In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Er wollte nichts davon hören. Da bot man aus der Güte seines Herzens seine Hilfe an, gewissermaßen, und das hatte man davon. Er hielt ihr praktisch das A'dam unter die Nase. Es wand sich in seiner Hand wie eine lange Schlange aus Silber und funkelte im Lampenlicht, Kragen und Armband schleiften über den Steinboden, und Joline schürzte die dunklen Röcke und trat zurück, um jede Berührung zu vermeiden. So wie sich ihr Mund verzog, hätte es genauso gut eine Viper sein können. Er fragte sich, ob es ihr passen würde; der Kragen schien größer als ihr schlanker Hals zu sein. »Sobald wir außerhalb der Stadtmauer sind, wird Frau Anan es Euch abnehmen«, knurrte er. »Ihr vertraut ihr doch, oder? Sie hat ihren Hals riskiert, um Euch hier unten zu verstecken. Ich sage Euch, das ist die einzige Möglichkeit!« Joline hob stur das Kinn. Frau Anan murmelte ärgerlich etwas vor sich hin.
»Sie will das Ding nicht tragen«, sagte Fen mit ausdrucksloser Stimme hinter Mat.
»Wenn sie es nicht tragen will, dann trägt sie es auch nicht«, sagte Blaeric mit noch ausdrucksloserer Stimme neben Fen.
Für zwei völlig unterschiedliche Männer waren sich Jolines dunkelhaarige Behüter ziemlich ähnlich. Fen mit seinen dunklen, schräg stehenden Augen und einem Kinn, mit dem man einen Stein spalten konnte, war eine Spur kleiner als Blaeric und vielleicht etwas breiter in Brust und Schultern, doch jeder hätte ohne weiteres die Kleidung des anderen tragen können. Fens glattes schwarzes Haar reichte fast bis zu den Schultern, das Haar des blauäugigen Blaeric war kurz geschnitten und hatte fast dieselbe Farbe. Blaeric war Schienarer, und er hatte den Haarknoten abrasiert und ließ den Rest wachsen, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, aber es gefiel ihm nicht. Fen, ein Saldaeaner, schien gar nichts zu gefallen mit Ausnahme von Joline. Beide mochten Joline, und zwar sehr. Beide sprachen ähnlich, dachten ähnlich und bewegten sich ähnlich. Sie trugen zerschlissene Hemden und die einfachen Westen von Tagelöhnern, die bis über ihre Hüften reichten, aber jeder, der sie selbst in diesem schlechten Licht für Arbeiter gehalten hätte, hätte blind sein müssen. Am Tag, wenn sie in den Ställen arbeiteten, wo Frau Anan sie untergebracht hatte ... Licht! Sie schauten Mat an wie Löwen eine Ziege, die vor ihnen die Zähne gefletscht hatte. Er drehte sich so, dass er die Behüter nicht einmal aus dem Augenwinkel sehen musste. Mit den beiden im Rücken stellten die an verschiedenen Stellen seines Körpers versteckten Messer nur einen kleinen Trost da.
»Wenn Ihr nicht auf ihn hören wollt, Joline Maza, dann werdet Ihr mir zuhören.« Setalle stemmte beide Hände in die Hüften und beugte sich der schlanken Aes Sedai entgegen. »Ich will Euch wieder in der Weißen Burg sehen, auch wenn das bedeutet, dass ich Euch jeden Schritt dorthin stoßen muss! Vielleicht werdet Ihr mir unterwegs zeigen, dass Ihr wisst, was es bedeutet, eine Aes Sedai zu sein. Ich würde mich damit zufrieden geben, einen Blick auf eine erwachsene Frau zu erhäschen. Bis jetzt habe ich bloß eine Novizin gesehen, die in ihr Kissen weint und Wutanfälle kriegt!«
Joline starrte sie an, die großen braunen Augen so weit aufgerissen, wie es nur ging, als könnte sie nicht glauben, was sie da hörte. Mat war sich nicht sicher, ob er es glaubte. Wirtinnen sagten einer Aes Sedai nicht die Meinung. Fen grunzte und Blaeric murmelte etwas, das sich nicht nett anhörte.
»Ihr braucht doch nicht weiter als außer Sichtweite der Torwächter zu gehen«, sagte Mat hastig zu Setalle in der Hoffnung, einen möglichen Wutausbruch Jolines zu verhindern. »Haltet die Kapuze Eures Umhangs hochgeschlagen ...« Licht, er musste ihr einen dieser schicken Umhänge besorgen! Nun, wenn Juilin ein A'dam stehlen konnte, dann konnte er auch einen verdammten Umhang klauen. »Die Wächter werden nur eine weitere Sul'dam sehen. Ihr könnt vor Tagesanbruch wieder hier sein, ohne dass es eine Menschenseele erfahren haben muss. Es sei denn, Ihr besteht darauf, Euren Hochzeitsdolch zu tragen.« Er lachte über seinen Witz, aber sie fiel nicht in sein Lachen ein.
»Glaubt Ihr, ich könnte an einem Ort bleiben, an dem Frauen zu Tieren gemacht werden, weil sie die Macht lenken können?«, wollte sie wissen und stapfte über den Boden, bis sie beinahe Zeh an Zeh mit ihm stand. »Glaubt Ihr, ich würde meine Familie zurücklassen?« Während sie Joline angestarrt hatte, schien sie ihn nun mit ihrem wilden Blick zu verschlingen. Ehrlich gesagt hatte er nie über diese Frage nachgedacht. Sicherlich würde er die Damane gern frei sehen, aber warum sollte ihr das so viel bedeuten? Doch offensichtlich tat es das; sie griff nach dem langen Krummdolch, der hinten in ihrem Gürtel steckte, und streichelte ihn. Ebou Dari nahmen Beleidigungen nie gut auf und in dieser Hinsicht war sie eine reine Ebou Dari. »Zwei Tage nach der Ankunft der Seanchaner habe ich begonnen, den Verkauf der Wanderin in die Wege zu leiten, als ich sehen konnte, was sie sind. Ich hätte schon vor Tagen alles an Lydel Elonid übergeben sollen, aber ich habe es hinausgezögert, weil Lydel nicht damit rechnen würde, eine Aes Sedai im Keller zu finden. Wenn Ihr zum Auf bruch bereit seid, kann ich ihm die Schlüssel übergeben und mit Euch gehen. Lydel wird ungeduldig«, fügte sie mit einem bedeutsamen, auf Joline gerichteten Blick über die Schulter hinzu.
Und was ist mit meinem Gold? wollte er empört fragen. Hätte Lydel ihn das mitnehmen lassen, den unerwarteten Reichtum unter ihrem Küchenboden? Doch es war etwas anderes, das ihm den Atem verschlug. Plötzlich sah er sich Frau Anans ganze Familie aufgebürdet, einschließlich der verheirateten Söhne und Töchter mit ihren Kindern und vielleicht auch noch ein paar Tanten und Onkel und Nichten und Neffen. Dutzende. Sie mochte ja von außerhalb kommen, aber ihr Mann hatte in der ganzen Stadt Verwandte. Blaeric schlug ihm so hart auf den Rücken, dass er stolperte.
Er zeigte dem Burschen die Zähne und hoffte, dass der Schienarer es als dankbares Lächeln interpretierte. Blaerics Miene änderte sich nicht. Verdammte Behüter! Verdammte Aes Sedai! Verdammte, verfluchte Wirtinnen!
»Frau Anan«, sagte er vorsichtig, »so wie ich von Ebou Dar wegkommen will, ist da nicht viel Platz für andere.« Er hatte ihr noch nicht von Lucas Wanderzirkus berichtet. Schließlich bestand die Möglichkeit, dass er den Mann doch nicht überzeugen konnte. Und je mehr Leute Luca mitnehmen musste, desto schwerer würde er zu überzeugen sein. »Kehrt zurück, sobald wir außerhalb der Stadt sind. Wenn Ihr sie verlassen müsst, nehmt eines der Fischerboote Eures Mannes. Aber ich rate Euch, ein paar Tage zu warten. Vielleicht eine Woche. Sobald die Seanchaner entdecken, dass zwei Damane fehlen, werden sie sich auf jeden stürzen, der die Stadt verlassen will.«
»Zwei?«, sagte Joline in scharfem Tonfall. »Teslyn und wer noch?«
Mat verzog das Gesicht. Das hatte er nicht preisgeben wollen. Er hatte Joline so weit, und bei ihr fielen einem als allererstes Worte wie launisch, halsstarrig und verwöhnt ein. Alles, was sie auf den Gedanken bringen konnte, dass die Sache schwieriger und Ungewisser werden könnte, würde sie möglicherweise dazu bringen, einen eigenen hirnverbrannten Plan auszubrüten. Etwas, das seine Pläne zweifellos zum Scheitern verurteilte. Wenn sie allein zu flüchten versuchte, würde man sie zweifellos gefangen nehmen, und sie würde kämpfen. Und sobald die Seanchaner erfuhren, dass eine Aes Sedai direkt unter ihrer Nase in der Stadt gewesen war, würden sie die Suche nach Marath'damane wieder ausweiten, die Straßenpatrouillen noch mehr verstärken, als sie es bereits wegen des »verrückten Mörders« getan hatten, und, was das Schlimmste sein würde, es noch schwieriger machen, durch die Stadttore zu gelangen.
»Edesina Azzedin«, sagte er zögernd. »Ich weiß nicht mehr über sie.«
»Edesina«, wiederholte Joline langsam. Ein paar winzige Falten brachten ihre glatte Stirn in Unordnung. »Ich habe gehört, sie ...« Was auch immer sie gehört hatte, sie biss die Zähne zusammen und fixierte ihn mit einem wilden Blick. »Halten sie auch noch andere Schwestern fest? Wenn Teslyn freikommt, werde ich ihnen keine andere Schwester überlassen!«