In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Es gab natürlich keine Möglichkeit zu verbergen, dass die Rotwaffen Pferde aus den Ställen holten. An diesem Morgen bemerkte er zweimal, wie Dienerinnen einander Münzen gaben, und beide Male schaute ihn die Frau, die bezahlen musste, böse an. Obwohl Vanin und Harnan es sich anscheinend noch immer in dem langen Quartier neben den Ställen bequem machten, wusste der Palast, dass Mat Cauthon bald aufbrach, und die ersten Wetten wurden bereits ausgezahlt. Er musste nur dafür sorgen, dass keiner herausfand, wie bald, bevor es zu spät war.
Als der Morgen seinen Verlauf nahm, wurde der Wind stärker, aber Mat ließ Pip satteln und ritt seine endlosen Kreise auf dem Stallhof, krümmte sich im Sattel etwas zusammen und zog den Umhang eng um sich. Er ritt langsamer als gewöhnlich, und so machten Pips Hufe gemütliche, trottende Geräusche auf den Pflastersteinen. Gelegentlich schaute er zu den am Himmel immer dunkler werdenden Wolken empor, verzog das Gesicht und schüttelte den Kopf. Nein, bei diesem Wetter war Mat Cauthon wirklich nicht gern draußen. Mat Cauthon wäre lieber an einem warmen und trockenen Ort, bis sich der Himmel aufklarte, ja, das wäre er.
Die Sul'dam, die ihre Domäne in ihrem eigenen Kreis auf dem Stallhof umherführten, wussten ebenfalls, dass er bald aufbrechen würde. Zwar hatten die Dienerinnen keinen direkten Kontakt zu den Seanchanerinnen, aber was eine Frau weiß, das weiß bald jede Frau im Umkreis von einer Meile. Ein Buschfeuer fraß sich nicht so schnell durch einen ausgetrockneten Wald, wie sich Klatsch unter Frauen verbreitete. Eine große blonde Sul'dam schaute in seine Richtung und schüttelte den Kopf. Eine stämmige kleine Sul'dam lachte laut und verzog ihr Gesicht, das so dunkel wie das einer Atha'an Miere war. Er war bloß Tylins Spielzeug.
Die Sul'dam bereiteten ihm keine Sorge, Teslyn hingegen schon. Er hatte sie einige Tage lang nicht unter den umhergeführten Damane gesehen. Heute ließen die Sul'dam ihre Umhänge im Wind flattern, aber die Damane hielten die ihren fest um die Körper geschlungen; nur Teslyns grauer Umhang flatterte vergessen in alle Richtungen, und sie strauchelte, wenn der Boden uneben war. Ihre Augen waren weit aufgerissen und blickten besorgt. Gelegentlich warf sie der schwarzhaarigen, drallen Sul'dam, die das andere Ende der silbernen Leine hielt, einen schnellen Blick zu, und wenn sie das tat, fuhr sie sich mit der Zunge unsicher über die Lippen.
In Mats Eingeweiden schien sich eine Faust zu ballen. Wo war ihre Entschlossenheit geblieben? Wenn sie bereit war, sich unterkriegen zu lassen...
»Alles in Ordnung?«, fragte Vanin, als Mat abstieg und ihm Pips Zügel reichte. Es hatte angefangen zu regnen, kalte, dicke Tropfen, und die Sul'dam trieben ihre Schützlinge lachend ins Gebäude, um nicht nass zu werden. Einige der Damane lachten auch, ein Laut, der beinahe Mats Blut erstarren ließ. Vanin ging kein Risiko ein, dass sich jemand möglicherweise fragte, warum sie draußen im Regen standen und sich unterhielten. Der dicke Mann bückte sich, hob Pips linkes Vorderbein hoch und studierte den Huf. »Ihr seht etwas kränklicher aus als sonst.«
»Es ist alles in bester Ordnung«, erwiderte Mat. Der Schmerz in Bein und Hüfte nagte an ihm wie ein Raubtier, aber er nahm ihn gar nicht bewusst wahr, genauso wenig wie den noch dichter fallenden Regen. Licht, wenn Teslyn jetzt aufgab ... »Vergesst nicht. Wenn Ihr heute Nacht im Palast Schreie hört oder etwas Ähnliches, das nach Ärger klingt, dann wartet nicht. Harnan auch nicht. Ihr reitet dann auf der Stelle los und findet Olver. Er wird ...«
»Ich weiß, wo wir den kleinen Burschen finden werden.« Vanin ließ Pips Bein los, erhob sich und spuckte durch eine seiner Zahnlücken. Regen lief ihm übers Ge —sicht. »Harnan ist zu blöd, um allein die Stiefel anzuzie —hen, doch ich weiß, was zu tun ist. Ihr kümmert Euch um Euren Teil und sorgt dafür, dass Euer Glück anhält. Komm jetzt, Junge«, fügte er bedeutend wärmer an Pip gerichtet hinzu. »Ich habe schönen Hafer für dich. Und einen heißen Fischeintopf für mich.«
Mat hätte auch etwas essen sollen, aber ihm kam es so vor, als hätte er einen Stein verschluckt, der keinen Platz für eine Mahlzeit ließ. Er hinkte zurück in Tylins Gemächer, warf den feuchten Umhang über einen Stuhl und stand eine Weile da und starrte in die Ecke, wo sein schwarzschäftiger Speer neben dem Bogen stand. Den Ashandarei wollte er im letzten Augenblick holen. Das Blut würde im Bett sein, wenn er zuschlug, die Dienerschaft auch; nur die Wachen draußen würden nicht schlafen, und er würde nicht riskieren, dass man ihn damit sah, bevor es nicht zu vermeiden war. Selbst die Seanchaner, die ihn als Spielzeug bezeichneten, würden ihn bemerken, wenn er mitten in der Nacht eine Waffe durch die Korridore trug. Den Bogen hatte er auch mitnehmen wollen. Es war so gut wie unmöglich, außerhalb der Zwei Flüsse an gute schwarze Eibe heranzukommen, davon abgesehen schnitt man sie zu kurz. Im entspannten Zustand sollte ein Bogen zwei Handspannen größer als der Mann sein, der ihn spannte. Aber vielleicht ließ er ihn doch besser zurück. Falls es dazu kommen sollte, brauchte er für den Ashandarei sowieso beide Hände, und der Augenblick, den es dauerte, den Bogen fallen zu lassen, konnte der Augenblick sein, der ihn töten würde.
»Alles wird nach Plan gehen«, sagte er laut. Blut und Asche, er hörte sich genauso bescheuert wie Beslan an. »Ich werde mir nicht den Weg aus dem verdammten Palast freikämpfen müssen!« Und war beinahe genauso dumm. Bei den Würfeln war Glück eine feine Sache. Bei anderen Dingen konnte es einen Mann das Leben kosten, wenn er sich auf sein Glück verließ.
Er legte sich auf das Bett, schlug die bestiefelten Füße übereinander und betrachtete Speer und Bogen. Da die Tür zum Wohnzimmer offen stand, konnte er hören, wie die Zylinderuhr leise jede vergangene Stunde schlug. Licht, in dieser Nacht brauchte er sein Glück.
Das durch das Fenster einfallende Licht schwand so langsam, dass er beinahe aufgestanden wäre, um nachzusehen, ob die Sonne am Himmel stehen geblieben war, aber schließlich verblasste das graue Licht zu purpurnem Zwielicht und zu richtiger Dunkelheit. Die Uhr schlug zweimal, dann war nur noch das Rauschen des Regens und das Pfeifen des Windes zu hören. Arbeiter, die dem Wetter getrotzt hatten, würden die Werkzeuge niederlegen und schwerfällig nach Hause wanken. Niemand kam, um die Lampen zu entzünden oder sich um das Kaminfeuer zu kümmern. Niemand rechnete mit seiner Anwesenheit, da er in der vergangenen Nacht in diesem Bett geschlafen hatte. Die Flammen im Kamin des Schlafzimmers sanken in sich zusammen und erloschen. Jetzt war alles in Bewegung. Olver war in dem alten Stall in Sicherheit, dessen Dach größtenteils noch intakt war. Die Uhr schlug die erste Stunde der Nacht und es dauerte nicht mal eine Woche, und sie kündigte mit vier Schlägen die zweite Stunde an.
Mat erhob sich vom Bett, ertastete sich den Weg durch das stockfinstere Wohnzimmer und öffnete eines der hohen Fenster. Der kräftige Wind trieb Regentropfen durch das verschnörkelte, weiße Gitter aus Gusseisen, die seinen Mantel im Nu durchnässten. Der Mond verbarg sich hinter den Wolken, und die Stadt war eine Masse regenverhüllter Finsternis, die nicht einmal von einem Blitz erhellt wurde. Regen und Wind hatten anscheinend alle Straßenlaternen gelöscht; wenn sie den Palast verlassen hatten, würde die Nacht sie verbergen. Und jede Patrouille, die bei diesem Wetter auf der Straße war, würde zweimal hinsehen. Er zitterte, als der Wind durch den feuchten Mantel drang, und schloss das Fenster.
Er setzte sich auf die Kante eines der Bambus-Stühle, stützte die Ellbogen auf die Knie und beobachtete die Uhr auf dem erloschenen Kamin. Er konnte sie in der Dunkelheit nicht sehen, aber hier hörte er sie ticken. Er bewegte sich nicht, obwohl der eine Schlag, der die nächste Stunde ankündigte, ihn zusammenzucken ließ. Jetzt konnte man nur noch warten. Bald würde Egeanin Joline ihrer Sul'dam vorstellen. Falls sie wirklich drei Frauen gefunden hatte, die ihre Befehle befolgten. Falls Joline nicht in Panik ausbrach, wenn sie ihr das A'dam anlegten. Thom, Joline und die anderen aus dem Gasthaus würden kurz vor dem Dal Eira zu ihm stoßen. Und wenn er es nicht erreichte ... Thom hatte seine Steckrübe zurechtgeschnitzt und war ziemlich sicher, sie mit seinem gefälschten Befehl durch das Tor zu bringen. Zumindest hatten sie eine Chance, wenn alles schief ging. Wenn. Zu viele »Wenns«, um jetzt darüber nachzudenken. Dafür war es zu spät.