Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Nun, da Jane tot war, wollte René seine Abreise nicht länger hinausschieben, und am Tag nach dem Begräbnis kündigte er sie an. Ungeachtet aller Dienste, die er den Schwestern geleistet hatte, musste seine Anwesenheit Kummer und Trauer auslösen. Hélène wusste sehr wohl, dass Janes Liebe zu dem jungen Mann sie in den Tod getrieben hatte; da sie jedoch Renés Geschichte und seinen wahren Namen nicht kannte, konnte sie nicht umhin, ihn für den Tod ihrer Schwester verantwortlich zu machen. Unter ihren lebhaftesten Dankesbezeigungen erwähnte sie die Ausgaben, die René die Reise nach Birma gekostet haben musste, doch er lächelte nur und küsste ihr die Hand, so dass sie begriff, dass sie all das besser auf sich beruhen ließ. Als hätte sie das vorausgesehen, reichte sie René daraufhin eine Schatulle, die Jules angefertigt hatte und die mit Juwelen gefüllt war. René jedoch holte traurig den Beutel hervor, den Jane bestickt hatte, küsste ihn, öffnete ihn und zeigte Hélène den Inhalt.
Dann leerte er Hélènes Schatulle auf den Tisch, suchte den schönsten Saphir aus und sagte: »Stein der Trauer, er wird mir für einen Ring dienen, den ich nie ablegen werde.«
Hélène hielt René ihre Wangen hin.
»Oh«, sagte er, »das ist etwas anderes, das ist das Geschenk einer Schwester an ihren Bruder.«
Und er küsste sie.
Am nächsten Tag war alles für seinen Aufbruch bereit. Die Eskorte war dieselbe wie bei der Herreise. Nur die Elefanten, die Jane zu behalten gewünscht hatte, ließ René zurück, und als Sir James in der Hoffnung, mehr Glück zu haben als Hélène, ihren Preis erfragen wollte, sagte René: »Jane bat mich um die Elefanten, ich habe sie ihr geschenkt, und damit gehören sie Ihnen.«
Am Tag darauf wartete die Eskorte bei Tagesanbruch im Hof. Einen Augenblick lang fragte man sich, wo René stecken mochte; in seinem Zimmer war niemand anzutreffen. Man wollte sich schon auf die Suche machen, als er aus der Kapelle trat: Er hatte den Rest der Nacht an Janes Sarg verbracht.
Einen letzten Besuch galt es den Elefanten Omar und Ali abzustatten, die zuerst glaubten, René wolle sie holen, um sie mitzunehmen, doch schnell begriffen, dass es sich so nicht verhielt, und da sie nicht weltgewandt genug waren, um ihren Schmerz zu verbergen, bezeigten sie ihn René mit den deutlichsten und ergreifendsten Zeichen.
Man trennte sich, wo man einander begegnet war. Sir James bestand darauf, René sein schönstes Manton-Gewehr zu schenken, der das Geschenk mit einer seiner Büchsen erwiderte. Hélène hatte ihm bereits das schönste Geschenk dargeboten, das in ihrer Macht lag, und ihm ihre Wangen zum Kuss gereicht.
Da keine Frauen zu der Eskorte zählten, konnte man sich für die Reise vom Land des Betels nach Pegu mit einem Zwischenhalt begnügen. Man wollte am Ufer des Sees übernachten und am nächsten Tag Pegu erreichen.
René und François bestiegen die kleinen birmanischen Pferde, die so erstaunlich zäh und ausdauernd sind; die Eskorte, die zu Fuß folgte, zeichnete sich durch fast noch größere Ausdauer aus.
Gegen Mittag wurde tief im Waldesinneren eine kurze Pause eingelegt, damit man der größten Hitze entging. René, den die drei Brüder reichlich mit Betel versehen hatten, gab seinen Männern eine ordentliche Portion davon und versprach ihnen gleiche Rationen für den Abend und den nächsten Tag.
Gegen fünf Uhr abends erreichten sie den See.
Kaum waren sie angekommen, konnten einige Neger und Inder der Versuchung nicht widerstehen, ein kühles Bad zu nehmen, obwohl Kaimane in allen Größen wie Baumstämme auf der Wasseroberfläche zu sehen waren; die Männer mussten nur ihren blauen Rock ablegen, der von der Taille bis zum Knie reicht, um sich in Badekleidung zu befinden.
Sie ließen ihre Schurze fallen und sprangen ins Wasser.
Unterdessen hielten René und François mit dem Gewehr in der Hand Wache und richteten den Blick abwechselnd auf den See und auf den dichten Wald, der an ihn grenzte.
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Die Rückkehr (2)
Mit einem Mal stieß einer der Neger einen Schrei aus und verschwand im Wasser; offensichtlich hatte ein Kaiman sich hinterrücks angeschlichen und den Bedauernswerten an einem Bein in die Tiefe gezogen.
Die anderen schwammen eilig zum Ufer, als sie diesen Schrei des Entsetzens und der Todesangst vernahmen; in knappem Abstand zum letzten Schwimmenden wurde das Wasser von einem grauenerregenden Saurier aufgepeitscht, doch der Schwimmer verdoppelte angesichts der Gefahr seine Schnelligkeit und erreichte das Ufer unversehrt.
Kaum hatte er sich dort aufgerichtet, sah man den Kopf des Kaimans aus dem Wasser auftauchen, und die Echse krallte sich mit beiden Vorderpfoten in den Erdboden; der Neger, der zehn Schritt Vorsprung hatte, rannte aus Leibeskräften auf René zu.
»Ja, was ist denn los?«, rief René lachend.
»Kaiman will machen lecker Essen aus mir«, erwiderte der Neger.
Unterdessen war der Kaiman an Land gekrochen und schickte sich an, den Neger zu verfolgen, in ebenjener Absicht, die der Fliehende ihm unterstellte.
»Oho!«, sagte René. »Greifen Kaimane Menschen auch außerhalb des Wassers an?«
»So aussieht, Massa, vor allem, wenn schon gefressen Menschenfleisch; jetzt er kommt! Jetzt ihn jagen!«
»Aber du hast doch gar keine Waffen«, sagte René.
»Nix Waffen nötig«, sagte der Neger, und dann, an seine Gefährten gewendet: »Ich nix nötig Waffen; kommt ihr anderen, hier Baum, ist alles, was ich brauche.«
Der Kaiman hatte nicht etwa den Rückzug angetreten, sondern innegehalten, als er sah, dass der Neger bei drei oder vier Tieren seiner Spezies Hilfe fand, und nun überlegte er offenbar, ob er sich weiter vorwagen solle.
Der Neger kam so nahe an dem Kaiman vorbei, dass dieser in dem Glauben, seine Beute wolle ihm die Arbeit abnehmen, sein riesiges Maul aufriss, aber die Kinnladen schlossen sich laut krachend, als schlügen zwei Bretter aufeinander: Er hatte nichts als Luft erwischt.
Der Kaiman machte sich an die Verfolgung des Negers, die er mit gewaltigen Sprüngen abkürzte.
Doch der Afrikaner hatte bereits den Baum erreicht, den er seinen Kameraden als Schauplatz für den letzten Akt des Scherzes bezeichnet hatte, den er sich mit dem Kaiman erlaubte.
Es war höchste Zeit: Der Kaiman war keine zehn Schritt mehr hinter ihm. Der Neger nahm Anlauf und erkletterte den Baum mit der Gewandtheit eines Affen, der eine Stange erklimmt.
René wähnte den Neger außer Gefahr, als er sah, dass der Kaiman sich wie eine Rieseneidechse an dem Baumstamm aufrichtete und nach dem Neger schnappen wollte.
Der Neger rettete sich auf einen der waagerechten Äste des Baums. Der Kaiman, dessen Appetit durch die Verfolgung und die Erschwernisse der Jagd gewaltig geschärft war, wagte sich ebenfalls auf den Ast vor.
Nun schien das Schicksal des Negers besiegelt zu sein, und alle Zuschauer begannen um sein Leben zu bangen, doch schon hielt er sich am Ende des Asts fest und sprang gewandt zu Boden.
Sogleich liefen seine Freunde herbei, um ihm zu helfen; sie ergriffen den Ast und schüttelten ihn mit so kräftigen und abrupten Bewegungen, dass dem Kaiman trotz seiner niedrigen Stirn zu dämmern begann, dass er in der Falle saß.
Und indem er verriet, wie unwohl ihm zumute war, gab er zu verstehen, dass er begriff, dass er nicht dafür geschaffen war, auf Bäume zu klettern; er legte sich flach auf den Ast, krallte sich mit allen vier Pfoten daran fest und versuchte, trotz der Stöße, die ihn erschütterten, sein Gleichgewicht zu wahren; zuletzt jedoch drehte er sich um den Ast wie ein lockerer Sattel um den Bauch des Pferdes und fiel zu Boden.
Da er reglos liegen blieb, stürzten die Neger sich auf ihn: Er war auf den Kopf geprallt und hatte sich dabei die Halswirbel gebrochen.