In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Elayne wechselte einen Blick mit Birgitte, die ebenfalls mit den Schultern zuckte, obwohl es in ihrem Fall weder aus Gleichgültigkeit noch Geringschätzung geschah. Elayne hatte gehofft, die Grenzländer gegen ihre Konkurrenten bei der Thronanwärterschaft ins Spiel bringen zu können, aber das größte Problem bestand darin, dass sie nicht wusste, wie sie als die Hohe Herrin von Trakand und Tochter-Erbin einer toten Königin etablierten Herrschern gegenübertreten sollte. Birgittes Schulterzucken besagte, sei dankbar, dass sich dieses Problem gelöst hat, aber Elayne fragte sich, wie die Leute aus den Grenzlanden etwas erfahren hatten, das nur ganz wenigen bekannt war. Und wenn sie es wussten, wie viele dann noch? Sie würde ihr ungeborenes Kind beschützen!
»Wärt Ihr bereit, unverzüglich zurückzureiten, Merilille?«, fragte sie. Die Schwester erklärte sich sofort einverstanden, und der Ausdruck in ihren Augen deutete an, dass sie jede Art von Gestank ertragen würde, wenn sie nur den Windsucherinnen noch eine Zeit lang aus dem Weg gehen konnte. »Dann reiten wir zusammen. Wenn sie sich bald mit mir treffen wollen, gibt es dafür keinen besseren Tag als heute.« Sie wussten zu viel, um das herauszuschieben. Nichts durfte ihr Kind bedrohen. Nichts!
27
Königinnen und Könige zu überraschen
Sie konnte natürlich nicht einfach verkünden, dass sie ging; das wäre zu einfach gewesen.
»Das ist nicht klug, Schwester«, sagte Aviendha unheilvoll, während Merilille loseilte, um sich frisch zu machen. Und wie sie sich beeilte; die Graue schien schon Ausschau nach dem Meervolk zu halten, bevor sie die Wohnzimmertür erreicht hatte. Wenn eine Schwester von Elaynes Stellung sagte, geh, dann ging Merilille. Elayne saß an ihrem Schreibpult, und Aviendha stand über sie gebeugt, die Arme verschränkt und das Schultertuch so um den Kopf geschlungen, dass sie wie eine Weise Frau aussah. »Das ist sogar alles andere als klug.«
»Klug?«, knurrte Birgitte und stemmte die Fäuste in die Hüften. »Klug? Das Mädchen wurde nicht wissen, was ›klug‹ ist, wenn es sie in die Nase beißt! Warum diese Eile? Lass Merilille tun, was diese Grauen am besten können, soll sie eine Unterredung in ein paar Tagen oder auch Wochen arrangieren. Königinnen hassen es, überrascht zu werden, und Könige verabscheuen es geradezu. Glaubt mir, ich weiß es aus eigener Erfahrung. Sie finden eine Möglichkeit, es dich bereuen zu lassen.« Der Behüterbund spiegelte ihre Wut und Enttäuschung wider.
»Ich will sie ja überraschen, Birgitte. Vielleicht hilft es mir ja herauszufinden, was sie alles über mich wissen.« Elayne verzog das Gesicht und schob das vollgekleckerte Blatt zur Seite und nahm ein neues aus dem Papierkästchen aus Rosenholz. Merililles Neuigkeiten hatten ihre Müdigkeit verscheucht, aber in klarer, sauberer Handschrift zu schreiben schien schwierig zu sein. Außerdem musste auch die Formulierung stimmen. Das sollte kein Brief von der Tochter-Erbin von Andor sein, sondern von Elayne Trakand, Aes Sedai der Grünen Ajah. Sie mussten das sehen, was sie wollte.
»Versuch du ihr, Verstand beizubringen, Aviendha«, murmelte Birgitte. »Und falls du es nicht schaffst, sollte ich schon mal damit anfangen, eine halbwegs anständige Eskorte zusammenzustellen.«
»Keine Eskorte, Birgitte. Nur du. Eine Aes Sedai und ihre Behüterin. Und Aviendha natürlich.« Elayne hielt beim Schreiben inne, um ihre Schwester anzulächeln, aber sie erwiderte das Lächeln nicht.
»Ich kenne deinen Mut, Elayne«, sagte Aviendha. »Ich bewundere deinen Mut. Aber selbst Sha'mad Conde weiß, wann es vorsichtig zu sein gilt!« Sie sprach von Vorsicht? Aviendha würde Vorsicht nicht mal dann erkennen, wenn sie sie ... nun, wenn sie sie in die Nase biss!
»Eine Aes Sedai und ihre Behüterin?«, rief Birgitte aus. »Ich habe dir gesagt, dass du nicht länger herumreisen kannst, um Abenteuer zu erleben!«
»Keine Eskorte«, sagte Elayne energisch und tauchte die Feder für den nächsten Versuch ein. »Das ist kein Abenteuer. Es ist nur die Art und Weise, wie es gemacht werden muss.« Birgitte warf die Hände in die Luft und knurrte ein paar Flüche, aber nichts davon war Elayne neu.
Zu ihrer Überraschung hatte Hauptmann Mellar keine Einwände dagegen, sie nicht zu begleiten. Ein Treffen mit vier Herrschern würde kaum so langweilig sein wie mit Kaufleuten, aber er bat darum, bleiben zu können und sich um seine Pflichten zu kümmern, da sie ihn nicht brauchte. Das kam ihr entgegen. Ein Hauptmann der Königlichen Garde würde nur dafür sorgen, dass die Grenzländer sie früher als die Tochter-Erbin betrachteten, als ihr recht war. Ganz zu schweigen davon, dass es Mellar möglicherweise in den Sinn kam, sie lüstern anzugrinsen.
Allerdings wurde Hauptmann Mellars Unbekümmertheit nicht vom Rest ihrer Leibwache geteilt. Eine der Gardistinnen war anscheinend auf dem schnellsten Wege zu Caseille gelaufen, denn die hoch gewachsene Arafelinerin kam in das Wohnzimmer gestürmt, noch während Elayne schrieb, und verlangte, sie mit der ganzen Leibwache zu begleiten. Birgitte musste ihr schließlich befehlen, den Raum zu verlassen, um ihre Proteste zu beenden.
Wenigstens dieses eine Mal schien Birgitte zu begreifen, dass sich Elayne nicht umstimmen lassen würde, darum ging sie mit Caseille, um sich umzuziehen. Nun, genau genommen stapfte sie fluchend davon und knallte die Tür hinter sich zu, aber wenigstens ging sie. Eigentlich hätte man annehmen können, es würde sie freuen, für kurze Zeit den Mantel des Generalhauptmanns ausziehen zu können, aber der Bund hätte genauso gut ein Echo ihrer Flüche sein können. Aviendha fluchte nicht, aber sie machte mit ihren Belehrungen weiter. Aber da alles in Windeseile geschehen musste, hatte Elayne eine Entschuldigung, sie zu ignorieren.
Essande wurde gerufen und fing an, passende Kleidung bereitzulegen, während Elayne hastig ihr Mittagessen etwas früher einnahm. Sie hatte nicht danach geschickt; darum hatte sich offensichtlich Aviendha gekümmert. Anscheinend hatte Monaelle gesagt, dass das Versäumen von Mahlzeiten genauso schlimm war, wie zu viel zu essen. Frau Harfor wurde davon in Kenntnis gesetzt, dass sie sich um die Glasmacher und auch die anderen Delegationen kümmern musste, und sie nickte zustimmend, jedoch nicht, ohne leicht die Stirn zu runzeln. Bevor sie ging, verkündete sie, dass sie Ziegen für den Palast gekauft hatte. Elayne musste Ziegenmilch trinken und zwar eine Menge davon. Careane stöhnte, als sie hörte, dass sie an diesem Abend die Windsucherinnen unterrichten musste, aber wenigstens sparte sie sich eine Bemerkung über Elaynes Speiseplan. Tatsächlich hoffte Elayne, bei Einbruch der Nacht wieder zurück im Palast zu sein, aber sie erwartete auch, so müde zu sein, als hätte sie diesen Unterricht erteilt. Vandene gab ihr auch keine Ratschläge, jedenfalls keine dieser Art. Elayne hatte im Rahmen ihres Schulunterrichts auch die Nationen an der Grenze zur Großen Fäule studiert und ihr Vorhaben mit der weißhaarigen Grünen besprochen, die die Grenzländer gut kannte, dennoch hätte sie Vandene nur zu gern mitgenommen. Jemand, der dort gelebt hatte, würde vielleicht Nuancen sehen, die ihr verborgen blieben. Aber sie wagte es nicht, mehr als nur ein paar hastige Fragen zu stellen, während Essande sie ankleidete, nur um sich ein paar der Dinge wieder ins Gedächtnis zurückzurufen, die Vandene ihr bereits erzählt hatte. Dabei wurde ihr klar, dass sie keine Ermutigung brauchte. Sie fühlte sich so konzentriert wie Birgitte, wenn diese einen Bogen spannte.
Schließlich musste man Reanne von dem Ort holen, an dem sie wieder damit beschäftigt war, einstige Sul'dam davon zu überzeugen, dass auch sie die Macht lenken konnten. Reanne hatte das Gewebe im Stallhof jeden Tag seit Merililles Aufbrach gewoben; sie konnte es mühelos an derselben Stelle im Braem-Wald öffnen. Im Palast gab es keine Karten dieser Gegend, die gut genug waren, dass Merilille die Position der Lager genau bestimmen konnte, und wenn Elayne oder Aviendha das Wegetor woben, öffnete es sich unter Umständen zehn oder noch mehr Meilen weiter von den Lagern entfernt statt auf der kleinen Lichtung, die Reanne kannte. Der Schneefall hatte kurz vor der Rückkehr der Grauen Schwester aufgehört, dennoch würden zehn Meilen in frisch gefallenem Schnee mindestens zwei weitere Stunden Ritt bedeuten. Elayne wollte das schnell erledigt wissen. Schnelligkeit. Jeder musste schnell handeln.