Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]
- Автор: Виндж Вернор (Вернон) Стефан
- Серия: Qeng Ho (de) #2
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-87063-8
- Переводчик: Erik Simon
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]». Краткое содержание книги:
›Eine Tiefe am Himmel‹ wurde mit dem Hugo Gernsback Award und dem John W. Campbell Award als bester Roman des Jahres ausgezeichnet.
Nach einem Augenblick kehrte General Schmid zu ihrer Tagesordnung zurück. »… Wir haben noch einen Punkt zu besprechen. Es ist auch das kritischste Problem, mit dem wir konfrontiert sind. Oberst Thrakt, sagen Sie uns bitte etwas zur Lage in Südland.« Ihr Ton war höflich, fast mitfühlend. Nichtsdestoweniger kam da etwas auf den armen Thrakt zu.
Aber Thrakt zeigte harten Panzer. Er sprang von seinem Gitter auf und ging energisch zum Podium. »Frau Ministerin. Frau General.« Er nickte Nishnimor und der Chefin zu. »Wir glauben, dass sich die Situation in den letzten fünfzehn Stunden etwas stabilisiert hat.« Er zeigte die Aufklärungsbilder, die Belga ihn vor der Besprechung studieren hatte sehen. Ein großer Teil von Südland war in einem Sturmwirbel verdeckt, aber die Startrampen standen hoch in den Trockenen Bergen und waren überwiegend zu sehen. Thrakt tippte auf seine Bilder und analysierte die Versorgungslage. »Die Langstreckenraketen der Südländer benutzen Flüssigkeitstreibstoff, es sind sehr verletzliche Dinger. Ihr Parlament schien in den letzten paar Tagen wahnsinnig kriegslüstern zu sein — ihr ›Ultimatum für Kooperatives Überleben‹ zum Beispiel —, aber in Wahrheit glauben wir, dass höchstens ein Zehntel ihrer Raketen startbereit ist. Sie werden drei oder vier Tage brauchen, ehe sie alle Tanks voll haben.«
Belga: »Das sieht ziemlich dumm aus, was sie da machen.«
Thrakt nickte. »Aber vergessen Sie nicht, in ihrem parlamentarischen System lassen sich Entscheidungen schwerer treffen als bei uns oder auch den Sinnesgleichen. Diesen Leuten ist eingeredet worden, sie müssten entweder jetzt Krieg führen oder würden im Schlaf ermordet werden. Das Ultimatum ist vielleicht zum falschen Zeitpunkt gestellt worden, aber es war auch ein Versuch von manchen im Parlament, die Aussicht eines Krieges so beängstigend erscheinen zu lassen, dass ihre Kollegen einen Rückzieher machen.«
Der Direktor der Luftverteidigung: »Sie rechnen also damit, dass alles friedlich bleibt, bis sie mit dem Auftanken fertig sind?«
»Ja. Der Knackpunkt wird die Parlamentssitzung in Südende in vier Tagen sein. Dort werden sie unsere Antwort auf das Ultimatum behandeln — wenn wir eine gegeben haben.«
Der Hirni von der Öffentlichkeitsarbeit fragte: »Warum nicht einfach auf ihre Forderungen eingehen? Sie verlangen kein Territorium. Wir sind so stark, dass Nachgeben schwerlich einen Prestigeverlust bedeuten würde.«
Es folgte ein Rasseln des Unmuts rings um den Tisch. General Schmid antwortete mit Ausdrücken, die ein gut Teil milder waren, als der Frage angemessen gewesen wäre. »Leider ist es keine Prestigefrage. Das südländische Ultimatum verlangt von uns, mehrere von unseren Truppengattungen zu schwächen. Im Grunde bezweifle ich, dass die Südländer deswegen in ihren Tiefen einen Deut sicherer wären — aber es würde unsere Verwundbarkeit bei einem Erstschlag der Sinnesgleichen erhöhen.«
Tschesny Neudep, Direktor für Raketenangriffe: »In der Tat. Jetzt sind die Südländer einfach Marionetten der Sinnesgleichen. Pedure und ihre Blutsauger müssen glücklich sein. Egal, wie das ausgeht, sie gewinnen.«
»Vielleicht nicht«, sagte Ministerin Nishnimor. »Ich kenne viele von den führenden Südländern. Sie sind weder bösartig, noch wahnsinnig, noch unfähig. Wir sind hier zu einer Frage des Vertrauens gekommen. Der König ist bereit, zu dieser nächsten Parlamentssitzung der Südländer nach Südende zu reisen und für den Rest der Sitzungsperiode dort zu bleiben. Es ist schwer, sich einen größeren Vertrauensbeweis unsererseits vorzustellen — und ich denke, die Südländer werden es akzeptieren, egal, was Pedure möchte.«
Natürlich, dazu waren Könige da. Nichtsdestoweniger war das Angebot der Ministerin ein Schock, sogar ›Papa Megatod‹ Neudep schien betroffen zu sein. »Frau General… ich weiß, dass es in der Macht des Königs liegt, derlei zu tun, aber ich kann nicht zustimmen, dass dies eine Frage des Vertrauens sei. Gewiss, es gibt im Süden ehrenwerte Leute in hohen Positionen. Vor einem Jahr war das Südland fast ein Verbündeter. Wir hatten Sympathisanten in allen Ebenen der Regierung. Oberst Thrakt sagte uns, wir hätten dort — um es unverblümt zu sagen — Spione in einflussreichen Positionen. Andernfalls glaube ich nicht, dass General Schmid jemals das technische Wachstum von Südland gefördert hätte… Doch in weniger als einem Jahr scheinen wir all unsere Vorteile dort eingebüßt zu haben. Was ich jetzt sehe, ist ein gründlich von den Sinnesgleichen infiltrierter Staat. Selbst wenn die Mehrheit des Parlaments ehrenwert ist, spielt es keine Rolle.« Neudep ließ zwei Arme in Richtung auf Thrakt hin zucken. »Ihre Analyse, Oberst?«
Zeit für Schuldzuweisungen. Das war Teil von jeder der letzten Stabsbesprechungen gewesen, und jedes Mal war Thrakt stärker unter Beschuss geraten.
Thrakt deutete eine Verbeugung zu Megatod hin an. »Mein Herr, ihre Einschätzung ist im Allgemeinen korrekt, obwohl ich kaum eine Infiltration der südländischen Raketenstreitkräfte an sich feststellen kann. Wir hatten dort eine freundliche Regierung — und zwar eine, die, ich würde schwören, sorgfältig mit Agenten des Einklangs ›ausgestattet‹ war. Die Sinnesgleichen waren aktiv, aber wir hatten sie matt gesetzt. Dann haben wir Schritt für Schritt Boden verloren. Zuerst war es verpfuschte Überwachung, dann tödliche Unglücksfälle, dann Morde, die wir nicht schnell genug unterbinden konnten. In letzter Zeit hat es dort fingierte Kriminalprozesse gegeben… Unser Feind ist schlau.«
»Die Geehrte Pedure ist also ein Genie, wie uns noch nie eins begegnet ist?«, fragte der Direktor der Luftverteidigung mit triefendem Sarkasmus.
Thrakt schwieg einen Augenblick. Seine Esshände zuckten hin und her. Bei früheren Besprechungen war das der Punkt, wo er mit Statistiken und schönen neuen Projekten zum Gegenangriff überging. Jetzt aber schien etwas in ihm zu brechen. Belga Untersiedel hatte Thrakt immer als bürokratischen Feind betrachtet, seit die Kinder der Chefin entführt worden waren; doch nun schämte sie sich seinetwegen. Als Thrakt schließlich sprach, war seine Stimme ein zorniges Quieken. »Nein! Wissen Sie nicht, dass ich… dass ich Freunde habe sterben lassen; ich habe Freunde eingebüßt, weil ich ihnen zu sehr misstraute. Lange Zeit dachte ich, es müsse ein Agent der Sinnesgleichen in meiner Organisation sein. Ich teilte kritische Informationen mit immer weniger Leuten, nicht einmal mit meiner Vorgesetzten…« Er nickte zu General Schmid hin. »Am Ende sind uns Geheimnisse abgegriffen worden, die nur ich kannte und die ich mit meiner eigenen Verschlüsselungsapparatur übermittelte.«
Es folgte Schweigen, als sich die offensichtliche Konsequenz dieser Behauptungen in den Köpfen seiner Zuhörer verfestigte. Thrakts Aufmerksamkeit schien sich nach innen zu kehren, als kümmere es ihn nicht, dass andere ihn vielleicht für den Erzverräter hielten. Er fuhr ruhiger fort: »Soweit jemand paranoid sein kann, und das überall, so war ich es. Ich habe unterschiedliche Kommunikationswege verwendet, verschiedene Verschlüsselungen. Ich habe differenzierte Falschmeldungen benutzt… Und ich sage Ihnen, unser Feind ist mehr als nur irgendeine einzelne ›Geehrte Pedure‹. Irgendwie kehrt sich all unsere schlaue Wissenschaft gegen uns.«
»Unsinn!«, sagte die Luftverteidigung. »Meine Abteilung benutzt mehr von dem, was Sie ›schlaue Wissenschaft‹ nennen, und wir sind mit den Ergebnissen vollauf zufrieden. In kompetenten Händen sind Computer und Datennetze und Satellitenaufklärung unglaublich mächtige Werkzeuge. Sehen Sie doch nur, was unsere Tiefenanalyse aus den unidentifizierten Radarsichtungen gemacht hat. Gewiss, Datennetze können missbraucht werden. Aber wir sind Weltspitze in diesen Techniken. Und egal, was sonst kaputt sein kann, wir haben eine völlig robuste Verschlüsselungstechnik… Oder behaupten Sie, der Feind könne unsere Codes knacken?«