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Himmel in Flammen

Электронная книга - «Himmel in Flammen». Краткое содержание книги:

Nur sie würde seinen Schmerz heilen können. Sie allein hatte sich nie wirklich unterworfen. Sie war wild, so wie der eisige Norden, aus dem sie gekommen war: Nandalee. Und nun stand sie in seiner Höhle und zog die Klinge, die er einst selbst erschaffen hatte ...
Mit letzter Kraft flohen die Menschen aus dem ewigen Eis zurück in die südlicheren Gefilde Nangogs - besiegt und gedemütigt von den Kriegern der Daimonen. Erst als ein einzigartiger Wolkensammler mit einer mysteriösen Fracht über Volodis Palast vor Anker geht, schöpfen der Unsterbliche und sein bester Freund Aaron wieder Hoffnung. Es gibt eine Waffe gegen die scheinbar unbesiegbaren Drachen!
Doch auch die mächtigen Himmelsschlangen sind auf diese Waffe aufmerksam geworden. Während sie eine Armee von Zwergen in die Hafenstadt Asugar senden, um die Menschen endgültig zu schlagen, soll einer einzigen Drachenelfe, Nandalee, das Unmögliche gelingen: noch vor den Menschen die Waffe finden und bergen. Aber wird es Nachtatem, ihrem Herrn, wirklich gelingen, die Elfe noch einmal für seine Ziele in den Kampf zu schicken? Dieselbe Elfe, die ihm nahe kam wie niemand sonst und die zugleich sein Ende bedeuten könnte? Als aus dunklen Prophezeiungen Gewissheit wird, zeigt sich: Das Schicksal aller wird sich auf der magischen Welt Nangog entscheiden …
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Kyra mochte es unterzutauchen, eins zu werden mit der Menge. Sie hatte es genossen, dass Bidayn sie geschickt hatte, doch das, was jetzt hier geschah, machte ihr Angst. Die Drachenelfe sah zum Himmel hinauf, zählte noch einmal all die riesigen Schiffe. Sechsundsechzig der neuen Wolkensammler lagen an den Ankertürmen über der Stadt. Nie zuvor hatte es eine solche Flotte gegeben. Zu welchem Ziel auch immer diese Schiffe fliegen würden, sie würden dort alles vernichten. Die Himmelsschlangen mussten wissen, was hier geschah!

Kyra schritt durch das Labyrinth der Gassen und stieg die endlosen Treppen der Goldenen Stadt hinauf. Von Terrasse zu Terrasse führte sie ihr Weg, höher und höher. Überall in der Stadt patrouillierten Krieger. Es war ungewöhnlich still. Die Verkäufer an den Marktständen schrien heute nicht heraus, welche Kostbarkeiten sie quasi verschenkten. Immer wieder blickten sie wie alle anderen Menschen zum Himmel. Auch ihnen machte das, was sie dort sahen, Angst.

Heißer Schweiß rann Kyra den Rücken hinab. Seit Tagen schon herrschte eine bedrückende Hitze. Sie gab einem Wasserverkäufer ein Kupferstück und trank einen Becher leicht mit Essig versetzten Wassers. Das half gegen den Staub im Mund.

Endlich erreichte sie den Platz vor der Goldenen Pforte. Wie stets drängten sich hier die Karawanen, die die Schätze Nangogs nach Daia verschleppten, Korn, Reis, Bohnen, Gold, Silber, Eisen … Es war das Blut dieser Welt, das genutzt wurde, um eine andere Welt zu stärken, die, in ihrer Begierde zu wachsen, keine Scham kannte. Wann immer sie das hier sah, wusste Kyra wieder, wofür sie kämpfte. Die Unsterblichen waren gewissenlose Diebe, und wenn sie niemand aufhielt, dann würden sie eines Tages Albenmark dasselbe antun.

Unruhig sah sie zum Albenstern. Vier silberne Löwen wachten dort, als wollten die Unsterblichen ganz sicher sein, dass ihnen kein Spitzel entschlüpfte. Unwillkürlich tastete Kyra über ihre Kleider. Alles, was sie am Leib trug, stammte aus Nangog. Ein schäbiges, schlecht gemachtes Messer war die einzige Waffe, die sie bei sich trug.

Vier Löwen … Kyra zögerte. So viele waren es sonst nie. Sie hatte keinen Zauber gewoben, der ihre Gestalt veränderte und der nun aufgespürt werden konnte. Ihre falschen Bartstoppeln waren angeklebt. Ihre spitzen Ohren unter ihrem Turban verborgen. Wenn die Löwen sie nur flüchtig ansahen, würde sie nicht auffallen. Aber was, wenn sie in die magische Welt blickten? Sahen sie ihre Aura, dann war nicht zu verbergen, was sie war. Da unterschied sie sich so deutlich von den Menschenkindern, wie sich eine Katze von einem Hund unterschied.

Wieder sah sie zum Himmel hinauf. Sollte sie es wagen, den Lauf der Zeit zu verändern? Bidayn war auf diese Weise zwei Mal von hier entkommen. Aber sie hatte auch nicht an vier Löwen vorbeigemusst … Die silbernen Bestien würden sofort auf den Zauber reagieren.

Sie musste das Wagnis eingehen, es auf die unauffällige Art zu versuchen.

Kyra suchte einen der Karawanenführer, die darauf warteten, ins Goldene Netz zu ziehen. Sie kaufte sich einen Platz und schloss sich einem Trupp von Maultieren an, die mit Reissäcken beladen waren und von Männern am Zügel geführt wurden, die in ihre Heimat zurückkehrten. Es waren abgerissene Gestalten, ausgemergelt und mit leerem Blick. Sie hatten in Nangog ganz gewiss nicht ihr Glück gemacht.

Kyra wendete ihren Mantel, sodass wieder die schmuddelige Seite nach außen gekehrt war. Dann reihte sie sich zwischen den Geschlagenen ein und hoffte darauf, genauso gebrochen wie die anderen auszusehen.

Das Vergangene

Artax stand am Rand des Flugdecks und sah sie zweifelnd an. »Kann man die Vergangenheit zurückholen? Ich glaube nicht.«

»Seit wann gibst du auf, ohne es versucht zu haben?«

Er sah sie lange an. Sie war nicht mehr die Shaya, die einst die Leibwache Kanitas, des Statthalters ihres Vaters, befehligt hatte. Ein Daimon hatte ihr Gesicht verändert, um sie vor der Rache Ištas zu schützen. Ein Daimon war ihr Retter gewesen, und eine ihrer Göttinnen wollte ihren Tod. Die Welt war so verdreht, so durch und durch in Unordnung. Seit er Herrscher war, hatte er darum gerungen, die Welt zu ordnen und zu einem gerechten Ort zu machen. Aber vielleicht kämpfte er ja in den falschen Schlachten …

»Mein Geliebter …«

Er nickte. Ein Daimon hatte ihm Shayas Leben geschenkt. Steckte eine verderbte Absicht dahinter? In düsteren Stunden hatte er sich das immer wieder gefragt. Konnte ein Daimon den Menschen etwas Gutes wollen? Oder war Shaya ohne ihr Wissen Teil eines perfiden Plans geworden? Mataan war nie mehr an seinen Hof zurückgekehrt. Artax hatte geglaubt, dass sie beide Freunde waren, doch als er Shaya an den Hof zurückgeholt hatte, war der Satrap in seine Heimat gegangen. Mataan hatte ihn eindringlich vor ihr gewarnt.

»Komm!« Sie nahm ihn bei der Hand und trat mit ihm an den Rand des Flugdecks. »Lass uns in die Vergangenheit reisen, für eine halbe Nacht.«

Außer dem Gesicht hatte sie sich nicht verändert. Sie war die wilde Steppenreiterin, und dann gab es noch ihre geheimnisvolle Seite, die Heilerin. Shaya hatte ihm die Geschichte erzählt. Es war wie mit ihm und den Unsterblichen, die vor ihm in Aram geherrscht hatten. So wie ihr Wissen in ihm fortlebte, lebte die Gelehrsamkeit Shen Yi Miao Shous in Shaya weiter. Nur dass sie nicht von ihm besessen war. Er quälte sie nicht. Er hatte nicht versucht, in ihr weiterzuleben.

»Bereit?«

Artax nickte. Seine Hand schloss sich ein wenig fester um die ihre, und gemeinsam taten sie den Schritt in den Abgrund.

Sofort straffte sich das Fluggeschirr. Dünne Tentakel wanden sich unter seinen Achseln hindurch, hielten ihn, während er sanft nach oben schwebte. Sie waren an zwei junge Wolkensammler angeschirrt. Der Wind blies aus der richtigen Richtung. Sie trieben dem Lastschiff entgegen, das am benachbarten Ankerturm vertäut lag.

Artax stellte sich vor, wie alle Lasten von ihm abfielen und in die Tiefe stürzten. Er sehnte sich so sehr nach Frieden, nach einem Leben ohne die Bürde des Herrschens.

Als Shaya aus der Messergras-Steppe zurückgekehrt war, war sie verändert gewesen. Sie hatte ihm nur in groben Zügen geschildert, dass die Pferdedaimonen keine Gefahr mehr waren. Artax hatte Ashot einbestellen müssen, um zu erfahren, was geschehen war und wie unglücklich ihr Sieg seine Gemahlin gemacht hatte. Dieser Krieg zerstörte sie langsam alle. Er fraß ihre Menschlichkeit auf. Er musste enden!

Könnte es auch nur um Nangog eine letzte Schlacht geben! Eine Schlacht, wie er sie mit Muwatta auf der Hochebene von Kush geführt hatte.

Sie glitten am aufgedunsenen Leib des Wolkensammlers nach oben. Es war einer der alten Himmelsgiganten, die sich geweigert hatten, das Traumeis anzunehmen, den Menschen aber dennoch wohlgesinnt geblieben waren.

Artax war sich sicher, dass einige von Ormus Bogenschützen sie heimlich beobachteten, obwohl er dem Hauptmann ausdrücklich befohlen hatte, in dieser Nacht nicht nach ihm zu sehen. Aber Ormu konnte nicht aus seiner Haut. Die Morde an den Unsterblichen bereiteten dem Hauptmann mehr schlaflose Nächte als ihm, der das Opfer der Daimonen sein sollte. Schon vor Langem hatte Artax entschieden, es einfach zu akzeptieren, wenn seine Stunde gekommen sein sollte, und nicht sein Leben zu vergeuden, indem er es von der Angst vor den Meuchlern bestimmen ließ. Er hatte wahrlich schon Sorgen genug. Diese Sorge wollte er nicht auch noch tragen.

Endlich erreichten sie den Rücken des Wolkensammlers. Shaya hatte einen Enterhaken mitgenommen. Sie hakte sich bei einem der zähen Seile ein, die das Lastschiff an den Wolkensammler fesselten, und zog sich hinab. Dann fing sie mit dem Haken Artax’ Leine und zog auch ihn auf den Rücken des Wolkensammlers. Beide lösten sie ihr Fluggeschirr und vertäuten die jungen Wolkensammler, die sie hier hinaufgebracht hatten.

Artax hatte ganz vergessen, wie es war, auf dem Rücken der riesigen Kreaturen zu gehen. Der Boden unter seinen Füßen war weich und gab bei jedem Schritt ein wenig nach. Er fühlte sich an wie nichts anderes, das er kannte.

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