Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich nickte, holte tief Luft und übersetzte unmittelbar, nachdem er gesprochen hatte. Jocasta hörte mir zu, brauchte diesmal aber keine Zeit zum Nachdenken; ihre Entscheidung stand fest.
»Sag ihm, ich danke ihm für seinen Rat«, sagte sie ein ganz klein wenig gereizt. »Auch ich bin bereits verheiratet gewesen – mehr als einmal. Und mit seiner Hilfe werde ich noch einmal heiraten. Und zwar heute.«
Ich übersetzte, doch ihrer aufrechten Haltung und ihrem Tonfall hatte er bereits entnommen, was sie gesagt hatte. Er blieb noch einen Moment sitzen und rieb die Perlen mit seinen Fingern. Dann nickte er.
»Oui, Madame«, sagte er. Er streckte die Hand aus und drückte voll sanfter Ermutigung die ihre. »Tally-ho, Madame!«
Kapitel 45
Quacksalber
Gut, ein Problem weniger, dachte ich, während ich die Speichertreppe hinaufstieg. Nächster Punkt auf der Dringlichkeitsliste: die Sklavin Betty. War sie wirklich vergiftet worden? Es war über zwei Stunden her, dass Jamie sie im Gemüsegarten entdeckt hatte, aber ich hielt es für möglich, dass ich immer noch Symptome erkennen konnte, wenn es sie tatsächlich so schlimm erwischt hatte, wie er es beschrieben hatte. Unter mir hörte ich das gedämpfte Schlagen der Standuhr. Eins, zwei, drei. Noch eine Stunde bis zur Trauung – auch wenn sich diese leicht aufschieben ließ, falls Betty größerer Aufmerksamkeit bedurfte als erwartet.
Angesichts der ungeliebten Stellung der Katholiken in der Kolonie wollte Jocasta ihre Gäste – zum Großteil Protestanten verschiedener Bekenntnisse – nicht dadurch brüskieren, dass sie sie zwang, der eigentlichen, papistischen Zeremonie beizuwohnen. Die Trauung selbst würde diskret in ihrem Boudoir abgehalten werden, und dann würden die frisch Vermählten Arm in Arm die Treppe hinunter steigen, um mit ihren Freunden zu feiern, die sich dann ganz diplomatisch einreden konnten, dass Vater LeClerc nur ein exzentrisch gekleideter Hochzeitsgast war.
Als ich mich dem Speicher näherte, hörte ich zu meiner Überraschung oben Stimmengemurmel. Die Tür zum Schlafraum der weiblichen Sklaven war nur angelehnt; ich drückte sie auf und stellte fest, dass Ulysses mit verschränkten Armen am Kopfende eines der schmalen Betten stand. Er sah aus wie ein aus Ebenholz geschnitzter Racheengel. Offensichtlich betrachtete er den unglücklichen Vorfall als schwere Verletzung von Bettys Dienstpflichten. Ein kleiner, adretter Herr, der einen Frack und eine große Perücke trug, stand gebückt an ihrer Seite, einen kleinen Gegenstand in der Hand.
Bevor ich etwas sagen konnte, presste er diesen gegen den schlaffen Arm der Magd. Es ertönte ein leises, scharfes Klicken, und er entfernte den Gegenstand, der ein Rechteck aus aufquellendem Blut zurückließ, das sich kräftig und dunkelrot von der braunen Haut der Sklavin abhob. Die Tropfen wurden größer, verschwammen und begannen, an ihrem Arm entlang in die Schüssel unter ihrem Ellbogen zu laufen.
»Ein Stichelmesser«, erklärte der kleine Mann Ulysses voller Stolz und zeigte ihm den Gegenstand. »Eine große Verbesserung gegenüber grobem Gerät wie Lanzetten und Aderlassklingen. Ich habe es aus Philadelphia!«
Der Butler neigte höflich den Kopf, vielleicht, um auf die Aufforderung einzugehen und das Instrument näher zu betrachten, vielleicht auch, um der distinguierten Herkunft desselben seine Anerkennung zu zollen.
»Mrs. Cameron wird Euch für Eure gütige Herablassung sicher zutiefst verpflichtet sein, Dr. Fentiman«, murmelte er.
Fentiman. Dies war also das medizinische Establishment von Cross Creek. Ich hatte schon so einiges über den Doktor gehört, allerdings nichts Gutes. Ich räusperte mich, und Ulysses hob mit alarmiertem Blick den Kopf.
»Mistress Fraser«, sagte er mit einer kleinen Verneigung. »Dr. Fentiman hat gerade –«
»Mistress Fraser?« Doktor Fentiman war herumgefahren und betrachtete mich mit demselben argwöhnischen Interesse wie ich ihn. Offensichtlich hatte auch er schon von mir gehört. Doch seine guten Manieren behielten die Oberhand, und er verbeugte sich vor mir, eine Hand an der Brust seiner Satinweste.
»Stets zu Diensten, Ma’am«, sagte er und erhob sich leicht schwankend wieder in die Senkrechte. Sein Atem roch nach Brandy, und ich sah die Spuren des Alkohols in den kleinen, geplatzten Blutgefäßen im Inneren seiner Nase und auf seinen Wangen.
»Hoch erfreut, wirklich«, sagte ich und reichte ihm meine Hand zum Kuss. Er machte zunächst ein überraschtes Gesicht, beugte sich dann jedoch elegant darüber. Ich blinzelte über seinen gepuderten Kopf hinweg und versuchte, im gedämpften Licht des Speichers so viel wie möglich von Betty auszumachen.
Ihrer aschfahlen Hautfarbe nach hätte Betty genauso gut schon eine Woche tot sein können, doch das bisschen Licht, das in den Speicher fiel, kam durch das dicke Ölpapier, das die winzigen Giebelfenster verschloss. Auch Ulysses sah grau aus wie mit Asche bestäubte Holzkohle.
Das Blut am Arm der Sklavin hatte bereits zu gerinnen begonnen; das war gut – obwohl es mich schauderte, wenn ich daran dachte, bei wie vielen Menschen Fentiman sein scheußliches, kleines Gerät schon benutzt haben mochte, seitdem er es besaß. Sein Koffer stand offen neben dem Bett, und nichts deutete darauf hin, dass es ihm in den Sinn kam, seine Instrumente vor und nach Gebrauch zu reinigen.
»Es ist wirklich sehr freundlich von Euch, Mrs. Fraser«, verkündete der Doktor, der sich jetzt wieder aufrichtete, meine Hand jedoch weiter fest hielt – um sich zu stützen, vermutete ich. »Es ist jedoch nicht nötig, dass Ihr Euch bemüht. Mrs. Cameron ist eine alte und geschätzte Freundin von mir; es macht mir nichts aus, mich um ihre Sklavin zu kümmern.« Er lächelte gütig und blinzelte, um mich klar sehen zu können.
Ich konnte die Magd atmen hören, tief und angestrengt, aber ganz regelmäßig. Es juckte mich, ihr den Puls zu fühlen. Ich holte so unauffällig wie möglich tief Luft. Abgesehen von dem durchdringenden Geruch, der aus Dr. Fentimans Perücke aufstieg – offensichtlich war sie mit Nesselpulver und Ysop gegen Läuse behandelt worden –, und einem kräftigen Nebel aus altem Schweiß und Tabak, der den Körper des Arztes umwehte, fing ich den scharfen Kupfergeruch frischen Blutes und den älteren Gestank verfaulten Blutes aus seinem Koffer auf. Nein, Fentiman reinigte seine Klingen nicht.
Darüber hinaus konnte ich problemlos den Alkoholschwaden – vermischt mit Dung – riechen, den Jamie beschrieben hatte, aber ich konnte nicht sagen, wie viel davon von Betty kam und wie viel von Fentiman. Wenn es in dieser Mischung eine Spur von Laudanum gab, würde ich dichter an die Sklavin herantreten müssen, um sie zu entdecken, und zwar schnell, bevor sich die aromatischen Öle vollständig verflüchtigen konnten.
»Wie ausgesprochen freundlich von Euch, Doktor«, sagte ich mit einem unaufrichtigen Lächeln. »Ich bin mir sicher, dass die Tante meines Mannes Euch höchst dankbar für Eure Bemühungen ist. Aber ein Gentleman wie Ihr hat doch sicher – ich meine, es muss doch Dinge geben, die Eure Aufmerksamkeit dringender erfordern. Ulysses und ich können uns um die Pflege der Frau kümmern; Eure Begleiter vermissen Euch doch bestimmt schon.« Vor allem die, die es gar nicht abwarten können, Euch beim Kartenspiel ein paar Pfund abzuluchsen. Sie harren auf ihre Chance, bevor Ihr wieder nüchtern seid!
Zu meiner großen Überraschung ging Fentiman diesen schmeichelhaften Worten nicht auf den Leim. Er ließ meine Hand los und lächelte mich mit einer Unaufrichtigkeit an, die der meinen in nichts nachstand.
»Oh, nein, ganz und gar nicht, meine Liebe. Ich versichere Euch, hier bedarf es keiner Pflege. Es ist schließlich nicht mehr als ein einfacher Fall von übertriebenem Alkoholgenuss. Ich habe ihr ein starkes Emetikum verabreicht; sobald es gewirkt hat, kann man die Frau getrost sich selbst überlassen. Widmet Euch wieder Eurem Vergnügen, werte Dame; es ist nicht nötig, dass Ihr das Risiko eingeht, so ein hübsches Kleid zu verderben, ganz und gar nicht nötig.«