbmast gesenkt. Er steckte seinen Daumen in den Mund und fing an, daran zu nuckeln, konnte aber sichtlich nicht durch seine verstopfte Nase atmen. Roger zog den Daumen sanft heraus und hielt die winzige Faust mit der seinen umschlossen. Sie war nass und klebrig und sehr klein, fühlte sich aber beruhigend kräftig an.
»Fed she duck-lings, by the water, every mor-ning just at nine … Hit her foot a-gainst a splin-ter, fell into the foaming brine.«
Jemmys Augenlider zitterten kurz, dann gaben sie den Kampf auf und schlossen sich. Er seufzte und erschlaffte völlig, während seine Haut Hitzewellen verströmte. Winzige Tröpfchen hingen bebend an seinen Wimpern – Tränen, Schweiß, Dampf, vielleicht von allem etwas.
»Ruby lips a-bove the wa-ter, blowing bub-bles soft and fine … Alas for me, I was no swim-mer, so I lost my Clementine. Oh, my darling, oh, my darling…«
Er wischte sich noch einmal über das Gesicht, beugte sich nieder und küsste die weiche Matte aus feuchtem, seidigem Haar. Danke, dachte er von Herzen aufrichtig an alle Welt von Gott an abwärts gerichtet.
»Oh, my darling … Clementine.«
Kapitel 48
Ein Fremder in der Nacht
Es war sehr spät, als ich mich zu Bett begab, nachdem ich mich ein letztes Mal vergewissert hatte, dass es meinen Patienten gut ging. DeWayne Buchanan hatte sich eine leichte Fleischwunde am Oberarm zugezogen, weil Ronnie Campbell es versäumt hatte, beim Herumalbern mit seiner Pistole hoch genug zu zielen, war jedoch guter Dinge, nachdem ich die Wunde gesäubert und verbunden hatte. Da Ronnie ihn in einem Anfall von Reue freizügig mit Alkohol abgefüllt hatte, spürte er momentan buchstäblich keinen Schmerz.