Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Die Schüssel neigte sich, und heißes Wasser schwappte ihr über die Handgelenke. Gott allein wusste, ob der Brunnen hinter dem Wirtshaus hygienisch einwandfrei war oder nicht; besser, das kochende Wasser aus dem Kupferkessel zu benutzen und es abkühlen zu lassen, auch wenn es länger dauerte. Im Krug war kühles Wasser; sie ließ ein wenig davon zwischen Lizzies trockene, aufgesprungene Lippen tropfen und das Mädchen dann auf das Bett zurücksinken. Sie wusch Lizzie Gesicht und Hals, zog die Bettdecke zurück und befeuchtete erneut das leinene Nachthemd, unter dem die winzigen Brustwarzen als dunkelrote Punkte zu sehen waren.
Mit schweren Augenlidern brachte Lizzie ein kurzes Lächeln zustande, dann sank sie mit einem leisen Seufzer zurück und schlief ein. Ihre schlaffen Gliedmaßen entspannten sich wie die Arme und Beine einer Stoffpuppe.
Auch Brianna fühlte sich, als hätte man bei ihr das Füllmaterial entfernt. Sie zog den einzigen Hocker zum Fenster herüber und ließ sich darauf fallen. In dem vergeblichen Bemühen, etwas frische Luft zu schnappen, stützte sie sich auf die Fensterbank. Auf dem ganzen Weg von Charleston hierher hatte die Luft wie eine bleierne Decke über ihnen gelegen – kein Wunder, dass die arme Lizzie unter ihrem Gewicht zusammengebrochen war.
Sie kratzte sich beklommen an einem Stich auf ihrem Oberschenkel; die Insekten waren nicht annähernd so scharf auf sie wie auf Lizzie, doch ein paarmal war sie auch gestochen worden. Malaria war für sie nicht gefährlich; sie war dagegen geimpft, genauso wie gegen Typhus, Cholera und alles, was sie sich sonst noch vorstellen konnte. Aber es gab keinen Impfstoff gegen Krankheiten wie das Denguefieber oder die Dutzenden von anderen Seuchen, die die dicke Luft wie böswillige Geister heimsuchten. Wie viele davon wurden von blutsaugenden Insekten verbreitet?
Sie schloss die Augen, lehnte den Kopf an den Holzrahmen und tupfte sich mit den Falten ihres Hemdes die Schweißtropfen vom Brustbein. Sie konnte sich riechen; wie lange trug sie diese Kleider schon? Es spielte keine Rolle; sie war zwei Tage und Nächte lang fast pausenlos wach gewesen und war zu müde, um sich umzuziehen, ganz zu schweigen von der Anstrengung, sich zu waschen.
Lizzies Fieber schien vorbei zu sein – doch für wie lange? Wenn es weiterhin immer so wiederkam, würde es das kleine Dienstmädchen mit Sicherheit umbringen; sie hatte bereits das ganze Gewicht wieder verloren, das sie auf der Reise zugenommen hatte, und ihre helle Haut begann, im Sonnenlicht gelblich auszusehen.
In Wilmington war keine Hilfe zu finden. Brianna setzte sich gerade hin, reckte sich und spürte, wie ihre Rückenwirbel wieder in Position sprangen. Müde oder nicht, es gab nur eins, was sie tun konnte. Sie musste ihre Mutter finden, und zwar so schnell wie möglich.
Sie würde die Pferde verkaufen und ein Schiff finden, das sie flussaufwärts brachte. Falls das Fieber zurückkam, konnte sie sich auf einem Schiff genauso gut um Lizzie kümmern wie in diesem heißen, übelriechenden, kleinen Zimmer – und sie würden dabei immerhin ihrem Ziel näher kommen.
Sie stand auf, spritzte sich etwas Wasser ins Gesicht und drehte dabei ihr schweißnasses Haar nach oben und aus dem Nacken. Sie schnürte ihre zerknitterte Kniehose auf, zog sie aus und machte dabei verträumte, zusammenhanglose Pläne.
Ein Schiff auf dem Fluss. Sicherlich würde es auf dem Fluss kühler sein. Sie müssten nicht mehr reiten; nach vier Tagen im Sattel schmerzten ihre Oberschenkelmuskeln. Sie würden nach Cross Creek fahren und Jocasta MacKenzie suchen.
»Meine Tante«, murmelte sie und schwankte leicht, als sie nach der Dochtlampe griff. »Großtante Jocasta.« Sie stellte sich eine freundliche, weißhaarige, alte Dame vor, die sie mit derselben Freude begrüßen würde, die sie in Lallybroch angetroffen hatte. Familie. Es würde so guttun, wieder eine Familie zu haben. Wie so oft driftete Roger in ihre Gedanken. Sie schob ihn resolut wieder fort; Zeit genug, an ihn zu denken, wenn ihre Mission erledigt war.
Eine kleine Insektenwolke schwebte über der Flamme, und die Wand neben ihr war übersät mit den pfeilförmigen Schatten der Motten und Florfliegen, die sich von ihrem Tagewerk ausruhten. Sie kniff die Flamme aus, die kaum heißer war als die Luft im Zimmer, und zog sich im Dunkeln das Hemd über den Kopf.
Jocasta würde wissen, wo genau sich Jamie Fraser und ihre Mutter befanden – würde ihr helfen, zu ihnen zu gelangen. Zum ersten Mal, seit sie durch die Steine geschritten war, erfüllte der Gedanke an Jamie Fraser sie weder mit Neugier noch mit Beklommenheit. Das Einzige, was zählte, war, dass sie ihre Mutter fand. Ihre Mutter würde wissen, was man für Lizzie tun musste; ihre Mutter würde wissen, wie man alles richtete.
Sie breitete eine zusammengefaltete Bettdecke auf dem Boden aus und legte sich nackt darauf. In Sekundenschnelle war sie eingeschlafen und träumte von den Bergen und von reinem, weißem Schnee.
Am nächsten Abend sah die Lage besser aus. Das Fieber war vorbei, genau wie beim ersten Mal, und Lizzie war ausgelaugt und schwach, aber bei klarem Verstand und so weit abgekühlt, wie es das Klima zuließ. Erfrischt hatte sich Brianna nach der durchschlafenen Nacht die Haare gewaschen, sich mit Hilfe eines Schwammes und der Schüssel gereinigt und dann der Wirtin Geld gegeben, damit sie ein Auge auf Lizzie hatte, während sie selbst sich in Joppe und Kniehose gekleidet ans Werk machte.
Es hatte fast den ganzen Tag gedauert – und sie hatte Unmengen von aufgerissenen Augen und Mündern ertragen müssen, wenn die Männer ihr Geschlecht erkannten –, die Pferde zu einem Preis zu verkaufen, von dem sie hoffte, dass er redlich war. Sie hatte von einem Mann namens Viorst gehört, der in seinem Kanu gegen Bezahlung Passagiere zwischen Wilmington und Cross Creek hin- und herbeförderte. Bei Anbruch der Dunkelheit hatte sie Viorst allerdings noch nicht gefunden – und sie hatte nicht vor, sich abends bei den Docks herumzutreiben, weder in Hosen noch anderswie. Morgen würde früh genug sein.
Noch ermutigender war, dass Lizzie nach unten gekommen war, als sie kurz vor Sonnenuntergang zum Wirtshaus zurückkehrte, und sich von der Wirtin mit kleinen Portionen Maispudding und Hühnerfrikassee hatte verwöhnen lassen.
»Dir geht’s besser!«, rief Brianna aus. Lizzie nickte strahlend und schluckte ihren Bissen hinunter.
»Stimmt«, sagte sie. »Ich fühle mich wieder wie ich selber, und Mrs. Smoots ist so freundlich gewesen und hat mich all unsere Sachen waschen lassen. Oh, es tut so gut, sich wieder sauber zu fühlen!«, sagte sie begeistert und legte ihre blasse Hand auf ihr Halstuch, das frisch gebügelt aussah.
»Du solltest aber nicht waschen und bügeln«, rügte Brianna ihre Magd, während sie neben ihr auf die Bank glitt. »Du wirst dich noch überarbeiten und wieder krank werden.«
Lizzie warf ihr einen neunmalklugen Blick zu, und in ihren Mundwinkeln hing ein überlegenes Lächeln.
»Na ja, ich dachte, Ihr wollt Eurem Pa vielleicht nicht in Kleidern gegenübertreten, die ganz dreckig sind. Nicht, dass nicht sogar ein schmutziges Kleid besser wäre als das, was Ihr jetzt anhabt.« Die Augen des kleinen Dienstmädchens glitten tadelnd über Briannas Hose; sie hielt überhaupt nichts von der Vorliebe ihrer Herrin für Männerkleidung.
»Meinem Pa? Was soll das – Lizzie, hast du etwas gehört?« Eine Flamme der Hoffnung schoss in ihr hoch, eine plötzliche, helle Verpuffung wie beim Anzünden eines Gasherdes.
Lizzie machte ein selbstzufriedenes Gesicht.
»Jawohl, das habe ich. Und nur, weil ich gewaschen habe – mein Pa hat immer schon gesagt, dass Tüchtigkeit sich auszahlt.«
»Ja, ganz bestimmt«, sagte Brianna trocken. »Was hast du denn herausbekommen, und wie?«
»Also, ich war gerade dabei, Euren Unterrock aufzuhängen – den hübschen, aye, mit dem Spitzensaum …«
Brianna ergriff einen kleinen Milchkrug und hielt ihn drohend über den Kopf des zierlichen Mädchens. Lizzie kreischte und duckte sich kichernd.