Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]
- Автор: Виндж Вернор (Вернон) Стефан
- Серия: Qeng Ho (de) #2
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-87063-8
- Переводчик: Erik Simon
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]». Краткое содержание книги:
›Eine Tiefe am Himmel‹ wurde mit dem Hugo Gernsback Award und dem John W. Campbell Award als bester Roman des Jahres ausgezeichnet.
Der Flughafen von Weißenberg war ein Chaos. Es gab mehr Maschinen, mehr Charterflüge einzelner Unternehmen, mehr verrückte Bauarbeiten denn je zuvor. Chaos hin, Chaos her, General Schmid hatte das Problem schon gelöst: Eine Düsenmaschine war bereits für ihn abgestellt worden. Vikis Wagen waren befugt, direkt hinaus auf die militärische Seite des Flugplatzes zu fahren. Sie bewegten sich vorsichtig die zugewiesenen Fahrbahnen entlang bis unter die Maschine, die als Taxi dienen sollte. Die Ausweich-Rollbahnen waren von Bauarbeiten aufgerissen, eine kraterähnliche Grube alle dreißig Meter. Ende des Jahres würden alle Versorgungsmaßnahmen ausgeführt werden, ohne dass jemand an die Oberfläche kam. Letzten Endes würden diese Anlagen neue Typen von Flugmaschinen unterstützen müssen, und das in einer Kälte, bei der die Luft gefror.
Viki setzte ihn bei seiner Maschine ab. Sie hatte nicht gesagt, wohin sie diesen Abend unterwegs waren. Unnerbei fand das angenehm. So fremd ihr ihre gegenwärtige Situation auch sein mochte, so wusste sie doch wenigstens den Mund zu halten.
Sie folgte ihm hinaus in den Frost. Es wehte kein Wind, also riskierte er es, ohne den Lufterhitzer zu gehen. Jeder Atemzug brannte. Es war so kalt, dass er Wolken von Reif um die ungeschützten Gelenke seiner Hände sah.
Vielleicht war Viki zu jung und zu stark, um es zu bemerken. Sie marschierte die zehn Meter bis zu seinem Flugzeug und redete pausenlos. Wären da nicht all die düsteren Omen gewesen, die dieser Besuch zum Vorschein gebracht hatte, wäre es eine ungetrübte Freude gewesen, Viki zu sehen. Selbst als Unzeitlerin hatte sie sich so schön entwickelt, eine wunderbare Verkörperung ihrer Mutter — wobei Schmids Schärfe von dem gemildert wurde, was Scherkaner zu seinen besten Zeiten gewesen war. Verdammt, vielleicht lag es teilweise daran, dass sie außer der Zeit war. Der Gedanke ließ ihn beinahe mitten auf der Rollbahn innehalten. Aber ja, Viki hatte ihr ganzes Leben außerhalb des normalen Rhythmus verbracht, die Dinge aus einem neuen Blickwinkel gesehen. Auf eine sonderbare Weise schrumpften, wenn er sie betrachtete, alle seine Bedenken über die Zukunft.
Viki trat beiseite, als sie den Wetterschutz bei seinem Flugzeug erreichten. Sie straffte sich und salutierte zackig. Unnerbei erwiderte die Geste. Und dann sah er ihr Namensschild.
»Was für ein interessanter Name, Leutnant. Kein Beruf, keine längst aufgegebene Tiefe. Wo…?«
»Nun, keiner von meinen Eltern ist ein Schmied. Und niemand weiß, von welchem ›Unterberg‹ Papas Familie herstammen könnte. Aber wenn du hinter dich schaust…« Sie zeigte.
Hinter ihnen erstreckten sich Hunderte von Metern Flächen und Bauten, bis hin zum Flughafengebäude. Aber Viki zeigte höher, über das Flachland des Flusstales hinaus. Die Lichter von Weißenberg wölbten sich zum Horizont hin, von glitzernden Türmen bis zu den Vorstadthügeln.
»Schau ungefähr fünf Grad rechts hinten neben dem Rundfunkturm. Sogar von hier aus kann man es sehen.« Sie zeigte zum Unterberg-Haus. Es war das hellste Ding in dieser Richtung, ein Turm von Licht in allen Farben, die moderne Fluoreszenzlampen hervorbringen konnten.
»Papa hat gut geplant. Wir mussten an dem Haus fast nichts ändern. Selbst wenn die Luft gefroren ist, wird sein Licht noch dort oben auf dem Hügel sein. Du weißt, was Papa sagt: Wir können hinab und nach innen gehen — oder auf den Höhen stehen und hinausgreifen. Ich bin froh, dass ich dort aufgewachsen bin, und ich möchte, dass dieser Ort mein Name ist.«
Sie hob ihr Schild an, sodass es im Lichte der Flugzeugscheinwerfer funkelte. LEUTNANT VIKTORIA LICHTBERG. »Keine Sorge, Feldwebel. Was du und Papa und Mutter begonnen haben, wird lange Zeit halten.«
Sechsundvierzig
Belga Untersiedel hatte das Landeskommando allmählich etwas satt. Sie schien fast zehn Prozent der Zeit hier unten zu sein — und es wäre viel mehr, würde sie nicht ausgiebig die Telekommunikation nutzen. Oberst Untersiedel war seit 60//15 die Chefin des Landesschutzes und des Inlands-Geheimdienstes, über die Hälfte der vergangenen Hellzeit. Es war eine Binsenweisheit — zumindest in der neuen Zeit —, dass mit dem Ende der Helle die blutigsten Kriege begannen. Sie hatte erwartet, dass es hart zugehen würde, aber doch nicht so.
Untersiedel kam früh zur Stabsbesprechung. Sie war nervös wegen dessen, was sie vorhatte; sie hatte nicht die Absicht, die Chefin zu verärgern, aber genau danach konnte ihr Antrag aussehen. Rachner Thrakt war schon da und bereitete seinen eigenen Auftritt vor. Körnige Aufklärungsfotos in Zehn-Farben-Technik wurden an die Wand hinter ihm projiziert. Anscheinend hatte er weitere Startrampen der Südländer gefunden — weitere Indizien für die Unterstützung der Sinnesgleichen für ›die potenziellen Opfer der Heimtücke von Einklang‹. Thrakt nickte zivil, als sie und ihre Adjutanten sich setzten. Es hatte immer Reibereien zwischen dem Landesschutz und dem Auslandsdienst gegeben. Die Außenleute spielten nach Regeln, die für Inlands-Operationen inakzeptabel waren, doch sie fanden immer Ausreden, wenn sie sich einmischten. In den letzten paar Jahren waren die Beziehungen zwischen Thrakt und Untersiedel besonders angespannt gewesen. Seit Thrakt die Sache in Südland vermasselt hatte, war viel leichter mit ihm umzugehen. Sogar der Weltuntergang hat ein paar kurzfristige Vorteile, dachte Belga missmutig.
Untersiedel blätterte durch die Tagesordnung. Gott, diese verrückten Ablenkungen. Oder vielleicht nicht: »Was halten Sie von diesen hoch fliegenden Phantomen?« Die Frage sollte keinen Streit einleiten; in Sachen Luftverteidigung dürfte Thrakt keine Probleme haben.
Thrakts Hände zuckten heftig und wegwerfend. »Nach all dem Geschrei hat die Luftverteidigung gerade mal drei Sichtungen gemeldet. ›Sichtungen‹ nennt sich das! Selbst jetzt, da wir über die Antigravitations-Fähigkeiten der Sinnesgleichen Bescheid wissen, können sie die Kupps immer noch nicht richtig lokalisieren. Jetzt behauptet der LV-Direktor, die Sinnesgleichen hätten eine Startbasis, von der ich nichts weiß. Sie wissen, dass die Chefin nicht locker lassen wird, dass ich sie finde… Verdammt!« Untersiedel konnte nicht sagen, ob das eine Wort die Zusammenfassung seiner Antwort war oder ob er gerade etwas Widerwärtiges in seinen Notizen entdeckt hatte. So oder so, Thrakt hatte ihr nichts mehr zu sagen.
Die anderen trudelten jetzt ein: Luftverteidigungs-Direktor Schachtweg (er nahm auf einem Gitter weit von Rachner Thrakt entfernt Platz), der Direktor für Raketenangriffe, der Direktor für Öffentlichkeitsarbeit. Die Chefin selbst trat ein, fast unmittelbar gefolgt von der Königlich Geheimen Finanzministerin.
General Schmid eröffnete die Versammlung und begrüßte die Finanzministerin förmlich. Auf dem Papier war Ministerin Nishnimor ihre einzige Vorgesetzte außer dem König selbst. In Wahrheit war Amberdon Nishnimor eine alte Freundin von Schmid.
Die Phantome standen als Erste auf der Tagesordnung, und es lief ungefähr so, wie Rachner Thrakt vorhergesagt hatte. Die Luftverteidigung hatte weiter an den drei Sichtungen gearbeitet. Schachtwegs letzte Computeranalyse bestätigte, dass es Satelliten der Sinnesgleichen waren, entweder kurze Aufklärungsflüge oder vielleicht sogar Tests eines lenkbaren Antigravitations-Projektils. Jedenfalls war keins davon zweimal gesichtet worden. Und keins war von einer der bekannten Startrampen gestartet worden. Der Direktor der Luftverteidigung wurde sehr nachdrücklich, was die Notwendigkeit kompetenter Bodenaufklärung auf dem Territorium der Sinnesgleichen anging. Wenn der Feind mobile Startanlagen hatte, war es unerlässlich, mehr über sie zu erfahren. Untersiedel erwartete halb, Thrakt würde explodieren angesichts der Implikation, seine Leute hätten abermals versagt, doch der Oberst schluckte den Sarkasmus des LV-Direktors und die erwarteten Befehle von General Schmid mit leidenschaftsloser Höflichkeit. Thrakt wusste, dass dies sein geringstes Problem war; der letzte Punkt auf der heutigen Tagesordnung würde die wahre Heimsuchung für ihn sein.