Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Dann traf ihn ein Stiefel, und noch einer, und als er seinen Gegner losließ, traten zwei Besatzungsmitglieder sie auseinander. Jemand ergriff den anderen Mann und zog ihn hoch, und Roger sah die erhobene Laterne des Bootsmanns aufblitzen, die das Gesicht des hochgewachsenen, blonden Passagiers preisgab – Morag MacKenzies Mann, dessen grüne Augen sie dunkel und wutentbrannt anstarrten.
MacKenzie sah mitgenommen aus – Roger ebenfalls, wie er feststellte, als er sich mit der Hand über das Gesicht fuhr und seine aufgeplatzte Lippe spürte –, doch seine Haut war frei von Eiterbeulen.
»In Ordnung«, sagte Hutchinson kurz, und der Mann wurde ohne Umschweife auf die Luke zugeschubst.
Rogers Kameraden halfen ihm rauh auf die Beine und ließen ihn dann schwankend, benommen und unbeachtet stehen, während sie ihre Arbeit beendeten. Der Widerstand war nur von kurzer Dauer gewesen; die Passagiere waren zwar mit der Wut der Verzweiflung bewaffnet, doch sechs Wochen unter Deck, Krankheit und Unterernährung hatten sie geschwächt. Die Stärkeren waren in die Unterwerfung geprügelt, die Schwächeren zurückgedrängt worden, und diejenigen, die an den Pocken erkrankt waren …
Roger blickte auf die Reling und den Korridor aus Mondlicht, der friedlich auf dem Wasser lag. Er ergriff die Reling und übergab sich. Er würgte so lange, bis nur noch Galle hochkam, die ihm in Nase und Kehle brannte. Das Wasser unten war schwarz und leer.
Erschöpft und zitternd vor Erschöpfung, ging er langsam über das Deck. Die Seeleute, an denen er vorbeikam, schwiegen, doch aus der verschlossenen Vorderluke erhob sich eine einzelne, klagende Stimme, höher und höher, ein endloses Heulen, das kein Atemholen und keine Ruhe kannte.
Er fiel fast das Fallreep zum Mannschaftsquartier hinunter, ging zu seiner Hängematte, ohne irgendwelche Fragen zu beachten, und wickelte sich seine Decke um den Kopf, um den Klageton auszusperren – um alles auszusperren.
Doch er fand kein Vergessen in den erstickenden Wollfalten, und riss sich die Decke weg. Sein Herz klopfte, und seine Brust war so von dem Gefühl des Ertrinkens erfüllt, dass er die Luft geradezu hinunterschluckte, wieder und wieder, bis ihm schwindelig wurde, und immer noch atmete er tief ein, als müsste er für jene mitatmen, die es nicht mehr konnten.
»Es ist besser so, Junge«, hatte Hutchinson in schroffem Mitgefühl zu ihm gesagt, als er vorbeiging, während Roger sich über die Reling auskotzte. »Die Pocken verbreiten sich wie ein Waldbrand; keiner in dem Frachtraum würde lebend das Ziel erreichen, wenn wir die Kranken nicht herausholen würden.«
Und war das besser, als langsam an den Wunden und am Fieber zu sterben? Nicht für die, die zurückblieben; das Jammern ging weiter; es zerschnitt die Stille und durchbohrte Holz wie Herz.
Verstümmelte Bilder blitzten in seiner Erinnerung auf, gestutzte Szenen, eingefangen von unsichtbaren Blitzlichtern; das verzerrte Gesicht des Matrosen, als er in die Luke stürzte; der halboffene Mund des kleinen Jungen, dessen Inneres von Eiterbeulen übersät war. Bonnet, der über der Schlägerei stand und mit seinem Gesicht eines gefallenen Engels zusah. Und das dunkle, hungrige Wasser, leer unter dem Mond.
Irgendetwas glitt mit einem dumpfen Rumpeln an der Schiffshülle vorbei, und er rollte sich zitternd zusammen, nahm weder die erstickende Hitze unter Deck wahr noch die schläfrige Beschwerde seines Nebenmannes. Nein, nicht leer. Er hatte die Seeleute sagen hören, dass Haie niemals schlafen.
»O Gott«, sagte er laut. »O Gott!« Er hätte für die Toten beten sollen, doch er konnte es nicht.
Er rollte sich erneut zusammen, wand sich und versuchte zu vergessen, und im Echo des vergeblichen Gebetes fand er seine Erinnerung wieder – jene wenigen, verzweifelten Worte, die er gehört hatte, ohne sie zu verstehen, als sie ihm in jenen Momenten blinder Wut ins Ohr gekeucht wurden.
Um Gottes willen, Mann, hatte der blonde Mann gesagt. Um Gottes willen, lasst sie!
Er rollte sich auseinander und lag in kalten Schweiß gebadet steif da.
Zwei Gestalten im Schatten. Und die offene Luke zum Lagerraum, vielleicht sechs Meter weiter.
»O Gott«, sagte er noch einmal, doch diesmal war es ein Gebet.
Erst in der Mitte der Hundewache bot sich Roger am nächsten Tag die Gelegenheit, in den Lagerraum hinunterzusteigen. Er versuchte erst gar nicht zu verhindern, dass man ihn sah; die Beobachtung seiner Schiffskameraden hatte ihn schnell gelehrt, dass in beengten Verhältnissen nichts so schnell Aufmerksamkeit erregte wie Heimlichtuerei.
Falls ihn jemand fragte, dann hatte er ein rumpelndes Geräusch gehört und sich gedacht, dass sich vielleicht die Fracht verlagert hatte. Das war ja auch nah genug an der Wahrheit.
Er ließ sich mit den Händen vom Rand der Luke schwingen; wenn er die Leiter nicht herunterließ, war es weniger wahrscheinlich, dass man ihm folgte. Er ließ sich in die Dunkelheit fallen und landete hart und mit einem krachenden Geräusch. Wenn hier unten jemand war, dann musste er das gehört haben – und falls ihm jemand folgte, würde er selbst gleichermaßen gewarnt sein.
Er ließ sich einen Augenblick Zeit, um sich von seinem Aufprall zu erholen, und begann dann, sich vorsichtig zwischen den hohen, schwach erleuchteten Massen der aufgestapelten Fracht vorwärtszubewegen. Alles schien an den Rändern verschwommen zu sein. Es war nicht nur das schwache Licht; sämtliche Gegenstände im Frachtraum vibrierten leicht und trommelten im Rhythmus der zitternden Bordwand. Er konnte es wahrnehmen, wenn er genau hinhörte; es war der leiseste Ton im Gesang des Schiffes.
Durch die engen Gänge zwischen den Reihen der Kisten hindurch, vorbei an den massiven Bäuchen der dicht an dicht gereihten Wasserfässer. Er holte Atem, die Luft war vom Geruch feuchten Holzes erfüllt, den das schwache Parfüm des Tees überlagerte. Es raschelte und ächzte, viele seltsame Geräusche – doch keine Spur von der Anwesenheit eines Menschen. Dennoch war er sich sicher, dass jemand hier war.
Und warum bist du hier, Kumpel?, dachte er. Was, wenn einer der Passagiere aus dem Zwischendeck hier Zuflucht gesucht hatte? Wenn jemand hier versteckt lag, hatte er wahrscheinlich die Pocken; Roger konnte nichts für ihn tun – warum sich also die Mühe machen und nachsehen?
Weil er es nicht lassen konnte, lautete die Antwort. Er machte sich keine Vorwürfe darüber, dass er es nicht geschafft hatte, die pockenkranken Passagiere zu retten; ihnen hätte sowieso nichts helfen können, und vielleicht war der schnelle Tod durch Ertrinken ja wirklich nicht schlimmer als die langsame Agonie der Krankheit. Das hätte er jedenfalls gern geglaubt.
Doch er hatte nicht geschlafen; die Ereignisse der Nacht hatten ihn mit einem solchen Gefühl des Entsetzens und der angewiderten Hilflosigkeit erfüllt, dass er keine Ruhe finden konnte. Ob er jetzt etwas tun konnte oder nicht, er musste irgendetwas tun. Er musste nachsehen.
Etwas Kleines bewegte sich im tiefen Schatten des Frachtraums. Ratte, dachte er und drehte sich automatisch um, um nach dem Tier zu treten. Diese Bewegung war seine Rettung; ein schwerer Gegenstand sauste an seinem Kopf vorbei und landete platschend unten im Kielraum.
Er senkte den Kopf und machte einen Satz in die Richtung, aus der die Bewegung gekommen war, die Schultern hochgezogen, um den Schlag abzuwehren, mit dem er rechnete. Es gab keine Fluchtmöglichkeit und nicht viel Platz zum Verstecken. Er sah es wieder, stürzte sich darauf und bekam Stoff zu fassen. Riss fest daran und stieß auf Haut. Ein schnelles Handgemenge im Dunkeln, ein erschrockener Aufschrei, und am Ende hielt er einen Körper fest gegen ein Schott gepresst und umklammerte das magere Handgelenk von Morag MacKenzie.
»Was zum Teufel?« Sie trat nach ihm und versuchte zu beißen, doch er ignorierte es. Er packte sie fest am Kragen und zerrte sie aus dem Schatten in das gedämpfte, bräunliche Licht des Frachtraums. »Was macht Ihr hier?«