In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
»Habt Ihr noch einen anderen Plan?«, fragte sie. In der Dunkelheit konnte er ihr Gesicht nicht sehen, aber das Silber des A'dam funkelte hell. Sie hielt das Armband an ihrem Handgelenk umklammert.
»Ich habe immer noch einen anderen Plan«, log er und öffnete das Armband für sie. »Wenigstens müsst Ihr nicht mehr Euren Hals riskieren. Sobald ich Euch Joline abgenommen habe, könnt Ihr Euch zu Eurem Mann begeben.«
Sie grunzte bloß. Vermutlich wusste sie, dass er keinen Plan hatte.
Er wollte den Schankraum voller Seanchaner meiden, also ging er durch die Küche auf den Stallhof und dann durch das Tor auf den Mol Hara. Er hegte nicht die Befürchtung, dass ihn jemand bemerkte oder sich fragte, warum er hier gewesen war. In seiner unauffälligen Kleidung schien man ihn bei seinem Eintritt für jemanden gehalten zu haben, der eine Besorgung für die Wirtin erledigt hatte. Aber es waren drei Sul'dam da gewesen, zwei davon mit Damane. Langsam wuchs in ihm die Befürchtung, Teslyn und Edesina nicht von ihren Kragen befreien zu können, und er wollte sich in diesem Augenblick einfach keine weitere Damane ansehen müssen. Blut und verdammte Asche, er hatte bloß versprochen, es zu versuchen!
Die schwache Sonne stand noch immer hoch am Himmel, aber der vom Meer kommende Wind wurde stärker; er war voller Salz und versprach kalten Regen. Von der Schwadron der Totenwache abgesehen, die über den Platz marschierte und statt aus Ogiern aus Menschen bestand, beeilte sich jeder auf dem Mol Hara, seine Erledigungen vor dem einsetzenden Regen zu beenden. Als Mat den Sockel von Königin Narienes hoher, barbusiger Statue erreichte, fiel eine Hand auf seine Schulter.
»Ich haben Euch zuerst gar nicht erkannt ohne Eure schicken Sachen, Mat Cauthon.«
Mat drehte sich um und fand sich dem breiten illianischen So'jhin gegenüber, den er an jenem Tag gesehen hatte, als Joline wieder in seinem Leben aufgetaucht war. Es war keine angenehme Assoziation. Der Bursche mit dem runden Gesicht sah seltsam aus mit seinem Bart und dem zur Hälfte rasierten Kopf und er trug ausgerechnet nur Hemdsärmel und zitterte.
»Ihr kennt mich?«, fragte Mat vorsichtig.
Der massige Kerl strahlte ihn mit einem breiten Grinsen an. »Glück stich mich, das ich tun. Ihr haben einst eine denkwürdige Reise auf meinem Schiff gemacht, mit Trollocs und Shadar Logoth am einen Ende und einem Myrddraal und dem brennenden Weißbrücke am anderen. Bayle Domon, Meister Cauthon. Erinnert Ihr Euch jetzt?«
»Ja, schon.« Das stimmte auch mehr oder weniger. Er konnte sich dieser Reise nur noch vage entsinnen, in seinem Gedächtnis klafften große Lücken, die nun von den Erinnerungen der anderen Männer gefüllt wurden. »Wir müssen uns mal bei einem Becher heißem gewürzten Wein zusammensetzen und über die alten Zeiten reden.« Was nie geschehen würde, wenn er Domon aus dem Weg gehen konnte. Was von dieser Reise noch in seinem Gedächtnis vorhanden war, war auf eine seltsame Weise unangenehm, so wie die Erinnerung an eine tödliche Krankheit. Natürlich war er in gewisser Weise krank gewesen. Eine weitere unerfreuliche Erinnerung.
»Keine Zeit sein besser als jetzt«, sagte Domon lachend, legte einen dicken Arm auf Mats Schultern und steuerte ihn zurück in Richtung Wanderin.
Außer einem Kampf schien es keine Möglichkeit zu geben, dem Mann zu entgehen, also ging Mat mit. Eine Prügelei war nicht die richtige Methode, um jeglicher Aufmerksamkeit zu entgehen. Davon abgesehen war er sich nicht sicher, ob er gewinnen würde. Domon sah fett aus, aber das Fett überzog harte Muskeln. Und ein Schluck zu trinken konnte auf keinen Fall schaden. Davon abgesehen, war Domon nicht Schmuggler gewesen? Möglicherweise kannte er ja Wege nach Ebou Dar und wieder hinaus, die anderen verborgen geblieben waren, und vielleicht enthüllte er sie, wenn man die richtigen Fragen stellte. Vor allem bei einem Schluck Wein. In Mats Manteltasche befand sich ein dicker Beutel voller Gold, und er hatte nichts dagegen, alles auszugeben, um den Mann so betrunken zu machen wie einen Geigenspieler am Sonntag. Betrunkene redeten gern.
Domon führte ihn durch den Schankraum, verbeugte sich links und rechts vor Angehörigen des Blutes und Offizieren, die ihn kaum zur Kenntnis nahmen, betrat aber nicht die Küche, in der Enid ihnen möglicherweise eine Bank in der Ecke gegeben hätte. Stattdessen führte er ihn die geländerlose Treppe hinauf. Und bis Mat in ein Zimmer im rückwärtigen Teil des Gasthauses geführt wurde, hatte er angenommen, Domon würde nur Mantel und Umhang holen. Ein ordentliches Kaminfeuer heizte den Raum, aber plötzlich war es ihm viel kälter, als es draußen gewesen war.
Domon schloss hinter ihnen die Tür und baute sich mit vor der Brust verschränkten Armen davor auf. »Ihr sein in der Gegenwart vom Kapitän der Grünen Lady Egeanin Tamarath«, verkündete er und fügte dann in normalerem Tonfall hinzu: »Das sein Mat Cauthon.«
Mat sah von Domon zu der hochgewachsenen Frau, die steif auf einem Stuhl mit einer Sprossenlehne saß. Ihr Faltengewand war heute hellgelb und sie trug einen mit Blumen bestickten Hausmantel darüber, aber er erinnerte sich an sie. Ihr blasses Gesicht war hart und in ihren blauen Augen funkelte der gleiche raubtierhafte Ausdruck wie in Tylins. Nur vermutete er, dass Egeanin nicht hinter Küssen her war. Sie hatte schlanke Hände, aber sie wiesen die Schwielen einer Schwertkämpferin auf. Er bekam keine Gelegenheit, sie zu fragen, was das sollte, und es war auch nicht nötig.
»Mein Sojhin hat mir berichtet, dass Euch Gefahren nicht unvertraut sind, Meister Cauthon«, sagte sie, sobald Domon verstummt war. Ihr breiter seanchanischer Akzent klang noch immer gebieterisch und befehlend, andererseits gehörte sie dem Blut an. »Ich brauche solche Männer, um ein Schiff zu bemannen, und ich bezahle gut, in Gold, nicht in Silber. Wenn Ihr andere wie Euch kennt, werde ich sie in meine Dienste nehmen. Sie müssen aber verschwiegen sein. Meine Absichten sind meine Sache. Bayle erwähnte zwei andere Namen. Thom Merrilin und Juilin Sandar. Falls sich einer von ihnen in Ebou Dar aufhalten sollte, könnte ich ihre Fertigkeiten ebenfalls gebrauchen. Sie kennen mich und sie wissen, dass sie mir ihr Leben anvertrauen können. So wie Ihr auch, Meister Cauthon.«
Mat ließ sich auf den zweiten Stuhl des Zimmers nieder und warf den Umhang zurück. Selbst bei einem der niederen Ränge des Blutes — ihr dunkler Haarschopf und die grün lackierten Nägel der kleinen Finger verkündeten ihre Stellung — hätte er sich nicht setzen dürfen, aber er musste nachdenken. »Ihr verfügt über ein Schiff?«, fragte er hauptsächlich, um Zeit zu gewinnen. Sie öffnete wütend den Mund. An das Blut gerichtete Fragen hatten taktvoll gestellt zu werden.
Domon grunzte und schüttelte den Kopf, und einen Augenblick lang sah sie sogar noch wütender aus, aber dann glättete sich ihr strenges Gesicht. Andererseits bohrten sich ihre Blicke in Mat und sie stand auf und baute sich mit in die Hüften gestemmten Händen vor ihm auf. »Ich werde ein Schiff frühestens gegen Ende des Frühlings haben, sobald mein Gold aus Cantorin gebracht werden kann«, sagte sie in einem eisigen Tonfall.
Mat seufzte. Nun, es wäre sowieso unmöglich gewesen, Aes Sedai auf einem seanchanischen Schiff hier herauszubringen. »Woher kennt Ihr Thom und Juilin?« Domon konnte ihr von Thom erzählt haben, das schon, aber woher, beim Licht, kannte sie Juilin?
»Ihr stellt zu viele Fragen«, sagte sie entschieden und wandte sich von ihm ab. »Ich fürchte, ich kann Euch doch nicht gebrauchen. Bayle, bring ihn raus.« Letzteres war ein hochmütiger Befehl.
Domon bewegte sich nicht von der Tür weg. »Sagt es ihm«, drängte er sie. »Früher oder später er müssen alles erfahren oder er bringen Euch in größere Gefahr, als Ihr jetzt seid. Sagt es ihm.« Selbst für einen So'jhin schien er sich eine Menge herausnehmen zu können. Die Seanchaner waren berüchtigt dafür, sicherzustellen, dass ihr Besitz seine Stellung nicht vergaß. Und alle anderen auch nicht, was das betraf. Egeanin konnte nicht mal ein Viertel so hart sein, wie sie erschien.