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Himmel in Flammen

Электронная книга - «Himmel in Flammen». Краткое содержание книги:

Nur sie würde seinen Schmerz heilen können. Sie allein hatte sich nie wirklich unterworfen. Sie war wild, so wie der eisige Norden, aus dem sie gekommen war: Nandalee. Und nun stand sie in seiner Höhle und zog die Klinge, die er einst selbst erschaffen hatte ...
Mit letzter Kraft flohen die Menschen aus dem ewigen Eis zurück in die südlicheren Gefilde Nangogs - besiegt und gedemütigt von den Kriegern der Daimonen. Erst als ein einzigartiger Wolkensammler mit einer mysteriösen Fracht über Volodis Palast vor Anker geht, schöpfen der Unsterbliche und sein bester Freund Aaron wieder Hoffnung. Es gibt eine Waffe gegen die scheinbar unbesiegbaren Drachen!
Doch auch die mächtigen Himmelsschlangen sind auf diese Waffe aufmerksam geworden. Während sie eine Armee von Zwergen in die Hafenstadt Asugar senden, um die Menschen endgültig zu schlagen, soll einer einzigen Drachenelfe, Nandalee, das Unmögliche gelingen: noch vor den Menschen die Waffe finden und bergen. Aber wird es Nachtatem, ihrem Herrn, wirklich gelingen, die Elfe noch einmal für seine Ziele in den Kampf zu schicken? Dieselbe Elfe, die ihm nahe kam wie niemand sonst und die zugleich sein Ende bedeuten könnte? Als aus dunklen Prophezeiungen Gewissheit wird, zeigt sich: Das Schicksal aller wird sich auf der magischen Welt Nangog entscheiden …
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Sie sah ihn an. Seine Hand war übel zugerichtet. Vorhin hatte sie ihm angeboten, danach zu sehen, aber er wollte sich nicht verbinden lassen, bevor alles entschieden war.

»Sollten wir nicht abziehen?«, fragte Ashot.

Sie nickte langsam. »Ja, aber ich werde bleiben …«

»Warum? Hast du Sorgen, dass doch noch jemand entkommt? Sieh dir diese riesige Flammensäule an. Da unten lebt gewiss nichts mehr.«

»Ich weiß«, sagte sie müde. »Ich bleibe, weil ich dies dort unten ersonnen habe. Ich schulde es ihnen, es mir bis zum Ende anzusehen.« Sie schenkte Ashot ein freudloses Lächeln. »Ich erwarte nicht, dass du das verstehst. Ich kann es mir selbst nicht richtig erklären. Sie sind unsere Feinde! Und trotzdem fühle ich mich schuldig, als hätte ich eine Grenze überschritten und etwas Unrechtes getan.«

Zu ihrer Überraschung nickte Ashot, und sein Gesicht wirkte mit einem Mal fast sanft. »Ich kenne dieses Gefühl. Ich werde bei dir bleiben, aber die anderen schicke ich fort.«

Licht und Dunkel

Nandalee lehnte an der sonnenwarmen Wand des Palas in der Alten Veste. Wie sie das genoss! Gestern war sie aus der Snaiwamark zurückgekehrt. Sie hatte dort Elfen für die Kämpfe auf Nangog anwerben sollen. Eine Liste mit siebzig Namen hatte der Dunkle ihr mitgegeben. Sie hatte nur einundsechzig der Genannten finden können. Nur siebzehn waren der Aufforderung gefolgt, sich zum Kampf zu melden. Sie konnte verstehen, dass ihre Brüder und Schwestern aus dem hohen Norden nicht nach Nangog wollten. Zu viele, die diese Reise antraten, kehrten nicht mehr zurück.

Ganz oben auf der Liste hatten die Namen Cullayn und Tylwyth gestanden. Der Hieb einer Trollkeule hatte einst das Gesicht Cullayns schrecklich entstellt. Nie war sie einem Elfen begegnet, der so schrecklich anzusehen, aber zugleich auch so freundlich war. Er galt als der beste Fährtensucher des Nordens. Nandalee hatte ihm nicht vergessen, wie er ihr auf der Suche nach den Überlebenden ihrer Sippe und im Kampf gegen den Immerwinterwurm geholfen hatte. Sein Freund Tylwyth war das genaue Gegenteil von ihm. Er war von anrührender Schönheit, wenngleich manchmal ein wenig naiv. Beide hatten sie sich einst der Blauen Halle verschrieben, doch mit dem Tod des Himmlischen war ihr Bund mit den alten Drachen zerbrochen.

Zwei Mal hatte sie morgens Zeichen der beiden in ihrem Lager gefunden. Sie war ihnen nahe gekommen, und doch würde sie Cullayn und Tylwyth nie finden, wenn sie es nicht wollten. Sie hatte das gewusst, bevor sie sich auf die Suche gemacht hatte.

Dennoch war sie es dem Dunklen schuldig gewesen, den beiden nachzuspüren. Er hatte sie in den letzten Jahren aus fast allen Kämpfen auf Nangog herausgehalten. Sie war als Werberin gereist. Die meiste Zeit jedoch hatte sie bei den Kindern in der Alten Veste verbracht.

Ihr war bewusst, wie oft Nodon und all die anderen Elfen in der Alten Veste auf Missionen geschickt wurden. Bewusst, welche Privilegien sie genoss. Und auch wenn sie nicht wieder Freunde geworden waren, hatte sie mit dem Dunklen einen Waffenstillstand geschlossen und duldete, dass er zu den Kindern kam.

Es war so gut, hier zu stehen. Die Wärme im Rücken. Die Kinder vor Augen. Groß waren sie geworden. Emerelle war die kleinere der beiden. Von zierlicher Gestalt, mit dunkelblondem Haar, das ihr in Wellen auf die schneeweißen Schultern fiel. Nur ihre Augen wirkten zu verständig. Sie hatten dieselbe Farbe wie das Fell eines jungen Rehkitzes: rotbraun, mit hellen Sprenkeln. Darunter ein waldbeerroter, lachender Mund. Sie zu sehen ließ Nandalee alles vergessen. Die einsamen Nächte im Eis. Die Morde, die sie begangen hatte. Doch Meliander … In ihm lebte alles auf. Verstümmelt saß er auf der Pferdetränke im Hof und scherzte mit Eleborn, der nur für die trügerische Hoffnung, dem Jungen helfen zu können, ein Bein gegeben hatte. Meliander lachte, ganz in sein Spiel verloren. Er und seine Schwester hatten etliche unregelmäßige Kugeln aus Wasser erschaffen, die sie von der Tränke aufwärts in die breite Bahn aus klarem Sonnenlicht aufsteigen ließen.

Eleborn hatte sie das Zauberweben gelehrt. Hatte ihnen beigebracht, spielerisch mit Wasser und Licht umzugehen. Wenn Nandalee auf Reisen musste, nahm Eleborn die Kinder zu sich in den verwunschenen Palast, den er sich am Grund des Sees neben der Pyramide erschaffen hatte. Emerelle und Meliander halfen ihm manchmal, neue Räume zu verwirklichen. Er lehrte sie, Träume Wirklichkeit werden zu lassen.

Hätte Gonvalon seine Kinder nur sehen können! Hätte er nur einen einzigen Nachmittag wie diesen erleben dürfen! So lange war er nun schon tot. Verloren in Selinunt … Wenn sie an jene Nacht dachte, verlor der Sommernachmittag seine Wärme. Eisfinger krochen durch ihr Gedärm.

Sie schlang die Arme um den Leib.

»Mama …« Meliander deutete auf das Tor der Alten Veste. Etwas in seiner Stimme ließ all ihre Erinnerungen verblassen. Er hatte seltsame Gaben, das wusste sie schon lange. Manchmal machte er ihr richtiggehend Angst.

Meliander nahm die Krücke und richtete sich auf.

Im selben Augenblick erklang das Horn vom Posten über dem Turm. Drei kurze Stöße – Alarm!

Die Wasserkugeln stürzten in den Hof.

Der Zauber, der nichts außer Schönheit schenken wollte, war dahin.

Schwere Schritte hallten in verborgenen Gängen. Nandalee sah Schatten hinter den Schießscharten des Torturms.

Zwei riesige Adler landeten auf dem Felsplateau vor dem Tor. Eine Gestalt, wie in strahlendes Sonnenlicht gehüllt, sprang von dem größeren der beiden Vögel und durchquerte das dunkle Torgewölbe. Ihm folgte eine schlanke Frau mit langem, dunklem Haar, die ein schlichtes, ärmelloses Kleid trug. Es erinnerte an die Gewänder der Weißen Halle, auch wenn es nicht mit der Goldstickerei geschmückt war, die seine Trägerin als die Meisterin ausgewiesen hätte, die sie war.

Vor zwei Wochen erst war Nandalee auf ihrer Reise in den Norden kurz in Uttika gewesen. Jetzt bereute sie es. Sie war Gerüchten über eine geheimnisvolle Elfe gefolgt. Und sie hatte gedacht, vorsichtig genug gewesen zu sein … Nur einen halben Tag hatte sie die Stadt besucht, und als sie entdeckt hatte, wer die Gemahlin des Kaufmanns Shanadeen wirklich war, hatte sie sich eiligst zurückgezogen. Und nun stand sie hier, Bidayn. Gemeinsam mit ihrem Herrn.

»Ihr also seid Emerelle und Meliander«, begrüßte der Goldene ihre Kinder mit einem strahlenden Lächeln. »Ich habe schon viel über euch gehört.«

Seine Worte jagten Nandalee unwillkürlich einen Schauder über den Rücken, der im Gegensatz zu den Wohlgefühlen stand, die der Anblick des Goldenen sonst erweckte.

Der Götterdrache ging in die Knie und weitete die Arme. Emerelle kam ihm lachend entgegengelaufen, als wäre ein lang vermisster Freund heimgekehrt. Und selbst Meliander, der Fremden gegenüber sonst stets verschlossen blieb, hinkte auf seiner Krücke zum Zweitgeborenen.

Der Goldene hatte den gesamten Hof mit seiner unvergleichlichen Aura durchtränkt. Nandalee sah, wie die Bogenschützen hinter den Schießscharten ihre Waffen senkten. Und nicht einmal die sonst so scheuen Felstauben, die meist schon eine unbedachte Bewegung zu panisch flatternder Flucht bewegte, flogen davon.

»Bist du Gonvalon?«, fragte Meliander ergriffen.

Der Goldene warf Nandalee einen überraschten Blick zu. »Wie kommst du darauf, Meliander?«

»Mutter sagt immer, unser Vater ist in ein helles Licht gegangen. Und dann wird sie ganz traurig und spricht nicht mehr weiter … Sie hat uns nie erzählt, was für ein Licht das war. Und du … du bist ganz aus Licht. Du bist …«

Nandalee zitterten die Lippen. Sie war unfähig, auch nur ein Wort zu sagen. All die so lange unterdrückten Gefühle übermannten sie. Tränen traten ihr in die Augen, und sie hasste sich dafür. Ebenso, wie sie sich dafür hasste, dass sie den Kindern nie ganz deutlich gesagt hatte, was mit ihrem Vater geschehen war. Wie er in den gebündelten Flammen der Himmelsschlangen gestorben war.

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