In Sklavenketten auf Gor
- Автор: Норман Джон
- Год: 1978
- Язык: немецкий
- Переводчик: Thomas Schluck
- Жанр: Боевая фантастика
Электронная книга - «In Sklavenketten auf Gor». Краткое содержание книги:
Aber dann findet Judy heraus, daß ihre Enführung kein Zufall war und sie in Wahrheit als hilflose Schachfigur in einem viel größeren Intrigenspiel dient. Will sie überleben, muß sie auf die Hilfe jenes Mannes vertrauen, den sie von ganzem Herzen haßt: Clitus Vitellius.
Ich hatte keine Zeit für lange Überlegungen, warum ich dies zu tun hatte. Ich rannte, so schnell ich konnte.
Die Männer im Lager hatten ebenfalls keine Gele genheit, ihr Vorgehen zu planen. Verständlich, daß viele mir gedankenlos folgten.
Ich eilte durch das Dickicht, hörte Männer hinter mir – wie viele es waren, wußte ich nicht. Ich vermutete, daß von den siebzig bis achtzig Männern im Lager zwanzig oder mehr sofort hinter mir hergestürzt waren. Zugleich war die Aufmerksamkeit aller auf die Seite des Lagers gerichtet, wo man mich zuerst entdeckt hatte.
Stolpernd drängte ich mich zwischen Büschen und Bäumen hindurch. Äste und Dornen zerrissen meine kostbaren Gewänder. Das Knacken im Dickicht hinter mir wurde lauter.
Ich konnte nicht schneller laufen. Das lag nicht nur an den Gewändern. Mir war klar, daß ich den Männern auf keinen Fall entkommen konnte. Sie waren kräftiger und schneller als ich. Die Natur hatte mich nicht dafür vorgesehen, Männern zu entkommen.
Und schon packten rauhe Hände zu. »Halt, Lady!« sagte der Mann.
Keuchend und zitternd stand ich vor ihm.
»Warum bist du geflohen, Lady Sabina?« fragte er. »So etwas ist gefährlich.« Dann rief er: »Ich habe sie!«
Ich versuchte mich loszureißen, vergeblich.
Wenige Sekunden später war ich von weiteren Männern umgeben. Mein Häscher ließ mich los. Ich stand im Kreis der Krieger und sagte kein Wort. Ich neigte den Kopf.
»Ist das Lady Sabina?« wollte eine Stimme wissen.
»Sieh mich an«, forderte ein anderer.
Ich gehorchte ihm nicht sogleich, sondern hielt das Gesicht abgewandt. Da spürte ich Hände auf den Schultern. Finger ergriffen mein Kinn, drehten mir den Kopf herum, drehten ihn ins Mondlicht.
Ich erkannte den Anführer der Soldaten im Lager. Im gleichen Augenblick ging mir der Gedanke durch den Kopf, daß dieser Mann mir nicht hätte folgen dürfen. Eigentlich hätte er im Lager bleiben müssen.
Er starrte mich im schwachen Mondlicht an, versuchte meine Augen zu erkennen. Dann trat er zurück und betrachtete meine Gewänder. »Wer bist du?« fragte er schließlich.
Ich antwortete nicht. Hätte ich den Mund aufgemacht, wäre ihm sofort mein Akzent aufgefallen, meine mangelnde Beherrschung der goreanischen Sprache. Er hätte sofort gewußt, daß ich ein Barbarenmädchen war.
»Du bist nicht Lady Sabina«, stellte er fest. »Wer bist du?«
Ich schwieg.
»Bist du auf der Flucht vor Sklavenhäschern?« wollte er wissen. »Wir sind ehrliche Männer«, fügte er hinzu. »Wir sind keine Sklavenjäger. Du bist bei uns in Sicherheit.«
Mondlicht sickerte durch das Laub.
Mein Schweigen schien ihn zu verärgern. »Möchtest du, daß man dir die Schleier abreißt?« fragte er.
Ich schüttelte den Kopf.
Seine Hände lagen an meinem ersten Schleier, dem Straßenschleier. »Nun?« fragte er.
Ich antwortete nicht.
Da wurde der Schleier emporgehoben.
»Zieh die Handschuhe aus«, forderte er.
Ich gehorchte. Er entriß mir die Handschuhe und warf sie zu Boden.
»Sprich!« verlangte er.
Als ich nichts sagte, zog er den Hausschleier fort. Die übrigen Männer drängten näher heran. Hier ging etwas Unerhörtes vor sich – wenn ich wirklich eine freie Frau gewesen wäre. Die Tat des Mannes kam einer Verletzung meiner Persönlichkeitsrechte gleich. Es war, als wäre er in mein Heim eingedrungen und wollte mir Gewalt antun.
»Wer bist du?« fragte der Mann von neuem. Wie konnte ich ihm sagen, wer ich war? Mein Herr hatte mir noch nicht einmal einen Namen gegeben!
»Der Schleier des Stolzes ist der nächste, wenn du nicht antwortest«, sagte der Mann.
Ich fragte mich, was die Soldaten mit mir anstellen würden, wenn sie entdeckten, daß ich nicht einmal eine freie Frau war. Ich schlug mir den Gedanken aus dem Kopf. Freie Männer reagieren nicht gerade gelassen, wenn eine Kajira sich als freie Frau verkleidet. Sie würden mein Tun wahrscheinlich als ernsten Verstoß ansehen, der fürchterliche Strafen nach sich ziehen konnte.
Der Schleier des Stolzes wurde fortgerissen.
»Vielleicht bist du nun bereit zu sprechen, liebe Lady«, sagte der Anführer der Soldaten, »und uns deinen Namen und deine Heimatstadt zu nennen und uns zu offenbaren, was du hier so spät in der Nacht verloren hast.«
Ich wagte es nicht zu antworten, sondern wandte den Kopf ab, als mir schließlich auch der letzte Schleier abgenommen wurde.
»Sie ist hübsch«, sagte einer der Männer.
»Hoffen wir um deinetwillen«, sagte der Anführer zu mir, »daß du wirklich eine freie Frau bist.«
Ich senkte den Kopf.
»Betrachte dich als meine Gefangene, Lady«, fuhr der Mann fort, packte mich am Handgelenk und zerrte mich mit sich fort.
Minuten später näherten wir uns dem Lager. Ich wurde über den Bach getragen. Zahlreiche Fackeln flackerten. Zwischen den Zelten herrschte große Verwirrung.
Der Soldat, der mich getragen hatte, setzte mich ab.
Ein Mann rannte mit erhobener Fackel herbei. »Die Lady Sabina!« rief er. »Sie ist fort! Man hat sie entführt!«
Mit einem Wutschrei lief der Anführer der Soldaten auf die Zelte zu, gefolgt von seinen Leuten. Ich wurde mitgezerrt und versuchte verzweifelt Schritt zu halten. Wir begaben uns auf direktem Wege zum Zelt der Lady Sabina. Ich wurde hineingeschoben. Ein Mann drehte sich mit bleichem Gesicht zu uns um. »Sie sind einfach hier eingedrungen«, sagte er, »und haben sie entführt!«
Links von uns lagen zwei verwundete Soldaten. Die Sklavenzofen der Lady Sabina kauerten erschrocken im Hintergrund. Eine hielt sich die Schulter, an der sie offenbar eine Prellung erlitten hatte.
»Sie waren dabei«, sagte der Soldat und deutete auf die zitternden Sklavinnen.
»Was war los?« wollte der Anführer wissen.
Eines der Mädchen, die Sklavin mit der verletzten Schulter, ergriff das Wort. Die Rückwand des Zelts war zerschnitten worden. »Ein ganzer Trupp stürmte herein«, sagte sie. »Viele Krieger. Wir versuchten die Herrin zu verteidigen, wurden aber zurückgedrängt. Wir konnten nichts tun!« Sie deutete auf die Rückwand des Zelts. »Sie kamen von dort und sind auch dorthin wieder verschwunden – mit der Herrin!«
Ein Meisterwerk der Strategie. Die Männer meines Herrn waren zahlenmäßig weit unterlegen gewesen – doch am Punkt des Angriffs hatten sie eine überwältigende Übermacht gehabt. Zwanzig Mann können eine Mauer erobern, die von hundert Mann verteidigt wird, wenn die zwanzig an einer Stelle vorgehen, wo nur zwei Verteidiger stehen. In dem großen Durcheinander, das die Aufmerksamkeit der Männer auf etwas ganz anderes lenkte, hatte die Streitmacht meines Herrn zielstrebig und erfolgreich zugeschlagen.
Ich schluckte trocken, als mir bewußt wurde, daß ich nur als Köder zur Ablenkung gedient hatte. Bitterkeit erfüllte mich.
»Aus welcher Stadt kamen die Burschen?« wandte sich der Anführer an einen der verwundeten Männer.
»Keine Ahnung«, antwortete dieser.
Ich hatte gesehen, wie die Kämpfer meines Herrn vor dem Kampf alle Insignien von ihren Tuniken entfernten.
»Wir kennen aber die Fluchtrichtung«, meldete ein Soldat. »Wenn wir schnell handeln, können wir sie vielleicht verfolgen.«
Der Anführer schlug mit der Faust gegen den mächtigen Zeltmast.
»Bewaffnet die Leute!« befahl er. »Gebt Bögen, genug Pfeile und leichte Rationen aus. Alle sind in zehn Ehn marschfertig. Los!«
»Jawohl, Herr«, sagte ein Mann. Soldaten verließen das Zelt. Die beiden Verwundeten wurden fortgetragen.
Dann wandte sich der Anführer in meine Richtung. Ich zuckte zurück. In der Begleitung des Soldaten waren vier Kämpfer, von denen einer mein Handgelenk eisern festhielt.
»Ich möchte zu gern wissen, ob du frei bist, mein schönes Kind«, sagte er und ging um mich herum. Ich hatte das Gefühl, daß er mich unter den Roben nackt sah.
»Bist du frei, schönes Mädchen?« fragte er. Er zog sein Schwert. Ich erschauderte. »Bist du frei?« wiederholte er. Er legte die Schwertspitze an mein linkes Fußgelenk und begann neugierig die Roben der Verhüllung anzuheben. »Ich hoffe um deinetwillen, daß du frei bist. Bist du es nicht, dann mach dich auf einiges gefaßt.«