Die Dämonen
- Автор: Достоевский Федор Михайлович
- Язык: немецкий
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:
Das war ein seltsames Gerede. Wer konnte davon etwas begreifen? Ich fiel ihn von neuem mit Fragen an: ob Blümer allein gekommen sei? In wessen Auftrage? Mit welchem Rechte? Wie er sich habe erdreisten können? Was er zur Erklärung gesagt habe?
»Il était seul, bien seul; übrigens war auch noch jemand dans l'antichambre, oui, je m'en souviens, et puis ... Übrigens war wohl auch noch jemand da, und auf dem Flur stand ein Wächter. Wir müssen Nastasja danach fragen; die weiß all das am besten. J'étais surexcité, voyez-vous. Il parlait, il parlait ... un tas de choses; übrigens redete er nur sehr wenig; ich war eigentlich derjenige, der immer sprach ... Ich erzählte meine Lebensgeschichte, selbstverständlich nur von diesem Gesichtspunkte aus ... J'étais surexcité, mais digne, je vous l'assure. Übrigens fürchte ich, daß ich in Tränen ausgebrochen bin. Die Schubkarre hatten sie sich von dem Krämer nebenan geben lassen.«
»O Gott, wie ist das alles nur möglich gewesen! Aber ich bitte Sie um Gottes willen, teilen Sie mir die Sache noch genauer mit, Stepan Trofimowitsch; was Sie da erzählen, klingt ja wie ein Traum!«
»Cher, ich glaube selbst zu träumen ... Savez-vous! Il a prononcé le nom de Teliatnikoff, und ich glaube, daß dieser der war, der sich im Vorzimmer versteckt hielt. Ja, ich erinnere mich, er schlug mir vor, einige Bekannte als Bürgen zu stellen, etwa den Staatsanwalt und Dmitri Mitritsch ... der mir noch fünfzehn Rubel vom Whist schuldig ist, soit dit en passant. Enfin, je n'ai pas trop compris. Aber ich bin doch noch schlauer gewesen als er, und was habe ich auch mit Dmitri Mitritsch zu schaffen? Ich bat ihn sehr, die Sache geheimzuhalten; sehr dringend bat ich ihn darum; ich fürchte sogar, daß ich dabei meiner Würde etwas vergeben habe; comment croyez-vous? Enfin il a consenti ... Ja, ich erinnere mich, daß er selbst darum bat; er meinte, es werde am besten sein, die Sache geheimzuhalten, weil er nur gekommen sei, um sich dies und jenes ›anzusehen‹, et rien de plus, und weiter nichts ... und wenn nichts gefunden werde, so werde die Sache keine weiteren Folgen haben. So haben wir denn das Geschäft en amis beendet; je suis tout-à-fait content.«
»Aber ich bitte Sie, er hat Ihnen doch das in solchen Fällen übliche Verfahren vorgeschlagen, nämlich die Stellung von Bürgen, und Sie haben das selbst zurückgewiesen!« rief ich in freundlicher Entrüstung.
»Nein, es ist schon besser so ohne Bürgen. Wozu einen Skandal heraufbeschwören? Mag die Sache bis zu einem gewissen Zeitpunkt en amis bleiben ... Sie wissen, wenn man es in unserer Stadt erfährt ... mes ennemis ... et puis à quoi bon ce procureur, ce cochon de notre procureur, qui deux fois m'a manqué de politesse et qu'on a rossé à plaisir l'autre année chez cette charmante et belle Natalja Pawlowna,quand il se cacha dans son boudoir. Et puis, mon ami, widersprechen Sie mir nicht und entmutigen Sie mich nicht, ich bitte Sie dringend; denn es gibt nichts Unerträglicheres, als wenn ein Mensch unglücklich ist und ihm dann hundert Freunde nachweisen, wie dumm er gehandelt hat. Aber setzen Sie sich, und trinken Sie Tee; und ich muß gestehen, ich bin sehr müde ... wäre es nicht gut, wenn ich mich hinlegte und mir Essigumschläge um den Kopf machte? Was meinen Sie?«
»Unbedingt!« rief ich; »und nehmen Sie auch Eis dazu! Sie sind sehr angegriffen. Sie sehen blaß aus, und die Hände zittern Ihnen. Legen Sie sich hin, erholen Sie sich, und verschieben Sie die Fortsetzung Ihrer Erzählung eine Weile! Ich werde mich hier neben Sie setzen und warten.«
Er konnte sich noch nicht dazu entschließen, sich hinzulegen; aber ich bestand darauf. Nastasja brachte Essig in einer Tasse, und ich befeuchtete ein Handtuch und legte es ihm auf den Kopf. Dann stieg Nastasja auf einen Stuhl und zündete in der Ecke vor dem Heiligenbilde ein Lämpchen an. Ich bemerkte dies mit Verwunderung; ein Lämpchen war früher nie vorhanden gewesen, und jetzt war auf einmal eins da.
»Das habe ich vorhin angeordnet, gleich nachdem die Leute weggegangen waren,« murmelte Stepan Trofimowitsch, mich schlau anblickend; »quand on a de ces choses-là dans sa chambre et qu'on vient vous arrêter, so macht das Eindruck, und sie müssen dann melden, was sie gesehen haben ...«
Als Nastasja mit dem Lämpchen fertig war, stellte sie sich in die Tür, legte die rechte Handfläche gegen die Backe und begann, ihn mit weinerlicher Miene anzusehen.
»Eloignez-la unter irgendeinem Vorwande!« sagte er zu mir vom Sofa aus, indem er mir mit dem Kopfe einen Wink gab. »Ich kann diese russische Art des Bemitleidens nicht ausstehen, et puis ça m'embête.«
Aber sie ging von selbst fort. Ich bemerkte, daß er immer nach der Tür hinspähte und nach dem Vorzimmer hinhorchte.
»Il faut être prêt, voyez-vous,« sagte er, mich bedeutsam anblickend; »chaque moment ... können sie kommen, mich mitnehmen, und hui – ist ein Mensch verschwunden!«
»O Gott! Wer wird denn kommen? Wer wird Sie mitnehmen?«
»Voyez-vous, mon cher, ich habe ihn, als er wegging, geradezu gefragt, was man jetzt mit mir machen werde.«
»Sie hätten lieber fragen sollen, wohin man Sie verschicken werde!« rief ich mit demselben Unwillen wie kurz vorher.
»Das war ja auch der verborgene Sinn meiner Frage; aber er ging weg, ohne eine Antwort gegeben zu haben. Voyez-vous, was Wäsche, Kleidung, namentlich warme Kleidung anlangt, da werden sie schon nach eigenem Ermessen anordnen, was ich mitnehmen soll; oder aber man transportiert mich vielleicht auch in einem bloßen Soldatenmantel fort. Aber ich habe fünfunddreißig Rubel« (er ließ plötzlich die Stimme sinken und blickte besorgt nach der Tür, durch welche Nastasja hinausgegangen war) »heimlich in einen Riß in der Westentasche geschoben; hier, fühlen Sie einmal! ... Ich denke, die Weste werden sie mir nicht wegnehmen; zum Scheine aber habe ich sieben Rubel im Portemonnaie gelassen; ›das ist alles, was ich habe,‹ will ich sagen. Wissen Sie, hier auf dem Tische habe ich Kleingeld und Kupfergeld herumliegen lassen, so daß sie nicht auf den Gedanken kommen können, daß ich Geld versteckt habe, sondern denken werden, daß dies alles sei. Gott mag wissen, wo ich die nächste Nacht zubringen werde.«
Ich ließ den Kopf hängen bei diesem Nonsens. Offenbar war es ganz unmöglich, daß er so arretiert und durchsucht wurde, wie er das befürchtete; er war eben ganz verwirrt. Allerdings trug sich das alles damals noch vor Erlaß der jetzigen neuen Gesetze zu. Und allerdings war er, als man ihm (nach seiner eigenen Mitteilung) ein regelrechteres Verfahren vorgeschlagen hatte, »schlauer gewesen« und hatte es abgelehnt ... Gewiß konnte früher, das heißt noch vor kurzem, ein Gouverneur in ganz außerordentlichen Fällen auch ... Aber was konnte denn hier für ein solcher ganz außerordentlicher Fall vorliegen? Das machte mich ganz wirr.