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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Dann können sie das Schiff also nicht beschädigen?«, fragte er in nicht minder beiläufigem Ton als der Kapitän.

Bonnet rauchte einen Augenblick lang schweigend und konzentrierte sich auf die Züge an seiner Zigarre. Ohne die Beleuchtung durch die offene Flamme war er wieder ein Schatten, dessen Position allein die Glut seiner Zigarrenspitze verriet.

»Wer weiß?«, sagte er schließlich, und kleine Rauchwölkchen pufften beim Sprechen zwischen seinen Zähnen hervor. »Jedes einzelne dieser Tiere könnte uns versenken, wenn es sich ärgert. Ich habe einmal ein Schiff gesehen – oder was davon übrig war –, das ein wütender Wal in Stücke geschmettert hatte. Eine meterlange Planke und ein paar treibende Latten – versenkt mit Mann und Maus, zweihundert Seelen.«

»Die Möglichkeit scheint Euch keine großen Sorgen zu bereiten.«

Er hörte Bonnet langsam ausatmen, ein schwaches Echo der Walseufzer, als er mit gespitzten Lippen den Rauch hervorblies.

»Ich würde nur meine Kraft vergeuden, wenn ich mir Sorgen machen würde. Ein kluger Mann überlässt die Dinge, die nicht in seiner Macht liegen, den Göttern – und betet, dass Danu ihm beisteht.« Die Hutkrempe des Kapitäns wandte sich ihm zu. »Ihr wisst doch, wer Danu ist, oder, MacKenzie?«

»Danu?«, sagte Roger geplättet, und dann fiel der Groschen, und die Erinnerung an ein altes Lied kehrte aus den Nebeln der Kindheit zu ihm zurück. »Komm zu mir, Danu, bring mir Glück. Mach mich kühn. Gib mir Gold – und lass mir Liebe blühn.«

Hinter dem Glimmen erklang ein belustigtes Grunzen.

»Ah, und dabei seid Ihr noch nicht einmal Ire. Aber ich hab ja gleich gewusst, dass Ihr ein Gelehrter seid, MacKenzie.«

»Ich kenne Danu, die Glücksbringerin«, sagte Roger und hoffte wider jede Wahrscheinlichkeit, dass besagte keltische Göttin eine gute Seefahrerin war und auf seiner Seite stand. Er trat einen Schritt zurück und wollte gehen, doch eine Hand senkte sich auf sein Handgelenk und hielt ihn fest.

»Ein gelehrter Mann«, wiederholte Bonnet leise, und jede Leichtigkeit war aus seiner Stimme gewichen, »aber kein weiser. Seid Ihr denn wenigstens ein Mann des Gebets, MacKenzie?«

Er spannte sich an, spürte aber die Kraft in Bonnets Griff und zog sich nicht zurück. Seine Gliedmaßen sammelten ihre Kräfte, denn sein Körper wusste schneller als er, dass der Kampf gekommen war.

»Ich habe gesagt, ein weiser Mann sorgt sich nicht um Dinge, die nicht in seiner Macht liegen, doch auf diesem Schiff, MacKenzie, liegt alles in meiner Macht.« Der Griff um sein Handgelenk verhärtete sich. »Alles und jeder.«

Roger riss sein Handgelenk zur Seite und entwand sich dem Griff. Er stand allein da, wohl wissend, dass es keine Hilfe und auch kein Entkommen gab. Es gab keine Welt jenseits des Schiffes, und auf ihm, da hatte Bonnet recht, befanden sich alle in der Gewalt des Kapitäns. Wenn er starb, würde das Morag nicht helfen – doch diese Entscheidung war bereits gefallen.

»Warum?«, fragte Bonnet, der sich nur schwach interessiert anhörte. »Die Frau ist doch keine Schönheit. Und noch dazu so ein gebildeter Mann; würdet Ihr mein Schiff und mein Geschäft nur um eines warmen Körpers willen aufs Spiel setzen?«

»Ich setze nichts aufs Spiel.« Die Worte kamen heiser heraus, denn er zwang sie durch seine zugeschnürte Kehle hindurch. Geh schon auf mich los, dachte er, und seine Fäuste ballten sich an seinen Seiten. Geh auf mich los und lass mir eine Chance, dich mit mir zu nehmen. »Das Kind hat keine Pocken – es ist ein harmloser Ausschlag.«

»Ihr werdet mir vergeben, wenn ich meine unwissende Meinung über die Eure stelle, Mr. MacKenzie, aber ich bin hier der Kapitän.« Die Stimme war immer noch leise, doch das Gift war deutlich zu hören.

»Es ist ein Kind, in Gottes Namen!«

»Das ist es – und völlig wertlos.«

»Für Euch vielleicht.«

Es folgte ein Moment der Stille, der nur von einem entfernten Wusch in der weißen Leere unterbrochen wurde.

»Und welchen Wert hat es für Euch?«, fragte die Stimme unnachgiebig. »Warum?«

Nur um eines warmen Körpers willen. Ja, deswegen. Für einen Hauch von Menschlichkeit, um sich wieder an die Zärtlichkeit zu erinnern, um die Hartnäckigkeit des Lebens im Angesicht des Todes zu spüren.

»Aus Mitleid«, sagte er. »Sie ist arm, es gab niemanden, der ihr helfen konnte.«

Das starke Tabakaroma erreichte ihn, narkotisch, verzaubernd. Er atmete es ein und stärkte sich daran.

Bonnet bewegte sich, und er bewegte sich ebenfalls und hielt sich bereit. Doch der Schlag blieb aus; der Schatten vergrub die Hand in einer Tasche und hielt ihm eine Geisterhand entgegen, in der sich das Glitzern des diffusen Laternenlichtes wie in einem Elsternest fing – Münzen und Kleinkram und etwas, das er für das rasche Aufblitzen eines Edelsteins hielt. Dann wählte der Kapitän einen Silberschilling und schob den Rest in seine Tasche zurück.

»Ah, Mitleid«, sagte er. »Und wie war das, hattet Ihr nicht gesagt, dass Ihr manchmal spielt, MacKenzie?«

Er hielt ihm den Schilling hin und ließ ihn fallen. Roger fing ihn aus purem Reflex auf.

»Um das Leben des Säuglings also«, sagte Bonnet, und der leicht belustigte Tonfall war wieder da. »Eine Wette unter Ehrenmännern, wollen wir es so nennen? Kopf, und er lebt, Zahl, und er stirbt.«

Die Münze lag warm und fest in seiner Handfläche, ein Fremdkörper in dieser Welt der Unterkühlung. Seine Hände waren schlüpfrig vor Schweiß, und doch war sein Verstand eiskalt und hellwach geworden, scharf wie die Spitze eines Eispickels.

Kopf, und er lebt, Zahl, und er stirbt, dachte er ganz ruhig und meinte damit nicht das Kind unter Deck. Er machte Hals und Schritt des anderen Mannes aus; zupacken und losstürzen, ein Schlag und dann hoch mit ihm – die Reling war keinen halben Meter entfernt, und dahinter lag das endlose Reich der Wale.

Jenseits dieser Überlegungen gab es keinen Platz für irgendwelche Angstgefühle. Er sah die Münze hochwirbeln, als hätte eine andere Hand sie geworfen, dann fiel sie auf das Deck. Seine Muskeln spannten sich langsam an.

»Sieht so aus, als wäre Danu heute Nacht auf Eurer Seite.« Bonnets leise, irische Stimme schien aus großer Entfernung zu kommen, als der Kapitän sich bückte und die Münze aufhob.

Er begann es gerade erst zu begreifen, als der Kapitän ihn an der Schulter packte und ihn zum Deck herumdrehte.

»Ihr werdet jetzt ein Weilchen mit mir spazieren gehen, MacKenzie.«

Irgendetwas war mit seinen Knien passiert; er fühlte sich, als sänke er bei jedem Schritt zusammen, hielt sich aber dennoch irgendwie aufrecht, um mit dem Schatten Schritt zu halten. Das Schiff war still, das Deck unter seinen Füßen meilenweit entfernt; doch die See darunter war ein lebendes, atmendes Wesen. Er spürte, wie sich auch in seinen Lungen der Atem im Rhythmus des Decks hob und senkte, und sein Körper kam ihm grenzenlos vor. Seinem Gefühl nach hätte unter seinen Füßen genauso gut Wasser wie Holz sein können.

Es dauerte eine Weile, bevor er Bonnets Worte zu hören begann und mit einem vagen Gefühl des Erstaunens feststellte, dass der Mann dabei zu sein schien, ihm auf stille, teilnahmslose Weise seine Lebensgeschichte zu erzählen.

Er war in Sligo jung zur Waise geworden und hatte schnell gelernt, für sich selbst zu sorgen, sagte er, indem er als Kajütenjunge auf Handelsschiffen arbeitete. Doch eines Winters, als kaum Schiffe fuhren, hatte er sich in Inverness Arbeit an Land gesucht und am Fundament eines großen Hauses mitgegraben, das in der Nähe der Stadtmitte gebaut wurde.

»Ich war gerade siebzehn«, sagte er. »Der Jüngste in der Mannschaft der Bauarbeiter. Ich kann nicht sagen, warum sie mich gehasst haben. Vielleicht war es mein Benehmen, denn ich war ziemlich grob – oder Eifersucht auf meine Größe und Kraft; sie waren ein glückloser, kränklicher Haufen. Oder vielleicht, weil die Mädchen mir hold waren. Oder vielleicht war es nur, weil ich ein Fremder war.

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