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Himmel in Flammen

Электронная книга - «Himmel in Flammen». Краткое содержание книги:

Nur sie würde seinen Schmerz heilen können. Sie allein hatte sich nie wirklich unterworfen. Sie war wild, so wie der eisige Norden, aus dem sie gekommen war: Nandalee. Und nun stand sie in seiner Höhle und zog die Klinge, die er einst selbst erschaffen hatte ...
Mit letzter Kraft flohen die Menschen aus dem ewigen Eis zurück in die südlicheren Gefilde Nangogs - besiegt und gedemütigt von den Kriegern der Daimonen. Erst als ein einzigartiger Wolkensammler mit einer mysteriösen Fracht über Volodis Palast vor Anker geht, schöpfen der Unsterbliche und sein bester Freund Aaron wieder Hoffnung. Es gibt eine Waffe gegen die scheinbar unbesiegbaren Drachen!
Doch auch die mächtigen Himmelsschlangen sind auf diese Waffe aufmerksam geworden. Während sie eine Armee von Zwergen in die Hafenstadt Asugar senden, um die Menschen endgültig zu schlagen, soll einer einzigen Drachenelfe, Nandalee, das Unmögliche gelingen: noch vor den Menschen die Waffe finden und bergen. Aber wird es Nachtatem, ihrem Herrn, wirklich gelingen, die Elfe noch einmal für seine Ziele in den Kampf zu schicken? Dieselbe Elfe, die ihm nahe kam wie niemand sonst und die zugleich sein Ende bedeuten könnte? Als aus dunklen Prophezeiungen Gewissheit wird, zeigt sich: Das Schicksal aller wird sich auf der magischen Welt Nangog entscheiden …
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Er hatte den Sturz in den Weißen Schlund überlebt, war den weißen Krokodilen im Leichensee entkommen, war in den unterirdischen Flüssen, durch die er tauchen musste, um aus Tarkons Städten zu entkommen, gegen jede Wahrscheinlichkeit nicht ertrunken und hatte es geschafft, den mörderischen Dschungel zu überleben. Fieber schüttelte ihn. Sein Körper war ausgezehrt und mit verschorften Wunden bedeckt. Geschwüre wucherten in seinem Gesicht, auf dem Rücken und seinen Händen. Er sah aus wie der Tod auf Beinen. Wäre er der Torposten, er hätte eine solche Gestalt auch nicht in den Palast gelassen. Vor sieben Jahren war er reich und mächtig gewesen. Jetzt wagte er es nicht, seinen Besitz einzufordern. Seine Gefährten und Untergebenen von einst würden ihm kurzentschlossen die Kehle durchschneiden, wenn sie ihn so sahen. Von dem Mann, der er damals gewesen war, war nichts mehr geblieben.

»Das Mondtor!« Die Torwache deutete die hohe Palastmauer entlang nach Süden. »Das ist der einzige Ort in dieser Stadt, wo Gestalten wie du mit Essen durchgefüttert werden. Jetzt mach dich davon!«

Während ihn der Torwächter weiterhin misstrauisch beobachtete, tat Ilmari auf den Krückstock gestützt ein paar Schritt und lehnte sich dann an die Mauer aus getrockneten Lehmziegeln. Sie war staubig und warm. Seine Kehle brannte ihm. Er hatte seit Stunden nicht mehr getrunken, und es war ein heißer Spätsommertag. Er schloss die Augen und versuchte, Kräfte zu sammeln. Er hatte noch nie aufgegeben! Sein Ziel war so nah! Es wäre, wie nach einem Schiffbruch, das rettende Ufer vor Augen, zu ertrinken. Er lächelte müde … So etwas geschah. Vielleicht sollte er einfach loslassen. Vielleicht hielt ja die Große Göttin doch ihre schützende Hand über die Städte Tarkons. Hatte Nangog ihm die ganze Zeit über amüsiert zugesehen, wie er sich quälte, um ihn nun vor Aarons Palast verrecken zu lassen?

Überall im Dschungel hatte er grüne Kristalle aus dem Boden wachsen sehen. Die Grünen Geister selbst, die dort früher ihr Unwesen getrieben hatten, waren verschwunden gewesen. Etwas geschah auf dieser Welt … in aller Heimlichkeit.

Doch Heimlichkeit war sein Leben gewesen. Er kannte sich aus mit dem Verborgenen. Etwas ging vor sich, auch wenn er es nicht zu benennen vermochte.

Er lachte, ein trockenes, bellendes Geräusch, das an den Husten eines Siechenden erinnerte. Vielleicht waren das ja nur Fieberfantasien? Vielleicht war sein vorgetäuschtes Leben als Totenträger das Wirklichste gewesen, was er je gehabt hatte. Dort hatte er das kleine Glück gefunden. Das Glück eines einfachen Lebens. Der alte Ilmari, der König der Spitzel, der Mörder, der mit den Unsterblichen verkehrte, hatte dieses Glück nie gekannt.

Das Geräusch von Marschtritten auf trockenem Lehmboden ließ ihn aufblicken. Eine Eskorte prächtig gerüsteter Krieger marschierte auf das Tor zu. Staub lag auf bronzenen Rüstungen und blütenweißen Umhängen. Ilmari kannte diese Krieger. Es waren Himmelshüter, die Leibwachen des Unsterblichen Aaron, wenn er auf einem Wolkensammler reiste. Jetzt jedoch eskortierten sie einen mürrisch dreinblickenden, hageren Mann, dessen Wangen von Stoppeln bedeckt waren.

In einem anderen Leben hatte Ilmari einmal Seite an Seite mit diesem Mann gekämpft. Er wollte seinen Namen rufen, doch nur ein heiseres Krächzen entwand sich seiner ausgedörrten Kehle.

Der Wachposten vom Tor bedachte Ilmari mit einem warnenden Blick.

Der Feldherr war nur noch zehn Schritt entfernt.

Ilmari klemmte sich die Gabel der Krücke unter den linken Arm und schwenkte den rechten Arm. Wieder kam nur ein Krächzen aus seiner Kehle.

Ashot sah ihn. Einen Herzschlag lang blickten sie einander in die Augen, dann sank seine bandagierte Rechte auf sein Schwert, als wollte er die Waffe ziehen. Ein Reflex. Der Feldherr gab einen grunzenden Schmerzenslaut von sich und ließ das Schwert stecken.

Wutentbrannt stürmte der Torwächter auf Ilmari zu. »Nein«, krächzte er, als der Wachposten ihn zu Boden stieß und einen Fuß auf seine Brust setzte.

Ashot war nun auch über ihm. »Was geht hier vor?«

»Ein verrückter Bettler, Herr. Er ist schon über eine Stunde hier. Er verlangt, den Unsterblichen zu sprechen.«

Ashot schnitt eine Grimasse. »Dummkopf«, murmelte er.

Ilmaris Gedanken überschlugen sich. So nah würde er Ashot und damit dem Unsterblichen nie wieder kommen. Er musste ihn hierbehalten. Musste sein Interesse wecken. Er räusperte sich, hoffte seiner Kehle wenigstens ein einziges Wort abringen zu können.

»Nar… Narek.«

»Halt’s Maul!« Der Wachmann verpasste ihm einen Tritt in die Rippen. »Weißt du jetzt, wann es genug ist?«

Ilmari krümmte sich zusammen. »Narek!«, rief er.

Ein weiterer Tritt brachte ihn zum Verstummen. Grelle Lichtpunkte tanzten vor seinen Augen. Ein übler, galliger Geschmack stieg ihm in den Mund. Er musste würgen.

Plötzlich packte ihn jemand bei der Schulter und zog ihn herum, sodass er wieder auf dem Rücken lag. Ashot beugte sich über ihn. »Was hast du gesagt?«

Ilmari versuchte zu sprechen, aber er schaffte es kaum, bei Bewusstsein zu bleiben. Immer wieder verschwamm das Gesicht des Feldherrn vor seinen Augen. Sein Magen, den der zweite Tritt getroffen hatte, war eine Kugel glühender Lohe.

»Ein Becher Wasser für den Mann! Tragt ihn in die Wachstube beim Tor und lasst ihn nicht aus den Augen.«

Aus dem kleinen Bauern war tatsächlich ein Befehlshaber geworden, dachte Ilmari, als er emporgehoben wurde, dann schwanden ihm die Sinne.

Als er wieder zu sich kam, lag er auf einer groben Decke in einem halbdunklen Raum. Er sah Füße in Sandalen. Männer unterhielten sich halblaut.

»Er hat die Augen geöffnet, Feldherr!«, sagte jemand, den Ilmari nicht sehen konnte.

Ashot kniete sich neben ihn nieder. »Wer bist du?«

Ilmari leckte sich über die spröden Lippen. Sein Mund war immer noch staubtrocken.

»Gebt ihm zu trinken!«, befahl der Feldherr.

Jemand richtete ihn auf. Ashot selbst setzte ihm den Becher an die Lippen.

Ilmari trank vorsichtig, in kleinen Schlucken. Er stillte nicht seinen Durst. Er trank nur so viel, wie gerade nötig war. Er wusste, er würde sich erbrechen, wenn er jetzt gierig war. Sein Magen schmerzte immer noch von dem Tritt, der ihn getroffen hatte.

»Ich bin Lamgi«, sagte er leise. Das war der Name, unter dem er sich vor der Schlacht auf der Hochebene von Kush in das Heer des Unsterblichen Aaron eingeschlichen hatte.

Ashot musterte ihn misstrauisch. So heruntergekommen, wie er hier lag, konnte er dem Feldherrn seine Zweifel nicht verdenken.

»Was tat Narek während der Schlacht?«, fragte Ashot.

Ilmari lächelte. Das konnten nur die wissen, die ganz nah beim Unsterblichen gestanden hatten.

»Er stand hinter Aaron …« Ilmari schloss kurz die Augen und kämpfte einen Anfall von Übelkeit nieder. »Er hielt die Löwenstandarte …«

»Wo warst du? Du giltst bei Hof als tot.«

»Tarkon … Ich weiß, wo …«

Ashot legte ihm die Hand auf den Mund. »Bringt ihn in den Palast. Er kommt in das Gästehaus für Unsterbliche. Stellt Wachen vor sein Zimmer. Ich wünsche, dass von nun an niemand mehr mit ihm spricht, wenn ich nicht zugegen bin. Und sucht mir einen verdammten Heilkundigen!«

Geschafft, dachte Ilmari unendlich erleichtert. Er schloss die Augen und ließ alles mit sich geschehen. Wieder wurde er getragen. Diesmal jedoch viel vorsichtiger. Nach einer Weile legte man ihn auf eine weiche Matratze in einem Zimmer, das nach Rosenöl duftete.

Behutsame Hände schnitten die Lumpen auf, die er am Leib trug. Seine Haut wurde mit kühlem Wasser abgetupft. Als er die Augen wieder öffnete, brachte gerade eine hübsche Dienerin eine Schale mit duftender Hühnerbrühe und flößte ihm vorsichtig Löffel für Löffel ein.

Es tat so gut, etwas Warmes zu essen. Wochenlang hatte er sich von Dreck ernährt. Käfer und Würmer hatte er im Dschungel gefressen, und wenn er auf Siedlungen gestoßen war, die Abfallhaufen durchwühlt.

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