Ein Kampf um Rom
- Автор: Дан Феликс
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Ein Kampf um Rom». Краткое содержание книги:
«Nein», sprach Rauthgundis, «die Toten kommen nicht wieder vom Jenseits. Jetzt ist's verschwunden - Dunkel ringsum
- Sieh, da bricht der Mond durch - da ist es wieder! Es schwebt voran gegen die Gangtür. Was schimmert da rot im weißen Licht? Ah, das ist die Königin - ihr rotes Haar! Sie hält an der Gangtür. Sie schließt auf! Sie will ihn im Schlaf ermorden!»
«Weiß Gott, es ist die Königin! Aber ihn ermorden! Wie könnte sie!»
«Sie könnte es! Aber sie soll es nicht, so wahr Rauthgundis lebt. Ihr nach! Ein Wunder tut uns seinen Kerker auf! Doch aber
leise! Leise!»
Und da trat sie aus der Halbtür in den Hof, das Beil in der Rechten, vorsichtig den Schatten der Mauer suchend, langsam, auf den Zehen schleichend. Dromon folgte ihr auf dem Fuße.
Inzwischen hatte Mataswintha die Gangtür aufgeschlossen und ihren Weg erst viele Stufen hinab, dann durch den schmalen Gang, mit den Händen tastend, zurückgelegt. Nun erreichte sie die Pforte des Kerkers. Sacht erschloß sie auch diese.
Durch einen ausgehobenen Ziegelstein hoch oben im Turm fiel ein schmaler Streif des Mondlichts in das enge Quadrat. Es zeigte ihr den Gefangenen. Er saß, den Rücken gegen die Türe gewandt, das Haupt auf die Hände gestützt, reglos auf einem Steinblock.
Zitternd lehnte sich Mataswintha an die Pfosten der Pforte. Eiskalte Luft schlug ihr entgegen. Sie fror. Sie fand keine Worte: vor Grauen.
Da spürte Witichis an dem Windzug, daß die Pforte geöffnet worden. Er hob das Haupt. Aber er sah sich nicht um.
«Witichis - König Witichis» - stammelte endlich Mataswintha
- «ich bin's. Hörst du mich?»
Aber der Gefragte rührte sich nicht.
«Ich komme, dich zu retten - fliehe! Freiheit!»
Aber der Gefangene senkte wieder das Haupt.
«O sprich! - O sieh nur auf mich!» - Und sie trat ein. Gern hätte sie seinen Arm berührt, seine Hand gefaßt. Sie wagte es noch nicht. «Er will dich töten - quälen. Er wird es tun, - wenn du nicht fliehst.»
Und nun gab ihr Verzweiflung den Mut, näher zu treten. «Du sollst aber fliehn! Du sollst nicht sterben! Du sollst gerettet sein
- durch mich! Ich flehe dich an - fliehe! Du hörst mich nicht. Die Zeit drängt! Einst sollst du alles wissen! Nur jetzt flieh in Freiheit und Leben. Ich habe die Schlüssel der Kerkerpforte und der Gangtür! Flieh!» Und nun faßte sie seinen Arm, wollte ihn emporreißen.
Da klirrten seine Ketten an den Armen, an den Füßen. - Er war an den Steinblock festgeschlossen.
«Oh, was ist das?» rief sie und fiel in die Knie.
«Stein und Eisen», sagte er tonlos. «Laßt mich. Ich gehöre dem Tode. Und hielten mich auch diese Bande nicht - ich folgte dir doch nicht! Zurück in die Welt? Die Welt ist eine große Lüge. Alles ist Lüge.»
«Du hast recht! Sterben ist besser. Laß mich sterben mit dir. Und verzeih mir. Denn auch ich habe dir gelogen.»
«Es mag wohl sein. Es wundert mich nicht.»
«Aber du mußt mir noch vergeben, ehe wir sterben.
Ich habe dich gehaßt - ich habe gejubelt über deinen Niedergang - ich habe - oh, es ist so schwer zu sagen! Ich habe die Kraft nicht, es zu gestehn. Und doch muß ich deine Verzeihung haben - und müßt' ich sie mir erstehlen. Vergib mir -reiche mir die Hand zum Zeichen, daß du mir verzeihst.»
Aber Witichis war in sein Brüten zurückgesunken.
«Oh, ich flehe dich an - verzeihe mir, was immer ich dir mag getan haben.»
«Geh - warum soll ich dir nicht verzeihn? Du bist wie alle! Nicht besser, nicht schlimmer!»
«Nein, ich bin böser als alle. Und doch besser. Wenigstens elender. Wisse denn: ich habe dich gehaßt, ja, aber nur, weil du mich von dir gestoßen! Du ließest mich nicht dein Leben teilen, verzeihe mir. - Gott, ich will ja nur mit dir sterben dürfen. Reich' mir einmal noch die Hand, zum Zeichen, daß du mir verzeihst.» Und sie streckte kniend, flehend, beide Hände zu ihm empor.
Der König, erhob das Haupt. Der Grundzug seines Wesens, die tiefe Herzensgüte, regte sich in ihm und übertönte den eignen dumpfen Schmerz. «Mataswintha», sagte er und erhob die kettenklirrende Hand, «geh, es erbarmt mich dein. Laß mich allein sterben. Was immer du an mir getan - geh hin: - ich habe dir verziehn.»
«O Witichis!» hauchte Mataswintha und wollte seine Hand ergreifen.
Neunundzwanzigstes Kapitel
Aber heftig fühlte sie sich hinweggerissen. «Nachtbrennerin, nie soll er dir vergeben! Komm Witichis, mein Witichis. Folge mir! Du bist frei.» Der König sprang auf, von dieser Stimme wie aus Betäubung geweckt. «Rauthgundis! Mein Weib! Ja du logst nie! Du bist getreu. Ich hab' dich wieder.» Und tief aufatmend, jauchzend aus voller Brust, breitete er die Arme aus. Sein Weib flog an seine Brust, und sie weinten beide süße Tränen der Liebe und der Freude.
Mataswintha aber, die sich erhoben hatte, wankte gegen die Mauer. Sie strich sich langsam die roten, losgegangenen Haare aus der Stirn und blickte auf das Paar, das der Mondstrahl, der durch die Turmluke fiel, hell beleuchtete.
«Wie er sie liebt! Ja, ihr würd' er folgen in Freiheit und Leben. Aber er muß ja bleiben! Und sterben - mit mir.»
«Säumt nicht länger!» mahnte von der Kerkertüre her die Stimme Dromons.
«Ja, rasch fort, mein Leben!» rief Rauthgundis. Sie zog einen kleinen Schlüssel aus dem Busen und tastete an den Ketten, des Schlosses kleine Öffnung suchend.
«Wie? Soll ich wirklich noch mal hinaus?» fragte der Gefangene, halb in seine Betäubung zurücksinkend.
«Ja, hinaus in die Luft und Freiheit», rief Rauthgundis und warf die losgeschlossenen Armfesseln zur Erde. «Hier Witichis, eine Waffe! Ein Beil! Nimm!»
Begierig ergriff der gotische Mann die Axt und holte kräftig damit aus: «Ah! die Waffe tut dem Arm, der Seele wohl!»
«Das wußte ich, mein tapfrer Witichis!» rief Rauthgundis, kniete nieder und schloß die Kette auf, die seinen linken Fuß an den Steinblock gefesselt hielt. «Nun schreite aus! Denn du bist frei.»
Witichis tat, das Beil in der Rechten hebend, hoch sich reckend, einen Schritt gegen die Türe.
«Und sie darf seine Ketten lösen!» flüsterte Mataswintha.
«Ja, frei!» sprach Witichis, hoch aufatmend. «Ich will frei sein und mit dir gehen.»