Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Trotzdem«, fuhr er fort, »trotz meiner Gefühle – denn ich will es nicht länger vor dir verbergen –, trotzdem würdest du doch niemals glauben, dass ich Jamie im Stich lassen würde, wenn es auch nur die geringste Hoffnung gäbe, ihn zu retten? Jamie Fraser ist für mich das, was einem Sohn am nächsten kommt.«
»Nicht ganz«, sagte ich. »Da ist noch dein richtiger Sohn. Oder inzwischen vielleicht zwei?« Die Finger an meinem Hals verstärkten ihren Druck, nur eine Sekunde, dann verschwanden sie.
»Wie meinst du das?« Ganz ohne Spielchen jetzt und ohne jede Verstellung. Seine Haselaugen waren gebannt, seine vollen Lippen eine grimmige Linie in seinem rot-braunen Bart. Er war groß und kräftig, und er war mir sehr nah. Doch ich war schon zu weit gegangen, um jetzt noch vorsichtig zu sein.
»Ich meine, ich weiß, wer Hamishs Vater wirklich ist«, sagte ich. Er hatte offenbar schon halb damit gerechnet, und er hatte sein Gesicht gut im Griff, doch der letzte Monat, den ich als Wahrsagerin verbracht hatte, war nicht umsonst gewesen. Ich sah das leichte Erschrecken, das ihm die Augen weitete, und die plötzliche Panik, rasch unterdrückt, die ihm die Mundwinkel verzog.
Treffer. Trotz der Gefahr erlebte ich einen Moment des Triumphes. Ich hatte also recht gehabt, und dieses Wissen war möglicherweise genau die Waffe, die ich brauchte.
»Ach ja?«, sagte er leise.
»Ja«, sagte ich, »und ich nehme an, Colum weiß es auch.«
Das ließ ihn kurz innehalten. Er kniff die Augen zusammen, und eine Sekunde lang fragte ich mich, ob er wohl bewaffnet war.
»Ich glaube, er hat eine Zeitlang gedacht, es wäre Jamie«, sagte ich und blickte ihm direkt in die Augen. »Wegen der Gerüchte. Ich nehme an, du hast dahintergesteckt und es Geillis Duncan zugeflüstert. Warum? Weil Colum anfing, Jamie zu verdächtigen, und er Letitia Fragen gestellt hat? Sie hätte ihm nicht lange standhalten können. Oder dachte Geilie vielleicht, du wärst Letitias Liebhaber, und du hast ihr gesagt, es wäre Jamie, um ihren Argwohn zu stillen? Sie ist eine eifersüchtige Frau, aber jetzt kann sie ja keinen Grund mehr haben, dich in Schutz zu nehmen.«
Dougal lächelte grausam. Das Eis wich keine Sekunde aus seinen Augen.
»Nein, das kann sie nicht«, pflichtete er mir immer noch leise bei. »Die Hexe ist tot.«
»Tot!« Der Schock musste mir genauso deutlich anzusehen wie anzuhören gewesen sein. Sein Lächeln wurde breiter.
»Oh, aye«, sagte er. »Verbrannt. Mit den Füßen in ein Fass voll Pech gesteckt und dann mit trockenem Torf überhäuft. An einen Pfosten gebunden und wie eine Fackel angezündet. Als Flammensäule zur Hölle geschickt, unter den Zweigen einer Eberesche.«
Im ersten Moment dachte ich, er wollte mich mit dieser gnadenlos detaillierten Schilderung beeindrucken, doch ich irrte mich. Ich bewegte mich ein Stück zur Seite, und als ihm das Licht wieder ins Gesicht fiel, konnte ich die Falten des Schmerzes rings um seine Augen sehen. Es war also keine Litanei des Grauens, sondern eine Selbstgeißelung. Unter den Umständen empfand ich allerdings kein Mitleid mit ihm.
»Du hast sie also wirklich geliebt«, sagte ich kalt. »Nicht dass es ihr viel genützt hätte. Oder dem Kind. Was hast du mit ihm gemacht?«
Er zuckte mit den Schultern. »Es in einer guten Familie untergebracht. Ein Sohn, kerngesund, auch wenn seine Mutter eine Hexe und Ehebrecherin war.«
»Und sein Vater ein Ehebrecher und Verräter«, fuhr ich ihn an. »Deine Frau, deine Geliebte, dein Neffe, dein Bruder – gibt es eigentlich jemanden, den du noch nicht betrogen und getäuscht hast? Du … du …« Die Worte blieben mir im Hals stecken; er widerte mich so sehr an, dass mir übel wurde. »Ich weiß gar nicht, warum ich überrascht bin«, sagte ich dann, um einen ruhigeren Ton bemüht. »Wenn du keine Loyalität gegenüber deinem König kennst, gibt es wohl auch keinen Grund zu der Annahme, dass du mit deinem Neffen oder deinem Bruder anders verfahren würdest.«
Sein Kopf fuhr herum, und er funkelte mich an. Er zog seine dichten Augenbrauen hoch, die genauso geformt waren wie Colums, wie Jamies, wie Hamishs. Die breiten Wangenknochen, die schöne Schädelform. Das Erbe des alten Jacob MacKenzie ließ sich nicht verleugnen.
Eine kräftige Hand klammerte sich fest um meine Schulter.
»Mein Bruder? Du glaubst, ich würde meinen Bruder betrügen?« Aus irgendeinem Grund hatte ihn das getroffen; sein Gesicht war finster vor Wut.
»Du hast es doch gerade zugegeben!« Und in dem Moment begriff ich.
»Ihr wart es beide«, sagte ich langsam. »Ihr wart es gemeinsam, du und Colum. Gemeinsam, wie immer.« Ich nahm seine Hand von meiner Schulter und schleuderte sie ihm entgegen.
»Colum konnte nur dann Häuptling werden, wenn du für ihn in den Krieg ziehst. Er konnte den Clan nur zusammenhalten, wenn du für ihn das Territorium bereist, um die Pacht einzutreiben und Dispute zu regeln. Er konnte nicht reiten, er konnte nicht reisen. Und er konnte keinen Sohn zeugen, an den er das Amt vererben konnte. Und du hattest keinen Sohn mit Maura. Du hast geschworen, ihm die Arme und Beine zu ersetzen …« Allmählich stieg leichte Hysterie in mir hoch. »Warum nicht auch den Schwanz?«
Dougals Wut war verflogen; eine Weile stand er schweigend da und betrachtete mich nachdenklich. Da er anscheinend zu dem Schluss kam, dass ich nirgendwohin konnte, setzte er sich auf einen seiner Warenballen und wartete, bis ich fertig war.
»Du hast es also mit Colums Wissen getan. War Letitia wenigstens willig?« Da ich ja inzwischen wusste, wie weit ihre Gnadenlosigkeit ging, hätte ich es den MacKenzie-Brüdern durchaus zugetraut, dass sie sie gezwungen hatten.
»Oh, aye, absolut willig. Sie hatte zwar nicht viel für mich übrig, aber sie wollte ein Kind – so sehr, dass sie während der drei Monate, die wir zu Hamishs Entstehung gebraucht haben, mit mir ins Bett gegangen ist. War verdammt langweilig«, erinnerte sich Dougal und kratzte sich einen Schlammspritzer vom Absatz. »Ich hätte es auch mit einer Schüssel warmem Milchpudding treiben können.«
»Hast du Colum das erzählt?«, fragte ich. Er hörte meinen gereizten Unterton und blickte auf. Einen Moment lang betrachtete er mich gleichmütig, dann erhellte ein schwaches Lächeln sein Gesicht.
»Nein«, antwortete er leise. »Nein, ich habe es ihm nicht gesagt.« Er senkte den Blick auf seine Hände und wendete sie, als suchte er nach einem Geheimnis, das sich in den Linien seiner Handflächen verbarg.
»Ich habe ihm erzählt«, sagte er leise, ohne mich anzusehen, »dass sie sanft und süß war wie ein reifer Pfirsich und alles hatte, was sich ein Mann von einer Frau wünschen kann.«
Er schloss abrupt die Hände und blickte zu mir auf, und der Mann, der für ein paar Sekunden nichts als Colums Bruder gewesen war, verschwand erneut in den sardonischen Augen Dougal MacKenzies.
»Sanft und süß ist nicht gerade das, was ich über dich sagen würde«, stellte er nun fest. »Aber alles, was sich ein Mann wünschen könnte …« Seine tief liegenden Haselaugen wanderten langsam an meinem Körper hinunter und verweilten auf den Rundungen meiner Brüste und meiner Hüften, die unter meinem offenen Umhang zu sehen waren. Seine Hand bewegte sich unbewusst auf seinem Oberschenkel hin und her, während er mich beobachtete.
»Wer weiß?«, sagte er wie zu sich selbst. »Vielleicht könnte ich ja noch einen Sohn bekommen – diesmal legitim. Es stimmt zwar …« Er legte abschätzend den Kopf schief und richtete den Blick auf meine Taille. »Mit Jamie ist es auch noch nicht geschehen. Möglich, dass du unfruchtbar bist. Aber das Risiko würde ich eingehen. Allein das Anwesen ist es wert.«
Er stand plötzlich auf und trat einen Schritt auf mich zu.
»Wer weiß?«, sagte er noch einmal, ganz leise. »Wenn ich diese hübsche braunhaarige Furche täglich pflügen und meinen Samen tief hineinpflanzen würde …« Die Schatten an der Höhlenwand verschoben sich plötzlich, als er einen weiteren Schritt auf mich zutrat.