In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Die Männer waren nicht so schlimm, wenn man davon absah, dass sie es wussten, und sie ivusste, dass sie es wussten, aber die Frauen machten sich nicht die Mühe, es zu verbergen. Ob sie es akzeptierten oder verurteilten, die eine Hälfte sah sie an, als wäre sie ein leichtes Mädchen, während die andere Hälfte es nachdenklich tat. Sie zwang sich, den Haferbrei herunterzuschlucken — eigentlich war er gar nicht so übel, aber sie hätte wirklich gern etwas von dem Schinken gehabt, den Aviendha aufschnitt, oder von den Eiern mit Pflaumen —, löffelte Haferbrei in den Mund und freute sich fast schon auf die morgendliche Übelkeit, damit sie ihren aufgewühlten Magen mit Birgitte teilen konnte.
Der erste Besucher, der an diesem Morgen ihre Gemächer besuchte, war unter den Frauen des Palasts der aussichtsreichste Kandidat für die Vaterschaft ihres gerade empfangenen Kindes.
»Meine Königin«, sagte Hauptmann Mellar und zog den mit einer Feder geschmückten Hut schwungvoll vom Kopf und verbeugte sich anmutig. »Der Erste Schreiber erwartet das Vergnügen der Gesellschaft Eurer Majestät.« Die dunklen Augen des Hauptmanns, die nie zu blinzeln schienen, verkündeten, dass er niemals Träume von den Männern haben würde, die er tötete, und die mit Spitze gesäumte Schärpe quer über seiner Brust und die Spitze an Kragen und Ärmeln ließ ihn nur noch härter aussehen. Aviendha wischte sich mit der Serviette Fett vom Kinn und betrachtete ihn ausdruckslos. Die beiden Gardistinnen zu beiden Seiten der Tür verzogen kaum merklich das Gesicht. Mellar hatte bereits den Ruf, Gardistinnen in den Hintern zu kneifen, zumindest die hübscheren unter ihnen, ganz zu schweigen davon, dass er sich in den Schenken der Stadt über ihre Fähigkeiten verächtlich machte. In den Augen der Gardistinnen war Letzteres viel schlimmer.
»Ich bin noch nicht die Königin, Hauptmann«, sagte Elayne kurz angebunden. Sie versuchte, sich bei dem Mann immer so kurz wie möglich zu fassen. »Wie geht es mit der Rekrutierung meiner Leibwache voran?«
»Bis jetzt sind es nur zweiunddreißig, meine Lady.« Den Hut noch immer in den Händen, legte der scharf gesichtige Mann beide Hände auf den Schwertgriff; seine lässige Haltung war kaum passend in der Gegenwart der Frau, die er seine Königin genannt hatte. Genauso wenig wie sein Grinsen. »Lady Birgitte hat strenge Anforderungen. Nicht viele Frauen erfüllen sie. Gebt mir zehn Tage und ich finde hundert Männer, die besser sind und Euch genauso in ihren Herzen bewahren, wie ich das tue.«
»Ich glaube nicht, Hauptmann Mellar.« Es kostete sie Mühe, nicht kühl zu klingen. Er musste die Gerüchte gehört haben, die über sie und ihn im Umlauf waren. Konnte er glauben, dass sie, nur weil sie sie nicht bestritten hatte, ihn tatsächlich attraktiv fand? Sie schob die zur Hälfte geleerte Schüssel mit Haferbrei von sich und unterdrückte einen Schauder. Zweiunddreißig, bis jetzt? Die Zahlen wuchsen schnell. Einige der Jäger des Horns, die einen Rang verlangt hatten, waren zu dem Schluss gekommen, dass der Dienst in Elaynes Leibwache einen gewissen Reiz hatte. Sie sah ein, dass die Frauen nicht Tag und Nacht Dienst schieben konnten, aber ganz egal, was Birgitte sagte, das Ziel von einhundert erschien übertrieben. Doch schon die Andeutung, dass auch weniger reichten, ließ die Frau stur reagieren. »Bitte sagt dem Ersten Sekretär, ich lasse bitten«, sagte sie. Er schenkte ihr eine weitere schwungvolle Verbeugung.
Sie stand auf, um ihm zu folgen, und als er einen der mit einem geschnitzten Löwen verzierten Türflügel öffnete, legte sie ihm die Hand auf den Arm und lächelte. »Nochmals danke, dass Ihr mir das Leben gerettet habt, Hauptmann«, sagte sie, und diesmal lag genug Wärme in ihrer Stimme.
Der Bursche grinste sie doch tatsächlich unverschämt an! Die Gardistinnen starrten reglos geradeaus, sowohl jene, die sie draußen im Korridor sehen konnte, bevor sich die Tür hinter ihm schloss, als auch die, die drinnen stationiert waren, und als sich Elayne umdrehte, starrte Aviendha sie mit fast dem gleichen ausdruckslosen Blick an, den sie für Mellar übrig gehabt hatte. Es lag ein gewisses Gefühl darin: reines Erstaunen. Elayne seufzte.
Sie ging über den Teppich, beugte sich herunter und legte den Arm um ihre Schwester, dann sprach sie so leise, dass nur sie es hören konnte. Sie vertraute den Frauen ihrer Leibwache Dinge an, die sie sonst nur wenigen mitteilte, aber es gab einige Angelegenheiten, die sie ihnen nicht zu sagen wagte. »Ich sah eine vorbeigehende Dienerin, Aviendha. Dienerinnen klatschen noch mehr als Männer. Je mehr glauben, dass es Doilin Meilars Kind ist, desto ungefährdeter wird es sein. Falls nötig lasse ich mir von dem Mann sogar in den Hintern kneifen.«
»Ich verstehe«, sagte Aviendha langsam und betrachtete ihren Teller so aufmerksam, als würde sie etwas anderes als die Eier und Pflaumen sehen, die sie nun mit dem Löffel hin und her schob.
Meister Norry präsentierte seine gewöhnliche Mischung aus alltäglichem Palastbetrieb und Stadtleben, Einzelheiten aus seiner Korrespondenz mit ausländischen Hauptstädten und den Informationen von Kaufleuten und Bankiers und anderen Leuten, die außerhalb der Grenzen zu tun hatten, aber seine erste Neuigkeit war bei weitem die für Elayne wichtigste, wenn nicht sogar die interessanteste.
»Die beiden wichtigsten Bankiers der Stadt sind ... zugänglich geworden, meine Lady«, sagte er mit seiner staubtrockenen Stimme. Die Ledermappe an die Brust gedrückt, warf er Aviendha einen Seitenblick zu. Er hatte sich noch immer nicht an ihre Gegenwart bei seinen Berichten gewöhnt. Oder an die Leibwächterinnen. Aviendha fletschte die Zähne und er blinzelte und hustete dann in seine knochige Hand. »Meister Hoffley und Frau Andscale waren zuerst etwas ... zögerlich, aber sie kennen den Markt für Alaun genauso gut wie ich. Man kann zwar noch nicht mit Sicherheit sagen, dass ihre Schatzkammern nun die Euren sind, aber ich habe in die Wege geleitet, dass zwanzigtausend Goldkronen in die Schatzkammer des Palasts gebracht werden, und wenn nötig gibt es noch mehr.«
»Informiert die Lady Birgitte«, sagte Elayne und verbarg ihre Erleichterung. Birgitte hatte noch nicht genug Gardesoldaten in Dienst gestellt, um eine Stadt von der Größe Caemlyns verteidigen, geschweige denn etwas anderes tun zu können, aber vor dem Frühling waren keine Einkünfte von ihren Gütern zu erwarten, und die Söldner waren teuer. Jetzt würde sie die Männer nicht wegen mangelndem Gold verlieren, bevor Birgitte die nötigen Männer für ihren Ersatz rekrutieren konnte. »Weiter, Meister Norry.«
»Ich fürchte, den Abwasserkanälen muss eine hohe Priorität eingeräumt werden, meine Lady. Die Ratten vermehren sich in ihnen, als wäre es schon Frühling, und ...«
Er warf alles zusammen, so wie er es für wichtig hielt. Norry schien es als persönliche Niederlage aufzufassen, dass er immer noch nicht in Erfahrung gebracht hatte, wer Elenia und Naean befreit hatte, dabei war seit ihrer Rettung nicht mal eine ganze Woche verstrichen. Der Getreidepreis stieg in exorbitante Höhen, genau wie bei allen Lebensmitteln, und es war bereits abzusehen, dass die Reparaturen des Palastdaches länger dauern und teurer sein würden, als die Steinmetze veranschlagt hatten, aber Lebensmittel wurden immer teurer, während der Winter seinen Verlauf nahm, und Steinmetze kosteten immer mehr, als sie veranschlagt hatten. Norry räumte ein, dass die letzten Briefe aus Neu-Braem mehrere Tage alt waren, aber die Grenzländer waren anscheinend damit zufrieden, dort zu bleiben, wo sie waren, was er nicht verstehen konnte. Jedes Heer, vor allem eines, das angeblich so groß war, hätte das Umland mittlerweile völlig leerplündern müssen. Elayne verstand es auch nicht, aber sie war zufrieden, dass es so war. Gerüchte aus Cairhien, dass Aes Sedai Rand den Lehnseid schworen, gaben Egwenes Sorgen wenigstens einen Grund, obwohl es sehr unwahrscheinlich erschien, dass eine Schwester tatsächlich so etwas tat. Norrys Einschätzung zufolge war das die uninteressanteste Neuigkeit, aber Elayne sah das anders. Rand konnte es sich nicht leisten, sich die Schwestern um Egwene abspenstig zu machen. Er konnte es sich nicht leisten, sich überhaupt eine Aes Sedai abspenstig zu machen. Aber er schien immer wieder Möglichkeiten zu finden, es zu tun.