In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
»Ich plane, Gewicht von meinem Bein zu nehmen«, sagte Mat so beiläufig, wie er nur konnte. Noal schien harmlos zu sein. Harnan zufolge erzählte er vor dem Schlafengehen Geschichten, die er und die anderen Rotwaffen zu schlucken schienen, einschließlich der, in der es um einen Ort namens Shibouya ging, der angeblich jenseits der Aiel-Wüste lag und in dem Frauen, die die Macht lenken konnten, tätowierte Gesichter hatten, auf über dreihundert Verbrechen die Todesstrafe stand und unter den Bergen Riesen lebten, Männer, die noch größer als Ogier waren und ihre Gesichter auf den Bäuchen hatten. Er behauptete, dort gewesen zu sein. Niemand, der derartige Behauptungen in die Welt setzte, konnte etwas anderes als harmlos sein. Andererseits, als Mat ihm das eine Mal zugesehen hatte, wie er die langen Dolche benutzte, die er unter dem Mantel trug, war er ihm alles andere als harmlos erschienen. Es gab eine gewisse Art und Weise, wie ein Mann eine Waffe hielt, die besagte, dass er daran gewöhnt war, sie zu benutzen. »Falls ich mich dazu entscheide, etwas anderes zu tun, werde ich an Euch denken.«
Noch immer lächelnd tippte sich Noal mit einem jener verkrümmten Finger an die Hakennase. »Ihr vertraut mir noch nicht. Das ist verständlich. Doch wenn ich Euch schaden wollte, dann hätte ich an jenem Abend in der Gasse einfach nur zusehen brauchen. Ihr habt jenes Glitzern im Auge. Ich habe große Männer gesehen, wie sie ihre Pläne schmiedeten, und auch Schurken so finster wie der Pfühl des Verderbens. Ein Mann, der gefährliche Pläne schmiedet, die nicht bekannt werden sollen, hat einen ganz bestimmten Ausdruck.«
»Meine Augen sind nur müde«, erwiderte Mat lachend und stützte sich auf den Stab. Große Männer, die Pläne schmiedeten? Vermutlich hatte der alte Bursche sie in Shibouya gesehen, neben den Riesen. »Ihr wisst, dass ich Euch für Eure Hilfe in der Gasse dankbar bin. Wenn ich noch etwas für Euch tun kann, dann sagt es. Aber im Augenblick will ich nur ein heißes Bad finden.«
»Trinkt dieser Gholam eigentlich Blut?«, fragte Noal und ergriff Mats Arm, als dieser gerade loshinken wollte.
Licht, er wünschte, er hätte diesen Namen nicht vor dem Alten ausgesprochen. Er wünschte, Birgitte hätte ihm niemals von dem Ding erzählt. »Warum fragt Ihr?« Gholam lebten von Blut. Sie aßen nichts anderes.
»Vergangene Nacht wurde noch ein Mann mit herausgerissener Kehle gefunden, aber weder auf ihm noch auf seinem Bettzeug war viel Blut zu finden. Habe ich das erwähnt? Er übernachtete in einem Gasthof in der Nähe vom Moldine-Tor. Falls das Ding die Stadt verlassen hatte, dann ist es jetzt wieder da.« Er schaute an Mat vorbei und verbeugte sich übertrieben. »Falls Ihr Eure Meinung ändert, ich bin immer bereit«, sagte er in einem leiseren Tonfall, als er sich wieder aufrichtete.
Mat blickte über die Schulter, als der Alte davoneilte. Tuon stand unter einem der vergoldeten Kandelaber und musterte ihn durch den Schleier. Wenigstens blickte sie ihn diesmal an. Aber wie immer, wenn er sie entdeckte, wandte sie sich ab und rauschte den Korridor entlang; ihre weißen Faltenröcke raschelten leise. Heute begleitete sie niemand.
Mat erschauderte zum zweiten Mal an diesem Tag. Schade, dass das Mädchen Suroth und Tylin nicht begleitet hatte. Ein Mann, dem man einen Brotlaib gab, sollte sich nicht darüber beschweren, wenn ein paar Krümel fehlten, aber Aes Sedai und Seanchaner, Gholam, die ihn verfolgten, alte Männer, die ihre Nasen in seine Angelegenheiten steckten, und dürre Mädchen, die ihn anstarrten — all das hätte ausgereicht, um jedem Mann eine Gänsehaut zu bescheren. Vielleicht sollte er es sich noch einmal überlegen, bevor er Zeit damit verschwendete, sein Bein einzuweichen.
Er fühlte sich besser, nachdem er Lopin losgeschickt hatte, den Rest seiner Kleidung aus Beslans Spielzeugschrank zu holen. Und Nerim, um Juilin zu finden. Sein Bein schmerzte noch immer scheußlich und zitterte, wenn er gehen wollte, aber wenn er schon keine Zeit verschwenden wollte, dann konnte er es genauso gut auch jetzt angehen. Er wollte Ebou Dar vor Tylins Rückkehr verlassen und das gab ihm zehn Tage. Weniger, wenn er sichergehen wollte.
Als der Diebefänger seinen Kopf durch die Schlafzimmertür steckte, betrachtete sich Mat gerade in Tylins hohem Spiegel. Das rote Gewand war zusammen mit den anderen bunten Sachen, die sie ihm geschenkt hatte, im Schrank verstaut. Vielleicht konnte ja Tylins nächster Liebling sie gebrauchen. Er hatte den einfachsten Mantel angezogen, den er besaß, fein gewebte blaue Wolle ohne jede Verzierung. Die Art von Mantel, die ein Mann mit Stolz tragen konnte, ohne dass ihn jeder anstarrte. Ein anständiger Mantel.
»Vielleicht etwas Spitze«, murmelte er und fingerte an seinem Hemdkragen herum. »Ganz wenig.« Wenn man so darüber nachdachte, war es wirklich ein sehr einfacher Mantel. Fast schon schlicht.
»Ich verstehe nichts von Spitze«, sagte Juilin. »Hast du mich deshalb sprechen wollen?«
»Nein, natürlich nicht. Was gibt es da zu grinsen?« Der Kerl grinste nicht bloß; das Lächeln teilte sein dunkles Gesicht beinahe in zwei Hälften.
»Ich bin glücklich, das ist alles. Suroth ist weg und ich bin glücklich. Wenn du mich nicht über Spitze ausfragen wolltest, worum geht es dann?«
Blut und verdammte Asche! Die Frau, für die er sich interessierte, musste eine von Suroths Da'covale sein! Eine, die sie zurückgelassen hatte. Sonst hatte er nämlich keinen Grund, sich dafür zu interessieren, ob sie da war oder nicht, und erst recht keinen Grund, darüber glücklich zu sein. Und der Mann wollte sich etwas von ihrem Besitz nehmen! Nun, vielleicht war das ja gar nicht so schlimm, verglichen damit, ein paar Damane zu entführen.
Mat hinkte zu Juilin herüber, legte einen Arm um seine Schultern und führte ihn ins Wohnzimmer. »Ich brauche das Gewand einer Damane für eine Frau von etwa dieser Größe.« Er hielt eine Hand in Schulterhöhe hoch. »Eine schlanke Frau.« Er schenkte dem Burschen sein ehrlichstes Lächeln, aber Juilins Grinsen schwand merklich. »Und ich brauche drei Su/'dam-Gewänder und ein A'dam. Und mir kam der Gedanke, dass der Mann, der am besten weiß, wie man etwas stiehlt, ohne erwischt zu werden, ein Diebefänger sein musste.«
»Ich bin Diebefänger«, knurrte der Mann und schüttelte Mats Arm ab, »und kein Dieb!«
Mat ließ sein Grinsen ebenfalls verschwinden. »Juilin, du weißt, dass die einzige Möglichkeit, die Schwestern aus der Stadt zu bringen, darin besteht, die Wachen glauben zu machen, dass sie noch immer Damane sind. Teslyn und Edesina tragen, was sie dazu brauchen, aber wir müssen Joline verkleiden. Suroth wird in zehn Tagen wieder da sein, Juilin. Wenn wir bis dahin nicht verschwunden sind, wird deine Hübsche noch immer ihr gehören, wenn wir dann gehen.« Wenn sie bis dahin nicht weg waren, würde keiner von ihnen gehen, zumindest befürchtete er das. Licht, in dieser Stadt konnte sich ein Mann in seinen Räumen zu Tode zittern.
Juilin vergrub die Fäuste in den Taschen seines dunklen tairenischen Mantels und starrte ihn finster an. Das hieß, eigentlich starrte er durch ihn hindurch auf etwas, das dem Diebefänger in keiner Weise gefiel. Schließlich zog er eine Grimasse und murmelte: »Das wird nicht leicht sein.«
Tatsächlich waren die folgenden Tage alles andere als leicht. Die Dienerinnen lachten über seine neuen Kleider. Also seine alten Kleider. Sie grinsten und schlössen in seiner Hörweite Wetten darüber ab, wie schnell er sich bei Tylins Rückkehr wohl umziehen konnte; die meisten schienen zu glauben, er würde, sobald er von ihrer bevorstehenden Ankunft erfuhr, durch die Korridore laufen und sich die Kleider vom Leib reißen. Er ignorierte sie. Bis auf den Teil mit Tylins Rückkehr. Als eine Dienerin dies zum ersten Mal erwähnte, wäre er beinahe zusammengezuckt, weil er glaubte, sie wüsste mehr als er.