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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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Eine Stunde später war er jedoch mit klarem Blick und klarem Kopf erwacht und hatte mir die Grundzüge des Plans erklärt, den ich jetzt ausführen sollte.

»Sir Fletcher lässt sich durch nichts und niemanden bei seinen Mahlzeiten stören«, sagte er. »Wer währenddessen etwas von ihm will, muss sich gedulden, bis er in aller Ruhe fertig gegessen und getrunken hat. Und nach der Mittagsmahlzeit hat er die Angewohnheit, sich für ein Verdauungsschläfchen in sein Quartier zurückzuziehen.«

Murtagh war vor einer Viertelstunde in der Rolle meines Pferdeknechts eingetroffen und ohne Probleme durchgelassen worden. Wir waren davon ausgegangen, dass man ihn zu Sir Fletchers Amtsstube führen und ihn dort warten lassen würde. Er sollte die Stube durchsuchen, erstens nach einem Plan des Westflügels und gleichzeitig – man wusste ja nie – nach Zellenschlüsseln.

Ich zögerte meine Ankunft ein wenig hinaus und blickte jetzt zum Himmel, um zu schätzen, wie spät es war. Wenn ich ankam, ehe sich Sir Fletcher zum Essen gesetzt hatte, war es ja möglich, dass ich eingeladen wurde, mit ihm zu speisen, was mir extrem ungelegen kommen würde. Doch Ruperts kartenspielende Bekannte hatten ihm versichert, dass die Gewohnheiten des Gefängnisverwalters unverrückbar waren; die Glocke zum Essen wurde um Punkt eins geläutet, und fünf Minuten später wurde die Suppe aufgetragen.

Der diensthabende Wachtposten am Eingang war derselbe wie gestern. Er sah zwar überrascht aus, begrüßte mich aber höflich.

»Es ist so ärgerlich«, sagte ich. »Eigentlich hatte mein Bediensteter ein kleines Geschenk für Sir Fletcher mitnehmen sollen, weil ich mich für seine Güte erkenntlich zeigen wollte. Aber dann habe ich gemerkt, dass der Dummkopf es vergessen hat, also musste ich ihm selbst damit folgen in der Hoffnung, ihn einzuholen. Ist er schon hier?« Ich zeigte dem Mann das kleine Päckchen, das ich dabeihatte, und lächelte – hätte ich doch Grübchen, dachte ich dabei. Da ich keine hatte, ließ ich stattdessen meine Zähne aufblitzen.

Anscheinend reichte das. Ich wurde eingelassen und durch die Gefängniskorridore zur Amtsstube des Verwalters geführt. Obwohl dieser Teil der Festung anständig möbliert war, war es nicht zu übersehen, dass es ein Gefängnis war. Dem ganzen Gebäude haftete ein Geruch an, von dem ich mir einbildete, dass es der Geruch von Elend und Angst war, obwohl es vermutlich nicht mehr als der Mief feuchter Gemäuer und das Fehlen von Abflussrohren war.

Der Wachtposten ließ mich vorgehen und folgte mir in diskretem Abstand, um mir nicht auf den Umhang zu treten. Das war auch verdammt gut so, denn ich bog ein kurzes Stück vor ihm um die Ecke zu Sir Fletchers Amtsstube, und mein Blick fiel gerade noch rechtzeitig durch die offene Tür auf Murtagh, der den bewusstlosen Körper des Wachtpostens in der Stube hinter den enormen Schreibtisch schleifte.

Hastig trat ich einen Schritt zurück und ließ mein Päckchen auf den Steinboden fallen. Glas zersplitterte, und es duftete überwältigend nach Pfirsichbrandy.

»Oje«, jammerte ich, »was habe ich nur getan?«

Während der Wachtposten nach einem Gefangenen rief, der den Schlamassel beseitigen sollte, murmelte ich taktvoll, ich würde in der Stube auf Sir Fletcher warten, schlüpfte hinein und schloss rasch die Tür hinter mir.

»Was zum Teufel hast du getan?«, fuhr ich Murtagh an, der gerade dabei war, den am Boden liegenden Mann zu durchsuchen, und sich von meinem Ton absolut nicht beeindrucken ließ.

»Sir Fletcher bewahrt keine Schlüssel in seinen Amtsräumen auf«, teilte er mir leise mit, »aber dieser gute Junge hier hat einen ganzen Satz.« Er zog dem Mann einen gewaltigen Ring aus dem Rock, vorsichtig, damit die Schlüssel nicht klirrten.

Ich sank hinter ihm auf die Knie. »Oh, sehr gut!«, sagte ich und warf einen prüfenden Blick auf den Soldaten. Zumindest atmete er noch. »Was ist mit einem Plan des Gefängnisses?«

Er schüttelte den Kopf. »Auch nicht in diesem Raum, aber mein Freund hier hat mir ein bisschen erzählt, während wir gewartet haben. Die Zellen der zum Tode Verurteilten sind auf dieser Etage, in der Mitte des westlichen Korridors. Es sind jedoch drei Zellen, und mehr konnte ich nicht fragen – er war sowieso schon etwas argwöhnisch geworden.«

»Das reicht – hoffe ich. Also schön, gib mir die Schlüssel und dann geh.«

»Ich? Du bist es, die gehen sollte, Kleine, und zwar auf der Stelle.« Er warf einen Blick zur Tür, doch von draußen war nichts zu hören.

»Nein, ich muss es selbst tun.« Ich streckte die Hand erneut nach den Schlüsseln aus. »Hör zu«, sagte ich ungeduldig. »Wenn sie dich dabei erwischen, wie du mit einem Schlüsselbund durch das Gefängnis spazierst, während der Mann hier wie ein toter Fisch am Boden liegt, sind wir beide erledigt, denn warum sollte ich nicht um Hilfe gerufen haben?« Ich ergriff die Schlüssel und stopfte sie mir mühselig in die Tasche.

Murtagh war zwar immer noch skeptisch, doch er hatte sich erhoben.

»Und wenn sie dich erwischen?«, wollte er wissen.

»Falle ich in Ohnmacht«, sagte ich knapp. »Und wenn ich – irgendwann – wieder zu mir komme, sage ich, ich habe gesehen, wie du den Mann hier anscheinend ermordet hast, und bin in Todesangst geflüchtet, ohne zu wissen, wohin. Auf der Suche nach Hilfe habe ich die Orientierung verloren.«

Er nickte langsam. »Aye, also gut.« Damit steuerte er auf die Tür zu, blieb aber noch einmal stehen.

»Aber warum habe ich – oh.« Er trat rasch an den Schreibtisch, zog eine Schublade nach der anderen heraus, durchwühlte den Inhalt mit der einen Hand und warf mit der anderen Gegenstände auf den Boden.

»Diebstahl«, erklärte er und kam wieder zur Tür. Er öffnete sie einen Spalt und lugte hinaus.

»Wenn es Diebstahl ist, solltest du dann nicht etwas mitnehmen?«, schlug ich vor und sah mich nach etwas um, das sich leicht transportieren ließ. Ich ergriff eine emaillierte Schnupftabakdose. »Die hier vielleicht?«

Er bedeutete mir ungeduldig, sie wieder hinzulegen, während er immer noch durch den Türspalt spähte.

»Nein, Kleine! Wenn sie mich mit Sir Fletchers Eigentum erwischen, droht mir der Galgen. Auf versuchten Diebstahl aber steht nur die Peitsche oder Verstümmelung.«

»Oh.« Ich legte die Dose hastig wieder hin und trat dann hinter ihn, um ihm über die Schulter zu sehen. Der Korridor schien leer zu sein.

»Ich gehe zuerst«, sagte er. »Falls ich jemandem begegne, lenke ich ihn ab. Zähle bis dreißig, dann folgst du mir. Wir warten in dem Wäldchen nördlich der Festung auf dich.« Er öffnete die Tür, dann hielt er inne und wandte sich um.

»Wenn sie dich erwischen, wirf unbedingt vorher die Schlüssel fort.« Ehe ich etwas entgegnen konnte, war er wie ein Aal durch die Tür geschlüpft und bewegte sich lautlos wie ein Schatten durch den Korridor.

Den Westflügel zu finden schien eine Ewigkeit zu dauern. Ich huschte durch die Korridore der alten Festung, lugte um Ecken und versteckte mich hinter Säulen. Doch ich sah nur eine Wache auf meinem Weg, und es gelang mir, dem Mann auszuweichen, indem ich hinter die zuletzt passierte Ecke zurückwich und mich hämmernden Herzens an die Wand drückte, bis er vorübergegangen war.

Doch als ich den Westflügel endlich gefunden hatte, gab es keinen Zweifel, dass ich hier richtig war. Der Korridor hatte drei große Türen, und jede davon hatte ein vergittertes Fensterchen, das jedoch frustrierenderweise kaum etwas von dem Raum dahinter preisgab.

»Ene, mene, mu«, murmelte ich vor mich hin und steuerte die mittlere Zelle an. Die Schlüssel an dem Ring waren zwar nicht beschriftet, aber von unterschiedlicher Größe. In dieses Schloss würde eindeutig nur einer der drei großen Schlüssel passen. Natürlich war es der dritte. Ich holte tief Luft, als das Schloss klickte, wischte mir die verschwitzten Hände an meinem Rock ab und schob die Tür auf.

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