Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Eine Stunde später saßen die Männer der Eskorte um ein großes Feuer und aßen Kaimanfleisch, anstatt dass der Kaiman Menschenfleisch fraß.
Die Nacht brach schnell herein. René befahl seinen Männern, Holz zu sammeln oder zu schlagen, damit ein großes Feuer entzündet werden konnte, das Reptilien, wilde Tiere und Kaimane fernhielt.
Diese Vorsichtsmaßnahme war umso vernünftiger, als der Geruch des Abendessens alle Freunde rohen oder gebratenen Fleisches unwiderstehlich anlocken musste.
Innerhalb von zehn Minuten war genug Holz für die ganze Nacht gesammelt. René ließ aus diesem Holz eine Art Verschanzung errichten, die leicht zu entflammen war, wenn das Feuer an irgendeiner Stelle erlosch.
Dann wurde der Betel verteilt, um für gute Laune zu sorgen, und danach forderte René seine Leute auf, in Ruhe zu schlafen, da er und François über sie und an ihrer Stelle wachen würden.
Das Feuer war entzündet, und die Nacht schritt voran, begleitet von ihrem unheimlichen Konzert aus Tigergebrüll, Panthergemaunze und Kaimangeschrei, das wie Kindergeschrei klingt; alles ringsum schien eine Stimme zu finden, um die Menschen zu bedrohen: Wald, Wasser und Dschungel schienen das Schlachtfeld eines Heers von Dämonen zu werden, die voller Ingrimm übereinander herfielen, um sich untereinander zu zerfleischen; die Luft wurde zuallerletzt bevölkert, doch gegen elf Uhr flatterten eulengroße Fledermäuse über die Flammen und mischten ihre schrillen Schreie in die abscheuliche Symphonie, von Rauchschwaden begleitet, als entstiegen sie dem Höllenschlund.
Es hätte eines Herzens bedurft, das mit dem dreifachen Erz umgürtet war, von dem Horaz spricht, um nicht beim Ertönen dieses zügellosen Lärms zu erzittern. François, so wacker er war, spürte, wie ihn aller Mut verließ; er stützte sich mit einer Hand auf Renés Arm und deutete mit der anderen auf zwei Lichter, die sich in einer Entfernung von dreißig Schritten im Wald bewegten.
»Still«, sagte René, »ich sehe sie.«
Und er legte sein Gewehr so unbeschwert an, als zielte er auf eine Zielscheibe, und schoss.
Ein furchterregendes Gebrüll war die Antwort auf Renés Schuss; und als wäre dieses Gebrüll ein Signal, wurde es von allen Seiten erwidert, die das kleine Lager am See einschlossen.
»Wirf mehr Holz ins Feuer«, sagte René.
François gehorchte.
Die Birmanen und Inder waren aufgesprungen, die einen auf ein Knie, die anderen aufrecht auf beide Füße.
»Wer von euch ist bereit, einen Baum zu besteigen und alle Äste abzuhacken?«, fragte René auf Birmanisch.
Eine Birmane trat vor, bat François um seinen Entersäbel und erkletterte mit affengleicher Gewandtheit den Baum, der dem Lager am nächsten stand. Sogleich fielen die Äste und Zweige so geschwind, dass außer Frage stand, wie eilig es dem Holzhacker damit war, seiner Aufgabe nachzukommen. Glücklicherweise war es ein Baum mit harzhaltigem Holz, und kaum waren die ersten Zweige ins Feuer gelangt, loderten die Flammen auf und bildeten einen wahren Schutzwall, der das Lager vom Wald abschirmte.
Doch dort, wohin René seinen Schuss abgefeuert hatte, erklang weiterhin Gebrülclass="underline" sei es, dass der verwundete Tiger sich nicht dareinschicken wollte zu sterben, sei es, dass das Tier nach der Gewohnheit seiner Art als Männchen sein Weibchen oder als Weibchen sein Männchen bei sich hatte. René lud das Gewehr nach und ließ François die vier weiteren Gewehre in Bereitschaft halten, die sein Arsenal bildeten. Dann ergriff er glühende Zweige und warf sie in das Geäst eines harzhaltigen Baums, ähnlich dem, der das Feuer so prächtig genährt hatte. Der Baum fing Feuer. Innerhalb weniger Sekunden brannte er lichterloh vom Fuß bis zum Wipfel und beleuchtete die ganze Umgebung auf fünfzig Schritt im Umkreis wie ein Feuerwerk.
Man sah, wie am Seeufer zwei Kaimane herbeikrochen, die sich unbemerkt anzuschleichen versuchten.
René ging auf die Riesenechsen zu, die vor dem Feuer unschlüssig zurückscheuten. Ihre großen dummen Augen blickten erstaunt drein; unter der allzu starken Hitze zogen ihre Körper sich zusammen. Die Augen waren so groß wie Fünf-Francs-Stücke, und mehr benötigte René nicht. Er schickte eine Kugel in das nächste Auge, keine zehn Schritt von ihm entfernt; sein Besitzer bäumte sich heftig auf und fiel dann auf den Rücken.
Der Neger, der tagsüber den Kaiman gejagt hatte, nahm einen Zweig in die Hand, dessen Ende brannte, und stieß ihn dem Untier wie einen Spieß in den Rachen. Unter entsetzlichem Gebrüll löschte das Ungeheuer die Feuersbrunst, indem es sich in den See stürzte.
Sein Begleiter trat erschrocken den Rückzug an, als er sah, was seinem Gefährten widerfahren war, und suchte Zuflucht im Wasser.
Der Baum brannte noch immer; brennende Zweige fielen herab und setzten das trockene Gras und kleinere Bäume in Brand. Schnell wuchs das Flammenmeer und bildete eine weite Umfriedung; der Wind, der vom See her blies, trieb die Flammen vor sich her. Je weiter sich das Feuer voranfraß, desto lauter wurde das Geschrei der Tiere, die es überraschte.
Inmitten dieses Geschreis war das Zischen und Rascheln der Schlangen zu vernehmen, die auf der Flucht mit ihrer Schuppenhaut an den Baumstämmen entlangglitten.
»Wohlan«, sagte René, »liebe Freunde, ich denke, wir können jetzt ruhig schlafen.«
Und er legte sich mitten in dem Flammenkreis zur Ruhe und schlief nach fünf Minuten so tief und fest, als befände er sich in der Kabine seiner Slup.
82
Doppelte Prise
Am nächsten Morgen erwachte René bei Tagesanbruch.
François hingegen hatte als treuer Wächter die ganze Nacht kein Auge zugetan. Kein Tier, nicht einmal ein Kaiman, hatte sie heimzusuchen gewagt.
Sobald René wach war, gab er den Befehl zum Aufbruch und verteilte Arrak und Betel an seine Männer.
Zum Glück waren die Pferde angebunden gewesen und hatten nicht fliehen können, als die Feuersbrunst den See wie einen riesigen Spiegel beschienen hatte.
Die Tiere, die in der Tiefe dieses Binnenmeeres lebten, hatten das ungewohnte Schauspiel sicherlich befremdet verfolgt. Der Wald brannte eine halbe Meile weit, und der See sah aus wie ein Flammenmeer.
Als es hell wurde, waren keine wilden Tiere mehr in der Nähe; kein Tigergebrüll war zu vernehmen, kein Schlangengezischel, kein Kaimangejaule; tiefe Stille herrschte, nachdem alle Lebewesen der Feuersbrunst entflohen waren, die man hie und da noch in der Ferne knistern hörte.
Alle Männer der Eskorte betrachteten René voller Bewunderung. Die Nacht raubt dem Kühnsten den Mut, und mancher, der tasgsüber jeder Gefahr, die er sehen kann, unerschrocken die Stirn bietet, erzittert im Dunkeln vor dem, was er nicht sehen kann und was ihm harmlos erschiene, könnte er es sehen.
René jedoch war von besonderem Schlag und kannte keine Furcht.
Man machte sich wieder auf den Weg.
Niemand hätte eingestanden, dass Angst und Furcht ihm das Herz bedrückten, doch alle wanderten so geschwind, als wollten sie den unseligen Wald so bald wie möglich hinter sich lassen.
Gegen zwei Uhr nachmittags wurde der Waldrand erreicht, und alle atmeten auf; man erwog, anzuhalten und zu essen, doch erst als man den Wald verlassen hatte, wagte man, in die Tat umzusetzen, was im Dschungel selbst den Mutigsten tollkühn erschienen wäre.
In der Ebene und im hellen Tageslicht jedoch merkten alle, dass sie seit Sonnenaufgang auf den Beinen waren, ohne einen Bissen gegessen zu haben. Man setzte sich fröhlich und holte aus den Vorräten, die am Sattel eines der Pferde hingen, eine gebratene und geräucherte Antilopenkeule; jeder schnitt sich eine Scheibe ab und verzehrte sie zu einem Glas Arrak.
Es waren nur mehr drei bis vier Stunden Marsch durch die Ebene mit vereinzelten Büschen, wo sich wilde Tiere tagsüber kaum aufhielten. Die Karawane setzte ihren Weg bis nach Pegu ohne weitere Zwischenfälle fort.