Himmel in Flammen
- Автор: Хеннен Бернхард
- Серия: Drachenelfen #5
- Год: 2016
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Himmel in Flammen». Краткое содержание книги:
Mit letzter Kraft flohen die Menschen aus dem ewigen Eis zurück in die südlicheren Gefilde Nangogs - besiegt und gedemütigt von den Kriegern der Daimonen. Erst als ein einzigartiger Wolkensammler mit einer mysteriösen Fracht über Volodis Palast vor Anker geht, schöpfen der Unsterbliche und sein bester Freund Aaron wieder Hoffnung. Es gibt eine Waffe gegen die scheinbar unbesiegbaren Drachen!
Doch auch die mächtigen Himmelsschlangen sind auf diese Waffe aufmerksam geworden. Während sie eine Armee von Zwergen in die Hafenstadt Asugar senden, um die Menschen endgültig zu schlagen, soll einer einzigen Drachenelfe, Nandalee, das Unmögliche gelingen: noch vor den Menschen die Waffe finden und bergen. Aber wird es Nachtatem, ihrem Herrn, wirklich gelingen, die Elfe noch einmal für seine Ziele in den Kampf zu schicken? Dieselbe Elfe, die ihm nahe kam wie niemand sonst und die zugleich sein Ende bedeuten könnte? Als aus dunklen Prophezeiungen Gewissheit wird, zeigt sich: Das Schicksal aller wird sich auf der magischen Welt Nangog entscheiden …
Hornbori war überzeugt, dass dieses ganze Schauspiel nur stattfand, damit Eikin über die nächtlichen Abenteuer in Kenntnis gesetzt werden konnte. Der Heermeister lächelte versonnen. Ganz gleich, was geschah, die Stunden mit Amalaswintha würde er nicht bereuen.
Der Blick durch den weiten Saal ließ ihn dann aber doch zweifeln. Hunderte Zwerge standen in langen Reihen. Alle in Rüstungen, als wollten sie gleich zum Kampf ausrücken. Am Ende des Saals, auf einer Bühne, saßen an einem langen Tisch elf Graubärte. Das mussten die Alten aus der Tiefe der elf größten Siedlungen sein. Und leicht rechts von ihnen stand eine Gruppe von sieben Elfen. Er ahnte, wer sie sein mussten.
Eine schmale Gasse führte durch das Heer der Krieger direkt zur Bühne. Hornbori hatte das Gefühl, dass jedes einzelne Augenpaar im Saal auf ihn gerichtet war. Ihm wurde übel. Der Tisch mit den Alten, das sah aus wie ein Tribunal. Waren sie ihm endlich auf die Schliche gekommen? War aufgeflogen, was für ein Feigling er in Wirklichkeit war?
Am liebsten hätte er sich umgedreht und wäre davongelaufen, aber hinter ihm standen Virfir und dessen Spießgesellen. Es war aussichtslos! Er konnte nicht entkommen. Dann würde er dieses Spiel zumindest mit Anstand hinter sich bringen.
Ihm zitterten die Beine, als er langsam der Bühne entgegenging. Die Masse der Gesichter verschwamm. Es war unglaublich heiß. Schweiß rann ihm in Sturzbächen den Rücken hinab.
Wie sahen ihn die Alten denn an? Als würden sie ihn fressen wollen. Die buschigen Augenbrauen zusammengekniffen, mit zornigem Blick. Hornbori wünschte sich, er hätte zum Frühstück nichts getrunken. Seine Blase schien ihm so voll, dass er sich jeden Augenblick einnässen konnte.
Endlich stand er am Ende des Spaliers vor der hohen Bühne. Er fühlte sich lächerlich klein.
Der Goldene trat aus der Gruppe und winkte ihm. »Hornbori von der Tiefen Stadt, komm zu uns herauf, damit dich ein jeder im Saal sehen kann.«
Er schluckte. Sein Mund war staubtrocken. Was war herausgekommen? Wie er seine Männer auf der Eisebene verraten hatte? Dass er den Meerwanderer nur aus Versehen getötet hatte? Dass er keineswegs der erste Angreifer in der Bresche der Stadtmauer von Weithall gewesen war? Dass die Kentauren ihre überaus erfolgreichen Raubzüge in der Messergras-Steppe nicht auf seinen Befehl hin, sondern aus Eigeninitiative ausführten? Sollten alle, mit denen er gekämpft hatte, nun sehen, wie er vernichtet wurde?
Etwas in den Worten des Goldenen übte einen unwiderstehlichen Zwang aus. Obwohl er das Gefühl hatte, seine Beine müssten jeden Augenblick unter ihm wegknicken, stieg er die schmalen Stufen zur Bühne herauf.
»Ich … ich kann alles erklären.« Seine Stimme war nur ein heiseres Flüstern.
Der Goldene schüttelte nur den Kopf. Die Zwergenfürsten betrachteten Hornbori mit versteinerten Mienen. Blanke Verachtung spiegelte sich in ihren Zügen. Hier also endete sein Traum, selbst einmal ein Fürst zu werden.
Die Hand des Goldenen legte sich schwer auf Hornboris Schulter. Der Zwerg brachte es nicht fertig, in das Meer der Gesichter vor der Bühne zu sehen. Er wusste, viele Männer dort unten kannten ihn aus den Feldzügen der vergangenen Jahre. Und die meisten von ihnen hatten ihm, gegen jede Vernunft, vertraut. Nun würde die Maske also fallen. Er wünschte sich, er wäre auf einem der vielen Schlachtfelder gefallen.
»Vor uns steht ein Zwerg, dessen Taten mich und meine Nestbrüder zutiefst aufgewühlt haben«, sagte der Goldene laut.
Hornbori überlegte, welche Strafe die Himmelsschlangen wohl für ihn ersonnen hatten. Auf einen schnellen Tod durfte er gewiss nicht hoffen.
»Kein Albenkind wurde je geboren, das diesem Zwerg gleich ist.«
Hornbori wäre am liebsten im Boden versunken. Er war also der größte entlarvte Betrüger aller Zeiten. Gut, dass seine Eltern in der Tiefen Stadt umgekommen waren, sonst hätte sie die Schande des heutigen Tages ins Grab gebracht.
»Vor uns steht der Krieger, der eine Devanthar getötet hat. Eine Göttin! Kann man größeren Waffenruhm erringen? Kaum dass meine Nestbrüder und ich ihn zum Heermeister berufen haben, erschlug er den Meerwanderer. Man muss dieses Ungeheuer gesehen haben, um zu ermessen, was dies heißt. Es war eine Bestie, groß wie ein Berg.« Der Goldene machte eine weite Geste zum Saal hinab. »Ich weiß, dort unten stehen Männer, die in der Schlacht um Asugar an Hornboris Seite gefochten haben. Männer, die diesem Schrecken ins Auge geblickt haben. In unzähligen Schlachten habt ihr mit dem Heermeister gekämpft. Auch wenn niemand immer siegen kann, so kann man keinem von euch vorwerfen, dass es den Zwergen Albenmarks an Tapferkeit mangelt. Ihr haltet die Schlachtlinie, wo alle anderen längst die Flucht ergriffen haben.«
Hornbori traute seinen Ohren kaum. Er war sich zwar nicht im Klaren, worauf das hier hinauslaufen sollte, aber es hörte sich nicht so an, als würde er verurteilt werden. Endlich wagte er es, die versammelten Zwerge anzusehen. Der Goldene hatte es geschafft, dass viele der Krieger breit grinsten. Kampferprobte Veteranen, die sonst für Drachen kein gutes Wort übrig hatten.
»Es ist längst an der Zeit, dass höchster Tapferkeit durch höchste Ehre Anerkennung gezollt wird. Deshalb haben wir beschlossen, den Heermeister Hornbori an diesem Tag zum Herrscher aller Tiefen auszurufen. Zum Herrscher aller Zwerge!«
Ein Raunen ging durch den weiten Amethystsaal. Hornbori war völlig überrumpelt. Er konnte es kaum fassen. Nun war ihm klar, warum die Zwergenfürsten ihn mit versteinerten Blicken angesehen hatten. Dieser Ehrung hatten sie ganz gewiss nicht freiwillig zugestimmt.
All seine Träume hatten sich in diesem Augenblick erfüllt. Ja, sie waren bei Weitem übertroffen worden! Er hatte der Fürst eines Berges werden wollen. Das war die höchste Würde, die ein Zwerg erreichen konnte. Der Alte in der Tiefe zu werden. Sie alle zu beherrschen, das hatte es bisher noch nie gegeben, und Hornbori spürte, wie die Stimmung auch unten im Saal umzuschlagen drohte. Er konnte das nicht annehmen. Jedenfalls nicht einfach so … Auch wenn er nichts mehr wollte.
»Ich bin überwältigt!«, rief er. Seine Stimme hatte zu ihrer alten Kraft zurückgefunden. »Doch kann ich diese Auszeichnung nicht annehmen.« In seinem Inneren nahm ein kühner Plan Gestalt an, und er breitete die Arme aus. »Wie könnte ich hier stehen und mich feiern lassen, wo ich weiß, dass in dieser Stunde zwei der tapfersten Zwerge meines Heeres eingekerkert sind, ohne dass sie sich etwas hätten zuschulden kommen lassen. Galar und Nyr, die seit Beginn des Feldzugs in jeder Schlacht gekämpft haben, wurden Opfer einer Intrige. Eikin, der Alte aus der Tiefe der Ehernen Hallen, will ihren Tod. Warum, weiß ich nicht, doch liegen die beiden zu Tode verwundet auf fauligem Stroh. Nicht einmal ein Tier würde man so wegsperren, wie Eikin es mit den Helden aus unserer Mitte getan hat. Wer je an meiner Seite gekämpft hat, wer ein Herz in seiner Brust trägt, das für die Gerechtigkeit schlägt, der folge mir nun, auf dass dem Unrecht ein Ende bereitet werde!«
Er sah, wie sich Eikin an der Tafel erhob. Der Alte aus der Tiefe durfte nicht sprechen! Wenn er den Himmelsschlangen verriet, warum er Galar und Nyr hatte beseitigen wollen, dann war alles verloren. Der Herrscher wusste um das Geheimnis der Drachentöterpfeile.
Hornbori sprang auf den Tisch, an dem die Zwergenfürsten saßen, und zog seine Axt. »Glaubst du, du kannst dich der Gerechtigkeit noch einmal in den Weg stellen?« Mit einem wuchtigen Hieb schlug er die flache Seite der Axt gegen Eikins Schläfe. Der alte Fürst fiel wie vom Blitz gefällt zu Boden.
»Befreien wir unsere Helden!«, rief Hornbori der Menge zu. Dann wandte er sich an die Zwergenfürsten, und diesmal war er es, der mit versteinerter Miene auf sie hinabsah. »Achtet mir auf Eikin. Wenn ich zurückkehre, werde ich über ihn zu Gericht sitzen.«