Ein Kampf um Rom
- Автор: Дан Феликс
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Ein Kampf um Rom». Краткое содержание книги:
Aber Rauthgundis irrte.
Nicht um seinen Gefangenen zu töten hatte der Präfekt den Schlüssel an sich genommen. Er war mit demselben in den linken, den Südbau des Palastes geschritten. Spät am Nachmittag trat Cethegus - er kam aus dem Kerker des Königs -in das Gemach Mataswinthens. Die Ruhe des Todes und die Erregung des Fiebers wechselten in der seelisch Tieferkrankten so oft, so rasch, daß Aspa nur mit tränenerfüllten Augen noch auf ihre Herrin sah.
«Zerstreue», sprach Cethegus, «schönste Tochter der Germanen, die Wolken, die auf deiner weißen Stirn lagern, und höre mich ruhig an.»
«Wie steht es mit dem König? Du lässest mich ohne Nachricht. Du versprachst, ihn freizugeben nach der Entscheidung. Ihn über die Alpen führen zu lassen. Du hältst dein Wort nicht.»
«Ich habe das versprochen: - unter zwei Bedingungen.
Du kennst sie beide, und hast die deine noch nicht erfüllt. Morgen kommt der kaiserliche Neffe Germanus zurück von Ariminum - dich nach Byzanz zu führen: - du gibst ihm Hoffnung, seine Braut zu werden. Die Ehe mit Witichis war erzwungen, und nichtig.»
«Ich sagte dir schon: nein, niemals!»
«Das tut mir leid - um meinen Gefangenen.
Denn eher nicht sieht er das Licht der Sonne, bis du mit Germanus auf dem Wege nach Byzanz.»
«Niemals.»
«Reize mich nicht, Mataswintha! Die Torheit des Mädchens, das so teuren Preis einst um einen Areskopf bezahlt, ist, denk' ich, überwunden. Dasselbe Geschöpf hat den Ares der Goten ja seinen Feinden verraten. Aber ehrst du noch wirklich den Mädchentraum, so rette den einst Geliebten.»
Mataswintha schüttelte das Haupt.
«Ich habe dich bisher als eine Freie, als Königin behandelt. Erinnere mich nicht, daß du so gut wie er in meiner Gewalt. Du wirst dieses edlen Prinzen Gemahlin - bald seine Witwe - und Justinian, Byzanz, die Welt liegt dir zu Füßen. Tochter Amalaswinthens - solltest du nicht die Herrschaft lieben?»
«Ich liebe nur... -! Niemals!»
«So muß ich dich zwingen!»
Sie lachte: «Du? mich? zwingen?»
«Ja, ich dich zwingen. (Sie liebt ihn noch immer, den sie zugrunde gerichtet!) Die zweite Bedingung nämlich ist: daß der Gefangene diesen leergelassenen Namen ausfüllt - er ist der Name des Schatzschlosses der Goten - und diese Erklärung unterschreibt. Er weigert sich mit einem Trotz, der anfängt mich zu erbittern. Siebenmal war ich bei ihm - ich, der Sieger, - er hatte noch kein Wort für mich. Nur das erstemal, da erhielt ich einen Blick für den er allein den stolzen Kopf verlieren müßte.»
«Nie gibt er nach.»
«Das fragt sich doch. Auch Felsen zermürbt beharrlicher Tropfenfall. Aber ich kann nicht lange mehr warten.
Heute früh kam Nachricht, daß der tolle Hildebad in wütigem Ausfall Bessas so schwer geschlagen, daß er kaum die Einschließung noch aufrecht erhält. Überall flackern gotische Erhebungen empor. Ich muß fort und ein Ende machen und diese Funken auslöschen mit dem Wasser der Enttäuschung, besser als mit Blut. Dazu muß ich des gefangenen Königs Erklärung und Schatzgeheimnis haben. Ich sage dir also: wenn du bis morgen mittag nicht des Prinzen Begleiterin nach Byzanz bist und mir nicht vorher die Unterschrift des Gefangenen verschaffst, die Echtheit von dir selbst bezeugt, so werd' ich den Gefangenen - ich schwöre es dir beim Styx, - werd' ich den Gefangenen -»
Entsetzt von seinem furchtbar drohenden Ausdruck fuhr Mataswintha von ihrem Sitz empor und legte ihre Hand auf seinen Arm. «Du wirst ihn doch nicht töten?»
«Ja, das werd' ich. Ich werd' ihn erst foltern. Dann blenden. Und dann töten.»
«Nein, nein!» schrie Mataswintha auf.
«Ja, ich hab's beschlossen. Die Henker stehen bereit. Und du wirst ihm das sagen: dir, dieser händeringenden Verzweiflung wird er glauben, daß es ernst. Du vielleicht rührst ihn: mein Anblick härtet seinen Trotz. Er wähnt vielleicht noch, in Belisars, des Weichherzigen, Hand zu sein. Du wirst ihm sagen, in wessen Gewalt er ist. Hier die beiden Pergamente. Hier die Schlüssel - du sollst deine Stunde frei wählen zu seinem Kerker.»
Ein Strahl freudiger Hoffnung blitzte aus Mataswinthas Seele durch ihr Auge.
Cethegus bemerkte es wohl. Aber ruhig lächelnd schritt er hinaus.
Achtundzwanzigstes Kapitel
Bald, nachdem der Präfekt die Königin verlassen, war es dunkel geworden über Ravenna. Der Himmel war dicht mit zerrissenem Gewölk bedeckt, das heftiger Wind aus dem Neumond vorüberjagte, so daß kurzes, ungewisses Licht mit desto tieferem Dunkel wechselte.
Dromon hatte seinen Abendrundgang in den Zellen der übrigen Gefangenen vollendet und kam müde und traurig in sein Vorgemach zurück. Er fand kein Licht brennend. Mit Mühe nur nahm er Rauthgundis wahr, die noch immer reglos an der Halbtür lehnte, das Beil in der Hand, den Blick auf die Gangtür geheftet.
«Laß mich Licht schlagen, Frau, den Kienspan im Herdeisen entzünden: und teile das Nachtmahl mit mir. Komm, du harrest hier umsonst.» - «Nein, kein Licht, kein Feuer in dem Gemach! Ich sehe so besser, was draußen im Hof, im Mondlicht naht.» -«Nun so komm wenigstens hier herein und ruhe auf dem Dreifuß. Hier ist Brot und Fleisch.» - «Soll ich essen, während er Hunger leidet?» - «Du wirst erliegen! Was denkst, was sinnst du den ganzen Abend?»
«Was ich denke?» wiederholte Rauthgundis, immer hinausblickend: «Ihn! Und wie wir so oft gesessen in dem Säulengang vor unserem schönen Hause, wann der Brunnen plätscherte in dem Garten und die Zikaden zirpten auf den Olivenbäumen. Und die kühle Nachtluft strich frei um sein liebes Haupt. Und ich schmiegte mich an seine Schulter. Und wir sprachen nicht. Und oben gingen die Sterne. Mit Schweigen. Und wir lauschten den vollen, tiefen Atemzügen des Kindes, das eingeschlafen war auf meinem Schoß, die Händchen, wie weiche Fesseln, um den Arm des Vaters geschlungen. Jetzt trägt sein Arm andre Fesseln. Eisenfesseln trägt er, - die schmerzen...
- -» Und sie drückte die Stirn an das Eisengitter, fest und fester, bis sie selbst Schmerz empfand.
«Herrin, was quälst du dich? Es ist doch nicht zu ändern!»
«Ich will es aber ändern! Ich muß ihn retten und - Ah, Dromon, hierher! Was ist das?» flüsterte sie und wies in den Hof.
Der Alte sprang geräuschlos an ihre Seite. In dem Hofe stand eine hohe, weiße Gestalt, die lautlos an der Mauer dahinglitt. Rasch nur, aber scharf, fiel das Mondlicht darauf.
«Es ist eine Lemure! Ein Schatten der vielen hier Ermordeten», sprach der Alte bebend. «Gott und die Heiligen schützet mich!» Und er bekreuzte sich und verhüllte das Haupt.