Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]
- Автор: Виндж Вернор (Вернон) Стефан
- Серия: Qeng Ho (de) #2
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-87063-8
- Переводчик: Erik Simon
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]». Краткое содержание книги:
›Eine Tiefe am Himmel‹ wurde mit dem Hugo Gernsback Award und dem John W. Campbell Award als bester Roman des Jahres ausgezeichnet.
Doch Anne Reynolt war unbeirrbar. »Jemand manipuliert unsere Systeme, Hülsenmeister, sowohl die Orter als auch die Blitzköpfe. Die Indizien sind über große Muster hinweg verstreut; es ist nichts, was ich in Worte fassen könnte. Aber er wird aggressiver… und bin sehr nahe dran, ihn festzunageln, vielleicht so nahe, wie ich es war, als er mich erwischte.«
Anne hatte die Erklärung, ein dummer Fehler habe ihr das Gedächtnis gelöscht, nie akzeptiert. Doch ihr Fokus war tatsächlich falsch abgestimmt gewesen, und sei es so geringfügig, dass es ihren eigenen Überprüfungen entgangen war. Wie paranoid sollte ich denn nun sein? Anne hatte Ritser vom Verdacht in dieser Affäre befreit. »Er? Ihn?«
»Sie kennen die Liste der Verdächtigen. Pham Trinli steht immer noch obenan. Im Laufe der Jahre hat er meine Techniker ausgequetscht. Und er war es, der uns das Geheimnis der Dschöng-Ho-Orter gegeben hat.«
»Aber Sie hatten zwanzig Jahre Zeit, sie zu untersuchen.«
Anne runzelte die Stirn. »Das Ensembleverhalten ist extrem komplex, und es gibt Fragen, die die physikalische Ebene betreffen. Geben Sie mir noch drei oder vier Jahre.«
Er warf Ritser einen Blick zu. »Meinung?«
Der Zweite Hülsenmeister grinste. »Das haben wir alles schon durch, Hülsenmeister. Trinli ist nützlich, und wir haben ihn in der Hand. Er ist ein heimtückischer Fuchs, aber er ist unser Fuchs.«
Richtig. Trinli hatte bei den Aufsteigern viel zu gewinnen und noch mehr zu verlieren, wenn die Dschöng Ho jemals von seiner Verräterrolle in der Vergangenheit erfuhr. Wache für Wache hatte der alte Mann jede Probe Naus bestanden und war dabei immer nützlicher geworden. Im Rückblick war der Busche immer genau so schlau gewesen, wie er sein musste. Das war natürlich das stärkste Indiz gegen ihn. Eiter und Pest. »In Ordnung, Ritser, ich möchte, dass Sie und Anne die Vorbereitungen treffen, damit wir bei Trinli und Vinh im Handumdrehen die Stecker ziehen können. Jau Xin werden wir auf alle Fälle am Leben erhalten müssen — aber wir haben Rita, um ihn bei der Stange zu halten.«
»Was ist mit Qiwi Lisolet, Hülsenmeister?« Ritsers Gesicht war ausdruckslos, doch der Hülsenmeister wusste, dass direkt unter der Oberfläche ein kleines Grinsen lauerte.
»Ah… ich bin sicher, dass Qiwi es herausfinden wird; vielleicht müssen wir sie bis zum kritischen Punkt ein paarmal blank schrubben.« Aber mit etwas Glück könnte sie sich ganz am Schluss als nützlich erweisen. »Gut. Das sind unsere speziellen Problemfälle, aber wenn wir Pech haben, könnte fast jeder auf die Wahrheit stoßen. Überwachung und Eingreifbereitschaft müssen auf höchstem Niveau sein.« Er nickte seinem Vize-Hülsenmeister zu. »Das wird harte Arbeit, das nächste Jahr. Die Krämer sind fähige, engagierte Leute. Wir werden sie im Dienst brauchen, bis die Aktion beginnt — und viele von ihnen danach. Die einzige Pause kann während der Machtübernahme selbst eintreten. Es ist plausibel, dass wir sie dann einfach nur zuschauen lassen.«
»Und ihnen bei der Gelegenheit die Geschichte von unseren edlen Bemühungen auftischen, den Völkermord zu begrenzen.« Ritser lächelte, von der Herausforderung angetan. »Das gefällt mir.«
Sie verfassten den allgemeinen Plan. Anne und ihre Blitzköpfe würden die Einzelheiten ausarbeiten. Ritser hatte Recht: Das würde heikler werden als die Sache mit Diem. Andererseits, wenn sie den Schwindel auch nur bis zur Machtübernahme aufrechterhalten konnten…, würde es vielleicht genügen. Wenn er erst einmal die Arachna unter Kontrolle hatte, konnte er unter Spinnen und Dschöng Ho auswählen, die Besten von beiden Welten. Und den Rest abschreiben. Die Aussicht war eine kühle Oase am Ende seiner langen, langen Reise.
Fünfundvierzig
Wieder war das Dunkel über sie gekommen. Fast spürte Hrunkner das Gewicht traditioneller Werte auf seinen Schultern. Für die Trads — und im tiefsten Inneren würde er immer einer sein — gab es eine Zeit, um geboren zu werden, und eine Zeit zu sterben; die Wirklichkeit lief in Zyklen ab. Und der größte Zyklus war der Sonnenzyklus.
Hrunkner hatte nun zwei Sonnen erlebt. Er war ein alter Kupp. Als das Dunkel voriges Mal gekommen war, war er jung gewesen. Es war ein Weltkrieg im Gange gewesen, und ernster Zweifel hatte bestanden, ob sein Land überleben würde. Und diesmal? Es gab kleinere Kriege überall auf dem Globus. Doch der große hatte sich nicht ereignet. Wenn er kam, wäre Hrunkner zum Teil verantwortlich. Und wenn nicht — nun ja, er dachte gern, dass er auch dafür zum Teil verantwortlich wäre.
So oder so, die Zyklen waren für immer zerbrochen. Hrunkner nickte dem Korporal zu, der ihm die Tür offenhielt. Er trat auf reifbedeckte Steinplatten hinaus. Er trug dicke Stiefel, Überhänge und Ärmel. Die Kälte nagte an seinen Handspitzen, verbrannte seine Atemwege sogar noch hinter dem Atemwärmer. Die Reihe der Hügel von Weißenberg hielt den schlimmsten Schnee fern; das und die tiefe Anlegestelle am Fluss waren die Gründe, warum die Stadt Zyklus um Zyklus immer wieder neu erstanden war. Doch es war ein später Nachmittag im Sommer — und man musste suchen, um die trübe Scheibe zu finden, die die Sonne war. Die Welt war über die sanfte Freundlichkeit der Jahre des Schwindens hinaus, sogar über das Frühdunkel. Sie stand am Rande des thermischen Zusammenbruchs, da abklingende Stürme immer um und um wehen würden, das letzte Wasser aus der Luft pressen und Zeiten den Weg bahnen, die viel kälter sein würden, bis hin zur endgültigen Ruhe.
In früheren Generationen wären alle außer Soldaten mittlerweile in ihren Tiefen. Selbst in seiner Generation, im Großen Krieg, kämpften nur die zähesten Tunnelkrieger so weit im Dunkel. Diesmal — nun ja, es gab eine Menge Soldaten. Hrunkner hatte seine eigene militärische Eskorte. Und sogar die Sicherheitskupps beim Haus Unterbergs trugen heutzutage Uniform. Doch das waren keine Beschützer, die gegen Raubtiere des Zyklusendes auf Wacht standen. Weißenberg floss über vor Leuten. Die neuen Dunkelzeithäuser waren überfüllt. Die Stadt war geschäftiger, als Unnerbei sie jemals gesehen hatte.
Und die Stimmung? Furcht am Rande der Panik, sprühende Begeisterung, oft bei denselben Leuten. Die Geschäfte florierten. Erst vor zwei Tagen hatte Wohlstand Software eine Kontrollmehrheit an der Bank von Weißenberg erworben. Zweifellos hatte dieser Coup die finanziellen Reserven von Wohlstand erschöpft und sie in ein Geschäft gebracht, in dem sich die Software-Leute nicht auskannten. Es war irrwitzig — und sehr im Geist der Zeit.
Hrunkners Wachen mussten sich am Eingang zum Berghaus den Weg durch die Menge bahnen. Selbst jenseits der Grenzen des Anwesens gab es Reporter, deren kleine Vierfarben-Kameras an Heliumballons hingen. Sie konnten nicht wissen, wer Hrunkner war, aber sie sahen die Wachen und die Richtung, in die er ging.
»Bitte, können Sie uns sagen…«
»Hat Südland mit einem Präventivschlag gedroht?« Dieser zog an seiner Ballonschnur die Kamera herab, bis sie direkt über Hrunkners Augen hing.
Unnerbei hob die Vorderarme zu einem kunstvollen Zucken. »Woher soll ich das wissen? Ich bin bloß ein lumpiger Feldwebel.« Er war tatsächlich immer noch Feldwebel, doch der Dienstgrad spielte keine Rolle. Unnerbei war einer von jenen Kupps ohne besonderen Rang, die ganze Militärbürokratien nach ihrer Pfeife tanzen ließen. Als junger Bursche hatte er sich vor solchen in Acht genommen. Sie waren ihm so fern wie der König selber vorgekommen. Jetzt… jetzt hatte er so viel zu tun, dass sogar ein Besuch bei einem Freund nach Minuten kalkuliert werden musste, abgewogen gegen die Zeitpläne auf Leben und Tod, die er einhalten musste.