Ein Kampf um Rom
- Автор: Дан Феликс
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Ein Kampf um Rom». Краткое содержание книги:
Belisar schüttelte die Berührung ab. «Laß mich, Knabe - du bringst mir - du bringst mir den echten Dank der Kronen.»
Vornehm richtete sich Germanus auf. «Belisar, du vergissest, wer ich bin und wer du bist.»
«O nein, ic h bin ein Gefangener, und du bist mein Wächter. Ich gehe sofort auf dein Schiff erspare mir nur Ketten und
Bande.»
*
Erst spät konnte sich der Präfekt von dem Prinzen losmachen, der im vollsten Vertrauen die Angelegenheiten des Staates und seine persönlichen Wünsche mit ihm besprach.
Er eilte, sowie er in seinen Gemächern, die er ebenfalls im Palaste bezogen, allein war, den ihm von Lucius Licinius mitgeteilten Brief der Kaiserin zu lesen.
Er lautete: «Du hast gesiegt, Cethegus.
Als ich dein Schreiben empfing, gedacht' ich alter Zeiten, da deine Brieflein in dieser Geheimschrift an Theodora nicht von Staaten und Kriegen handelten, sondern von Küssen und Rosen... -»
«Daran müssen sie immer erinnern», unterbrach sich der Präfekt.
«Aber auch in diesem trocknen Briefe erkannte ich die
Unwiderstehlichkeit jenes Geistes, der einst die Frauen von Byzanz noch mehr als deine Jugendschönheit zwang. So gab ich denn auch diesmal den Wünschen des alten Freundes nach, wie einst denen des jungen. Ach, ich dachte gern unsrer Jugend, der süßen. Und ich erkannte wohl, daß Antoninens Gemahl allzu fest in Zukunft stehn würde, wenn er diesmal nicht fiel. So raunte ich denn wie du geschrieben dem Kaiser in die Ohren: <Allzu gefährlich sei ein Untertan, der ein solches Spiel mit Kronen und mit Aufruhr treiben könne. Keinen Feldherrn dürfe man lange solcher Versuchung aussetzen. Was er diesmal gegaukelt, könne es ein andermal im Ernst versuchen.> Diese Worte wogen schwerer als alle Siege Belisars, und alle meine, d. h. deine Forderungen gingen durch.
Denn Mißtraun ist die Seele Justinians. Er traut nur einer Treue auf Erden - der Theodoras. Dein Bote Licinius ist hübsch - unliebenswürdig: er hat nur Rom und Waffen in Gedanken. Ach, Cethegus, mein Freund, es lebt keine Jugend mehr wie die unsre war. <Du hast gesiegt, Cethegus> - - weißt du noch den Abend, da ich dir diese Worte flüsterte? - Aber vergiß nicht, wem du den Sieg verdankst. Und merke dir, Theodora läßt sich nur solang sie selber will als Werkzeug brauchen. Vergiß das nie.»
«Gewiß nicht«, sagte Cethegus, das Schreiben sorgfältig zerstörend, «du bist eine zu gefährliche Verbündete, Theodora, nein, Dämonodora! laß sehn, ob du unersetzbar bist. Geduld: In wenig Wochen ist Mataswintha in Byzanz. - Was bringst du?» fragte er den Eintretenden Syphax, der glänzende Waffen trug.
«Herr, ein Abschiedsgeschenk Belisars. Nachdem er deinen Bericht an den Kaiser gelesen, sprach er zu Prokop: <Dein Freund hat meinen Dank verdient. Da, nimm meine goldne Rüstung, den Helm mit dem weißen Roßschweif und den runden Buckelschild und schicke sie ihm als letzten Gruß Belisars>.»
Sechsundzwanzigstes Kapitel
Der Rundturm, in dessen tiefen Gewölben Witichis gefangen saß, lag an dem rechten Eckflügel des Palastes, desselben Querbaues, in dem er als König gewohnt und geherrscht hatte.
Der Turm bildete mit seiner Eisentür den Abschluß eines langen Ganges, der von einem Hof aus zur Rechten lief und von diesem Hof wieder durch eine schwere Eisenpforte abgeschlossen war. Gerade dieser eisernen Hofpforte gegenüber lag im Erdgeschoß auf der linken Seite des Hofes die kleine Wohnung Dromons, des Carcerarius oder Kerkermeisters des Palastes. Sie bestand aus zwei kleinen Gemächern: das erste, von dem zweiten durch einen Vorhang getrennt, war ein bloßes Vorzimmer. Das zweite Gemach gewährte durch ein logenartiges Fenster den Ausblick auf den Hof und den Rundturm. Beide waren von einfachster Einrichtung: ein Strohlager im Innengemach und zwei Stühle und Tische im äußern nebst den Schlüsseln an den Wänden waren ihr ganzes Gerät.
Und auf der Holzbank an jenem Fenster saß Tag und Nacht, unverwandt den Blick auf die Mauerlücke heftend, aus welcher allein Luft und Licht in des Königs Kerker fiel, schweigend und sinnend ein Weib.
Es war Rauthgundis.
Niemals ließ ihr Auge von jenem kleinen Spalt im Turm. «Denn dort», sagte sie sich, «dort hängt auch sein Blick, dorthin schwebt seine Sehnsucht.» Auch wenn sie mit Wachis, ihrem Begleiter, oder mit dem Kerkermeister, der sie beherbergte, sprach, wandte sie das Auge nicht von dem Turm. Es war, als ob der Bann ihres Blickes Unheil von dem Gefangenen abhalten könne.
Lange, lange war sie heute wieder so gesessen. Es war dunkler Abend geworden.
Drohend und finster ragte der gewaltige Turm und warf einen breiten Schatten über den Hof und diesen linken Flügel des Palastes.
«Dank dir, gütiger Himmelsherr», sprach sie. «Auch deine schweren Schläge treiben zum Heil.
Wär' ich in die Felsen der Skaranzia, auf den hohen Arn, zum Vater, wie ich mir ausgesonnen, nie hätte ich von dem Gang des Elends hier wahrgenommen. Oder doch viel zu spät. Aber mich zog die Sehnsucht nach der Todesstätte des Kindes in die Nähe unsres Ehehauses, - das zwar räumte ich -: wußte ich denn, ob nicht sie, seine Königin, dort einsprechen würde? So hausten wir in der Waldhütte nahe bei Fäsulä.
Und als das Schreckliche kam und eine Nachricht des Mißlingens die andre jagte, und als die Sarazenen unser Haus verbrannten und ich die Flammen leuchten sah bis in mein Versteck, da war's zu spät, nach Norden zum Vater zu entrinnen; die Welschen sperrten alle Wege und lieferten, was flüchtete mit gelbem Haar, den Massageten aus. Kein Weg blieb offen als der Weg hierher nach der Rabenstadt - wohin ich als sein Weib nie hatte kommen wollen. Als flüchtige Bettlerin kam ich hier an, nur sein Roß Wallada und sein Knecht, nun sein Freigelassener, Wachis, noch mir eigen und treu.
Aber ihm zum Heil, - von Gott hierher gezwungen, - ob ich schon nicht wollte - ihn zu retten, zu befreien von scheußlichem Verrat des eignen Weibes! Und aus seiner Feinde Bosheit. Dank dir, treuer Gott! Ich durfte nicht mehr mit ihm leben - aber - aber ich, - Rauthgundis! - darf ihn retten.» -
Da rasselte ihr gegenüber die eiserne Hofpforte.
Ein Mann mit Licht trat heraus, ging über den Hof und trat alsbald in das Vorzimmer. Es war der alte Kerkerwart.
«Nun? Sprich!» rief Rauthgundis, ihren Sitz verlassend und ihm in das erste Gemach entgegeneilend.