Die Geheimnisse von Paris
- Автор: Сю Эжен
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die Geheimnisse von Paris». Краткое содержание книги:
»O, nein Vater, es ist unmöglich, er liebt mich nicht so –« – »Ich sage dir, er liebt dich – er liebt dich bis zum Wahnsinn!« – »O, mein Gott, mein Gott!« – – »Höre mich an! Als ich jenen Scherz betreffs des Bildes machte, wußte ich nicht, daß Heinrich sobald seine Tante in Gerolstein besuchen würde. Als er kam, lud ich ihn ein, uns oft zu besuchen, denn mir war er von jeher wert wie ein Sohn gewesen. Nach einigen Tagen schon konnten Clemence und ich nicht mehr daran zweifeln, daß zwischen euch beiden sich ein Liebesverhältnis entspann. Wenn deine Lage schmerzlich war, so war die meine peinlich und heikel. Als Vater konnte mir Heinrichs Liebe zu dir, da ich seine vorzüglichen Eigenschaften kannte, nur lieb sein, denn ich hätte mir keinen würdigeren Gatten für dich erträumen können.«
»Erbarmen, mein Vater, Erbarmen!« – »Aber als Mann von Stand und Ehre muhte ich zugleich auch an die traurige Vergangenheit meines Kindes denken. Weit entfernt, Heinrich in seinen Wünschen entgegenzukommen, gab ich ihm, wenn wir miteinander sprachen, oft Ratschläge, die auf das gerade Gegenteil von dem, was er von mir vielleicht erwartet hätte, hinzielten. Er hätte danach fast denken müssen, daß ich nicht gesonnen sei, ihm die Hand meiner Tochter zu geben. Ich mußte in dieser heikeln Lage als Mann von Ehre und als Vater mich streng neutral verhalten, durfte Heinrichs Liebe nicht bestärken, mußte ihn aber auch ebenso freundlich wie zuvor behandeln. Du warst bisher so unglücklich gewesen, nun sah ich dich unter dem Einfluß dieser reinen, edlen Liebe aufleben – da wollte ich dir um keinen Preis diese schönen, seltnen Freuden rauben. Wenn ich auch vermutete, daß dieses Liebesband später getrennt werden müßte, so hättest du dann wenigstens einige Tage unschuldigen Glückes kennen gelernt. Hinwiederum konnte aber auch diese Liebe dir vielleicht Ruhe für alle Zeiten bescheren.«
»Ruhe für alle Zeiten?« – »Höre mich ganz an. Heinrichs Vater, Prinz Paul, schreibt eben an mich. Er hofft zwar nicht, daß ich meine Einwilligung zu diesem Bunde geben würde, bittet mich aber doch im Namen seines Sohnes, um deine Hand und erklärt dessen aufrichtigste, innigste Liebe zu dir.«
»O, mein Gott! mein Gott! wie glücklich hätte ich werden können!« rief Marienblume, das Gesicht in beiden Händen bergend. – »Mut, meine Tochter,« antwortete Rudolf. »Wenn du nur willst, kann dieses Glück dir immer noch werden.« – »Niemals! Haben Sie denn vergessen –?« – »Nichts habe ich vergessen. Wenn du morgen ins Kloster gehst, so verliere ich dich nicht nur auf immer, sondern auch du beginnst ein Leben voll Tränen und Trauer. Nun. wenn ich dich verlieren soll, so laß mich dich wenigstens glücklich verbunden sehen mit dem Manne, den du liebst und der dich vergöttert!«
»Mit ihm vermählt – ich mit ihm, Vater?« – »Ja, doch unter der Bedingung, daß ihr beide gleich nach der Trauung, die nur unter Murphs und Baron Grauns Zeugenschaft geschlossen werden soll, nach Italien abreist, um dort in einem stillen, abgelegenen Orte als Privatleute zu leben. Und weißt du, mein Kind, warum ich mich entschließe, dich von mir zu geben, warum ich verlange, daß Heinrich Rang und Titel mit seinem Weggang von Deutschland ablegen soll? Weil ich überzeugt bin, bei stillem, schmucklosem Leben wirst du mit der Zeit die verhaßte Vergangenheit vergessen können, die dir deshalb so schmerzlich ist, weil sie zu den Huldigungen und der Pracht, die dich hier umgeben, in so grellem Kontrast steht. »
»Rudolf hat recht,« sagte Clemence. »Wenn Sie mit Heinrich und Ihrem Glück allein sind, mein Kind, werden Sie bald nicht mehr an Ihre früheren Leiden zurückdenken.« – »Und da es unmöglich sein wird, lange ohne dich zu leben, mein Kind, so werden Clemence und ich dich alljährlich einmal besuchen.«
»Und wenn eines Tages, armes Kind, die Wunden, an denen Sie so leiden, vernarbt sind, wenn Sie im Glück Vergessenheit gefunden haben –« – »Vergessenheit im Glück?« murmelte Marienblume, wie in Träumen versunken. – »Gewiß, mein Kind,« fuhr Clemence fort, »wenn Sie täglich allein sind mit dem Manne, der sie segnet, anbetet und liebt – da werden Sie keine Zeit mehr haben, an die Vergangenheit zu denken – und selbst wenn Sie ihrer noch einmal gedenken, wie könnten Sie sich dadurch dann noch betrüben lassen? wie könnten Sie dann noch an Ihrem und Ihres Gatten Glück zweifeln?« –
»Vater, Mutter!« rief Marienblume. »Mir sollte noch ein solches Glück beschieden sein?« – »Ja, mein geliebter Engel, und dann werden wir alle glücklich sein – und ich werde Heinrichs Vater gleich schreiben, daß ich in die Heirat willige,« sagte Rudolf und drückte Marienblume in unsäglicher Rührung an die Brust. »Beruhige dich, unsere Trennung wird nur zeitweilig sein. Die Ehe wird neue Pflichten für dich bringen, die deine Gedanken ablenken, und wenn du dann erst Mutter bist –«
»Ach!« rief Marienblume mit einem Schrei des Schmerzes. »Ich – Mutter? Nimmermehr! Ich bin dieses heiligen Namens unwert – ich müßte mich vor meinem Kinde zu Tode schämen, wenn es mich einmal nach meiner Jugend» Zeit fragte!« – »Was sagt sie?« rief Rudolf, bestürzt über diesen plötzlichen Rückfall in die kaum überwundene Verzweiflung. – »Ich – Mutter?« fuhr Marienblume fort, »ich – geliebt von einem reinen, unschuldigen Kindlein? Ich, die ich sonst verachtet war, sollte den keuschen Namen einer Mutter in den Schmutz ziehen? Elende Törin, die ich war, mich in solche Hoffnungen wiegen zu lassen!«
»Um Gottes willen, meine Tochter, so höre mich doch!«
Doch bleich und schön, in aller Majestät eines unheilbaren Jammers, richtete Marienblume sich auf und sprach: »Mein Vater, vergessen Sie nicht, daß Prinz Heinrich vor unserer Vermählung über meine ganze Vergangenheit aufgeklärt werden müßte.« – »Das habe ich auch nicht vergessen,« antwortete Rudolf, »er soll alles erfahren. Aber er wird auch erfahren, welches Verhängnis dich schuldlos in den Abgrund riß – er wird auch erfahren, wie heldenhaft du selber dich in deiner niedrigen Lage erhoben hast!«
»Und er wird fühlen,« setzte Clemence hinzu, indem sie Marienblume zärtlich in die Arme schloß, »daß, wenn ich Sie mit Stolz meine Tochter nenne, er Sie, ohne zu erröten, seine Gattin nennen darf!« –
»Und ich, meine Mutter,« antwortete Marienblume gefaßt, »liebe Prinz Heinrich viel zu sehr, als daß ich ihm eine Hand geben könnte, die die schmutzigsten Banditen von Paris berühren durften.«
Wenige Tage nach dieser schmerzlichen Szene war in der Amtszeitung von Gerolstein zu lesen:
»Gestern fand in der großherzoglichen Abtei von Sankt-Hermangild, in Gegenwart Seiner königlichen Hoheit des regierenden Großherzogs und des gesamten Hofes die feierliche Einkleidung Ihrer Hoheit der Prinzessin Amalie statt.
Das Gelübde des Noviziats wurde von den folgenden Herren: Karl Maximus, Erzbischof von Oppenheim, Hannibal Andreas, Fürsten von Delft, Bischof von Ceuta und apostolischem Nuntius entgegengenommen. Die Novize empfing den päpstlichen Segen.
Die Predigt hielt der ehrwürdige Reichsgraf, Peter von Asfeld, Domherr des Kapitels zu Köln. Er sprach über die Worte:
»Veni creator optime[Ich bin zu Dir gekommen [richtig: Komme], teuerster Schöpfer]«
Viertes Kapitel.
Das Gelübde
Rudolf an Clemence.
Gerolstein, am 18. Januar 1842.
Du beruhigst mich heute über den Gesundheitszustand Deines Vaters, meine Teuere, und läßt mich hoffen, daß Du Ende dieser Woche mit ihm hierherkommen wirst. Ich hatte ihm gleich gesagt, in dem, mitten im Walde gelegnen Schlosse Rosenberg würde er den Unbilden unsers rauhen Winters ausgesetzt sein. Allein seine Leidenschaft für die Jagd machte ihn taub gegen meine Vorstellungen. Ich bitte Dich, Clemence, verlaß mit Deinem Vater, sobald es sein Zustand erlaubt, diese wilde Gegend, in der es nur die abgehärteten, aber nun ausgestorbnen Germanen der Urzeit aushalten konnten.