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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Hallo, Schätzchen. Was ist denn los, geht’s uns miserabel?« Sie richtete sich murmelnd an Jemmy, drehte seinen Kopf zur Seite und betastete sanft die Stellen hinter seinem erröteten, runden Kiefer und seinen Ohren. »Armes Ding. Schon gut, Kleiner, Mami ist hier, Omi ist hier, alles wird gut … wie lange geht es ihm schon so? Hat er etwas getrunken? Ja, Schatz, so ist es gut … hat er Schmerzen beim Schlucken?«

Sie richtete abwechselnd beruhigende Bemerkungen an das Baby und Fragen an Brianna und Phaedre, und das alles im selben Tonfall ruhiger Sicherheit, während ihre Hände hier und dort etwas nachfühlten, erkundeten, beruhigten. Roger spürte die Wirkung am eigenen Körper und holte tief Luft, denn auch die Enge in seiner Brust ließ ein wenig nach.

Claire nahm sich ein Blatt von Jocastas schwerem Briefpapier vom Sekretär, rollte es zu einem Rohr zusammen und benutzte es, um konzentriert Jemmys Rücken und Brust abzuhören, während er weiterhin Geräusche machte wie ein erstickender Seehund. Roger nahm dumpf zur Kenntnis, dass ihr das Haar lose über den Rücken gefallen war; sie musste es zum Abhören beiseitestreichen.

»Ja, natürlich ist es Krupp«, sagte sie geistesabwesend, als eine der Zuschauerinnen halb fragend eine schüchterne Diagnose äußerte. »Aber er hat nur den Husten und die Atembeschwerden. Man kann Krupp allein bekommen oder als Anfangssymptom für eine ganze Reihe anderer Dinge.«

»Zum Beispiel?« Brianna hielt Jemmy fest umklammert, und ihr Gesicht war fast genauso weiß wie ihre Fingerknöchel.

»Oh …« Claire schien gebannt zu lauschen, allerdings nicht auf Brianna, sondern auf das, was in Jemmys Innerem vor sich ging. Er hatte jetzt aufgehört zu husten und lag erschöpft an der Schulter seiner Mutter, wo er keuchend und belegt atmete, was sich wie eine Dampfmaschine anhörte. »Hm … einfacher Schnupfen. Influenza. Asthma. Diphtherie. Aber das ist es nicht«, fügte sie rasch hinzu, als sie beim Aufblicken Briannas Gesicht sah.

»Bist du sicher?«

»Ja«, erwiderte Claire bestimmt. Sie richtete sich auf und legte ihr improvisiertes Hörrohr beiseite. »Es fühlt sich überhaupt nicht wie Diphtherie an. Außerdem geht momentan keine Diphtherie um, sonst hätte ich davon gehört. Und er wird ja immer noch gestillt; er wäre immun –« Sie verstummte abrupt, weil sie sich ihrer Zuschauerinnen bewusst wurde. Sie räusperte sich und bückte sich erneut nieder, als wollte sie Jemmy durch ihr Beispiel ermutigen. Er jammerte leise auf und hustete erneut. Roger konnte es am eigenen Leib spüren, als läge ein Stein in seiner Brust.

»Es ist nichts Ernstes«, verkündete Claire überzeugt und richtete sich auf. »Aber wir müssen ihn in ein Kruppzelt stecken. Bring ihn in die Küche hinunter. Phaedre, würdest du mir bitte ein paar alte Decken suchen?«

Sie trat auf die Tür zu und scheuchte die Frauen vor sich her wie eine Hühnerschar.

Einem Impuls folgend, den er nicht in Frage stellen wollte, streckte Roger die Arme nach dem Baby aus, und nach einer Sekunde des Zögerns ließ Brianna zu, dass er es nahm. Jemmy wehrte sich nicht, sondern hing lustlos und schwer auf seinem Arm, erschreckend schlaff im Vergleich zu seinem normalen Gummigehüpfe. Roger konnte durch sein Hemd hindurch spüren, wie die Wange des Babys brannte, als er den Kleinen jetzt nach unten trug, Brianna an seiner Seite.

Die Küche befand sich im gemauerten Keller des Hauses, und als sie sich über die Hintertreppe in die finsteren Tiefen begaben, ereilte Roger eine kurze Vision von Orpheus beim Abstieg in die Unterwelt, dicht gefolgt von Eurydike. Anstelle einer magischen Lyra jedoch trug er ein Kind, das wie Kohle brannte und hustete, als wollten seine Lungen platzen. Wenn er sich nicht umsah, dachte er, würde dem Jungen nichts geschehen.

»Etwas kaltes Wasser wäre vielleicht nicht schlecht.« Claire legte Jemmy die Hand auf die Stirn und fühlte seine Temperatur nach. »Hast du eine Mittelohrentzündung, Schätzchen?« Sie blies dem Baby sanft erst in das eine Ohr, dann in das andere; es blinzelte, hustete heiser und wischte sich mit seiner rundlichen Hand durch das Gesicht, ohne jedoch zusammenzuzucken. Die Sklaven waren emsig in einer Ecke der Küche beschäftigt. Sie holten kochendes Wasser herbei und befestigten die Decken an einem Balken, um nach Claires Anweisung ein Zelt herzustellen.

Claire nahm Roger das Baby vom Arm, um es zu baden. Seiner Aufgabe beraubt, stand er da und wünschte sich sehnsüchtig, etwas tun zu können, ganz gleich, was, bis Brianna seine Hand ergriff und sie so fest umklammerte, dass sich ihre Fingernägel in seine Handfläche gruben.

»Er wird wieder gesund«, flüsterte sie. »Bestimmt.« Er erwiderte den Händedruck wortlos.

Dann war das Zelt fertig, und Brianna betrat es geduckt, drehte sich dann um und streckte die Arme nach Jemmy aus, der abwechselnd hustete und weinte, denn das kalte Wasser hatte ihm überhaupt nicht gefallen. Claire hatte einen Sklaven losgeschickt, um ihre Arzttruhe zu holen, und jetzt kramte sie darin herum und brachte eine Phiole mit einem blassgelben Öl und ein Glas mit schmutzigweißen Kristallen zum Vorschein.

Doch bevor sie dazu kam, etwas damit zu tun, kam Joshua, einer der Stallknechte, halb atemlos vor Eile die Treppe heruntergetrampelt.

»Mrs. Claire, Mrs. Claire!«

Einige der Herren hatten zur Feier des freudigen Anlasses ihre Pistolen abgefeuert, und einem von ihnen schien ein Missgeschick widerfahren zu sein, obwohl Joshua sich nicht ganz sicher zu sein schien, was genau geschehen war.

»Er is’ nich’ schwer verletzt«, versicherte der Stallknecht Claire in seinem Aberdeener-Dialekt, der aus seinem schwarzen Mund so merkwürdig klang, »aber er blutet doch sehr heftig, und Doktor Fentiman – na ja, er is’ nich’ mehr ganz so standfest wie heut’ Mittag. Könnt Ihr kommen, Ma’am?«

»Ja, natürlich.« In Blitzesschnelle hatte sie Roger die Phiole und das Glas in die Hand gedrückt. »Ich muss gehen. Hier. Gib etwas davon in das heiße Wasser; er soll den Dampf einatmen, bis er aufhört zu husten.« Rasch und zielsicher hatte sie ihre Truhe verschlossen und sie Josh zum Tragen gereicht, bevor Roger ihr auch nur eine einzige Frage stellen konnte. Dann war sie fort.

Dampfschwaden entwichen durch die Zeltöffnung; bei diesem Anblick hielt er inne, um sich seines Rockes und seiner Weste zu entledigen, die er achtlos auf dem Boden liegen ließ, und dann bückte er sich und tauchte in die Dunkelheit ein, Phiole und Glas in der Hand.

Brianna kauerte auf einem Hocker, Jemmy auf dem Schoß, eine große, weiße Puddingschüssel mit dampfendem Wasser zu ihren Füßen. Das Kaminfeuer beleuchtete kurz ihr Gesicht, und Roger lächelte ihr zu und versuchte, eine beruhigende Miene an den Tag zu legen, bevor die Decke wieder an ihren Platz fiel.

»Wo ist Mama? Ist sie fort?«

»Aye, es gab irgendeinen Notfall. Aber es wird schon gut gehen«, sagte er überzeugt. »Sie hat mir die Mittel gegeben, die wir in das Wasser schütten sollen, und gesagt, wir sollen ihn den Dampf atmen lassen, bis der Husten aufhört.«

Er setzte sich neben der Schüssel auf den Boden. Es war ziemlich düster in dem Zelt, aber nicht vollständig dunkel. Als sich seine Augen daran gewöhnten, konnte er ganz gut sehen. Briannas Miene war nach wie vor besorgt, aber nicht mehr annähernd so angstvoll, wie sie es oben noch gewesen war. Auch er fühlte sich besser; immerhin wusste er jetzt, was zu tun war, und Claire schien ihren Enkel unbesorgt zurückgelassen zu haben; offensichtlich ging sie nicht davon aus, dass er hier und jetzt ersticken würde.

Die Phiole enthielt Fichtennadelöl, das scharf und harzig roch. Er wusste nicht genau, wie viel er nehmen sollte, doch er goss einen großzügigen Schuss in das Wasser. Dann zog er den Korken aus dem Glas, und durchdringender Kampfergeruch stieg auf wie ein Flaschengeist. Er sah, dass es doch keine Kristalle waren, sondern Klümpchen eines getrockneten Harzes, körnig und schwach klebrig. Er schüttete einige Körnchen auf seine Handfläche und rieb sie fest zwischen seinen Händen, bevor er sie in das Wasser fallen ließ. Dabei wunderte er sich, wieso ihm diese Geste instinktiv so vertraut erschien.

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