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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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»N-nicht der Rede wert«, stammelte ich. Es gelang mir, mich zu erheben und die Kiste an mich zu nehmen. Sie maß vielleicht zwanzig mal fünfundzwanzig Zentimeter und war etwas mehr als zehn Zentimeter hoch. Ziemlich klein für die Hinterlassenschaft eines Menschenlebens.

Ich wusste, was sie enthielt. Drei Angelschnüre, ordentlich aufgerollt; einen Korken, in dem mehrere Angelhaken steckten; Feuerstein und Stahl; eine kleine Glasscherbe mit abgestumpften Kanten; ein paar kleine Steine, die interessant aussahen oder sich angenehm anfühlten; eine getrocknete Maulwurfspfote zum Schutz gegen Rheumatismus. Eine Bibel – oder vielleicht hatte er die behalten dürfen? Ich hoffte es. Einen Rubinring, wenn er nicht gestohlen worden war. Und eine kleine Schlange aus Kirschholz, in deren Unterseite der Name Sawny eingeritzt war.

Ich blieb an der Tür stehen und packte den Rahmen, um mich zu stützen.

Sir Fletcher, der mir höflich gefolgt war, um mich aus dem Zimmer zu begleiten, war sofort bei mir.

»Mrs. Beauchamp! Ist Euch nicht gut, meine Liebe? Wache, einen Stuhl!«

Ich konnte spüren, wie mir der kalte Schweiß auf den Wangen ausbrach, doch es gelang mir, zu lächeln und abzuwinken, als mir der Stuhl angeboten wurde. Ich wollte unbedingt hier raus – ich brauchte frische Luft, und zwar in rauhen Mengen. Und ich wollte allein sein, um zu weinen.

»Nein, es geht schon«, sagte ich, um einen überzeugenden Ton bemüht. »Es ist nur … vielleicht ein wenig stickig hier. Nein, es geht gleich wieder. Außerdem wartet mein Pferdeknecht draußen.«

Während ich mich zwang, mich aufzurichten und zu lächeln, kam mir ein Gedanke. Möglich, dass er nicht helfen würde, aber schaden konnte er auch nicht.

»Oh, Sir Fletcher …«

Immer noch besorgt über meinen Zustand, war er ganz Ohr.

»Ja, meine Liebe?«

»Ich dachte mir gerade … wie traurig für einen jungen Mann in dieser Lage, mit seiner Familie im Streit zu liegen. Ich meine, vielleicht … wenn er ihnen schreiben möchte – vielleicht einen Versöhnungsbrief? Es würde mich freuen, ihn seiner … seiner Mutter zu überbringen.«

»Ihr seid ja die Hilfsbereitschaft in Person, meine Liebe«, sagte Sir Fletcher jetzt wieder jovial, da ich anscheinend doch nicht auf seinem Teppich kollabieren würde. »Natürlich, ich werde mich diesbezüglich erkundigen. Wo habt Ihr denn Quartier bezogen, meine Liebe? Falls es einen Brief gibt, werde ich ihn Euch übersenden lassen.«

»Nun ja.« Inzwischen gelang mir das Lächeln besser, obwohl es sich anfühlte, als ob es auf mein Gesicht geklebt wäre. »Das ist derzeit furchtbar ungewiss. Ich habe mehrere Verwandte und enge Bekannte im Ort, und ich fürchte, ich muss abwechselnd bei ihnen wohnen, damit sich niemand beleidigt fühlt.« Ich brachte ein kleines Lachen zuwege.

»Wenn es Euch also nicht zu sehr stört, könnte mein Pferdeknecht hier vorstellig werden und sich nach dem Brief erkundigen?«

»Gewiss, gewiss. Das ist doch bestens, meine Liebe. Bestens!«

Und mit einem raschen Blick auf seine Karaffe nahm er meinen Arm, um mich zum Tor zu begleiten.

»Besser, Kleine?« Rupert schob den Vorhang meiner Haare beiseite, um mir ins Gesicht zu sehen. »Du siehst aus wie ein schlecht geräucherter Schweinebauch. Hier, trink lieber noch einen Schluck.«

Ich schüttelte den Kopf, als er mir die Whiskyflasche hinhielt, und setzte mich, um mir mit dem feuchten Tuch, das er mir besorgt hatte, das Gesicht abzuwischen.

»Nein, nein, es geht jetzt schon.« Gemeinsam mit Murtagh, der sich als mein Pferdeknecht ausgab, hatte ich es mit Mühe und Not außer Sichtweite des Gefängnisses geschafft, ehe ich mich vom Pferd gleiten ließ und mich im Schnee übergab. Dort hatte ich weinend verharrt, Jamies Kiste an die Brust gedrückt, bis mich Murtagh hochgehoben und zum Aufsteigen gezwungen hatte, um mich dann zu dem kleinen Gasthaus in der Ortschaft Wentworth zu bringen, wo Rupert uns ein Quartier gesucht hatte. Wir hatten ein Zimmer im oberen Stockwerk, von dem aus wir den klobigen Gefängnisbau in der zunehmenden Dämmerung gerade eben sehen konnten.

»Dann ist der Junge also tot?« Ruperts breites Gesicht, das zur Hälfte in seinem Bart verschwand, war ernst und gütig und ließ seine übliche Clownerie vermissen.

Ich schüttelte den Kopf und holte tief Luft. »Noch nicht.«

Nachdem er sich meine Geschichte angehört hatte, schritt Rupert langsam im Kreis durch das Zimmer und verzog dabei nachdenklich vor sich hin brummend die Lippen. Murtagh saß wie immer still; ihm war keinerlei Erregung anzumerken. Er hätte einen großartigen Pokerspieler abgegeben, dachte ich.

Am Ende seiner nächsten Runde ließ sich Rupert mit einem Seufzer neben mir auf das Bett sinken.

»Nun ja, er lebt noch, und das ist das Wichtigste. Aber hol mich der Teufel, wenn ich weiß, was wir jetzt tun sollen. Wir haben ja keinerlei Möglichkeit, dort hineinzukommen.«

»Aye, die haben wir«, sagte Murtagh plötzlich. »Weil unsere Kleine hier die Idee mit dem Brief hatte.«

»Mmpfm. Aber nur ein Mann. Und der schafft es nur bis zur Stube des Verwalters. Doch, aye, es ist immerhin ein Anfang.« Rupert zog seinen Dolch und kratzte sich damit den dicken Bart. »Das Gefängnis ist verdammt groß.«

»Ich weiß, wo er ist«, sagte ich. Ich fühlte mich besser, jetzt, da wir Pläne schmiedeten und ich begriff, dass meine Begleiter nicht aufgeben wollten, ganz gleich, wie erfolglos unser Vorhaben zu sein schien. »Zumindest weiß ich, in welchem Flügel.«

»Ach ja? Hmm.« Er steckte den Dolch ein und setzte sich wieder in Bewegung, bis er stehen blieb, um zu fragen: »Wie viel Geld hast du, Kleine?«

Hastig kramte ich in der Tasche meines Kleides. Ich hatte Dougals Geldbörse, das Geld, das Jenny mir aufgezwungen hatte, und meine Perlenkette. Die Perlen wies Rupert zurück, nahm aber die Geldbörse und ließ sich die Münzen auf die geräumige Handfläche fallen.

»Das reicht«, meinte er und ließ sie prüfend klirren. Dann richtete er den Blick mit hochgezogenen Augenbrauen auf die Coulter-Zwillinge. »Ihr zwei Jungs und Willie – kommt mit. John und Murtagh können hier bei der Kleinen bleiben.«

»Und wohin geht ihr?«, fragte ich.

Er ließ die Münzen in seinen Sporran fallen, bis auf eine, die er nachdenklich in die Luft warf.

»Och«, antwortete er vage. »Es gibt zufällig noch ein anderes Wirtshaus am anderen Ende des Ortes. Die Wachen aus dem Gefängnis gehen dahin, wenn sie dienstfrei haben, weil es näher und das Bier einen Penny billiger ist.« Er wendete das Geldstück mit dem Daumen, drehte die Hand um und fing es zwischen zwei Fingerknöcheln auf.

Während ich ihm zusah, dämmerte mir, was er vorhatte.

»Ist das so?«, fragte ich. »Sie spielen dort nicht zufällig auch Karten, oder?«

»Weiß nicht, Kleine, weiß nicht«, antwortete er. Er warf die Münze noch einmal in die Luft und fing sie, indem er in die Hände klatschte. Als er dann die Hände auseinanderbreitete, war die Münze nicht mehr zu sehen. Er lächelte, und seine Zähne schimmerten weiß in seinem schwarzen Bart.

»Aber wir könnten es uns ja einmal ansehen, nicht wahr?« Er schnippte mit den Fingern, und die Münze tauchte wieder auf.

Kurz nach ein Uhr schritt ich am folgenden Mittag erneut unter dem mit eisernen Spitzen bewehrten Fallgitter einher, das den Eingang von Wentworth seit seiner Erbauung hütete und in den folgenden hundertfünfzig Jahren wenig von seiner Bedrohlichkeit verloren hatte. Ich berührte den Dolch in meiner Tasche, um mir Mut zu machen.

Sir Fletcher sollte jetzt mit seinem Mittagsmahl befasst sein – den Informationen nach, die Rupert und seine Hilfsspione bei ihrem Streifzug gestern Abend den Gefängniswachen entlockt hatten. Kurz vor dem Morgengrauen waren sie mit roten Augen und ordentlichen Bierfahnen angestolpert gekommen. Alles, was sich Rupert als Antwort auf meine Fragen entlocken ließ, war: »Och, Kleine, alles, was man zum Gewinnen braucht, ist Glück. Es ist eine Kunst, zu verlieren!« Dann hatte er sich in der Ecke zusammengerollt und war fest eingeschlafen. Mir war nichts anderes übriggeblieben, als weiter frustriert den Zimmerboden mit meinen Schritten abzumessen, so wie ich es schon die ganze Nacht lang getan hatte.

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