Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]
- Автор: Виндж Вернор (Вернон) Стефан
- Серия: Qeng Ho (de) #2
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-87063-8
- Переводчик: Erik Simon
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]». Краткое содержание книги:
›Eine Tiefe am Himmel‹ wurde mit dem Hugo Gernsback Award und dem John W. Campbell Award als bester Roman des Jahres ausgezeichnet.
Doch jetzt würde er in ein paar Sekunden zu sehen bekommen, wie die Monster aus menschlicher Sicht aussahen.
Es war keine Bewegung zu sehen. Wenn das ein Fahrstuhl war, dann fuhren sie tief hinab. Das war plausibel, wenn man bedachte, wie das Wetter am Südpol war. »Werden wir das Signal einbüßen?«
Reynolt antwortete nicht gleich. »Ich weiß nicht. Melin versucht gerade, in diesem Fahrstuhlschacht Relaissender anzubringen. Ich mache mir größere Sorgen, dass es entdeckt wird. Selbst wenn die Selbstvernichtungsauslöser funktionieren…«
Brughel lachte. »Na und? Siehst du denn nicht, Reynolt? Es sind keine vier Tage mehr, dass wir das alles einsacken.«
»Der Einklang gerät allmählich in Panik. Sie haben eben einen führenden Verwalter geschasst. Ich habe Berichte von Besprechungen, die zeigen, dass Viktoria Schmid jetzt eine Korruption des Datennetzes vermutet.«
»Ihre Geheimdienst-Chefin?« Die Nachricht ließ Brughel für einen Augenblick stutzen. Das musste vor ganz kurzer Zeit passiert sein. Trotzdem: »Ihnen bleiben keine vier Tage. Was können sie schon tun?«
Reynolts Blick war steinern wie üblich. »Sie könnten ihr Netz in Teile zerlegen, es vielleicht überhaupt nicht mehr benutzen. Das würde uns Einhalt gebieten.«
»Und dafür sorgen, dass sie den Krieg gegen die Sinnesgleichen verlieren.«
»Ja. Es sei denn, sie könnten den Sinnesgleichen stichhaltige Beweise für ›Ungeheuer aus dem Weltraum‹ liefern.«
Und das war verdammt unwahrscheinlich. Die Frau war besessen. Ritser lächelte ihr ins finstere Gesicht. Klar. So haben wir dich gemacht.
Die Türen des Fahrstuhls gingen auf. Die Kamera zeigte ihnen jetzt nur ein Bild pro Sekunde, und das mit niedriger Auflösung. Verdammt.
»Ja!« Das war Melin, dem irgendetwas gelungen war.
»Er hat einen Relaissender untergebracht.«
Plötzlich wurde das Bild scharf und glatt. Als die Spionsonde durch die Tür des Fahrstuhls kroch, richtete Melin ihre Augen eine unglaubliche Treppenflucht hinab, eigentlich eher eine Leiter. Wer weiß, wozu dieses Gebiet diente, vielleicht als Ladegarage? Vorerst verbarg sich die kleine Kamera in Ecken und blickte von dort auf die Spinnen. Anhand der Maßstabsleiste sah er, dass die Ungeheuer die erwartete Größe hatten. Ein ausgewachsenes Exemplar würde bis zu Brughels Oberschenkel reichen. Die Wesen waren in einer flachen Haltung weit über den Boden ausgebreitet, ganz wie auf den Bibliotheksbildern, die sie vor dem Wiederaufflammen geborgen hatten. Sie sahen kaum wie das geistige Bild aus, das die Blitzköpfe erzeugt hatten. Trugen sie Kleidung? Nicht wie Menschen. Die Ungeheuer waren in etwas eingehüllt, was wie Fahnen mit Knöpfen aussah. Große Tragetaschen hingen bei vielen zu beiden Seiten herab. Sie bewegten sich mit raschen, unheimlichen Rucken, wobei ihre klingenähnlichen Vorderbeine vor ihnen hin und her huschten. Es war eine Menge von ihnen hier, chitinschwarz mit Ausnahme der schlecht zueinander passenden Farben ihrer Kleidung. Auf ihren Köpfen glitzerte etwas wie große flache Edelsteine. Spinnenaugen. Und was den Mund der Spinnen betraf — da hatten die Übersetzer das passende Wort benutzt: Schlund. Eine zahnbewehrte Tiefe, umgeben von winzigen Klauen — war es das, was Bonsol & Co. ›Esshände‹ nannten? —, die in ständiger verworrener Bewegung zu sein schienen.
In dieser Masse waren die Spinnen ein größerer Albtraum, als er sich vorgestellt hatte, die Sorte, die man zerquetscht und zerquetscht und zerquetscht — und es kommen immer neue auf einen zu. Ritser schnappte nach Luft. Ein tröstlicher Gedanke war es, dass — wenn alles glatt ging — diese scheußlichen Ungeheuer in knapp vier Tagen alle tot sein würden.
Zum ersten Mal seit vierzig Jahren würde ein Sternenschiff durch das EinAus-System fliegen. Es würde ein sehr kurzer Satz sein, keine zwei Millionen Kilometer, nach zivilisierten Maßstäben kaum ein Wechsel des Anlegeplatzes. Es war so ziemlich das Beste, wozu irgendeins von den verbliebenen Sternenschiffen noch imstande war.
Jau Xin hatte die Flugvorbereitungen der Unsichtbare Hand überwacht. Die Hand war immer Ritser Brughels transportables Privatlehen gewesen, doch Jau wusste, dass sie auch das einzige Sternenschiff war, das im Laufe der Jahre nicht völlig ausgeschlachtet worden war.
An den Tagen, ehe ihre ›Passagiere‹ an Bord gingen, hatte Jau aus der L1-Raffinerie alles an Wasserstoff herausgequetscht. Es waren nur ein paar tausend Tonnen, ein Tröpfchen in den Millionen Tonnen fassenden Starttanks des Staustrahl-Triebwerks, aber genug, um sie über die Entfernung zwischen L1 und der Spinnenwelt zu bringen.
Jau und Pham Trinli führten die abschließende Inspektion der Triebwerksdüse des Sternenschiffes durch. Es war immer seltsam, die Enge von zwei Metern zu betrachten. Hier hatten Jahrzehnte lang die Kräfte der Hölle gebrannt und das Dschöng-Ho-Schiff bis auf dreißig Prozent der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Die innere Oberfläche war mikrometerglatt. Das einzige Anzeichen ihrer feurigen Vergangenheit was das Fraktalmuster von Gold und Silber, das im Schein ihrer Anzuglampen glitzerte. Es war das Mikronetz von Prozessoren hinter diesen Wänden, das eigentlich die Felder lenkte, doch wenn die Düsenwandung unterwegs Löcher bekam, würden nicht einmal die schnellsten Prozessoren im Universum sie retten. Wie üblich machte Trinli um seine lasermetrische Inspektion viel Aufhebens, dann äußerte er sich abfällig über die Ergebnisse. »Da sind neunzig Mikron Einbuchtung auf der Backbordseite — aber was soll’s? Man könnte hier seinen Namen in die Wände ritzen, und auf diesem Flug würde es keine Rolle spielen. Was hast du vor, ein paar hundert Kilosek bei einen Bruchteil von einem g?«
»Hm. Wir werden mit einem langen sanften Schub anfangen, aber bremsen werden wir tausend Sekunden bei etwa über einem g.« Das würden sie erst tun, wenn sie tief über offenem Ozean waren. Alles andere würde den Himmel der Arachna heller als die Sonne erleuchten, und jede Spinne auf dieser Seite des Planeten würde es sehen.
Trinli winkte lässig ab. »Mach dir deswegen keine Sorgen. Ich habe viele Male bei einem Flug im System mehr riskiert.« Sie krochen auf der Bugseite der Düse heraus; die glatte Oberfläche weitete sich zu der Stelle hin, wo die Vorder-Feldprojektoren begannen. Die ganze Zeit über fuhr Trinli mit seinen Lügengeschichten fort. Nein. Die meisten Geschichten konnten wahr sein, aber aus all den wirklichen Abenteurern zusammengestückelt, die der alte Mann jemals gekannt hatte. Trinli wusste durchaus einiges über Schiffstriebwerke. Die Tragödie war, dass sie niemanden hatten, der viel mehr wusste. Alle Flugingenieure der Dschöng Ho waren beim ersten Kampf umgekommen — und der letzte Blitzkopf-Ingenieur der Hülse war dem Ausbruch der Geistfäule zum Opfer gefallen.
Sie kamen aus dem Bugende der Hand und kletterten ein Haltetau entlang zu ihrem Taxi. Trinli hielt inne und wandte sich um. »Ich beneide dich, Jau, mein Junge. Schau dir dein Schiff an! Fast eine Million Tonnen Leergewicht! Du wirst nicht weit fliegen, aber du wirst die Hand zu dem Schatz und den Kunden bringen, die zu finden sie fünfzig Lichtjahre zurückgelegt hat.«
Jau folgte mit dem Blick der weit ausholenden Geste. Im Laufe der Jahre hatte Jau erkannt, dass Trinlis Theatralik eine Tarnung war… aber manchmal griff sie einem an die Seele. Die Unsichtbare Hand sah durchaus sternentüchtig aus, hundert Meter um hundert Meter gekrümmte Rumpfhülle, die sich in die Ferne erstreckte, stromlinienförmig für Geschwindigkeiten und eine Umwelt am Ende all dessen ausgelegt, was Menschen jemals erreicht hatten. Und hinter den Heckringen — anderthalb Millionen Kilometer entfernt — war fahl und trübe die Scheibe der Arachna zu erkennen. Ein Erstkontakt, und ich werde der Pilotenverwalter sein. Jau hätte stolz sein müssen…